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Gemeindeblatt der Israelitischen Gemeinde Frankfurt am Main · 1925-05-01 · 9 (5.1925) · page 3

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Journal
Gemeindeblatt der Israelitischen Gemeinde Frankfurt am Main
Volume
3 (1924-1925)
Issue
9 (5.1925)
Date
1925-05-01
Page
– (sequence 3)
Language
German
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Echule zu decken. Während man noch in den DorkricgsjahrenmitungefährM.lt^.vvv. -Iahrcsiuschußauskam. ist dieser bereits im vergangenen Jahr aus über M 2l>i.OX).— gestiegen. Inzwischen war aus den verschiedensten und auch aus schultechnischen Gründen die Notwendigkeit gcgeben, den Ausbau des Philanlhror>ins zu einer Vollanstalt in Angriff zu nehmen, und so entstand das erste jüdische Reformrealgomnafium in Preußen Der Zuschuß der Gemeinde in diesem Jahr dürste sich aus min. bestens M. 2ZN.V00. — belaufen Die Real- und Volks, schule und Lyzeum n-hs» Kindergarten weiden wohl annähernd von ivt)0 Kindern besucht, und in den jetzigen Zeiten, in denen der Antisemitismus hohe Wellen schlägt, hat die Gemeinde die moralische Verpflichtung, ein möglichst umfassendes jüdisches Schulwcrk zu unterstützen, damit die Gemeindemitglicder in der Lage sind, ihre Kinder jüdischen Schulen zuzuführen. Die Frage der sehr im Gemeindeinleresse liegenden engeren Zusammenarbeit zwischen Gemeindeverwaltung und schulrat wird augenblicklich ernstlich geprüft. Die von ungefähr 300 Kindern besuchte Religionsschule erfordert einen Zuschuß von Mk. 15.000.- Dieser ist etwas niedriger als der im Frieden gewährte. Das Krankenhaus in der Gagernstraße. in der Zeit vor dem Kriege entstanden und kurz vor dem Kriege bezogen, hat während der ersten Jahre der Inflation unter den schwierigen Verhältnissen der Nachkriegszeit zu leiden gehabt. Es ist aber gelungen, dieses über alle Fährnisse hinwegzubringen und sogar durch eine größere Röntgenabteilung, die sich heute bereils wissenschaftlichen Ansehens erfreut, wesentlich zu erweitern. Die Verwaltung der Gemeinde hofft, daß in diesem Jahr Mk. 50.000 - als Zuschuß für das außerordentlich gut desuchte und vorzüglich geleitete Krankenhaus genügen werden. Mit Genugmung kann die Verwaltung der Gemeinde feststellen, daß es ihr dank der nicht hoch genug anzuerkennenden Hilfsbereitschaft vieler ihrerMitglieder während der schweren Jahre der Inflation gelungen ist. nicht nur das Krankenhaus, sondern alle die Institutionen aufrecht zu erhalten, die zum Aufqabenkreis eines ordnungsgemäß geleiteten Verwaltungskörpers gehören und die das Rückgrat jeder jüdischen Gemeinde bilden, wie Synagogen, rituelle Einrichtungen, Unierrichrsanstatten. In Form von Steuern sind bei den gegenwärtigen, schwierigen wirtschaftlichen Verhältnissen nicht alle notwendigen Einnahmen von den Yemeindemitg'i?dern zu erhalten. Man muß daher oersuchen die Betriebe und Institutionen der Gemeinde zu aktivieren, d. h. die einnahmen aus diesen zu erhöhen. Eine Einschränkung aber ist ü. E. unrer allen Umständen zu machen: die Gemeinde kann die Verpflichtung nicht von sich weisen, für die rituell Lebenden nach besten Kräften zu sorgen Den Belastungen, die den rituellen Einrichtungen auserlegt werden können, ist daher «ine Grenze gezogen. Köngens figurieren im diesjährigen Etat das Schächtwesen und die rituellen Betriebe in sachlicher Beziehung nur mit Md. 10.000.— Ausgaben, denen Mk .'j«.000. Einnahmen gegenüberstehen. Man hat oersucht, durch Erhöhung der Plagmieten die Einnahmen aus den Synagogen und den Filialgottesdiensten zu vergrößern. Die Nachfrage nach Plätzen, besonder» für die Synagogen des konservativen Ritus, ist so dedeutend, daß die Gemeinde sich mit der Frage der Errichtung eines neuen Gotteshause» im Nordwesten beschäftigt. Tuch die Einnahmen au» dem Bestattungswesen tragen dazu bei. die Steuerlasten des Einzelnen einigermaßen ertraglich zu gestalten. Diese» Softem der indirekten Belastung birgt gewisse (^fahren des Fiskalismus i« sich. s«an kann auch die Einnahmen au» den Synagogen ete. nicht ins Ungemessene steigern, da die Gemeinde in normalen Zeiten und. soweit es sich um ihre Mitglieder handelt, die Verpflichtung hat. für ihre Angehörigen nur ihr? Selbstkosten für diese Einrichtungen in Rechnung zu stellen. Vvrläusig sieht aber die Verwaltung keine Möglichkeit, aus diese Einnahmequellen zu verzichten Bevor die Steuern zur Behandlung gelangen, sei noch ein Wort über ein Kapitel gesagt, das bisher in Frankfurt für den Etat der israelitischen Gemeinde wenig Bedeutung halt.' W'ihrcnd nämlich andere Scmcindrn ganz erhebliche Summen für das Wvhlfahrtswesen ausgaben und dieses z. B. von der jüdischen Gemeinde in Berlin nach deren letztem Etat mit über zwei Millionen Mark unterstützt wird, betrugen die Subventionen unserer Gemeinde fiir Wohlfahrtszwecke im letzten Vorklugsjahr nur Mk. lti.75,0. . Der Gemeinde Frankfurt sind auch, was die wenigsten ihrer Mitglieder wohl wissen, nie große Stiftungen oder Barvermögen zugeflossen: das Wohlfahrtswesen hat sich außerhalb der Gemeindeverwaltung bewegt und unabhängig von dieser glänzend entwickelt. Der Munisizenz der hochherzigen Familie Rothschild und vieler anderer Wohltäter ist es in erster Linie zu verdanken, wenn große Anstalten wie das Waisenhaus, Siechcnhaus. Versorgungsanslalt im wesentlichen ohne irgendwelche Unterstützung seitens der Gesamtheit gegründet und unterhalten werden konnten, ivobei freilich zu beachten ist, daß die Einkommenverhaltnisse der Frankfurter Juden vor dem Kriege erheblich günstiger waren als in der Gegenwart. Diese und ähnliche private jüdische Anstallen entwickelten sich in der Glanzperiode Deutschlands zu Musterinstitutionen, die den Anstalten in anderen deutschen Gemeinden zum Borbild dienten. Inzwischen aber hat sich vieles ungünstig geändert! Die Familie Rothschild existiert in Frankfurt nicht mehr, die Verschlechterung der wirtschaftlichen Lage hat es serner mit sich gebracht, daß große Stiftungen für Wohlfahrtseinrichtungen von deutschen Juden nicht mehr gemacht werden. Die Hilfstätigkeit der Anstalten ist aber umfangreicher geworden, weil die Not sich von Tag zu Tag vergrößert. Es liegt daher nahe, den Institutionen, die unter der Ungunst der Zeiten ganz besonders litten, durch größere Subventionen ihre Forteristenz zu ermöglichen. Leider erlauben es'die finanziellen Mittel der Gemeinde nicht, in ausreichendem Maße hier einzugreisen. Die in den diesjährigen Etat eingesetzten geringen Beträge für Wohlfahrtszwecke sollen nur dazu dienen, für besonders dringende Fälle und für bestimmte Zwecke den Anstalten Unterstützung zu gewähren! Das sich nach dem diesjährigen Etat ergebende Defizit der Gemeinde von über Mk. »00.000.— muß durch Steuern gedeckt werden! Der Steuersatz is: zunächst einmal für das erste halbe Jahr, gleich dem des letzten Quartals 1924 25. aus 15"/« festgesetzt worden. Der Vorstand hofst, bei einer gewissen Stabilität der Wirtschaft die Ausgaben damit decken zu können. Obwohl der Steuerertraa kaum 10"« höher ist als im Jahr 1914. so dürste die Steuerbelastung für das einzelne Gemeinde- ' Mitglied fast doppelt so groß sein wie in der Vorkriegszeit! So schwierig die Verhältnisse im Augenblick auch liegen, so dürfen wir den Optimismus, den wir Juden i auch in den schlimmsten Zeiten bewahrt haben, nicht oeri lieren. Wir haben gerade durch diesen Optimismus in j unserer wechselvollen Geschichte die jüdischen Einrichtungen! erhalten, und wir haben die Verpflichtung dafür zu sorgen. : daß die Frankfutter Gemeinde, die immer eine Mutter- ' gemeinde Israels gewesen ist. ihren guten Ruf auch in : diesen Zeilen zum Segen der Gesamtheit aufrechterhält.

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