Gemeindeblatt der Israelitischen Gemeinde Frankfurt am Main
- Journal
- Gemeindeblatt der Israelitischen Gemeinde Frankfurt am Main
- Volume
- 4 (1925-1926)
- Issue
- 5 (1.1926)
- Date
- 1926-01-01
- Page
- – (sequence 5)
- Language
- German
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Juden de» lS Jahrhunderts einschränken wollten; sondern das jüdische Gcsetz. wie «« Franz Rosenzweig einmal umschrieb, „das Gesetz der Jahrtausende, da» gelernte und gelebte, zrrdachte und umsu,-gene. a2» und lodestägliche. Kleinliche und erhabene, nüchterne und sagenschwere, Hauskerzen- und schetterhaufenflammenumstrahlte Ges»tz". Es ist als od Heine wiederum nach jenem Grundsätze geschaffen habe, d/n er nie gehört hatte, den aber in ihm da» jüdische Blut von neuen, erzeugte: saget nicht, die» oder zene» Gesetz sei zu gering, es auszuführen. Da» jüdische Gesetz wird zur jüdischen Lebenslust in Heine» Werden. Niehl nur wertoull als Bollwerk im Kampfe ge^cn da« alte Nora; nicht nur bewundernswert als eine grandiose Kosmogoue, die die Jd.-e der Reinheit auch ins Tierreich überträgt, wie es in de« Damaskus»Briefen heißt; sondern empfunden als ledeadigs'.es jüdisches Gegenwartsleben. Wenn das ganze vieloerfiochleae Netzwcr» jüdischer Sitten, wenn Fasttag und Festtag. Brauch der Küche und Brauch der Kammer auf etnrral oerschwurtdea wären — aus den Werken dieses Apikaures könnte maa pe wieder ausbauen. Don Vielem nur zwei zu nennen — zwei unserer bedeu:samsten jüdischen Feiertage sind in seiner Dichtung zu vollem Ausdruck gelangt: Sabbat und Sederabend. Der sederabend ist ja der eigentliche Held seines 'Rabbi, jener „Altarlampe", die so machtvoll-entzündet wurde und so schmählich oerlosch. Der wetßzedeckle Tisch mit der Sedcrschüssel wie wir ihn alle Kranen — die Lust der greiheitsnacht, und im Hintergründe das Unheil, das geheim auf die Feiernden lauert - glcich jener dualen Wolke, die unsere Vater über jeder Festesfreude sch rieben sahen. Zam Sabbat oder kehrt seine Dichtung tnmer wieder zurück wie zu einer einst geliebten, lang verlorenen Heimut. Vom Sabbat der jüdischen Bergaagenheit erzählt die schiine Sara: von der hebräisch jorach und Rosinen dabei Kaule, und dem kleinen Junten, der mit seinem Luche zum Verhören kam Ein tragikomische» Gegenwartsdild des Sabbats zeigt sich uns in dem Sabbat de» ehrenhaften Moses Lump, genannt Lüuipchen, der die ganze Woche hindurch mit seinem Packen auf dem Rücken durch die Straßen läuft aber am Sabbat so saddatlich bei seinen Fischen und seinem schiefen Röschen sitzt, daß er mir keinem Rothschild tauschen möchte. Ader die Ewigkeit des Sabbats erstrahlt uns erst in der unvergeßlichen „Prinzessin Sabbat". Vielleicht ist es nicht nur da» BtU» des Prinzen Israel, das Heine hier gestaltete: der Dichter selbst teilt das Zauberschicksal seines Volkes. Auch er ist von königlichem Gedlüte — auch ihn hat die Hexenkraft der Umivelt in einen Hund mit hündischen Gedanken verwandelt - wissen rote doch alle, wie er Kötern kann! „Aber jeden Freitag Abend Ja der Dämmrungsstunde plötzlich Weicht der Zauber ..." Der »eutsche Jude Heinrich Heine steht an einem weithin sichtbare» Punkte üer jüdischen Geschichte im l9. Jahrhundert; an jenem Kreuzwege, wo uns so viele des Geschlechts nach Mendelssoha verloren gingen. Gewiß, auch er ist zu Kreuze gekrochen, wie sei« Spollwürt von Saas behauptete. Ader in seiner Dichtung lebt sei« jüdische» Erleoni» in unverminderter Kraft; lebt die Erkeaalai» von der «ellgeschichliichkn Größe jüdischer Vergangenheit; lebt die Liebe zur Gegenwartsform der jüdischen Sitk; lebt de? Glaube an Israel» Ewigkeit Mische Zrauetlbildlmg und jüdische Zrauenschule. Boa Dr. Fla? Leeiig (Philanthropin), l. Alljährlich in der» W!ntermon2ten beginnt für die Väter und Mütter, deren Söhne und Töchter demnächst die Schule verlassen sollen, eine Zeit schwerster Sorgen und Uederlegungen: .Welchen Beruf soll unser Kind ergreisen?'.?/lit «ra Schicks»» Hunzen» nt man auettlnas mrlll schnell serttg. Die wissen schon selber, was sie werden wollen und finden bald, mag auch die wirtschaftliche Lage noch so ungünstig sein, den Weg ins Leben. Ta^e^ea entringt sich oft der kummervollen Brust mancher Eltern der alte Stoßseufzer: ,Wa» fangen wir mit unserer Tochter an?'. Längst ist die Zelt vorüber, da die .höheren Töchter' — von denen allein hier die Rede sein soll — snn den Luru» erlauben dursten, nach Beendigung der Schulzeit einfa»t' zu Hause zu bleiben, aus den Bräutigam zu warten und jich inzwischen mit geschäftigem Müßiggang, mit Bildungssvieleret. 4,anz. Musik. Flirt und Sport > die Zeil zu vertreiben, bleich ihren Brüdern wollen unsere jungen Mädchen heute einen Beruf ergreifen, der ihrem Dasein auch einen wertvollen Sinn verleiht. Die einen streben dem Studium oder einem pslegerischen Beruf zu (Kindergärtnerin. Krankenschwester, Sozialdcamtill). andere widmen sich der künstlerischen Laufbahn, der Hauplslrom jedoch ergiesjt sich, meist nach »veiterer Ausbildung auf der Handelsschule, ins Geschäft — weniger aus Eignung oder Neigung, denn aus dem Zwang wirtschajllichcr Gründe. Gci.cn diese rasche Berufswahl erheben sich mancherlei gewichtige Bedenke.':. Tic meisten jungen Mädchen sind eigentlich »och zu jung und zu unreif, uin den ernsten Pflichten, die jeder Beruf mit sich bringt, gerecht zu werden. Enttäuschung. Resignation oder Umsattetung sind die Folge. Viele von unseren Sechzehnjährigen steuern überhaupt nicht zielbewusit aus einen bestimmten Berus lo». Sic wissen noUi nntit. was sie wollen, oder wollen nicht, was sie sollen. Unklar und unerfahren, können sie sich von der rauhen Wirklichkeit des Gebens, von den Erfordernissen des Alltags keine rechte Vori.cUung machen — wobei nicht verschwiegen werden soll, das; die bisherige Schule, die ganz auf literarische Bildung eingestellt war und den praktischen Bedürfnissen des Lebens oft fremd und verständnislos gegenüberstand, hier nicht frei von Schuld gewesen ist. Muß es da nicht manchen besorgten Eltern klug und ratsam erscheinen, die wichtige Berufsenlschciduna. die osr ein Schicksal bedeutet, noch hinauszuzögern / Müsien sie nicht wünschen, das; ihre Tochter nach Austritt aus der Schule »och eine Zeit der Klärung und Sammlung, der Selbstbesinnung und Srlbslprüsung durchmacht, eine Zeit, in der sie unmittelbare Anschauungen von den verschiedcilsten Gebieten weiblicher Berufstätigkeit gewinnen und schliesiUch zur reU lcn Berufswahl gelangen könne»? Was nti-r mil>>: djinngen Mädchen in dieser Zeit zwischen Schule und Berus tun und treiben, und n>o sollen sie diese Periode der Sammlung und Reifung erlebe»? Nun — das Schlagwort der Frauenge.incr .die Frau gehört ins Haus", ist zwar angesichts der Tatsache der Fraueiigleichvcrcchtigung. des Frauenüberschusses und der wirtschaftlichen Not säst völlig verstummt, und doch stecht in ihm ein Körnlcin Wahrheit. Auch die radikalste Frauenrechtlerin wird nicht leugnen wolle», daß der universale und zentrale Frauenberuf die Haussrauciitäiigkcit ist, der Quellberus. aus dem alle übrigen echten ,<sraucnocruie abgeleitet sind. Wie unzulänglich sind aber unsere jungen Mädchen sür dies heiligste und idealste Amt vorgebildet! Wieviel Ehen scheitern nicht an der Unsähigkeit der Frau, dem Manne ein gemütliches und ordentliches Heim zu bereiten I Wie wenig sind unsere Mütter ihrer vornehmsten Aufgabt, der Erziehung der Kinder, gewachsen. Wie nietrig ist vielsach das geistige Nioeau unserer Familien! Die Gespräche im Haus gehen in Kleinlichkeiten auf nnd berühren meist Diw.ic des Alllans Geschäft, Mode, Ticiistbvlcn, Vergnügen und Klatsch. Wie selten hört man da etwas von de.", idealen Werten des Gebens, von den groszen Problemen der Zeit! Das obige Schlagwort v.iriicrend. könnte man sagen: .Zeoe Frau gehört ins Haus, bevor sie sich einem bürgerlichen Beruf zuwendet". Jedes junge Mädchen sollte Gelegenheil haben, sich emsth ifl und gründlich mit den Aufgaben und Pflichten oertraut zu machen, die die Gesellschaft von der Frau fordert. Das braucht nicht in Form eines .ivcidttchen Dienstjahres' zu aeschchen, gegen das mancherlei Gründe sprechen. Für die Schülerinnen höherer Lehranstalten kommt hier in erster Linie ein Schultlipus in Fraze, der die einseitig nüchterne Zwelkmäsiigkeit der Haushaltungsschule ebenso klug vermeidet wie den spielerischen Tiletlaniii-iiius und ausländische? Pensionat?, eine Bildungsstätte, die es sich zur Aufgabe macht, .die Erziehung der weiblichen Juge->ö allgemeiner und gründlicher als bi-her im Hinblick auf die Ausgaben der künstigen Frau, Mutter und Staatsbürgerin zu ergänzen": die sogenannte .Frauenschule".! Au» den im vorigen dargelegten Erwägungen heraus kamen wir vor etwa 4 Iahren auf den Gedanken, de.n Lyzeum de» Philanthropins zu Frankfurt a. M. eine .einjährige Frauenschule' anzugliedern. Es war ein gewagtes Experiment, als diese Fraueni schule, der Ungunst der Zcitoerhältnisse und dem Pessimismus weiter Kreise trotzend, Ostern li.^ ihre Tätigkeit begann. Ader heute > kann nicht nur berichtet werden, daß sie die Stürme der Jnflations- 5 zeit glücklich überstanden ^und damit ihre Existenz-ähigkeit und Daseinsberechtigung erwiesen hat, sondern daß sie sich auch in aussteigender Entwickluna besindet. "Da unsere »zrauenschule die einzige jüdische Anstalt diese? Art in ganz Deut'chlano bildet, haben die Leser dieser Zeitung wohl ern ^echl daraus, Näheres über lyr Wesen, ihren Unterricht. schule eine Entwicklung genommen hat, die sie über das Niveau lokaler Bedeutung hinaushebt. War unsere Frauenschule ursprünglich