Gemeindeblatt der Israelitischen Gemeinde Frankfurt am Main
- Journal
- Gemeindeblatt der Israelitischen Gemeinde Frankfurt am Main
- Volume
- 4 (1925-1926)
- Issue
- 11 (7.1926)
- Date
- 1926-07-01
- Page
- – (sequence 11)
- Language
- German
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''V»'»''^"»^'»-»»^- l-I. ^-M^.^-> ll Vaaiel August Sorms. Getoren am 2- Februar 18S4. gestorben am 9. Zun!!92S. Nach längerem Leiben verschied unerwuric! Vad-Hümdurg, wo er sich zur Erholung aufhielt, der langjährige Geneindesekretär i R^ Herr Daniel August,Worms. Er war der letzte Sproß rincr bis zum Jahre 1643 in Frankfurt a. M. nachweisbaren Familie. Mit ihm ist ein Stück Frankfurter Lokalgeschichte und ein Vertreter der guten, alten Zeit zu Grabe gegangen. Freier Reichsstädter von Geburt, hat er in seiner Jugend noch den frischen Odem der Freiheit eingesogen, der von dem ersten deutschen Parlament in der Paulskirche ausgegangen war. Er kannte sowohl aus eigenem Erleben, als aus den frischen Eindrücken im Elternhause alle die epochemachenden Ereignisse, welche sich in Frankfurt um die Mitte de« 19. Jahrhundert» vollz gen. Er war Augenzeuge, als an jenem denkwürdigen 16 Juli li^i General Vogel von Falkenstein an der Spitze seiner Truppen durch das Allerheiligentor in Frankfurt einzog, und hat. wie jeder echte Frankfurter, keinen Hehl daraus gemacht, daß dieser Tag für ihn ein schwarzer war. Daniel August Worms war .alter Frankfurter". Er kannte jeden Winkel der in seiner Jugend noch kaum über die Anlagen hinausgewachsenen Stadt. Er hat die I dengasse noch erlebt und den Pulsschlag des jüdischen Eigenwesens, das ihm aus dieser Gasse mit seinem heimlichen Reiz entgcgenquoll. noch gespürt. Er wußte alle die längst verschwundenen Häuser und Plätze, die der Schauplatz der Geschichte früherer Zeiten waren, und verkörperte, wie er es vermochte, dies alles in der Erzählung wiedererstehen zu lassen, die Tradition. Für die Frankfurter jüdische Familiensorschung war Worms anerkannte Autorität und Quelle schlechthin Es gibt keine der bedeutenderen Frankfurter jüdischen Familien, deren Stammbaum er nicht studiert und aufgezeichnet hätte. Von ltteÄ bis 1921 stand er im Mittelpunkt der Verwaltung der Frankfurter Gemeinde neben seinem Freunde, dem verstorbenen Syndikus Iuftizrat Dr. Berthold Buer. Er war Zeuge ihres beispiellosen religiösen und sozialen Aufschwungs, zu dem er durch klugen Rat und hingebungsvolle Arbeit wesentlich beigetragen hat, und er sah den Zusammenbruch nach Krieg und Inflation.. Seine Glanzzeit waren die Jahre 1900 bis 1M4. Jahre rüstigsten Schaffens und freudigster Hoffnung, mit ihren durch stärkste Bautätigkeit < Schule. Synagoge. Krankenhaus) gesteigerten Anforderungen. Als es galt, für die Einrichtung dieser Bauten Mittel zu beschaffen, war Daniel August Worms infolge seiner ausgezeichneten Personalkcnntnis der gegebene Organisator dieser Tätigkeit. Hervorragendes hat er in di j>r Hinsicht für das vornehmste Institut der Gemeinde, das Krankenhaus, geleistet, indem er selbst die ehemaligen Frankfurter in Paris und London aufgesucht und eine große Spendensumme von seiner Reise mitgebracht hat. Daß die Gemeinde durch die Freigebigkeit der Familie von Rothschild in deren früherem Geschäilshaufe ein eigenes Gemeindehaus und eine würdige Unterkunft für ihre Verwaltung nunmehr b.sitit. oerdankt sie der An- »egutig Dan!»» August Worms. Der Verstorbene hat über den Rahmen seiner beruflichen Ausgaben hinaus eine segensreiche soziale Tätigkeit entfaltet. Er war jahrzehntelang Vorstandsmitglied der verschiedensten Wohlfahrtsanstalten. Die Kuranstalten in Soden und Nordrach. der Verein zur Bekleidung t»raelltisch«r Knaben und Mädchen, die Israelitische Männeru»d Fcaucnkrankrnkasie. die Her?. Markus und H->--" Oppenhetmer'sche Stiftung u. a. verlieren in ihm einen geschälten Mitarbeiter. Mit ihnen trauert die Gemeindeverwaltung um einen schweren Verlust. Sie wird das Andenken de» um die Gemeinde hochverdienten Mannes in Ehren halten. I.M. Stricht de, Vereine, Vervfsberawng und NrbettSnachwrit für Juden e. V. ^Frankfurt a. M.. Langestraße A). Fernsprecher Hansa W72 Die Arbeit des Vereines Burufsberatung und Arbeitsnachweis für Juden, erstreckt sich auf!. Arbeitsvermittlung. 2. Berufsberatung. 3. Lehrstellenvermittlung. 4. Lehrlinassilrsorae. 5. Bcrussumsch'.chtung. Die Arbeitsvermittlung zerfällt wiederum in 1. Vermittlung ortsansässtscher Stellenloser jeden Berufe«. 2. Vermittlung Stellensuchcnder aus dem Bezirk Hessen, Hessen-Nassau und Waldeck. ll. Zusammenarbeit mit der Beratungsstelle für jüdische Durchwanderer und Hilssoercin. Diese besteht in der Vermittlung von Arbeitsstellen für Durchwanderer, und in Fahrkarten, die die Beratungstelle uns zur Beförderung der nach auswärts Vermittelten zur Bcrsliaung stellt. Die Arbeitsvermittlung gehört heute zu den schivcrstki: Gcvirte:'. der sozialen Arbeit. Sie gewihrlrislel jedoch die produktivste Abhilfe der sozialen Notstände, die sonst nur durch die -.'.'Uttel der jüdischen Wohlfahrtsvereinc und der Israelitischen Gemeinde gemildert werden können. Die allgemeine wirtschaftliche Not und die herrschende Arbeitslosigkeit hatten zur Folac. das«, sich unsere Arbeit in dem letzten Jahre außerordentlich verarös.ert hat Dazu kommt die einseitige Bcrussschichtung uiiscrcr Glaubensgenossen. Der größte Prozentsatz der bei uns uemcldetcn Arbritssuchentien kommt aus dem Handelsstand. Bekanntlich wurde zuerst im Banksach. dann in allen übrig».n Branchen stark abgebaut. Besonders hart wurden die jüdischen Angestellten betroffen, die den Sabbath halten und die Ausländer, die die deutsche Sprache nicht vollkommen beherrschen Wir hatten im Jahre l!»^5» aus dem Kaufmännischen Bcrus Uli Stellen-rsuche und 11<> Beriniltliliiarn. Wahrend also Ende l!»^.'» noch «4 Stellei'acsuchc vorlaut», stieg die Zahl schon während des Monats Januar l!^>> rapid ans l»4 Stellen suchende. Die Arbeitslosigkeit im Handmerk mar im letzten Jahre prozentual gering. Zwar log bereits die 5.'rder-, Zigarren und Zigarcttenindustrie schwer danieder, doch konnten Schneider. Schuhmacher. Bäcker, Mctzaer und die anderen Handwerker immer wieder in Stellen vermittelt werden. Es lagen im Jahre l'.»^.',!'^7 Meldungen von Stellensuchenden vor. von welchen >>! vcriiiitlclt wurden. Auch hier wuchs die Zahl der Meldungen im Januar l'<5j von 44 auf t>!. Erschreckend groß ist die Zahl unserer ungelernten Arbeiter. Sie oerurvßert sich durch das Hinzukommen der schlechtiiualifizierten Arbeitskräite aus allen gelernten Berufen. Bicljach gelang es uns. auch diese Lrut« a!» Pumrr, Au-laufer. Bauhilisardritcr z B. bei de» Ark-it-n »er «n"i,in-,-. II"»-' - >,«n «<F< Ber- ^r K'Ä ^IZ 1^ i? l Ä Z?5^M^>,^^^,F-^ ff ,^s---^„ 1^