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Gemeindeblatt der Israelitischen Gemeinde Frankfurt am Main · 1926-04-01 · 8 (4.1926) · page 4

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Journal
Gemeindeblatt der Israelitischen Gemeinde Frankfurt am Main
Volume
4 (1925-1926)
Issue
8 (4.1926)
Date
1926-04-01
Page
– (sequence 4)
Language
German
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7Z0 Dollar« berechnet. In Palästina werden sie »ebendeigesagt auf 1000—1500 englische Pfund pro Famvir geschätzt. Im ersten Aahr sollten aber nicht mehr als Ä» Dollars ausgegeben werde». ISO Dollar« hiervon waren von den Interefseuten selber aufzu- " bringen. IM Dollar» lieh die Regierung teil» in bar, teile in Sachwerten, und die restlichen 250 gab der Agro-Joint her. Im Gebiet von Kherson waren also N000 Desfiatinen Lande» den neuen Kolonisten zugeteilt. Man beabsichtigte, 20 Flecken zu gründen und darin 1500 Familien mit «4<» Personen in «9 Gruppen anzusiedeln. Jede Familie erhielt durchschnittlich 15 Dessiatinen Land ohne da» Weideland, da» die Eigenschaft von Gemeineigentum erhielt. Wa» die Krim angeht, so waren für sie 275 Familie» mit 1S00 Köpfen eingeschrieben. Jede Familie erhält hier 2» Dessiatinen im Durchschnitt ausser dem Gemeindeweideland. Wie vorhin erwähnt, ergab die vom Komset in Weißrußland veranstaltete Ausnahme eine grobe Anzahl Familten, die zwar Ackerbau zu treiben gewillt waren, aber Weißrußland nicht „er» lassen wollten. Obwohl in Weißrußland verhältnismäßig nur sehr wenig freies Land vorhanden ist, hat der weißrussische wamset dennoch in den Gouvernement« Minsk und Hömel mehrere tausend Dessiatinen Land für die jüdischen Lauern reserviert. Ungefähr U00 Familien aus Städte» und Flecken haben sich auf diesen Ländeleten niedergelassen. Die Anteilnahme der Regierung an dem neueil Kolonisationswerk läßt sich kurz dahin zufainmenfassen, daß sie vermittels einer Aegterungsdoimnisfion, eben de» wamset, den neuen Kolonisten ihren Beistand leistet, der im wesentlichen und tn erster Linie daritt besteht, da» ihnen unentgeltlich Land zugeteilt wird Daneben gewährt die Regierung Ermässigungen aus die Etsenvahntarise sür die Beförderung von Personen und Materialien nach den Anfiedlungsstätten In geeignete,» Fällen läßt sie den neuen Kolonisten Kredit« durch die Staatsbank und dte Landwlrtschastsbank gewähren. De» weiteren verteilt der Komset Saatgut und Bauholz je nach Lage de» Fall« gratis oder zu Vorzugspreisen. Endlich ist dem Komset von der Sowjetregierung ein Betrag von «vom Rubel zur Gewährung von Baardarlehen an die Ansiedler zur Bersiigung gestellt. Bis zum Oktober lv25 betrug die Zahl der neuangesiedelten Familien etwa 4000, und zwar sind vom Agro-Joint tn der Gegend von Kherson und in der Krim 2000, von der Ica in ihren alten Kolonien 000 700. weiter tn der Krim in Gruppen 300 und in der Gegend von Odessa und in Weißrußland 14«) Familten installiert. Diese Zahle,» genügen natürlich den Initiatoren de» Werkes bei tveitem nicht. Der Komset beabsichtigt, tin Lause der nächsten Jahre Zehntausende jüdischer Familien auf da» Land zu oerbringen; er spricht von hunderttausend Familien im ganzen und von 10000 mindesten« pro Jahr. Ebenso plant der Agro-Joint die Ansiedlung in riesenhaftem Au»maße, sofern der eben im Gang befindliche .Drive' in Amerika da« gewollte Resultat von 15 Million Dollar« erreicht. Die erforderlichen Ländereten glaubt der Komset leicht beschaffen zu können. Nack ihm wären noch 10000 Desfiatinen in der Ukraine und?SV0 Dessiatinen in der Krim verfügbar; auch konnte tn der Wolgagegend und im Nordkauko.su« geeignete« Ansiedlungsland jüdischen Ansiedlern hergegeben werden. Dabei brauchten die Interessen der russischen Bauern tn keiner Weise verlr»t zu werden, sodaß Zwischenfälle von dieser Lette nicht z« befürchten wären. Wa» dem Komset aber Sorge «acht, da» ist die Finanzierung»- frage. Im Augenblick kann «r nur auf den Agro-Joint und auf die Ica rechne«, welch letztere vor einigen Monaten mit der Sow^. regierung tn ähnlicher Weise wie der Agro-Iolnt ein Abkommen getroffen hat. Steuerding, hat auch der Berliner .Ort' seine Beteiligung an dem groben Kolonisationswerk zugesagt und eine, allerding« verhältnismäßig unbedeutend« Summe — man spricht von 75000 Dollar» au» seinen amerikanischen Sammlungen herzugeben sich bereit erklärt. Di« Regierung selber aber erklärt sich außer Stande, wettere irgendwie beträchtliche Mittel zu assignieren. Da ist denn Herr Bragln wieder auf den Plan getreten und hat mit Genehmigung der Regierung eine Rujsisa>j2dtsche Kolonisattonsgesellschaft'mit dem Nomen .Oset' gegründet, die die russische Iudenhek für das Kolonijarionswerk interessieren und 4 i Beiträge im Lande selbst sammeln will. Od der Oser r» Stand« j sein wird, seine Pläne durchzuführen, hängt im wesentlichen daj von ab, ob er genügend Interesse und Unterstützung in den verj schiedenen Kreise» der stoischen Bevölkerung in Rußland selber! finden wird. Daß da» russische Judentum vor unerhörten Mög- > lichkeiten steht, bezweifelt wshl niemand, weder in Ruß and noch - außerhalb Rußland«: man spricht allgemein und wohl nicht mit Unrecht von einem historische» Moment im Leben de? russisch«» Iudenhett. der der Geszmtjudenheit di« Verpflichtung auferlegt. den Glaubensgenossen in Rußland mit Rat und, wenn e» irgend- > wie angeht, auch mit Tat beizustehen. Auch in Deutschland find weite Kreis« der jüdisch«» Bevölkerung infolg« der schweren Krisen der legten Jahre um ihre» Erwerb gekommen. Man weiß, daß große Landstrecken in Deutschland noch der Urbarmachung harren; man weiß, daß der Großgrundbesitz nicht in der Lage ist. das Land so intensiv zu bewirtschaften, daß der größtmögliche Nutzen aus ihm gezogen wird, und! man versucht, die brotlos Gewordenen auf dem Land anzusiedeln. > Würde man auch in Deutschland Juden systematisch der BodenbebLiung zuführen, so würde diese Berufsumschichtung für das deutsche Judentum in den verschiedensten Beziehungen von g oßem Segen sein. Mögen dle Führer der deutschen Judenheit danach trachten, die Anst«dlu»g»dewegung auch für die deutschen Juden fruchtbar zu machen, und mögen sie den richtigen Zettpunkt nicht versäumen? Laffalle und Mrx. <Aur Geschichte d<« modernen jüdischen Universalt»mu»>. Von Dr. te» tt»»ttzal. l. Marx ist die Persönlichkeit, der e» am meiste« und i» ganz tiefem Maß gelingt, seine ganze biologische und osychotoglsche jüdische Mitgift zu einer universalistische», erkenntntsmäßige» Weltanfich! zu läutern und abzuklären, während Lassalle der Prozeß der geistigen Aufsaugung de» biologischen Judentum» z» Gunsten eine» unpersönlichen universalistischen Weltstandpunkte« am wenigsten gelinzt. Fürsorglich soll hier dte Bemerkung betgefügt werken, daß e» sich hier selbstverständlich nicht darm» h«ndein kann, inhaltlich zum Leben»werk eine» Marx oder eine« Laflalle Stellung zu nehmen. Wir gehen an unser Problem weder al« Politiker, noch al« Natioaalökonomen. noch als Bürger oder al» Proletarier heran, sondern wir beobachten lediglich, in i welcher Weise diese jüdischen Persönlichkeiten zu ihrem Judentum Stellung genommen haben und wie sich da«, was sie an Judentum mitbekommen haben, vor allen Dingen in ihrem Leben ausgewirkt hat. Der Ausgangspunkt einer solchen Betrachtung muß Heinrich Heinsein, denn Heinrich Heine ist die Persönlichkeit, b«i d«r in zahllosen Dokumenten seines Leben» und seiner schriftstellerische» Wirksamkeit jener Ucdergang der jüdischen Persönlichkeit in «ine j Gedankenwelt und in eine Weltelnstellung stattfindet, die vollkommen universalistisch ist. fre»ltch universalistisch mit jenem tragischen Beigeschmack, daß die Eindannung de» und ihre» Judentum« in dies« Weltanschauung nicht mehr gelingt. Und wenn Heinrich Heine so auf der einen Seite, wie wir zu zeigen haben werden, di« Dinge so sieht und fast schon wörtlich formuliert, wie! e» später Karl Marx getan, so wird Heine» lauterer und insnnktsicherer Charakter uuauch ganz unmittelbar zu Mar? und , Lassalle als Persönlichkeiten einen Eingang vermitteln. Sind sie , doch beide mit Heine in persönliche Berührung gekommen! Ich j sage, daß Heines Charakter unbestechlich gewesen ist. obwohl ein«! weito«rbr«ittte zeitgenössische und auch noch heute in d:n Köpfen! der Lterarhistoriker oft spukende Legende von einem moralisch j höchst unzuverläsigen Heine spricht. Ader wenn man sich die-! jenigen Dokumente ansieht, auf Grund deren jene Theorie erwächst, so fielzt man. daß es sich dabei oft tn Wirklichkeit doch nur! um das Ressentiment von Menschen handelt, denen Heinrich Heine gründlich einmal di« Wahrheit gesagt hat od«? denen gegenuöer

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