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Gemeindeblatt der Israelitischen Gemeinde Frankfurt am Main · 1926-02-01 · 6 (2.1926) · page 2

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Journal
Gemeindeblatt der Israelitischen Gemeinde Frankfurt am Main
Volume
4 (1925-1926)
Issue
6 (2.1926)
Date
1926-02-01
Page
– (sequence 2)
Language
German
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eller Lebensgüter, insbesondere einer geistig und seelisch inhaltslosen, luxuriösen Lebensführung gezeigt. De? Zwang, sich materiell zu beschränken, wird wieder zur Schätzung höherer Lebenswerte führen. Das Solidaritätsgefühl, eine schöne Blüte der Ghettozeit, wird sich sicher wieder mehr entfalten. Nicht nur hierin werden die veränderten Zeitoerhältnisse zu einer Gesundung des Seelenlebens führen können. Zweifellos sind in den langen Kriegs- und Inflationsjahren die Sitten des wirtschaftlichen und sozialen Lebens verwildert. Es licht sich nicht verkennen, dag auch die Iudenheit dieser Epidemie unterlag. Wenn es die Mission des Judentums sein soll, strenge Gesetze zur Verwirklichung, das Absolute zur Geltung zu bringen, so erwächst in unserer Zeit für die Iudenheit eine besondere Aufgabe. Sie wird den Idealen des Judentums nur dann gerecht, wenn sie den zur Zeit besonders stark herrschenden wirtschaftlichen und sozialen Versuchungen mit dem Aufgebot aller sittlichen Alraft widersteht. Die A5eisen lehren: je-.cn uljom Kanne aul»inuu de» ii«.-!,unk ecku-i, daß es im menschlichen Leben einzelne Stunden der Erfüllung gibt, die den Lohn eines jenseiügen Lebens gewährleisten. In die moderne Sprache übersetz!, kann man es so fassen: die Aemährung in dieser schnier zu ersüllendcn Ausgabe ist das höchste Ziel, dem der sittlich strebende Jude nachzueifern hat. Und umgekehrt: ein noch so sehr von religiösen bedanken erfülltes, dem Kultus und der Wohltätigkeit gewidmetes Leben verliert an Wer», wenn der Jude heute in der Erfüllung dieser eine» Aufgabe versagt. Was von ihm erwarte! wird, spricht der Psalm 24 aus: Die Gottesnähc ist dem verbürgt, dessen Hände rein, dessen Herz lauter und dessen Seele nicht Unrecht billigt. Unsere«» Geschlecht erwächst in dieser schweren Zeit die Erfüllung jüdischer Gesinnung gerade auf wirtschaftlichem Gebiete zu besonderer Pflicht. Möge eine spätere Geschichtsschreibung von unserer Epoche sagen können, dag wir im -sinne dieses Psalms die Gott- Nachstrcdenden gewesen seien: 5el> c!:mr <klir>ciui^ : Äer Wiche Adel unserer Gebete. Von Pezirksrabbiner Sr. Veermann tHcilbronn». Ein Philosoph aus dem Anfang des neunzehnte» Jahrhunderts hat einmal gcäuj;ert: .Es gibt jür den Menschen eigentlich nur eine einzige Sünde und das ist die Unterlassung des Gebets". In der Tat verdirbt die Seele, die den Höhenslug verlernt. Rais Waldo Emerson hat Recht: „Nichts bringt uns so reichen Lohn, als wenn wir jeden Tag unseres Levens sür eine kurze Zeit in die stille gehen". Selbst ei» Weltkind wie Goethe kann sich der Segensinacht echte» Gebetes nicht verschliekcn. „Ich möchte beten", schreibt er an Herder, „wie Moses im Zroran: .Herr, mache mir Raum in meiner enaen Brust", und in seinen Wanvcrjahrcn spricht er sich über den Inhalt wahren Velens also aus: ..Droste bedanken und ein reines Herz, das ist, was wir von Gott erbitten sollen" 5a« mit hat der Dichter nur den Psalmvers umschrieben: »Ein reines Herz schaffe in mir. o Gott, und einen sesten Heist verjünge in meinem Innern". <Ps. 5t, 12». Da» «stedet ist das Herzstück jeder Religion. In ihrem Gebetbuch legt eine Bekennergemeinde. das Deinste und Reinste, das Höchste und Ties,te niedcr. was ihr die Gottesnähe bcschieden hat. Zeigen wir. das; unsere überliescrtcn Redete die Einpsindung des eben angesührten Schriftwortes mannigfach wiederspicgcl» und dag e» ihnen so gelingt. Herzensreinheit und den in gros;en bedanken festen Geist dem Beter zu vermitteln. Die in «uierem Liddur ausgenommcncn Psalmen bleiben hier unberücksichtigt. Ter Psalter ha: sich die H-rz-n de? Gottsuch-nd-n Ikultarmenschen erobert und ist einhellig als der klastische Ausdruck religiöser Sehnsucht anerkannt. Das; aber auch unsere spätere Liturgie die Lichtfülle der Psalmen wiedcrslrahlt. soll an einer knappen Auswahl charakteristischer Siddurworle dargetan werden. Metat?on. so dichtet sronune sage, windet aus den Gebeten «ranze sur den Wettengott Dieser Enge! steht in der )!ähe des qöttlichen Thrones. Die Gedetc steigen empor Da drängt sich mit kecdew^ttngestüar ei» wilder Hause heran. Redete, die Menschen» andere verdrängend, spricht der strahlende Gedetgenius: ..Hinweg, erst versöhnt Euch, dann kommt wieder'' 2 l Und ein andere» Gewoge wälzt sich heran, Gebete aus Selbst» i sucht und Eigennutz geboren. Gebete um Genun und Gewinn in! den kleinen dunklen Erdendingen. Auch sie weist der Enget zurück „Geht zuvor und läutert Euch vom Erdenschmnz! Dann betretet wieder die Aäume himmlischer Reinheit!" Da nahen die driten. lauter und leuchtend, Gebete der Liebe j und Sehnsucht. Gebete erfüllt von dem Verlangen, den Willen ' Gottes zu dem eigenen zu machen. Und Metatron empsängt sie! mit segensgruß .... Rnr Gebete aus friedvollem, liebreichen, reinen Herzen will Gott. So betet der Hude am Morgen: . Mein Gott, die Se?le > die Du mir gegeben hast, ist rein^" Ihn umrauscht die ernslheilige Mahnung, das göttliche «rleinod in seinem Innern nicht zu de»! flecken. Und in stillen Sabbat- und Feiertagsstunden spricht die sehnende Seele: „Reinige unser Herz. Dir zu dienen in Wahrheit.'"! Nirgends aber wird schlichter und schöner um die Durchdringung unseres ganzen Wesens mit dem Göttlichen geberer als in soigenöen Worten: „O AUerbarmcnder Vater, erbarme Dich nnscr und flöße unserem Herzen Liebe und Eiser ein, zu erlassen und zu erfahren. Z AU lernen und zu lehren, zu hegen und zu hüten alle Worte i Deiner Lehre Erleuchte unsere Augen durch Deine Lehre, festige unser Herz durch Deine Gebote und lege in unser Herz die Erkenntnis. Deine Einheit zu erfassen und Dir in Liebe zu dienen". Das reine Herz soll ein friedvolles Herz sein: „Gib Fülle 5 des Segens, der Gnade und Barmherzigkeit! Gib uns Frieden.! Erleuchte unö Vater allesamt mit dem Lichte Deines Angesichts, mit dem L'chte. mit dem Du wahre Lebensweisheit. Jugendliebe! und Gerechtigkeitssinn in unsere Her,en hiiieinftrahlen läsjt. Du > Quell alles Heils und aller Gnade, aller Ledenssreuden und allen Lcbensfriedens!" j Das reine Herz soll ein demütiges Herz sein: ..Mein Gott > bewalre meine ,>unge vor Bösem und meine Lippen vor Rede! des Tru.js und vor meinen Versluchcrn schweige meine Seele i dcmüug. sie sei ivic Saud gegen alle!" Das reine Herz sei ein > liebreiches Herz: ..Die Liebe höret nimmer auf, sie kennt keine l schranken <ucm>Ilut chas^xtirn en la ,chiur>. Das reine Herz sei ein gottseliges Herz. Versenkung in Gott sei ihm höchste Lust: „Das Forschen im Gottesworlc überwiegt Alles". Das reine Herz sei stark in der Arbeit und zart in den Feicrzeitcn. Ihm seien die Feste „Zeiten der Wonne", wo der Jubel der Gottes-! gcincinschafl alle Rä^mc der Seele durchbraust. „Tage der Heiligung", wo Ströme aus Gott das Herz durchrauschen und von i allem Sündrnschmuke reinwaschen und..Anreger zur Rächsteniiebe". aus das; der Eiuzcluc sich in einer Brüöerschar nihle. ihrem Leide! und ihrer Freude zugänglich und crschlofien! Ein Geist, fest in großen Gedanken und der Gedanken größter: I Gott'. Ihn preist das Gebet als „Bildner des Lichts. Schopfer > des Dunkels. Stifter des Friedens und Meister des Alls". Er waltet in Allem, auch in de? -'cot und i.i der Na.lit und stellt auch das Leid und das Wcd in den Dienst seiner sittlichen Zwecke, bis i schließlich sich alle Misttöne in die beglückenden EinKlange des! Friedens auslösen. ..In seiner Güte erneuert er täglich das Wunder- I werk der S>!wp>ung '. Er hat nicht nur cinsl in der Urzeit die Weit geschaffen, die nun in trauriger Goltkernc sich jcldtt überlassen n>ärc; er ist der ewige Lenker der Weltgeschichte. Er ist der Eine, unser Gott, ihm walle unser Her; in Liebe zu. ihm »rede unsere Seele nach in Reinheit. GemcllNcüafl mit GoU. das :j: die Aclise. um die sich alles dreht. Au ihm spricht der Israelit in dem Achtzchngebct voll unbedingten Gotlvertraucns: ..Du lätzl sprießen Heil". Wie im Frühling ein warmer Regen, wie mit Iauderiiiacht die junge Saat aus der Erde dunklem Schos;c ans Tageslicht lo»k! - eben war noch alles Kadi und leer so hat Gott das Heil und die Rettun > schon wundermäcktig vorbereitet, wo unser Äuge noch Trauer und Schrecken sieht. Er itt ..unser Vater im Himmel", er ..nimmt uns unter seine Fi tigcEr in ..der Fels unseres Lebens", den wir im Wogendränge unserer Sorgen. Rettung suchend, umklammern, er. der „Schild unseres Heils", bei dein die veriolgtc Seele sich geborgen weift. Er ni nn» auch den Irrenden, den verlorenen Sohn »n Gnaden an: ..Du reichst die Hand den Avtrünnigcn und Deine Rechte ist ausgestreckt. Reuige 'zu empfangen". Die Menschenseele ist göttlichen Ursprungs: „Du Haft den Mensche» geadelt von Anbeginn und ihn gewürdigt. Dir zu dienen". Von Gottes Geist trägt der Mensch einen Funken: ..Du begnadigst den Menschen mit Erkenntnis und tedrsl den Sterblichen Einsicht. Begnadige un» mir Deiner Erkenntnis, mit Einsicht und Ventand. Ge» priesen seist Du Ewiger, der mit Erkenntnis begnadigt". Dies Gebet um Erkenntnis steht an d?r Pforte aller Bitten im Achzehngebet. Nur wenn Gott uns vertnlft zum rechten Geiste, dann ge» ' langen wir zum Erdenglück und Seelenfrieden. Darum herrscht bei aller Freude über die von Gott verliehene und ergreifend also ausspricht: ..Mein Gott, bevor ich ins Dasein grruseu!?ar. wc:? ich wie Nichts, und i.el;r da ich in s Dasein ge» zu Staub werde ich nach meinem Tode.... Läutere mich von - meinen Sünden, aber da ich so schwach bin. nicht durch gar zn

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