Gemeindeblatt der Israelitischen Gemeinde Frankfurt am Main
- Journal
- Gemeindeblatt der Israelitischen Gemeinde Frankfurt am Main
- Volume
- 5 (1926-1927)
- Issue
- 1-2 (9.1926)
- Date
- 1926-09-01
- Page
- – (sequence 1)
- Language
- German
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Gemeindeblatt devSlvaelttischen Gemeinde Kvankffuri a.Maw NichtMitglieder 40 Pfg. sttc die Ämtlkckev Sluzeisev dev Semeittdevevwalttttta 5. Zahrg. Frankfurt a. N., September 1926 Ar. 1/2 Fahrgässe!4b. Erdgeschoß. einem altjüdisc^en öul^eket Übei-ZetTt von Z. Keller. Uckrakt, o 8teize »^38 laut wir klenen. Vom Stamm in cke Twei'5e, ^38 nickt xesteken 5ie blü^n so sckön! Ivlaz 8ckeu 6er K6un6 Die Lüncle 8ckwin6e, I^ln6 seuk^t im stillen -- töne linäe Vei^ir/s? laK quillen ^us I-Iimmel8nön^n: In8 l-ier? 80 wunä Verxebunx! Ve.xeb^x! Du I^Iul6verleiner, 8ien! wie wir banden, Du Lckul6ver2einer k ^.uf unsern V^anxen Tu ckr empor (-lük'n keu und 8ckam, Äen^n unsere I^ie6er, Fien nickt cke Lün6e, Du ruke nieder l_Inä milä verküncle Dem öeterckor: ^lz ^ro8t im Oram ve.5-bl.n5! Ver^ebun^! In n-k-ten k-lu.-n tt.lf, nilf, 8^re! I>al) all vermuten 0 8ien cke Tänre Mt jänem 8rui-2 Im feuckten klick! Die wilclen triebe. Druck un6 kein Tnäe! 8prick uns Tu Rietze 0 wenäe, wenäe Km Wörtlein kur^: Das k?luck5e8ckiek - Verleb unx! Ver^ebuns! Vom Voll-, vom 5-t-n, kasck wie, 6ie Wolke I^Ia8t 6u erkalten I.ak deinem Volke Den karxen kest,- Vorüber Kien'n, ^8 t?ekt, cke t^er^en Die Lckul6, 6a8 Llenä In l?itter'n 8ckmer-M I^ln6 neul)eseelen6 Von j^ei6 Fepre^t : 8anft nieder-iet/n Ver5eoun5! Ver5el,un5. Ser Jahresanfang. Von Gemeinderabbiner Dr. G. Salzberger. Nichts mahnt uns so eindringlich an den Kreislauf des Daseins wie der Jahreswechsel. Was da wechselt, ist nur die Ziffer einer von menschlicher Willkür gesetzten Zählung; die Wirklichkeit kennt nur eine Wiederholung des natürlichen Zeitenablaufs auf unserm Gestirn. Zwar der Mensch bleibt nicht derselbe; er wird älter an Jahren, erfahrener und reifer, großen Gesetzen" seines Daseins Kreis vollenden.^ „Ein Geschlecht geht und ein Geschlecht kommt, und die Erde bleibt Dort aber erst beginnt Religion, wo dem Menschen die Möglichkeit gezeigt wird, von der eisernen Umklammerung der Notwendigkeit frei zu werden. Wo diese Möglichkeit liegt? In dem Zerdenken der Welt bis zur Auflösung des individuellen Lebens, sagt der Buddha. In einem Akt göttlicher Gnade, die dem Rechtgläubigen zuteil wird, sagt das Christentum. In der freien Tat der Selbstläuterung des Menschen, vor dem Moigen, lehrt die jüdische^ Religion. Sie ist es, die Grunde gut bleibt, daß er irren, aber auch sich wiederfinden, daß er aus^ eigener Kraft dank seiner Gottges^affenheit sich Der Beginn eines neuen äußeren Zeitabschnitts kann und soll dem Juden erst recht ein „Neubruch" für den inneren Menschen werden; und es ist bedeutsam, daß der Stamm des gleichen Wortes unserer heiligen Sprache „wiederholen" und „ver- Das Wann des Jahresanfangs bei den verschiedenen Völkern und Religionen mag zufällig sein; es macht keinen wesentlichen Unterschied, ob man hen Kreis vom Frühling oder vom Herbst laufen läßt: auch der jüdische Kalender kennt einen doppelten Beginn. Aber das Wie gibt Aufschluß über Lebensauffassung und Weltanschauung. Es ist kein Anfang würdiger und weihevoller zu denken, als der des religiösen Jahres unserer Gemeinschaft. Er erfaßt den in den Strom der Zeit geworfenen Menschen und trägt ihn ans Ufer und weist ihn den ewigen Weg. Mehr noch; er läßt ihn diesen Weg gehen, zehn Tage lang, eben die ersten zehn Tage des Jahres, die sogen. Bußtage, die mit dem Neujahrsfeste, dem „Haupt" und „Gipfel" des Jahres, anheben und mit dem noch höheren Gipfel des Bcrsöhnungstages ihren Abschluß erreichen. Deshalb ist es nicht richtig, wie es meist geschieht, die beiden hohen Feiertage für sich zu betrachten und die zwischen ihnen liegende Zeit als Pause oder als künstliche Brücke anzusehen: sie sind vielmehr die beiden Enden der Bußzeit. Das Wort Buße ist eine mangelhafte und leicht irreführende Übersetzung des hebräischen „tssebu^o", das über diesen zehn Tagen geschrieben steht. Nicht an Bußübungen, an selbstquälerische Kasteiungen, auch nicht einmal (trotz des Versöhuungstages) an Fasten ist dabei gedacht, sondern an einen durchaus innerlichen Vorgang, der sich in der Seele des Menschen, in seinem Denken, Fühlen und Wollet!, vollziehen muß. lesebrnvo läßt sich überhaupt nicht durch e i n deutsches Wort wiedergeben, sondern allenfalls durch drei Worte sich umschreiben: Einkehr, Umkehr und Rüc^kehr. Unsere Religion lehrt nicht einen Standpunkt, auf dem man stehen müsse, auch nicht ein Ziel, das man erreichen müsse, sondern einen