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Gemeindeblatt der Israelitischen Gemeinde Frankfurt am Main · 1926-04-01 · 8 (4.1926) · page 8

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Journal
Gemeindeblatt der Israelitischen Gemeinde Frankfurt am Main
Volume
4 (1925-1926)
Issue
8 (4.1926)
Date
1926-04-01
Page
– (sequence 8)
Language
German
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und — leidet. Ih« tritt der alte Rabbi gegenüber, der erkennt, datz Rastatt« Hak gerade der stärkste Schrei um Liebe ist. Well Rastatt s» arm ist. deshalb bedarf er der Erlösung am meisten. Tie aber kommt nicht von außen, nicht osa oben, sie liegt hier ans dieser Erde, sie muß vom Menschen selber in Liebe und Erbarmen erfolgen, dadurch, daß er an das Gute in den anderen glaubt und diese» Gute liebt. Aus diesem liebenden Erbarmen «uß die.Gemeinschaft zur frohen Erfüllung ihrer gemeinsamen Ausgaben kommen. Hier ist der Rabbi weder Jude noch Christ »och Heide, sondern schlechthin Mensch! Gott jagt sein Volk da» sich von ihm auserwählt glaubt, am allermeisten, damit e» am tiefsten sein Menschentum erkenne und bewähre. Hinter dieser Erkenntnis de« Rabbi taucht doch zwangsläufig die Verkündung der l großen Wahrheit auf, dag e« doch die Menschen selbst sind, die sich so grausam jagen und einen Sinn in diese Jagd mit der Zu- - flacht zum höheren Wesen brachten. Der Jüngling Slastali opfert sich für die Gemeinde, al» der Kosakengeneral vor der Türe der j Synagoge ein Loskaufopfer zum Steinigen verlangt. Er kann > sich aber erst opfern, für die anderen, er kann rrft den Inhal!! seiner Religion erfüllen, er kann erst »ür alle« Menschliche und! Göttliche sich selbst zum Opfer bringen, nachdem er ganz Mensch geworden ist. Als erlöster Mensch stirbt er unter den «lernen der Kosaken. Der Rabbi aber verkündet: »Der Erlöser war wahrhast unter un«." Und über die kleine Gemeinde hinweg führt der Dichter und Kämpfer Emil Bernhard, der wegsuchende jüdische Denker, die Beschauer zu den Quellen ihre» Menschentum» zurück, da» durch Krieg und Fanatismus, durch Konsessionelle Wormeln und Programme von jeher verschüttet wurde. Hier liegt das spezifisch jüdische Problem offen zutage. Das starre Formeltum, das Trennen jde» irdischen vom überirdischen Erlösungsproblem durch ein nur rituelle» Warten auf den überirdischen Erlöser: Birgt da« nicht das Vorbeigehen an den tiefsten »enschlichen Werten? Wenn selbst der Rabbi den menschlichen Sieger als den Erlöser bezeichnet, »wie weicht er dann doch ab von einer Auffassung, die den irdischen Problemen unllberstcigliche Schranken ziehen will. 'Die Christen hatten ihren ^Erlöser und blieben menschlich unerlöst: der kleine jüdische Mensch, dessen Konfession stets noch auf den Erlöser wartet, erlöst sich selbst und erfüllt die höchste Menschenausgabe. Er stirbt mit den Worten der Thora aus den Lippen, diesen Worten, die ihm wieder heiligster Stnn einer erkenntnisbereichertcn Lebensaufgabe geworden sind — und kehrt damit zur Quelle der Kraft 'jeder Religion zurück, zu ihrer lebendigen Beziehung fzum Menschen. Die Menschen aber beharren mitsamt ihren Konfessionen in ihren engen geistigen Zirkeln, in ihren ^niedrigen, das Elend und Unheil schaffenden j Trieben, ohne die Kraft zur wirklichen verstehenden und erbarj «enden Lieb« zu finden. Da» ist da» innere Erlebnis dieses fDramas. Der Dichter pflückt mit seiner dramatischen Form «ine reise Arucht der drama- I tischen Entwicklung/ nach dem Kriege. Er wendet.sich an die nicht- - jüdischen Menschen aller Völker und zeigt thnen die geistige Ausgade seiner Glaubensgenossen. Diesen aber gibt er mit der Ausgabe eine Lösung, von deren Reife und Ernte die Menschheit einen großen Segen empfangen wird. Sie Selämpfung des Antisemitismus au Hochschulen und höheren Lehranstalten. Boa Dr. Vavtd S«t«««>. Al« der Prophet Elisa, so berichtet uns das 2. Buch der Könige, »ach Jericho kam. da sprachen die Leute der Stadt zu ihm: .Hier ist gut sein; aber da» Wasser ist von verderblicher, ja t-iddriiiaender Wirkung." Da sagte der Prophet: »Bringet mir eine schale voll Satz!' Und man brachte ih« eine Schale mit Salz. Und er uing hinaus an die Wasserqurlle und warf das Salz hinein und sprach: .So spricht der Ewiae: Ich heile diesen Wasserquell: nicht sott mehr Tod und Verderben von ihm ausgehen!' Auch wir können von unserem Baterlande sagen: »Hier ist gut fein: aber es gibt eine Quelle in unserem Lande, die Quelle der Wiszenschast, Hochschule und höhere Lehranstalt, die von dem verheerende,! Geiste des Jude>cha>ies innren ist und die deutsche Zugend und somit die deutsche Volksseele vergiftet. Wo ist nun die Schale mit dem Salz, mittel» deffe» wir die getrübte Quelle in eisen reine», lautereu Getstesquel. u«z«wa»-> deln vermögen? Ich will im solaendea auk da» Salz tiefgründige», vorurteilslosen und überzeugende» Wissen» hinweisen, da» de« Schade» heilen kann. Wohl ist für die innere Mission des Judentum» manche» geschehen. Es hat an belehrenden, packenden Vorträgen nicht gefehlt, und man hat auch den Stammesgenossen in den L^ndgemri'ide» in Form von jüdischen Voiksdibliotzeken geistige und see ische Nahrung gereicht. Auch von Kanzeln und Rednerpulten ist die hohe Wertung des Judentum, und seiner Lehren turch den Must» berufener Prediger und Wortführer oft und eindringlich gekündet worden. Aber die, zu denen gesprochen wur»e, waren in ihrer überwiegenden Mehrheit Juden, wie auch fast nur Juden die Werke von jüdischem Gelehrten erstanden und lasen. Wie hätte e» sanft s-in könn-n, das; in unsere,» fortgeschrittenen Zeitalter in weiten Kreisen unserer christlichen Mitbürger eine so unglaubliche Unkenntnis, wenn nicht gar Geringichätzung des heiligen Erbes, das wir durch die Zeiten tragen, PlaH gegriffen hat. drß wir nicht nur bei dem ungedildeien Teile unserer deutschen Volksgenossen, ssndern auch in den geistig höherstehenden Schichten eine völlig sa'sche Einstcllunz zur jüdischen Religion und allen Fragen des jüdischen Leben» fenstellen müssen, uns daß vielfach ge.ade da. wo tiefgründige, unvoreingenommene Wissenschaft eine Stätte haben sollte, tn Hochschulen und höheren Lehranstalten, die Quellen mißverstandenen Judentums zu suchen sind? Wie ist da; möglich? Wer selbst zu den Füßen christlicher Theologen und Wissenschaftler gesessen hat, ist um die Antwort nicht verlegen; er hat mit erschreckender Deutlichkeit wahrgenommen, wie an und für sich ausgezeichnete Meister ihres Fache? sich von dem Milieu, in da» da» Leben sie als Kind uns Jüngling hineingestellt, nie ganz freimachen konnten, so das, sie jüdische F'ao-n nur durch yi? Briü? religiüsen und parteipolitischen Vorurteils zu setzen und dement» sprechend zu behandeln vermögen. Dazu kommt, daß der Büchermarkt mit Tausenden von Schriften überschwemmt wird, die ein Zerrbild der jüdischen Religion und ihrer Bekenner birtcn. Aber, wenngleich es ein Unglück für uns ist, daß viele führende Geister des deutschen Volkes die Juden nur nach böswilligen Berichten und altererbten verschrobenen Anschauungen kennen und daß sie oft nicht eines der trefflichen Werke jüdischer oder vorurtetl«.loler christlicher Meister aus Vergangenheit und Gegenwart gelesen haben, so sind wir — zur Ehre der deutschen Wissenfctast sei e» gesagt — doch zu der Annahme berechtigt, daß Werke, die mit wissenschaftlicher Gründ'ichkeit und religiöser Wärme die Lehren des Judentums darstellen, auf den denkenden nichtjüdischen Lrsir eines bedeutenden Eindrucks nicht verfehlen. Ich hatte', um nur ein Bnspiel anzugeben, einem der besten Köpfe an einer höheren Lehranstalt „Das pharisäische Judenrum" von dem englischen Geistlichen Travers Herford geliehen. Ilach einiger Zeit gab der christliche Kollege mir das Bucd zu,ück mit dem Bemerken, er habe sein Urteil über die Pharisäer e-ner gründlichen Revision unterzogen und sche ein, dag der landläufige Gebrauch des Wortes „Pharisäer" «in grundfalscher sei. Wie wichtig ist es nun. daß dieser Jugenderzieher, der dauernd den deutschen und den Geschichtsunterricht in den Oderklasirn erteilt und somit in der Lage ist, auf die Gesinnung künsti zer Führer des deutschen Volke» in dervorraienvem Maße einzuwirken, selbst ein richtiges Urteil über das Judentum ceminnl. Der Erzieher hat die Jugend und dam t die Zuiunst tn der Han> Daß ich noch anderen christlichen Kollegen Werke wie: .Da» Wesen de» Judentum»' von L. Baerk, »Das Judentum" oo» dem chrisll chen Münchener Arzt I. W-igl. »Die Lehren des Judentums' (große Ausgabe), .Zeitfragen im L'chte de» Judentums' von I- H'inemann. die Werke übe? Rasseu«unde von Friedrich Herß und Fritz Kahn mit demselben Erfolg geliehe» habe, (desgleichen einer meiner Freunde .Die Blut-inKlage und die sonstigen miNela.terlichrn Beschuldigungen der Juden' von D Ehwolson), sei hier nur beiläufig erwähnt. So wirkungsvoll da» Uederlassen derartiger Bücher nun auch ist, und od auch o^'m E-mraloerein. von der Großloae <U O.B B> und anderen Organisationen einer Anzahl von Peisanitchkeite» Bücher übergeben worden sind, gründlicher Wandel dann nur geschaffen werden, wenn ein Zua in» Große tn diese Sache hineinkommt. Tausende von Exemplaren genannter und nicht genannter wertvoller Werke, die geeignet sind, da» Judentum in» rechte Licht zu seilen, müßte» von opferwilligen Glaudensdrüder.i, Loaen, jüdischen Gemeinden. Bereinen ui-.d Institut onen angekauit Ut'.d grut'.s an christlich« Männer der Wissenschaft versar-dt oder Rabbinern und jüdischen Lehrern zur unentgeltlichen Weitergade an ihnen befreundete christliche Kollegeii überreizt we'den^ Das müßte naiüriich ,n äußerst tak voller Weise geschehen: jede Bor- und Ausoringlichkcit wäre von Uedel. Mein pveiter Vorschlag geht dahin, »u den^Zerstellungskosten a »aezcichnetcr in Betracht kommender Werke einen so erheblichen Beitraa »u leisten, da^ sie um einen «ringen Prei» zu erstehe» Forlsezuag auf Seite l<>.

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