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Selbst-Emancipation · 1893-10-15 · Heft 16 (15.10.1893) · p. Seite 7

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Journal
Selbst-Emancipation
Volume
1893
Issue
Heft 16 (15.10.1893)
Date
1893-10-15
Page
Seite 7 (sequence 7)
Language
German
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Nr. 16 SeLbst-Hmancipatiorr. «Zelte 7 betreiben die Bienenzucht noch ebenso, wie vor vielen Hunderten Jahre». Das bischen Honig, welches die primitive Zucht gewährt, wird auch gar nicht verkauft, sondern dient zum Hausgebräuche, namentlich zur Bewirthnng vornehmer Gäste. Im Handel sicht man lueder Honig noch Wachs. Es ist also heute wahrlich nicht mehr richtig, Palästina als „das Land, wo Milch und H o n i g fließt" zu bezeichnen. Aber dieser bedancrnstverthe Wechsel findet seinen Grund weder in der Natur des Landes, noch im Klima. Im Gegentheile, die natürliche Beschaffenheit Palästinas scheint gerade der Gewinnung dieser Products, speciell des Honigs sehr günstig zu sein. Da gibt cs nicht.jene starken Fröste, vor welchen man die Bienen in anderen Gegenden schützen muff, und denen sie dort so oftzum Opfer fallen. In Palästina gibt es ja fast das ganze Jahr hindurch blühende Pflanzen, an welchen die Bienen wenigstens sechs bis acht Monate süße Säfte saugen können, während sie in Europa auf die Hälfte dieser Zeit und nur aus einige wenige Pflanzengattungen angewiesen sind. Die Schuld darail, daß lvir in Palästina keine entwickelte und fortgeschrittene Bienenzucht haben, kaiin also nur an den hiesigen arabischen Landlenten liegen. Die llnthätigkeit und Apathie derselben ist geradezu bewunderswerth; cs fehlt ihnen jeder Trieb, etwas Neues zu unternehmen, was nicht sicheren Gewinn ohne schwere Arbeit verspricht. Unseren jüdischen Colonisten und Gutsbesitzern im heiligen Lande aber mangelt die Thatkrast keineswegs; dagegen fehlt ihnen leider die Kenntniff der Bienenzucht, welche, wenn sie rationell betrieben wird, ihnen selbst und dem Colonisationswerke großen Nutzen bringen kann. Als Beweis für die Einträglichkeit der Bienenzucht in Palästina mögen folgende Beispiele dienen: Ein deutscher Colonist, namens Ba ld ens b erg er practicirt im heiligen Lande seit mehreren Jahren mit vielem Erfolge die Bienenzucht in europäischer Weise; jeder Bienenstock trägt ihm jährlich 20 Francs. Diesem Manne hat der jüdische Colonist L. in Waad el Chanin sein Geheimniß, — denn er bewahrte die Methode als solches — so gut als möglich abgeguckt und nimmtjährlich Per Bienenstock 15 Francs ein. Auch ich selbst habe die Bienenzucht, wenn auch in sehr kleinem Maßstabe und nur eine sehr kurze Zeit lang versucht. Und der Versuch, welche» ich ganz aus privaten Gründen aufgeben mußte, hat mich gelehrt, daß die Bienenzucht in Palästina eine lohnende Beschäftigung sein kann. Schließlich möchte ich noch rathen, nicht mit vielen Bienenstöcken anzufangen, sondern etwa mit zehn, und dann ans dem eigenen Materiale die Zucht zu vergrößern. L. Hunvitz. Handel in Palästina. Aus dem Berichte des englischen Consuls über den Export und Import durch den Jaffa er Hasen erfahren wir, das; im Allgemeinen der Handel Palästinas in den letzten Jahren gewachsen ist. Im Jahre 1888 wurde durch Jaffa Waare im Werthe von 4'/., Millionen Francs exportirt, im Jahre 1891 solche im Werthe von 10 Millionen; im Jahre 1892. in welchem die Ernte schlecht war. sank er, aber auch nur auf 6'/, Millionen. Die ansgesührten Maaren sind hauptsächlich Gerste, Durrha, Oel, Seife, Orangen, Felle und Wolle. Wenn wir nun bedenke», daß durch den Hafen von C Haifa, noch mehr Gerste, Durrha u. s. w. exportirt wird, so kann man sicher den Gesamintexport Palästinas auf 20 Millionen Francs pro Jahr schätzen. Auch der Import ist bedeutend gestiegen. Derselbe betrug im Jahre 1888 4'/„ Millionen, im Jahre 1891 7, im Jahre 1892 8V* Millionen. Origmal-CorrespondenM. Inla n d. Wie», den 11. Oktober 1893. Der akademische Be re in „Kadi in ah" veranstaltet zur Feier de? Beginnes deS 23. Semesters seines Bestandes am 2 t. d. M., abends 8 Uhr in Khnner'S Restaura! tion, Stadt, Schottenring 19, einen solcnneil Geselligkeits- Abend. Jüdische Gaste herzlichst witlkonimcn. . Wien, den 12. Oktober 1893. Der hebräische Svrach- und Sprechverein »Safah berurah« wird die semeftrale Generalversammlung in den ersten Tagen des November abhalten. Genaue Zeit- und Ortsangabe erfolgt in nächster Nummer. Der Unterricht dürste gleichzeitig beginnen. Wie», den 13. October >983. Die provisorische Leitung des jüdischen B c r c i n e s „Ai o r g e n r ö t h e" veranstaltete am 8. d. M. einen Bortragsnachiniitag, welcher gut besucht war. Herr Dr. Nathan Birnbaum hielt einen Vortrag über den Zweck des Vereines, der beifällig ausgenommen wurde. Es entspann sich nach demselben eine Discuisiv», an welcher sich namentlich der Vortragende, sowie Herr Dr. Jacob Ko hn und Herr Dr. K a d i sch, letzterer vom socialistijcheii Siandpnnkl aus. betheiligle. Die erste ordentliche Generalversammlung des Vereines „M o r g e n r ö t h e" findet Samstag, 27.d.M.präc!se >/-8 Uhr Abends in Robitscheks Restauration, Stadt, Wipplingerstraße Ar. -17 (gegenüber der Börse) statt. Tagesordnung °. Constüuirung, Evenmalia. Budapest, den 9. October 1893. In voriger Nummer berichtet.- ich Ihnen über die Aussehen erregenden Nonigswo rte von Gilns. Gegenwärtig finden im Abgeorduetenhaufe die grossen Debatten über die vom König in'Borossebes und Guns crtheilten diversen Antworten statt, welche, wie ihre Leser ans den Tagesblättern wissen werde», die ungarische Opposition ungeheuer erregt haben. Bon der der jüdischen Deputation crtheilten Antwort ist nicht die Rede. Als in der Freitag-Sitzung der Abg. Paul Kemenyi während der Rede HoranSzkyS dazwischenbrief: „lind was haben die Inden verbrochen?" — hat auch dieser Zwischenruf keinen Wiederhall gesunden, „lim die Inden kümmert sich Niemand", ruft die „Allgemeine jüdische Zeitung" mir Recht aus. Wozu den» auch? Die Inden braucht inan ja nicht tirre zu machen. Sie tönnen Ohrseigen die schwere Menge bekommen, so sind sie doch immer zu haben — das weiß man. Obwohl Carl E ö t v ö s sein Bersprechen, die Regierung wegen der der jüdischen Deputation ertheiüen Antwort zu interpelliren, Hallen wird? Bekanntlich iiciiiicn sich unsere Assimilanten mit Stolz „Magyaren mosaischer C o n j e j s i o n " Wir als Nationaljuhcn sind sonst im Kamp e der verschiedenen religiösen llcberzeugungen völlig neutral und masten uns auch selbst über die Jrreligiositär kein Ilrtheil an. Doch, wenn uns unsere „Mosaisten" in den Weg komme», dann müssen wir nach ihrem Glaubenspane fragen; der ist ja nach ihrer eigenen Aussage der einzige Ausweis ihres Jndenthnins. Wie es nun mit diesem Passe steht, beweist am besten solgender Vorfall: Die hiesige Cultnsgemeinde hatte beschlossen, an den hohen Feiertagen einen speciellen Gottesdienst sür die Hochschiiler zu veranstalten, damit der große Eultnstempel in der Tabakgaffe nicht überfüllt werde. Thatsächlich fand ein wahres Wettlansen um die gratis ausgcgcbenen Eintrittskarten statt; eS wurden derer circa 500 veriheilr. Am Vorabende deS [losch hosclianali waren in dem für den Gottesdienst geiniethete» entsprechenden Betsaal ein Prediger, ein. Vorbeter, zwölf Chorknaben, ein Organist, die Saaldicner n. s. w. — iäinnulich eigens engagirt — erschienen, aber das Local wollte sich nicht mit Andächtigen füllen, wiewohl schon längst der Abend hereingebrochen war. Bon SM llniversitätshörern erschiciicii keine zehn, und der Gemeindevocstand mußte aus dem Cnllustempel Leute nach dem Srndenten-Bethanse dirigiren, damit der Gottesdienst vor sich gehen könne.- Kol köre bamidbar. Budapest, den. 10. October 1893. Endlich hat sich nach lagelangen Debatten doch Einer gesunden, der auch die den Juden ertheilte Antwort im Abgeordnelenhanse zur Sprache brachte. Ignaz Helfy sagte im Verlause seiner Rede: „Nachdem der Gesetzentwurf über die Reception der Juden dem Abgeardiietenhause schon vorliegt, so ist eS an der Zeit, dast man bei Hose die Jude» nid Confessio» anerkenne. Ich richte hiemit die Frage an das Ministerium, ob die Minister die königlichen Antworten versnßl haben." Ko! köre bamidbar, Deutschcs Re i ch. Freiburg im Breisgau, 9. October 1893. Beden Landtagswahlen ini Großherzogthirme Hessen gewannen die Antisemiten von den Nationalliberalen zwei, von den Freisiniligen einen Sitz. Bisher halten die Antiseiniteit noch keine Bertrctiilig tut hessischen Landtage gehabt. W o f i 3 c ji. Mit Judengeld. Die Kölner „Israel irische Gemeinde-Zeitung" bespricht in einem Artikel die Taktlosigkeit eines Berliner jüdischen Geheimen Commerzienralhes, welcher öffentlich Prahlte, daß er 1300 Mark für die Kaiser Wilhelm-Gedächtnißkirche ge-

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