Gemeindeblatt der Israelitischen Gemeinde Frankfurt am Main
- Journal
- Gemeindeblatt der Israelitischen Gemeinde Frankfurt am Main
- Volume
- 1 (1922-1923)
- Issue
- 5 (6.1923)
- Date
- 1923-06-01
- Page
- – (sequence 2)
- Language
- German
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Auf dem alten Friedhof am Sömeplah. Für jedes Bauwerk, jeden Platz, für Straßen und Gäßchen labt sich eine ganz besondere Naturstimmung entdecken, welche die günstigste und tiefste Wirkung hervorruft, und in der unser künstlerisches Empfinden am meisten Anregung und Befriedigung sinket. Der schaffenden Natur stehen herrliche und unbegrenzte Mittel zu Gebote, um ungerufen im gegebenen Augenblick das Werk zu steigem. Solche Höhepunkte der künstlerischen Erscheinung werden nur jenen offenbar, die eine längere oertrautere Bekanntschaft mit den Baudenkmälern ihrer Umgebung geschlossen haben. Gemeinde diese höchste Vollendung von der Natur oergleichen, umwoben von schicksalsreichen, nielhund-rtjährigru heiten — dem alten Iudenfriedhof am Börneplatz. Vo^ d^er Mitte des 13. Jahrhunderts an ^bis zu seiner einhei^ schmaler Grun^^ bedeckt mit wildwachftndem^ Pslanzenmuchs erfüllt ^ft/dcr sich ^mtt hie/ungeahnte. fesselnd? Eindrücke empfangen und sich Wer aber^diesen Friedhof in seiner schönsten Verklärung schauen will, der eile jetzt dabin, denn jetzt hat die Natur dort ein Meisterwerk geschaffen, hat die weißen, flachen Dolden des Hollunders in verschwenderischer Fülle entfaltet, und unter dn strahlenden Morgensonne versetzt ttgen^ulturdenkmale innewohnt^drnn hier herrsch?keine ihrem oft starren Prunks nianchmal unerträglich stimmen, Tröstung scheint hier kise zu uns zu dringen, jene? Tröstung, welche eine Antwort auf die große Rätse!f-2ge des Lebens ist. Keine Grenzeinfassung trennt die Gräber von einander; aneinander geschlossen? so blieb es auch bei den Toten^ Da Schich? weitere Beerdigungen stattfindenden konnten. Die Grabsteine der unteren Schichten wurden dann jedesmal in die Höhe genommen, um pietätvoll die Gradesstälte kenntlich zu erhalten. So kommt es. daß auf dem schmalen Geviert eines Grabes oft mehrere Steine Platz finden mußten. Viel Mühsal und bitteres Schicksal deckt dieser Boden. Wenn die Judenverfolgungen tobten, dann waren dl- Gräber der Vorfahren die letzte Zufluchtsstätte der Ghettobewohner, dann mußte dieser Friedhof Platz von denen» die hier^schlummern? Empfingen lieber den Todesslreich. als sich durch feige Fahnenflucht die äußere 2 Freiheit zu erkaufen. Jedoch nur sehr selten ist von solchem Märtnrertum auf den Grabsteinen zu lesen: es hätte ein befreienden Auffassung, die auch in allem Leid ein^Walten der Vorsehung erblickt, dessen demütige Hinnahme nicht allgemeinen haben die Inschriften einen einfachen Wortlaut, der hauptsächlich die Abstammung des Toten genau den Lichtquellen, die Helle und Poesie in dem düsteren Ghetto verbreiteten, die alle Schrecken des äußeren, armseligen Lebens und des Todes vergessen ließen und mit belebender Hoffnung auf eine freundlichere Znkunft erfüllten. Ein altes hebräisches Wort nennt den Friedhof .Haus des Beleuchmna versetzten in de? f:c kiüzissrrr werven können, sc^ri ften der^Steine. o^n «llei^ fünfund^ furter ^Zeitung' vom ^Iahre 1904 ^und Ii»08.) Unserem i fassende Einleitung o^rausfchickie.^ die auch ein kurzes von dem verstorbenen Direktor des Philanthropins. D? Baerwa! d. (.Der alte Friedhof der israelitischen Gemeinde > in Frankfurt a. M." Programm de^Ä-alschule de? Israeli. da sie wehrfähig" sein mußten. Während der Belagerung ' schasten auf dem Friedhofe aufgestellt.^ .^r dem Fettgreifcnder Scen.cn. Als die Aufruhr?? det drr Machti sosiakei! d?5 Rates und^ der kaiserlichen Kommissarien! eindrangen, das (^tteshaus^ entweihten, die Thorarollen, > stohen so viele ^ihrer bei^ d^n Ärgern nicht Unterkunft! wurde, alle im Dunkel der Nacht ^auf den Friedhof! ^Wir wollen", riefen sie aus. .den Namen Gottes heiligen!" i Schande vorzuziehen, bereiteten sie sich mit dem lauter» j Bekennvns ihrer Sündhssügdeit und der göttlichen Gerech-! tigkeit für die letzte Stunde vor.* (siehe die erwähnte I Abhandlung von Dr. Baerwald S. 12f.)! Das Studium der Inschriften der Grabsteine! solche örtlicher Art. Da^ die^ Inschriften in hedrÄscher i tierung ^eingemeißelt sind und^ sehr ^ft Abkürzungen ent>