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Gemeindeblatt der Israelitischen Gemeinde Frankfurt am Main · 1925-03-01 · 7 (3.1925) · page 4

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Journal
Gemeindeblatt der Israelitischen Gemeinde Frankfurt am Main
Volume
3 (1924-1925)
Issue
7 (3.1925)
Date
1925-03-01
Page
– (sequence 4)
Language
German
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Mische Grabmalkunst. Das Museum jüdischer Altertümer im Gemeinde- Haus zeigt in der Aeche seiner dankens.verten Heranstaltungcn gegenwärtig »ine intelesjanle klrtne Sammlung von Abbildungen alter und neuer Gcadjteine aus deutschen und uusläudischen Friedhöfen, v-zvivvhl das bei den scphardijchen Juden übliche horlzmitale «Grabmal, als auch der bei den aschkenasischen Juden herkvmnllich geworden? llüxrechke >>-rnkii?i»i iiiid IN »ah>r?ichen und charakteristischen ^remplaren verirrten. Auch historisch besonders bemerkenswerte Denkmäler aus berühmten alten Friedhofen wie Worms. Furth, Altona, Prau und Wilna werden gezeigt. T)ie Uever^chau lsl um deswillen besonders beimrkeilsivert, weil sie einen ausgezeichneten Ucberblick über die Stilentwickluiig des jüoljchen «')rubsteines gibt, der sich in seinen einfachsten, wie in seinen reichsten Formen stets den Einjlu>sen der umgebenden Kulturkreise einvrdmte. Die Gesamtheit diejer steine, tn ihren bezeichnendsten Eremplären zusammengestellt, würde zugleich einen wertvollen und wichtigen Beitrag zur Geschichte des Ornaments in der ^leintnlbnerei darstellen. Einige Grundprinzipien freilich wurden bei allem Fluß der künstlerischen Entwicklung stets beibehalten, wie etwa die einheitliche Gestaltung un Aufriß, die Verwendung immer wiederkehrender Shmbole und die Einbeziehung der dekorativen hebräischen Quadralschrist als chmücdendes Element. Die Menjchensigu: ijt der jüoichen Ucberliefcru.lg gcnläs; nur selten verwertet und auch dann anscheinend immer nur in der Form des flachen Reliefs, wobei dann allerdings auf scphurdischen steinen zuweilen ganze Bildersvlgen, wie die Opferung Isaaks und andere biblische Szcncn. zur Darstellung kommen. Ein verhältnismäßig häufig vorkommendes Aivtio ist ein von trauernden Engeln slunkiertcr Tvtenkovf. Beiläufig sei bemerkt, daft Darstellungen menschlicher Figuren sich auch auf dem Frankfurter alten Friedhof finden, hier aber sich aus die Hausmarke der betreffenden Familie beziehen, wie z. V. mit der Gruppe Adam und Eva auf das frühere Haus »zum Paradies" hingewiesen ist. Besonders eigenartige Motive zeigen die Steine aus Polen und Litauen, wo Fabeltiere, merkwürdig stilisierte Pflanzen, aber auch einmal eine Geige, die herkömmliche Ornamentik durchbrechen und gelegentlich auch der von -Rußland kommende byzantinische Einjlul; sichtbar wird. Allgemein ist bei den sevhardi>chcn Steinen im Zusammenhang mit der höheren sozialen Stellung der spanischportugiesisch«« Juden reichere Formgestaltung und sorgfältigere ^iirzelurbeil zu beobachten. Es ist erfreulich, das! diese Schau auch einige Werke ortsansässiger Künstler vvriülirr. Der bekannteste unter den hiesigen Bildhauern. Benno Elkan. ^von dem übrigens einmal scherzhast gesagt wurde .,!., »»'ltln-i nil ni^i tu'»,!,»") ist mit einer Diethe bedeutender Grabdenkmäler oertreten, die zum Teil in der motivischen Gestaltung an sein bekanntes Opferdenkmal anklingen. Hierzu ist freilich zu bemerken, das; die starke Verwendung der ganzen Alenschensigur nicht mehr aus der Linie der Ueberlieferuug liegt. Es ist gewiß nicht zu forden,, daß der Künstler mechanisch alle Vorbilder übernehme, aber gerade diese Ausstellung zeigt bcsonoers sinnfällig die elememare i^emuit einer mehr als znuüf Jahrhunderte alten Tradition gegenüber dem starken Einfluß der wechselnden Zeilstile. In engerer Verbundenheit mit dieser Ueberlieferung versucht Frist Kormis zu neuen Formen zu gelangen. Von Professor Hülsen ist ein wegen seiner geglückten Zusammenfassung bemerkenswertes Familiengrad zu sehen, unter den Arbeilen von Leo Horovitj beweist das schöne l^rabmal seiner Eltern die Möglichkeit neuzeitlicher Stilisierung ältester Motive, ron Josef Schwarzschild fäll» das Grabmal Mar- 4 i burger durch die eindringliche Schlichtheit der Formgebung auf. Eine verdienstliche Aufgabe, der sich vielleicht die Gesellschaft für jüdische Volksbildung unterziehen könnte, wäre es, aus dem in dieser Ausstellung gegebenen! Material, das noch durch anderes zu ergänzen wäre, ein kleines Sammelheft mit Abbildungen herzustellen, das den in Betracht kommenden Bildhauern und Steinmetzen, aber vielleicht auch den Auftraggebern von Grabsteinen mit guten Vorbildern an die Hand sina?. Denn ein Rundgang auf den Friedhöfen der großen Gemeinden zeigt nur zu deutlich, wie verheerend auch hier die Geschmacksoerbildunq des letzten Jahrhunderts gewirkt hat. und wieviel edles und wertvolles Kunftgur vergangener Geschlechter für unsere Zeit zu nügen wäre. 55. V.. Sie Gründung der Suppenaifialt. Zar erflea Zahrzeit für Varonia Rothschild. An einem rauhen Wtntertage vor 45 Jahren, wurde einen» Im Armenwesrn vertraute» Herrn in seinem Büro geme det, bah im Zentrum der Stadt eine arme Familie wohne, die um 10 Ith? morgens nieder ein geheiztes Zimmer, noch etwas Nahrung sUr die von der Schule heimkehrenden Klnder haue. Der Herr griff tn die Tasche und übergab dem Bnnaer der schlimmen Xunde Geld mit dem Auftrag, soiort Heizmaterial zu kaufen u»5 ein warmes Zimmer zu deieilen, er setdsl komme baldigst sich zu überzeugen, od seinem Auftrag Holge geleistet worden sei. Welch trauriges Bild zeigte sich den Augen des Mannes, als er dann kam und sich umsah, od sein Auftrag richtig ausgeführt worden sei. Eine bald Mutter werdende Frau sag trostlos in den, Zimmer und erwiderte auf die Frage, wo ihr Mann, ein lungenkranker Veidenweoer sei, daß derselbe sich vor zwei Tagen vom Ha^se entfernt habe, weil er nicht sehen konnte, dag seine armen K'ilder hungrig zur schule gingen und nicht wägte, wie er zu M::taz der kleinen Schaar ein Stückchen Brot reichen könne. Da^ ein ' solcher Vorfall das Herz des Mannes oeriezidürfen wir gewiß erwarten, und rasch einschlössen sann er auf Pläne, um solche Vorkommnisse in unserer Stadt, deren Wohltätigkeit sich in der Welt einen Namen verschafft hat. zu verhüten. Wartete ja schon unser Erzvater Abraham in seinem Zelte, um Wanderer zu erquicken und rief unserer Erzmuller Sara zu, rasch für Na^^ung für die Aaste zu sorgen! So rief auch dieser Mann rasch die .Frauen im Zelte* zur Mithilfe, und edle Gestalten wie ,^rau Baruch. Frau Ellinger. Frau Sara .ttulo. Frau Ida Hackenbrach, die setzt in hohen Regionen den Lohn ihrer edlen!a:en geniegen, wivie die brave Frau Charlotte Aosenheiin, waren rasch zur Stelle, eine Suppe nanstait zu gründen und ein Haus zu schasse», das ein Bollwcrk gegen den Hunger geben sollte,?a m jedem Iudenherz der Gel» des Wohltun» herrscht, so fanden sich auch Männer, wie Ferdinand Gambura. die rüsiig mit ans Werk gingen, um ein Lokal zu finden, wo man die Wohnstätte der Menschenliebe ausschlagen könn- Nicht jeder Hausdesir.cr fand sich bereit, sein Haus zu dem edlen Zweck, wenn auch gegen gute Bezahlung herzugeben. Wie ein gute« Brot nur durch kneten und unier Beifügung der bitteren Hefe! gewonnen werden kann, so halte die Supoenanstalt auch diese! Prozedur zu bestehen. Mühevoll erhielten wir nur aui kurze Zeit ' geeignete L"dal,täten in der Mainslrasze. aber sobald die .ttün-» j Schicks.:!, und verzweifelt eilten wir von Hau» zu Haus, um eine Lokalität zu finden. d:e dem schon sehr siüi» grivschscn?» Bedürfnis dienen könnte. Vierzehn Tage bevor die Zeit heranrückte, unsere Aufgabe wieder zu lösen, wurde uns ein Gewölbe l über einer Reitschule in der Elephantengaffe verraten, das un» ausHelsen sollte. Rasch entschlossen wurde da» Gewölbe ernuetet und zu einem Lokal umgestaltet. Um eine «üche zu schaffen, ermieteten wir in einem Nachbarhaus auch ein rohes L>ika!. errichteten darin eine Zxüch« und verduttdel» die diid«» Häuser u»tt eirer Brücke, und bauten, um allen Streitigkeiten zu entgehe».

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