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Gemeindeblatt der Israelitischen Gemeinde Frankfurt am Main · 1925-12-01 · 4 (12.1925) · page 1

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Journal
Gemeindeblatt der Israelitischen Gemeinde Frankfurt am Main
Volume
4 (1925-1926)
Issue
4 (12.1925)
Date
1925-12-01
Page
– (sequence 1)
Language
German
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Ve Geraeindernitglieder erdalten da» Blatt unentgeltlich. Bezugs- «ei» für Nichtmitalied-20 Gold?». fSe die Nummer. Zustellung durch die Post, vcheifllettung und Verwaltung: Fadrgafse 14« Amtlicher Anzeiger dev Oemeiudevevwaliutts 4. Jahrg. Frankfurt, u. M.. Tczemver Str. 4 Anzei^envreis n,r die «>gei?allene NonvareiUezeile 4(1 Pia Pei Wiederholungen Siadatt. Anzeigenverwaituit,;: Gemeindcda>^. ^ai,rgane 14!. Erd^efcnoh HernsvreiHrr H>:n a u. ""tis DteEchrislleitunq übernimmt kür denIndall de^Gemeindedlaus nur die prrszqesehlicheVeraiNwortunq. »Nachdruet; nur mit Erlaubnis qrslattet. Soeben erschienen. Kracaver. Geschichte der Luden in Frankfurt a. A!. l. Land. X. 453 Seiten. Preis des broschierten Exemplars Mk 10 für Eubskritenten......^ »». Der Kommissionsverlag ist der virma I Kaufsmann, Kraadfurt a. M.. Ech'llerstrosze l?« üdrrlrai;»n. an die Bnsraarn »ad Bestellungen zu richten sind. Semann Lohens Mische Schriften. Bo» Dr. Lldert lewlowly, Dozent, am jüd.thcol.Lcmuiar in vrcslau. Wer um die Jahrhundertwende an deutschen Unioerptäten studicNe. konnte die Bedeutung der Cohenschen Philosophie unmittelbar erfahren Da lehrte z. B. der «usgezcichnete Kenner der griechischen und mittelalterlichen Philosophie Jakob Freudenthal Philosophie und <ab seinen Hörern im Geiste Zeller scher auellenmäs'.iger Exaktheit eine gediegene Einführung in den Aristoteles und seine Kommentatoren, reate die Fonaeictinttneren ',u selbständigen Untersuchungen über das Verhältnis Spinozas zur Scholastik an. Und andere: seils vertrat Ebbinghaus, der bedeutende Wundt^schüler. die crperimentelle Psychologie in glänzender Beherrschung ihrer Methode und geistreicher Anordnung neuer Untersuchungsrcihen in seinem psychologischen Seminar, sein Kolleg über die beschichte der Philosophie aber war eine skeptisch.ironische Absertigung der Wolkenbauien der Metaphysik. Da kam eine »eue Dozentengencralion und mit einem schlage wurde das Philosophiestudium ein anderes. Die Psychologie verlor ihre philosophische Bedeutung und die Geschichte der Philosophie trat weit zurück vor dem Einen, das »un das Feld beherrschte, der Kaninchen Philosophie Diese aber nicht als gelehrtes System eines gestorbenen Denkers, sondern als die Philosophie, die berufen sei. »Ue Probleme einer wissenschaftlichen Lebensanschauung zu tosen, ja diese wissenschaftliche Ledensanschauunq selbst darbiete. Alle Begriffe der Philosophie erhielten eine neue Schärfe, eine Zuspitzung auf den erkennlnisth-oretischen Gehalt, den sie in der Kantischen Philosophie haben; die Grundbezriffe der Kantischen Philosophie wurden die Schlüssel, die ein neues Verständnis auch der Geschichte der Philosophie erschlossen. Da trat Plaron in eine ganz »eue Beleuchtung, die Wertung des Aristoteles, des Großen Gegners Platons. wurde eine andere. Galilei. Descartes. Spinoza. Leibniz traten als die Vorbereite? der Kantischen Philosophie hervor Mit einem Wort, de? NeukanNLnismus zog cur und verwandelte das Studium der Philosophie von Grund auf. gab ihr statt des gelehrlarchivnlischen ein der Zukunft zugewandtes, systematisches Gepräge. Und der Begründer dieses Neudütttiamstims. der Meiste? der neuen Dozentenneneralion war unmittelbar oder mittelbar Hermann Evhen. Es kann hier nicht die Aufgabe sein, eine Darstellung des Ncu-Kantianismns .zu geben. Nur das sei gesagt, daß dieses System der Philosophie auch darin dem Hegels ähnlich ist. das; es in der kältesten Form logischer Deduktionen die Philosophie zur Objektivierung persönlichster kultureller Ucoerzcugungcn ausprägt, die W.It gestaltet nach dem Wertbewunlsein des Philosophen. Die durchgreifende Energie der Cohenschen Persönlichkeit, die gcwalttäligc Kraft seines Intellekts vernichtet die Selbständigkeit der Gegenstände und deutet die Arbeit der Wissenschast als die freie Schöpsuna ihrer ^.cgenstände aus den von ihr selbst gelegten Grundlagen und Methoden. So fühlt sich Cohen dem Intellektualismus der Aufklärung verwandt, ad.'r auch ihrer weltbürgerlichen Humanität und bildet die patriarchalische > eschiossenhcit seiner ethischen Überzeugungen den sesten Wall. der den Intellektualismus von der Skepsis scheidet. Für einen solchen Mann war Unterdrückung seines ^udeseins und seines Judentums eine Unmöglichkeit. Mit dem Stolz des Bekenners baut Cohen dicse seine persönlichsten Ursprünge und Uederzeugungen in sein System hinein. Wie aber der rationale Aufbau dieses Systems keine dlofze Gegebenheit duldet, sondern auch alle Inhalte der Erkenntnis in methodischer Selbständigkeit gewinnen will, bleibt Cohen nicht bei der Talsache des jüdischen Ursprungs und des jüdischen Bekenntnisses stehen. Das jüdische Bekenntnis ganz in seinen rationalen und allgemeingültigen Grundlagen zu erfassen und aui, diesen hervorgehen zu lassen, ist das nie endende Ringen seiner philosophischen Arbeit. Der Tod nimmt ihm das letzte Werk aus der Hand, das der Religion der Vernunft aus den Quellen des Judentums gewidmet ist. Das jüdische Stammesgcsühl wird frei anerkannt, darf aber auch nicht um Haaresbreite die Staatsethik beeinträchtigen, die Eingliederung der Persönlichkeit in die objektive Gemeinschaft der Staatsnation fordert. To können seine jüdischen Schriften, deren Herausgabe wir der Akademie für die WiNenschast des Judentums zu danken haben, keine Ueberraschungen bringen, nicht intime Bekenntnisse, die ein neues Licht auf die Persönlichkeit Cohens oder gar sein System werfen. Der Kämpfer Hermann Cohen tritt aus Siefen Schriften hervor, dessen Wort an seine lhlaubensoenossen. aber auch an alle die guten Willens find, gerichtet m. das Gm des Glaubens als den Hort zu bewahren, der aller Kulturarbeit die Sicherheit des Zieles gibt. Wohl weiß er. daß er kein Historiker ist. der an den Quellen stehen dleiv: und die ein;?ln?n Phasen der Geschichte des Judentums treu bewahrt, sondern bekennt er sich zur Freih?ix

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