Mannheim
Compact Memory

Gemeindeblatt der Israelitischen Gemeinde Frankfurt am Main · 1924-08-01 · 12 (8.1924) · page 3

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Gemeindeblatt der Israelitischen Gemeinde Frankfurt am Main
Volume
2 (1923-1924)
Issue
12 (8.1924)
Date
1924-08-01
Page
– (sequence 3)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
93% known words query
IRI
…/3094266-3094275-3094287--0196-3094883
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

Mentioned entities

OCR text

1 entity mentions

inbclrachr vor allem Stammtafeln (der unklare Ausdruck »Stammbäume* sei besser vermieden Z>. Man unterscheidet: Vorsahren. oder Aszendenz Taseln. die von einer bestimmten Person aufwärts steigend, deren Ellern. Großeltern, Urgroßeltern und so sort enthalten, zweitens Nachfahren- oder Deszenden;-?afcln. die abwärts steigend die gesamte Nachkommenschaft eines bestimmten Stammellerpaares geben, also auch die Töchter und deren Kinder. Schließlich drittens die <von mir '.906 Konstruiertcn) Siopschaftstafeln. die besonders geeignet sind, einem Menschen übersichtlich und klar seine ganze.Vcrwandtschast" zu zeigen, nämlich diejenigen Blutsverwandten, die. wenn auch nur kurze Zeit gemeinsam mit ihm selber auf Erden weilen Eine solche Tafel umsaßt alle vier Urgroßelternpaare und deren sämtliche Nachkommen. Äußer diesen wichtigsten drei Hauplarten der Stammtafeln gibt es noch diverse für spezielle Fälle geeignete ^.npen. von denen hier nur erwärmt seien die .Mannesstammtasel". die nur männliche Nachkommen, alw dann alle gleichen Namens gicbt und der sog. .Deszent". der nur die verwandtschaftliche Beziehung zweier bestimmter Personen zeigen will und nur die hierzu nötigen Zwischenglieder aufführt. Diese Darstellungssormcn mußten ein wenig ausführlich behandelt werden, weil man gewöhnlich sowohl bei christlichen Laien-Genealogen wie bei jüdischen Liebhabcrn solcher Forschungen keine reinen Taieln zu sehen bekommt, sondern unwissenschaftliche Gemische aus allen diesen Arten, mit denen man nicht viel ansangen kann. Wird für Stammtafeln der Anspruch erhaben, unserem Archiv einverleibt zu werden, so müssen sie mindestens ein Jahrhundert umfassen. Das heißt, wenn es Ahnen- oder Aszendenztaseln sind, so sollen sie zurückgehen bis zu den vier Urgroßclterpaaren und für diese, für die zwei Großclterpaare und natürlich die Ellern des Einreichers .wenigstens Geburtsort, Geburtstag sowie Sterbeort und Sterbetag enthalten. Handelt es sich um Nachfahren- oder Deszendenztafeln, so muß der Stammvater geboren fem vor!LVL .'Besinn de? obligatorischen Annahme von Familiennamen im Anschlüsse an das oon Navoleon l. berufene snnhedrium zu Paris). Da eine (Generation rund 3V Jahre umsaßt, so wird der Urenkel eines solchen Stammvaters durchschnittlich nach l8W geboren sein. Auch hier bilden also die Urgroßeltern der heule lebenden Jugend den Ausgangspunkt. Nochmals sei daraus hingewiesen, wie wichtig es ist, auf einer Deszendenztafel alle Nachkommen lückenlos aufzuführen, auch die Töchter und deren Nachkommen. Nur der Laie nennt eine Familie ausgestorben, wenn keine männlichen Träger des Namens mehr da sind. In Wahrheit vererbt sich in den weiblichen Linien, soweit unsere heutige Kenntnis der Vererbung geht, ebenso wie in der männlichen alles, was an körperlichen und geistigen Eigenschaften das Wesen einer Persönlichkeit ausmacht. Daher lebt das Blut berühmter Glaubensgenossen, auch wenn ihre Söhne kinderlos gestorben oder aus dem Judentum ausgeschieden sind, vielfach auf dem Wege über ihre Töchter unter uns fort. Nur muß solcher Zusammenhang erst nachgewiesen werden. Aber es lohnt die Mühe, denn das Bewußtsein. Trüger solchen Blutes zu sein, erweckt nicht nur begreislichen und berechtigten Stolz, sondern auch Verantwortungsgefühl und die Pflicht, solcher Abstammung würdig zu leben. .Noblesse adlige" gilt nicht blaß für den ^chwertadcl. Demgemäß erwächst als Aufgabe für die Vereinigung der .Freunde jüdischer Familienforschung', außer der schon erwähnten Einsendung des vorhandenen Materials an das Familienarchio, auch neues Material zu sammeln und sachgemäß zu verarbeiten. Aus der Institution des .Schutzjudenrumsergab sich die Registrierung vieler samiliengeschichtlicher und anderer Daten in den sogenannten Iudenadren der Regierungen, die vielfach heute noch vorhanden 3! find. Einer der Gründer unserer Vereinigung. Herr? Otto Neumann in Berlin hat aus dem Mecklenburgischen Staatsarchiv eine große Zahl von Angaben über Mecklenburger Juden der legten Jahrhunderte kopieren lass/n und ferner die sämtlichen auf die Namensannahme ltilZ bezüglichen Akten, sodaß eine lückenlose Liste aller Orte, in denen l8U> Juden lebten und deren Namen und Personalien in unserem Archio bereits vorhanden sind. Diese vorbildliche Arbeit kann und muß für alle Provinzen resp. Länder erfolgen. Für das Frankfurter Stadtarchiv, das bei der sozialen und kulturellen Bedeutung der Frankfuner Gemeinde sür die deutsche Iudenheit von außerordentlicher Wichtigkeit ist. sowie sür die Staatsarchive Wür;bu?g und Marburg ist uns bereits wertvolle Miiarbeil in Aussicht gestellt. Für Schlesien und die dortigen Archive haben wir in Breslau einen interessierten und genealogisch bej wanderten Vertreter, ebenso in ließen für hessische Von dem starken Interesse, das für diese Fragen grade in Frankfurt am Main vorhanden ist. zeugt außer j dem bekannten l908 erschienenen Stammbuch von Justizrat Dr. Tieg eine Reihe von Zuschriften, die der! Schreiber dieser Zeilen von dort bereits erhallen hat. So erscheint es naheliegend, sich zusammenzuschließen mit den über ganz Deutschland verbreiteten Interessenten durch Beitritt zu der Vereinigung von .Freunden jüdischer! Familienfvrschuug" (Meldung an den Schriftführer Herrn j Ernst Wvlss in Berlin. N. Ö. 41!. Neue Köniastraße ',0 oder an mich. W. » Potsdamcrstraße 5). Wir wollen, gestützt aus das in Gründung befindliche Famüienarchio,! planmäßige Auskunft erteilen an alle unsere Mitglieder. ' wir wollen durch Wort und Schrift daran arbeiten, den! Sinn sür die Beschäit'.gung mit der eigenen Familiengeschichte und die Freude an solcher Beschäftigung zu! verbreiten und zu oertiefen. Ist sie doch geeignet, neben! den oben schon erwähnten Wirkungen aus den Zusammen-! halt der Familien, sowie auf ein gefestigtes und stolzes Judentum auch in allgemein menschlich?' P^iz.^.;,^ ^5! zu fördern, indem sie Verständnis lehrt sür geschichtliches Werden und imstande ist. „durch Einordnung der eigenen Persönlichkeit in den Zusammenhang des Weltgeschehens , auf die Höhe aller großen Probleme der Menschheits- Geschichte zu führen". Amtliche Anzeigen des Gemeindevorstands! KultuSfleuer.! Diejenigen Lohn- und Gehaltsempfänger, die ihre , Kuliussleuer bisher nicht entrichte: haben, werden zur! Meidung der Zwangsvollstreckung ersucht, die rückständigen! Zahlungen unverzüglich an uns zu leisten. Nähere Ausi Kunst erteilt unser ^teuerbüro im t'-emeindebaus, Fahrgasse Zimmer 6t>. Zuteilung von Synagogenplahen.? Gesuche um Überlassung von ^ljnügvgenplätjen an! Gemeindemitglieder. die bisher noch keine Plage ermietet l hatten, oder (besuche um Austausch bereits ermieteter mit i anderen Plätzen sind unmittelbar an die betr. Syna- - gogenoorstände zu richten, und zwar:! für die Haupsynagoge an Herrn Mosbacher, > Platz der Republik 16 I . . Synagoge am Börneplatz an Herrn i Dir. Güns, Bleichstraße! . . Synagoge an der Königsteinerslraße an Herrn A. Landsberg. Westendstr. 6! . . Synagoge Bockenheim an Herrn Moritz! Breslau. Adalbertstr. 4.

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.