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Gemeindeblatt der Israelitischen Gemeinde Frankfurt am Main · 1926-12-01 · 4 (12.1926) · page 1

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Journal
Gemeindeblatt der Israelitischen Gemeinde Frankfurt am Main
Volume
5 (1926-1927)
Issue
4 (12.1926)
Date
1926-12-01
Page
– (sequence 1)
Language
German
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Gemeindeblati devSsvaettttschen Gemeinde Sranskurt a^Maw Blatt unentgeltlich. Bezugspreis für NichtMitglieder 40 Pfg. für die Fahrgaste 14b. «mtlktbev Slttzeisev dev Gemeittdevevwaltttus 5. Jahrg. Frankfurt a. M, Dezember 1926 Ar. 4 „Der große Leuchter." Von Benno Elkan. Es ist für den bildenden Künstler kaum möglich, über sein Werk während der Arbeit zu sprechen, da die'Umgestaltung nebelist, dem nicht mit Verstandesmaßigem, weder von ihm noch gar von anderen beizukommen ist. Gilt dies gewißlich von einem werdenden Werk, dem Schöpfer selbst unklar und entfliehend, so aber auch ebenso vom fertigen. Denn alles, was er zu sagen hatte, hat er ja in ihm gesagt. Und was er dazu von seinen Gefühlen und Gedanken äußert, bleibt isoliert, solange es der Beschauer nicht selbst empfindet. Empfindet er es aber, wozu nochmals und mit dem gröberen Mittel des Wortes sagen, was ihm von dem stilleren der Form bereits gesagt worden? Verstand er es aber hier nicht, so wird er es auch Ein rechtes Werk der Plastik, nicht ein modellierter Gegenan sich, durch ihre Massen und Maße, -ihren Fluß und ihre Stauung, durch die Heftigkeit ihrer Auftriebe und die Wehmut des Abklangs. Ihnen nachzuschwingen, das allein ist Verstehen und unerschöpflicher Genuß. Dies zu beschreiben, unmöglich. Denn hieran, dem Wichtigsten, gemessen, ist der „Gegenstand" durchaus gleichgültig. Anders ist es, wenn im Bildwerk zu dem Ausdruck des rein Plastischen, das zum Kunstwerk selbst an jeder Stelle unerläßlich gehört, noch ein Erzählendes tritt, das heißt, wenn ein äußerlicher Vorgang mit bestimmtem Zweck dargestellt wird. Er hat an sich selbst mit der Kunst nichts zu tun, muß sie nicht hindern, wird es aber immer, wenn die rein plastischen Dinge nicht die wesensbildenden sind. Dies vorausgeschickt, wird man verstehen, warum es sich im folgenden nur um eine äußere Beschreibung handeln kann und daß ich es nur so für angezeigt halte, zu sprechen. Seit fünf Jahren arbeite ich, mit größeren Pausen, um immer wieder den Abstand zu gewinnen, der für eine ebenso komplizierte wie sachlich reiche Arbeit nötig ist, an einem großen Leuchter, der zwischen seinen Lichtern von vielen Gestalten der biblischen Geschichte angefüllt sein soll. Wie solche Vorstellungen und Wunschtriebe entstehen, bleibt unerkennbar. Vielleicht ist es ein unbewußter Ausfluß Her gesteigerten Selbstbesinnung des Judentums der letzten Jahre, der Stolz darüber, daß seine Wahrheit in dem Dunkel dieser Zeiten den alten ewigen Glanz erneut erwies und seine Anhänger mit neuer Festigkeit erfüllen könnt?. Erst heute, wie stets erst nach der Schaffung eines Kunstwerkes, kann man darüber Betrachtungen anstellen. Sein Ursprung und seine Schöpfung waren frei von der Lähmung der Neflektion. Nun wird die Arbeit, etwa in einem halben Jahre beendet sein, und es ist möglich, sich zu ihr zu äußern: Der Leuchter hat die alte uns vom Titusbogen her bekannte Grundform, das heißt, er hat einen mäßig hohen Fuß, von dem aus sich seitlich die Arme in die Fläche entfalten. Allerdings in der umgekehrten Haltung, indem, einem aufgeklappten Fächer gleich, die wagerechte Basis unten ist, und von ihren äußersten Punkten aus der Bogen nach der Höhe und von ihr wieder herabschwingt. Die Arme aber haben nun nicht etwa die geometrisch genauen, glatten Viertelsbogen des antiken Vorbildes, sondern zeigen ein vielverästeltes Ge- Boluten beschreibt, Brücken schlägt, Bögen zieht und zu Spitzen erhebt. In die Höhe sich verjüngend und nach den Seiten zielend, schweifen die Aeste aufwärts und wieder herab, stoßen vor und schnellen zurück, und obwohl eine scheinbare Wirrnis herrscht, ist doch alles ornamental geregelt. Man könnte meinen, es sei ein Baum, aber das ist es nicht. Oder es sei ein persisches Fenster. Auch das ist es nicht. Oder ein gotisches Gitter. Ebensowenig. ^Vielleicht ist^on^allem^ etwas darin. Da man stellung aussteigen zu lassen^ ^Die Gesamthöhe mit dem Fuß, der aus einer großen Platte wächst, ist zwei Meter, und die breiteste untere Ausladung des Gegitters ist etwas über zwei Meter. Dies ganze Geäst, die runden Bögen und die flachen Linien, die hängenden Kreise und die aufstrebenden Gipfel sind nun angefüllt mit zahlreichen biblischen Gestalten , di^e in ruhiger Haltung oder än ^belebtester Bewegung. Es sind zweiunddreißig von etwa 20 Zentimeter Höhe und über das dichte Gezweige ziehen sich zweiunddreißig Kerzen, die diesem Gebilde erst das endgültige Leben verleihen sollen. Das Ganze wird in Bronze gegossen, dunkelrotbraun patiniert und soll auf einem 60—80 Zentimeter hohen Sockel vor ruhigem Hintergrund aufgestellt werden. So ist die Gesamterscheinung des „Großen Leuchters", dessen Ziel es ist, ein Abbild der jüdisch-biblischen Vergangenheit derart zu geben, daß der Ueberblick über vieles Einzelne zugleich ein Symbol des ganzen Volkes tst. Daß bei der Ueberfülle der sagenhaften oder geschichtlichen Gestalten keine Vollständigkeit gegeben werden konnte, ist Wohl selbstverständlich^ daß war nicht eine Frage der Einstellung zu ihrer absoluten Bedeutung, sondern nur der Einschätzung als Harmoniebestand-- teile eines großen Akkordes und ihres rhythmischen Wertes im Auf und Ab der Melodie, die als Klangstimmung der Symphonie des Judentums in uns nachhallt. Wie wichtig und grundlegend daher die durch ihre Dokumente gestützten Gesetzgeber auch erscheinen mögen, es durfte daneben die formbildende Kraft der freien Erzählung nicht vernachlässigt werden. Und welch mächtige, vorausdeutende Gewalt man auch den Propheten in der Schöpfung der. Tatgeschichte einräumen mag, es läuft durch alle Zeiten stimmungshaft nebenher die lyrische oder symbolische Fabel. Um die Geschichte ranken die Geschichten. Ueber den Grabhügel wölben sich die Blütenzweige, und wenn am Sinai die Erde bebte und die Feuersäulen rauchten, so erklang Elia die göttliche Stimme im linden Säuseln. Wurde also die Wahl der Figuren nach dem Sinn ihres Anteils an der Unwägbarkeit mythischer Gestaltung getroffen, so war die Folge, daß sie auch in der Art ihrer Aufstellung, ebenso wie auf den Rang, so auch auf die historische Ordnung verzichten mußten. Bunt durcheinander wachsen sie aus dem Gezweige. So wie die

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