Gemeindeblatt der Israelitischen Gemeinde Frankfurt am Main
- Journal
- Gemeindeblatt der Israelitischen Gemeinde Frankfurt am Main
- Volume
- 4 (1925-1926)
- Issue
- 5 (1.1926)
- Date
- 1926-01-01
- Page
- – (sequence 8)
- Language
- German
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lediglich als Abschlußklasse unsere» eigenen Lnzeums gedacht, so haben die Verhältnisse es mit sich gebracht, daß bald nicht nur aus anderen Schulen unserer Stadt, sondern auch aus allen Gauen Deutschlands Schülerinnen zu uns kamen, und heute reicht das Helmatgebiet, dem unsere Schülerinnen ents ammen. von Emden bis Gailingen, von MrrziZ bis Ratibor- Wir hoffen, das, die Interessen-Sphäre unserer yraurnschule sich weiter dehnt und wir bald sagen können: Die Frauenschule des Phüanlhropins ist eine Angelegenheit der gesamten deutschen Iudenheit. Für die Organisativn unserer Frauenschule ist. da sie den Charakter einer öffentlichen höheren Lehran»iolt besitzt» der grundlegende Minislerialerlasj von, 2l. Dezember!»t? masigrbend. Demgemäß erstrebt auch unsere Frauenschule, dem Psltchtrnkreis der Frauen entsprechend, folgende A Lehrziele: „t. Einsicht in die Bedürfnisse und Anforderungen des Haushalt» ....!i. Einsicht in die Aufgaben, die die Sorge sür das körperliche und geistige Wohl de« Kindes an die Mutter und Erzieherin stellt. 3. Eine allgemeine Weiterbildung, die sich einerseits die Erstarkung der sittlichen Persönlichkeit, anderseits ein Verständnis für die......Eingliederung in das Gemeinschaftsleben des Volkes zum Ziel setzt''. Die amtlichen Atchtlinien sind erfreulicherweise so allgemein gehalten, das; sie unseren Lchrplänen die Möglichkeit gewähren, einige Besonderheiten zu oerivirklichen. durch die unsere Frauenschule zu einer Anstalt individuellen Gepräges wird, es ist l. der Mische Charakter unserer Anstalt. .2. die soziale Einstellung. 3. die praktisch-kausmünnische Ausbildung. Der jüdische Charakter unserer Frauenschulr ausiert sich nicht nur darin, das; jüdische Schule, innen von jüdischen Lehrern unterrichtet werten, das; der Salibat als Äiuhclag geheiligt wird, das; der Religionsunterricht zweistündig ist, wahrend der amtliche Lehrplan nur 1 Stunde vorsieht, ferner, das; der hauswirtschaftliche Unteriicht auf streng ritueller Basis beruht, dasi ein Teil unserer Arbeit in silbischen Aii>laltcn lSchwcsternhcim, Kindergarten, Säuglingsheim) stattfindet, der jüdisilsc Geist trückt sich vor allem dann aus, das; unsere Fraucnschule von dem Bcwus;tsein durchdrungen ist, an der Verwirklichung der ewigen Mcnschlicitsidcale des Iudeiüums mitzuarbeiten und das; sie aus Gruna die>er positiv jüdischen Enstelluna bestrebt ist. in allein Behren und Lernen. Wirken und Schassen Bezichuilgen zum jüdischen Menschen und zur jüdischen Mentalität herzustellen. Aus dieser innigen Verbundenheit mit jüdischem Wesen ergibt sich vin selbst, das; uns die Erziehung zu sozialer Betätigung besonders am Herzen liegt. Wahrend jvzl.ilc Unterweisungen im amtlichen Lehrplan der einjährigen Frauenschule »idcrhanpt keinen Platz finde», lujjcn wir es uns anneiegen sein, die jungen Mädchen jür fremdes Leid und sremde Nut empsänglich zu machen und zur Anteilnahme a» sozialer Arbeit oorzutiercilen. Wir sind uns dcmus;!, dasz die schwere Not unserer Zeit sozialgesinntc jüdische Frauen braucht, die troll Alltai,s>orgcii und Faiiitliciipilichten cs ats sittliches Gcbot elilpsinven. die aus der Ticsc der weiblichen Seele qutUendcn f.rsorgerijchen Kräne in den Dienst der Gcinctnschajt zu slcUe», und wir hossett, dasz unsere schi^ärmeri chen j .ngen Fraueiischüicrinncn, die meisi oun ticsein Gerechtigkeirsgesüht und echtem Heisrrdrang erjüllt sind, mitberuien sein werden, das von idealen jüdischen grauen gcjchafscnc soziale Hilsswerk in gleichem Sinne weiterzuführen. Der sozialen Untrrwc»iu»g dienen in erster Linie regelmässige Vvrträ e und Besprechungen über die ethischen Grundlagen und Ziele, die Formen und 'Methoden der Sozial-- Politik, der Wohlfahrtspflege und der freien Liedestätülkeit. Um den Schülerinnen -»nrn kindlich tu die wichttaiten Gebiete des Zürjorgeiveiens zu verschallen, werden verschiedene soziale Anstalten und Einrichtungen unserer Stadt besichtigt (Bünden. „ Tauostummcnansiatt. HilsSschule. Kinderheiin, Pjnchopatbcnheiin.Waisenhäuser, Alteisheime. SäugiingsderalungsiieUe. Berufsamt 'usw.). Mit diesen sozialen Ausgaben vereinigen wir endlich eine praktisch-kauimänmsche Ausbildung und jügen damit den A Zielen, die der Mlnislrrialrriafz de? Frauenschule steckt, ein viertes hinzu: die Frau soll nämlich nicht nur eine tüchtige Hausstätt. Muller und Staatsbürgerin, sondern auch eine treue Mitarbeiterin und Helferin des derusstatigen Mannes sein, an seiner Arbeit verständnisvoll teilnehmen, ihn in de? Werkstatt, im Laden und Büro vertreten oder — wenn es sein musz — selbst einen wirtschaftlichen Beruf ausüben können. Aus diesem Grunde hsden wir eine Anzahl Fächer, die sonst in der Handelsschule gelehrt werden, in den Lehrplan unserer Frauenschule auf lenommen: Wirtschaftliches Rrchnrn.Buchsührung.korrespondenz, Stenographie und Maschinenschreiben, sodaiz unsere Frn«<nsch»i!r dadurch eine Kombination von Frauen- und Handelsschule wird. Um das Bild, das bisher von unserer Frauenschu e gezeichnet worden ist, zu vervollständigen, soll nun ein kurzer Uederdlick über die einzelnen Unterrichtsfächer aea-den S-? sich in 4 FachjNippcu: » 1. die i^uswirtschastllch^echnische. 2. die wirtschaftlich-soziale, 3. die psleger sch-pädagogische. 4. die allgemein-b tdende Fachgruppe. In der hauswirtschastlich-technijchen Fachgruppe, in der alle! Zweige der Haushaltskunde — lochen und Hinmächen. Waschen > und Putzen. Tischdecken und Servieren. Gartenbau und Nadelarbeit — zu ihrem Archt kommen, gelangen die jungen Mädchen zu der Erkenntnis, dag die hauswirtschanliche Tätigkeit nicht dlog eine Summe technischer Fertigkeiten, sondern auch eine kulturelle! Ausgabist. h-i de? «an zeijüge Aei-cit zu leisten hat. Sie lernen! die Freude und Befriedigung kennen, tne munteres Schaffen tn l Haus, Hof und Garten gewährt, und erfahren, wie man o^n den Aufgaden der Küche, des Woh, zimmers und des Familienttsches weit in andere Wissenschaften eindringen und dadri alles Wilsen unmittelbar u it dem Leben in Verbindung sehen kann. Die Gruppe der wirtschaftlich-sozialen Lacher umsaszt einerseits i die praktisch-kaufmännischen Stunden, von denen schon die Rede ' war. andererieiis den Unterricht in Dolkswirtschaitslehre und > Staatsbürgerkunde. Hier werden die Schülerinnen in das Verstündiiis drs Wirtscha ts- und Gesellschaft-led-ns. der volkswirtschaftlichen Probleme und der sozialen Theorien eingeführt und besonders solche ökonomischen und sozialen Fragen besprochen, die l in engen Beziehungen zu den Interessen der Frau stehen. Um > Anschauungen aus ter fremden Welt der schanendrn Arbeil. zu gewinnen, suchen wir Schuster und Schreiner. Schmied und Schlojier tn ihren Werkstätten aus und besichtigen zahlreiche Fadrikbei riebe. Die hier gewonnenen Kenntnisse und Erfahrungen sollen Bausteine zu einer aktiven Staatsgesinnung sein und zur ehrlichen Mitarbeit an der Volksgemeinschaft, insbesondere am sozialen Liebeswerk, «nregen. Au den pslcgerisch-pädagogischen Fächern, die den mütterlichen vnd erziehlichen Aufgaben der Frau gewidmet sind, c.ehört in eriter Linke der vom Schularzt tNriÜc UnZerriciit tn Gesundheitslchre und Säugliiiliskunde. an den sich ein Kursus in häuslicher Krankenpflege sowie die praktische Arbeit im Säuglingsheim anschließt. Ter Unterricht in der Puda.togik sucht die sungen Madchen durch Selbsterkenntnis und Selvsierziehung zu sittlichen Persönlichkeiten u ertüchtigen und die reichen Erfahrungen und Erlebnisse, die sie ei der praktischen Tätigkeit im Kindergarten. Kinderhort und Säuglingsheim gemacht haben, gründlich zu verarbeiten. Durch i diese Vereinigung von Theorie und Praxis gewinnen die j Schülerinnen einen Einblick in die Regungen und Bewegungen j der nindcsseele. erlangen sie Uedung ii« ocr Beschäftigung und j im Spiele mit kleinen Kindern und eriveilern sie ihr Verantl wortungsgcsühl und ihre Selbstdisziplin, ihre Menschenkenntnis und ihren gesamten geistigen Horizont. / Die allgemein-bildenden Fächer endlich sollen den Schülerinnen eine möglichst universelle Ausbildung gewähren und sie zur Anteilnahme an den Schöpfungen der Zluttur befähigen. Dem religiösen Schnei» der jugcnsliuien Herzen kommt ein vertiefter Religionsunterricht, der von hervorragender Seit» erteilt wird, entgegen. Im Deutschen, in der Münk- und Kunstgeschichte! werden die Fraueilschülerinnen mir den Meislerwerken deutscher Kultur und Kunst vertraut gemacht und zur Weiterbildung angeleitet. Endlich sei erwähnt, das; die im Lnzeum erworbenen sran-! zösischen und englischen Ztenntniffe in je Stunden weitergeführt > werden und dasz auch sür sportliche Uesungcn gesorgt ist.! Es mag aus den eriien Blick den Anschein erwecken, dag die Ucbersüüe de? Fächer und Stunden die Aroeltsiira»: unserer Frauenj schülerinnen stark auf die Probe stellt, und doch kann deoauptei werden, dasz das Vielerlei des Stundenplans keine Zerspliuerung z der Kräfte zur Folge hat. denn einmal sind viele -Fächer — z. B.! alle Nachmiltagsstunden — wadlfrci, und ferner vermeidet der I Unterrichlsplan das bunte Allerlei und demüht sich durch konzen-! ^'^?n der Fächer jedem Arbeitstag ein einheitliches Gepräge zu I Den alten Spruch ,non muZtz. »e<j mu.tum* suchen wir auch dadurch zu oerwirklichen, daß wir bestredt sind, die Gedanken moderner Arbeitspädagogik zu? A.^-nd^g 55 drtugrl», 0. a. die Schülerinnen zu selduanoigrm Denken, zu innerer schöpfen Her Arbeit zu erziehen. Nicht nur in technischen Fächern, wo es selbstverständlich i-i. auch in, ivisfcnschaftUche!'. Unterricht nmi» dem ri.,nen Tun de? Schülerinnen ein dreirer Äaum gelassen, indem ne kleine Vorträge und Referate halten. Protokolle von Unterrichtsstunden und Berichte über Besichtigungen und über ihre praktische Ardeil anfertigen. Sa werden Schuler und Lehrer trog aller Schuldisziplin kameradschaftlich geeint, so wird der Unterricht erfüllt vom Geiste echter Ardeitsgemeinschait, der in ledhaften Aussprachen und Debatten, tn gemeinschaftlicher Werk« betr. in Wanderungen und Studie-nahrten. tz B. z^r Jahrtausend. Ausstellung in Köln), in Besichtigungen von Museen und Ausstellungen > Ausdruck findet.! Dieser Geist der Äröeirsgemeinschasr. der von den Interessen! und Neigungen der Schülerinnen ausgeht, ermöglicht es auch, dag i wir die Organisation des Un^mchrs in elamicher Weise ihren j individuellen Bedürfnissen und Zw->tz?'i anpassen. Ds» S?»:?»»»» > zr7n:i".jc:^c: T^!ig»«»i. »unn aorr, wenn j die Berusswüasche sich geklärt «ud seftere Gestalt emgenommea