Gemeindeblatt der Israelitischen Gemeinde Frankfurt am Main
- Journal
- Gemeindeblatt der Israelitischen Gemeinde Frankfurt am Main
- Volume
- 5 (1926-1927)
- Issue
- 3 (10.1926)
- Date
- 1926-10-01
- Page
- – (sequence 18)
- Language
- German
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stellung im städtischen Schuldienst. Man verlangt von ihr die Taufe, -sie aber bleibt fest in dem angestammten Glauben. Nach mancherlei Enttäuschungen und Erniedrigungen erreicht sie endlich doch ihr Ziel. Das Buch veranschaulicht, welche großen Hindernisse sich trotz der verfassungsmäßigen Gleichberechtigung aller Staatsbürger auch in der Nachkriegszeit einem Juden, der den Volksschullehrerberuf erwählt, entgegenstellen. Dem deutschen Judentum bleibt noch viel zu tun übrig, um die Verwirklichung seiner gesetzlichen Rechte durchzusetzen. Der Philo-Verlacz hat sich dadurch, daß er die breite deutsche Öffentlichkeit mit dielen Rückständigkeiten wieder einmal bekannt gemacht hat, ein schätzenswertes Verdienst erworben. Dr. >Z. Luach 5687. Für die Gesellschaft für jüdische Volksbildung (e. V.), Frankfurt a. M., bearbeitet von Rabbiner Dr. G. Salzberger. Der rechtzeitig vor dem Neujahrsfest erschienene jüdische Kalender hat den besonderen Vorzug, daß er für den des Hebräischen Unkundigen bequem benutzbar ist. Alle wesentlichen Angaben kalendarischer Art sind a-uch in deutscher Sprache gegeben. Obendrein sind sie bereichert durch genaueste Mitteilung der Schriftlesungen für die Sabbate und Feste des Jahres. Die Feiertage werden noch in ihrem Sinn durch Hinweise auf ihre Bedeutung, ihre Riten und ihre Liturgie verdeutlicht- Eine ausführliche Einleitung gibt Aufschlüsse in gleicher Richtung. Da heute das Interesse am jüdischen Leben bei vielen wieder erwacht ist, die das jüdische Brauchtum gar nicht oder nur mangelhaft kennen, befriedigt dieser Kalender in Wahrheit ein vorhandenes starkes Bedürfnis. Möge er weiteste Verbreitung und regste Benutzung finden! ^. Z8 Stammbaum der Familie Guggenheim aus Worms. Eine ungemein reizvolle Publikation, wundervoll in der äußeren Ausstattung — Satz und Druck wurden von Heinrich Cramer in Offenbach a. Mbesorgt — und sinnig und wertvoll im Inhalt. Kein trockener Stammbaum mit Namen und Zahlen nur. Diese sind freilich da und auf sieben Blättern recht übersichtlich verteilt. Aber beigegeben sind einige interessante Familiendokumente. Vor allem das ganze Verzeichnis der aus der Hochzeit von Daniel und Sara Guggenheim von den Gästen gestifteten Geschenke. Welch ein anschauliches Kulturbild aus dem Jahre 1835! Für unsere heutigen Begriffe bescheiden, höchst bescheiden waren die Geschenke. Aber fast die ganze Gemeinde muß sich beteiligt Haben. Wo ist heute solche Genügsamkeit, wo dieses starke Gemeinschaftsgefühl?? Es ist kein Zufall, daß Menschen, getragen von derartigen Kräften, stärkste Lebensmacht besitzen. Daniel und Sara Guggenheim hatten das Fest ihrer eisernen Hochzeit gefeiert. Eines der Bilder, die -das Büchlein zieren, zeigt uns die beiden Alten. Aber sie selbst sind nur Prototyp der Familie, der sie angehören. Bis etwa in die Mitte des 16. Jahrhunderts läßt sie sich zAvückverfolgen. ,>Es ist dabei von besonderem Reize, daß das Leben dieser Familie sich innerhalb einer und derselben Stadt, der Stadt Worms, abspielt, so daß man hier an einem Beispiel die Verbundenheit solch einer jüdischen Familie nicht bloß mit der deutschen Landschaft überhaupt aufzeigen kann, sondern zugleich auch die Treue, mit der sie an einer Stadt hängen und in ihr ihren Lebenskreis vollenden/' Was höre ich doch in unserem lieben Deutschland von Heute sagen? „Der Jude ist niemals bodenständig!" Nun, hier ist für diese Behauptung der Nachweis des Gegenteils deutlichst erbracht. Dafür allein schon gebührt den Herausgebern und Bearbeitern der Schrift, Notar Dr. Siegfried Guggenheim und Rabbiner Dr. Dienemann, beide in Offenbach a. M., und Lehrer Samson Rothschild in Worms, besonderer Dank. Möge das Büchlein aber auch andere Familien zu gleichen Veröffentlichungen anspornen! Sie erweisen sich und der Allgemeinheit damit einen großen Dienst. Nur einige Exemplare des -Stammbaums gelangen zum Verkauf. I. K a u ff m a n n , Fr a n k f u r. t a. M.^ hat für diese den Verlag übernommen. ^.rnc>1<1 Ikarus. Felix A. Theilhaber: Jüdische Flieger im Weltkrieg. Berlin (Verlag der Schild) 1924. Jüdische Frontsoldaten aus Württemberg und Hohenzollern. Herausgegeben vom Württembergischen Landesverband des Zentralvereins deutscher Staatsbürger jüdischen Glaubens, Stuttgart 1926. Beide Bücher wollen die Vorurteile zerstreuen, die gegen die Teilnahme und Leistung deutscher Huden in den Reihen der deutschen Heere des Weltkrieges fortgesetzt gehegt und ausgesprochen werden. Man hat leider den Eindruck, als ob solche Mühe umsonst wäre. Die Ehrlichen wissen und anerkennen, wie sich jüdische Soldaten in unseren deutschen Armeen bewährt haben. Die große Masse derer, die das Andenken der gefallenen Juden schmäht, will ja gar nicht überzeugt sein. Wozu also die Herausgabe solcher Schriften? Doch, sie sind nötig! Wir rechnen damit, daß auch in Deutschland einmal die Wahrheit ihren Triumph erlebt oder wenigstens offen ihr Haupt erheben kann. Dann werden solche Veröffentlichungen erst zu ihrem vollen Recht kommen. Wir hoffen freilich, daß man sich dann in Deutschland schämen wird, durch Lügen und Entstellungen die Ehre treuer Söhne des Vaterlandes besudelt zu haben. Theilhaoers Buch, das bereits in zweiter Auflage erschienen ist, wird durch ein Geleitwort des Oberstleutnants a. D. und ehemaligen Inspekteurs der Fliegertruppen Siegert eingeführt, der ausdrücklich hervorhebt, daß die vorliegende Sammlung nur einen Bruchteil jüdischer Flieger umfaßt. „Schon dieser kleine Ausschnitt" erfüllt uns mit Bewunderung und Dankbarkeit für die tapferen Männer, deren Wirken, uns anschaulich dargestellt wird. Viele Bildbeigaben erhöhen die Lebendigkeit der Darbietungen. Für uns Frankfurter hat das Buch deshalb noch ein besonderes Interesse, weil dieser und jener, der aus unserer Gemeinde stammt, dort mit hoher Anerkennung erwähnt wird. Genannt sei nur als ein Beispiel der Dragonerleutnant der Reserve Ernst Adler, der Sohn unseres unvergeßlichen Direktor Geheimrat Dr. S. Adler. Auf Seite 85 wird dem „schneidigen Offizier und lieben Kameraden" die gebührende Anerkennung bezeugt, die dem leider Gefallenen in die Ewigkeit nachklingt. Auch die an zweiter Stelle genannte Schrift bringt einige Illustrationen, die Ehrendenkmäler auf den jüdischen Friedhösen Stuttgart, Heilbronn und Ulm darstellend. Der Text bietet eine ganz genaue Statistik der jüdischen Frontsoldaten aus Württemberg, und Hohenzollern, welche die Namen, Felttruppenteil, Dienstgrad,, Auszeichnungen, Bemerkungen über Verwundungen u. a. enthält. Das Gesamtergebnis dieser peinlich genauen Auszählung ist folgendes: Auf insgesamt 10 824 reichsdeutsche jüdische Einwohner Württembergs und Hohenzollerns entfallen 1674 Frontsoldaten, Von 1674 Frontsoldaten sind 270 gefallen, wurden 56S verwundet, 581 befördert, haben 1071 Frontauszeichnungen, darunter 581 mehrfache Frontauszeichnunqen erhalten. Diese Zusammenstellung ebenso wie die Namenskisten weist nur d:e jüdischen Frontsoldaten, keineswegs alle jüdischen Kriegsteilnehmer auf, deshalb ist auch jede Prozentberechnung unterblieben. Ehre dem Andenken der Männer, die für unser Vaterlandgestorben sind! Dank allen denen, die es unter Einsetzung ihrer Persönlichkeit verteidigt haben! Sie haben „den Weg der Treue gewählt". _ D. S. Notiz. Das in der vorigen Nummer angezeigte hebräische Spiel von „Abraham und die Götzenbilder" ist bei allen jüdischen Buchbändlern, sowie beim Herausgeber Dr. Erich Klibansky^ Breslau VIU, Clausewitzstraße 13, zum Preise von 50 Pfg. zu beziehen. 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