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Selbst-Emancipation · 1893-12-15 · Heft 20 (15.12.1893) · p. Seite 7

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Journal
Selbst-Emancipation
Volume
1893
Issue
Heft 20 (15.12.1893)
Date
1893-12-15
Page
Seite 7 (sequence 7)
Language
German
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Nr. 20 Selbst-? mancipation. im Trüben einige magere Fischlein sangen sollen. Er weis; »...mehr den großen Zusammenhang in der Jndenfrage, wie »nr irgend einer zu begreifen und zu würdigen. Die Darstellung und Schilderung unserer Äjsimilationspolitiker, die ihr Judenthnm gern für ein Billiges losschlagen möchten, und cs auf allen Märklen. seilbieten, ist Tschernichofs ans's Meisterhasteste gelungen (stehe das. S. 8 sse.). Das Buch ist ans glühendem, jüdischen Herzen mit all der Begeistening geschrieben, deren ein echter Natioualjude und ausrichtiger Freund seines Volkess nur sähig ist, ohne auch nur im Geringsten den rein sachlichen Ton und die ihatsächlichen Verhältnisse irgendwo zu verleugnen. Falsch aber dürste das Ilrtheil des gesch. Autors über die Colonisalion Argentiniens durch Baron Hirsch sein. Miau täusche sich darüber nicht. Mag auch der Wille des Baron Hirsch — und das ist er stcher — der denkbarst beste sein, so hat er doch nichts gehalten von dein, was er versprochen hat. S> itdem aber Colonel G o l d s m i t h nach England znrilckgckchrt ist, um sich einzig wieder dem Zionswcrkr zn widmen, ist dir letzte Hoffnung aus eine Besserung der Zustände in Argentinien für spätere Zeilen dahin. Freilich sst es bitter zn beklagen, daß ein so groß angelegtes Unternehmen, das Millionen unserer Brüder Hilse bringen sollte, wie cs doch schien, so ganz und gar darnieder liegt. Unser Autor ist auch leider 311 bescheiden gewesen, ein Urtheil über Palästina und seine Eignung zur Colonisation selbst zu fällen, das er vielmehr zwar nicht einfach dcm Urtheile seiner Leser, wohl aber dem Spruche eingehender Forschung überlassen wissen will. Es ist zn bedauern, das; nicht eine Answahl von Urtheilen der besten Palästina-Forscher dem Werke beigesügt ist, »>a doch solche in größter Anzahl vorlicgen. Die Broschüre, die bei ihrer so überaus feinen Ausstattung doch nur 60 Psennig kostet, ist s!!r die Agitation, namentlich in besseren und gebildeten Kreisen im höchsten Maße zu empfehlen. „Ilapnrdoss". Der bekannte hebräische Schriftsteller I. CH. Rawnitzky läßt jetzt den zweiten Theil des von ihm herausgegebencn Jahrbuches „Hapardess“ drucken. An diesem Jahrgange arbeiteten: S. Abraiuowip, „Echad haam“, „Ben ammi“, R. Bramin, Dubnow, Professor Josef Halcvy, Ta toi ew, „Jehalel“, Lilicnblum, S. Epstein, Dr. Kaminer, „Schalom alechern'1 und andere hervorragende Schriftsteller mit.' Der erste Theil des „Hapardess“ hat diesem bereits einen guten Namen erworben. Herrn Rawnitzky gebührt Dank dafür, daß er die hebräisd;e Literatur wieder mit einem Sammelbuche bereichert, in welchem sich Beiträge der ausgezeichiletsten hebräischen Literaten Rußlands befinden. — Der Preis des „Hapardess" betrügt nur 1 Rubel. Jüdisches Familicublatt heißt ein neues, von S. Knebel in Tysmienica herausgcgebenes Jargonblatt, welches sich der nationaljüdischen Idee sreundlich gcgenübersteUen will. Corpoeationen und Versammlungen. Das österreichische zionistische Partci-Exccutiv-Comite hat über Antrag des Dr. Nathan Birnbaum beschlossen, die vom ersten BertranenSmännerlag der österreichischen Zionisten angenommene ojficielle Parteibezeichuung „zionistisch" auszugeben und dafür die aninre gebräuchliche Parteibczeichnnng „jüdisch-national" als ossiciell zn wählen. Die Partei wird nunmehr den Namen „jüdisch-nationale Parrei in Oesterreich" führen. Das Execnliv-Comite hat sich großentheils nur ungern — der Antragsteller selbst gibt an und für sid; dem Worte „zionistisch" den Aorzug — zu. dieser Aendernng entschlossen. Dieselbe erscheint aber ans wichtigen Gründen dringend geboten, sodaß eine Genehmhaltnng des bezüglichcir Exceuiiv-Comitebeschlusses durch den nächstjährigen Bcrtranensmännertag nnzivcifelhast erscheint. — Das Partei- Executiv-Comite bringt nädiste Woche Siegeliuarken (Vignetten für die Kicbjeite von Couverts) zur Ausgabe, welche zur Sclbstbesteueruiig für den Parteifonds dienen sollen, und bittet die inländischen und ausländischen Parteigenossen, diese Siegelmarken zu verwenden. Jeder Parteigenosse soll nämlich die moralische Pflicht besitzen, in seiner Correspondenz, namentlich mit anderen Gleichgesinnten, einen kleinen Zuschlag auf das Porto, der dem Parteisonds zu Gute kommen soll, zu tragen. Die Vignetten werden die Ziffern 1 dis 6 jühren. Diese Zisfern zeigen die Zahl der Heller, Psemiige, Centimes, Halbkopeken an, welche für die betressenden Marken zu bezahlen sind. In jedem Orte, in welchen sich Parteigenossen befinden, iverden einer oder mehrere derselben die Abgabe der Vignetten besorgen. Bei Briefen mit einem Porto von 8 Kreuzer (5 Ps., 5 Clin., 8 Kop.) sind Marken mit der Ziffer I, bei solchen mit einem Porto von 5 Kreuzet,, (10 Pf., 15 Ctm., 7 Kop.) Marken mit der Ziffer 2 zu verwenden.' Bei höherem P.rto sind bis 10 Kreuzer (20 Ps., 25 Ctm., 10 Kop.) 3er-, bis 15 Kreuzer (30 Ps., 35 Ctm., 15 Kop.) 4er- bis 20 Kreuzer (10 Ps., 50 Ctm., 20 Kop.) 5erweiterhin 0cr>Bignetten zu verwenden. Auch für Correfpoiidenzkartcn und Kartenbriefe, sowie Streifbänder^ wird späterhin eilt Selbstbesteucriingsmodus eingeführtwerden. —Die Casiaverwattung des Partei-Execnliv-Comiles hat Herr Dr. A. Salz in Tarnow, die Schrislführung Herr Dr. Jacob Ko h n in Wie» übernommen. — Das Parteicomite beabsichtigt, i»> Jahre 1891, wahrscheinlich vom März ab, eine Dnartnlsschrist zur wissenschaftlichen Besprechung der Parteigrn» dfätze herauSzugebe». Der Einzelvcrcilr Wien des Verbandes „Zion" veranstaltet an, 8. Februar im Nonacher-Saale ein großes Ballfest. Im akademischen Vereine „Kailiniah“ in Wien fanden infolge Mandatsniederlegung des Aiisschupes Wahlen statt. Dieselben halten folgendes Resultat: Isidor S ch a l i r (Präses), Joses Vierer (Vicepräses),Marcus Ernst (1.Schrislsilhrer),Moses S alz (2. Schristsührcr), L. L i e b st e r (Casster), Janen G 0 l d e n st e i n (Bibliothekar), Spitz (Hausverwescr), Riegel, Roth, Werth eim er, Si gal l (Ersatzmänner). Sämmtliche Herren mit Ausnahme des letztangestihrten, welcher Jurist ist, sind Mediziner. Ter jüdische Verein „Morgenröthe" in Wien hält Samstag den 16. d. M. 1 Uhr Abends in Robilschek's gkestauration, I., Wipplingerstraße 17, einen Bonragsabend ab. Herr Dr. N. Birnbaum wird über Solidarität der Inden sprechen. Die Curse im hebräischen Sprach- und Sprcchvereine „Safali Bernrali“ in Wien haben wieder begonnen. 1. (Ansänger- . Curs Mittwock;' von 8 -9 Uhr Abends und Sonntags von 4—5 Uhr Nachmittags. 2. (Conversations-) Curs Sonntag von 5—0 Uhr Nachmittags. Local: IX., Miillnergaffe 13. Im Stndentcnvercin „Maccabäa" in Prag haben die Ausschußwahlen folgendes Refiiltar ergeben: Mediziner Julius Münz (Obmann), Techniker Rudols F a n w e r s (Obinaun-Stellvertreter), Jurist Max Buchbinder (1. Schriftführer), Techniker Julius Kraus (2. Schriftsührer), Mediziner Karl K a tz (Cassier), Mediziner Theodor- Gut t mann (Bibliothekar), Mediziner Schulim Äogon (Oekonom). Gingesendet. Inr Coloni sationsfrage. Ich kann nur dringend empfehlen, die bou Herrn Ockonomierath Classen in der vorigen Nummer dieses Blattes gemachten Vorschläge, betreffend die Colonisation in Palästin a, in die ernsteste Erwägung zu ziehen, denn nur auf Grund der Uebertragung des Grundbesitzrechtcs auf die Gemeinden wird die materielle Lage der Landarbeiter ganz wesentlich und dauernd verbessert werden. Auch die Gemeinde kann, ebenso wie der Großgrundbesitzer und der Staat, den Landbesitz in großen und kleinen Parzellen verpachten. Ich denke mir eine Mustercolonie wie folgt organisirt: 1. Das Besitzrecht des Grund und Bodens hat die Gemeinde oder der Staat. 2. Jede Familie erhält oder erwirbt Haus und Garten zum festen Eigenthnm. Dieselbe kann nunmehr entweder ein Handwerk betreiben, oder sich mit Landbau, je itadj Wissen und Können des Familienvorstehers, beschäftigen. 3. Der Grirnd und Boden wird durch successivc Abzahlung eines entsprechenden Prozentsatzes m 50 Jahren von der Gemeinde erworben und diese verpachtet das Land entweder in Zeit- oder Erbpacht, gegen einen bestimmten Zins an die einzelnen Gemeindeglicdcr. Die Gemeinde ist zugleich Consum- und Creditgenossenschaft. 4. Das Land wird auf Grund der vorliegenden Bodeic- und Wasservcrhältnisse durch Gräben und Wegeanlagen in Gemarkungen getheilt und so arrondirt, daß dasselbe nicht nur genossenschaftlich ent- und bewässert, sondern mit Benützung der Maschinen auch bearbeitet werden kann. 5. Die Gemeinde nruß zur Genossenschaft werden, in Fragen, welche sich auf den An- und Verkauf von Maschinen, Vieh und überhaupt aller zum Betrieb des Landbaues und der Handwerke erforderlichen Produkte und Lebensbedürfnisse beziehen. 6. Hierbei kann in der Bewirthschaftung seines Pachtgutes oder Gartens jeder Einzelne durchaus selbstständig bleiben, und bis zu einer gewissen Grenze seine Pachtländereien auch vermehren. Fr. W. Toussaint. Straßburg, im Dezember 1893.

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