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Selbst-Emancipation · 1893-09-15 · Heft 14 (15.9.1893) · p. Seite 6

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Journal
Selbst-Emancipation
Volume
1893
Issue
Heft 14 (15.9.1893)
Date
1893-09-15
Page
Seite 6 (sequence 6)
Language
German
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Seite 6 Kewst-GmancipaLion. Nr. 14 und über altem das tiefe klare blaue Himmelsgewölbe, der schöne Himmel des gesegneten Südens, der Hiimnel Palästinas. . Wie die theueren Züge eines geliebten Angesichts bannte dieses Landschaftsbild meinen Blick. . Das höchste, stärkste und edelste Gefühl, das ein Menschenherz kennt, ist die Liebe zur Heimat; und die höchste, edelste und stärkste Form dieses Gefühles ist die Liebe zur verlorenen Heimat. Und wenn diese Heimat so' verloren ist, wie uns die unsrigc, vor Jahrtausenden für Jahrtausende, und wenn während dieser Jahrtausende wir überall auf dem Erdboden nurblutige Marter und sclavische Erniedrigung fanden, und nur hier in diesem Lande in stolzer Schaffensfreudigkeit, in Glück und Ruhe, in Freiheit und Ruhm, in Macht und wahrer Größe, glänzende Jahrhunderte unserer nationalen Geschichte durchlebten, und wenn der hier geschaffene nationale Organismus sich stark gcnng erwies, um, allen Mächten der Welt trotzend, aller Lebenselemcnte einer Nation beraubt, sich als Nation zu' behaupten, und wenn die Kraft dazu ihm nur das liebevolle und sehnsuchtsvolle Andenken an dieses Land verlieh, ein Andenken, das, wie ' ein nationales Palladium sich von Geschlecht zu Geschlecht forterbte, immer tiefer in die Volksseele cindringcnd, und lvenn dieses Land so schön, so' bezaubernd schön, so elend, so herzzerreißend elend ist, wie Palästina, so steigert sich dieses Gefühl zu einer Höhe und Kraft, bei welcher'der bloße Anblick des Heimatlandes dem treuen Sohne des Volkes als höchstes Erdenglück erscheint. Wer hier, auf dieser Veranda diese Gärten, Wiesen und Berge überschauend, diese Empfiirdnagen sein Herz nicht dlirchzittern fühlte, dem dieser Anblick keine Thräne ans dem Manncsauge herauspreßte, — dem schlügt im Busen kein Herz, kein jüdisches Herz. .... (Weitere Artikel folgen.) Original" Correspondemen. Inland. Wien, de» 13. September 1813. Die jüdischen Bewohner Wiens, namentlich der Lcopoldstadt, pilgern neugierig nach der ncnen polnischen Synagoge, welche vor einigen Tagen eröffnet wurde. Banrath Stiaßny hat mit derselben die Sladt Wien nm ein architektonisches Meisterwerk bereichen, das sicher von alle» seinen bisherigen Leistungen die beste ist. - Die Synagoge :st-im maurische» Stil erbaut und derselbe i>u Ganze» und Großen richtig ersaßt und durchgesührt. Das kritischeste Auge wird da lumig zu würfeln finden. Nur die plumpe Ünppel — einem umgestülpten Luftballon ähnelnd, — will zu der zierlichen Facadc nicht stiinmen. Davon abgesehen, ist allesvoll Ebenmaß und liamentlid) sälti innen und außen die heitere Farbensrcnde des oriciiialischcii Baues ans. Ja cs ist ein orientalischer Ban, ein gut gclnugencr orientalischer Ban. Das freut uns. Es ist uns eine Gcnngthiiinig, daß der Streit, ob maurisch oder goihisch, wie in der Mehrzahl der Fälle so auch diesmal zu Gunsten des erstcreu entschieden wurde. Es freut uns zu scheu, das alle die Synagogen in Kirchengestalt, welche man hic und da in den letzten Jahrzehnten baute, leinen Antlang finden, und daß man dochiuimerwiederzum maurischen Stile znriirfkchrt. -Nicht als ob maurisch das Ideal dcSSynagogcnbaucs wäre — der Sieg der zionistischen Idee» wird wohl aurf) aus diesem Felde belebend und schöpferisch wirken — aber die Wahl des' maurischen Stile« für Tcmpclbanten zeigt uns, daß der Jude sich doch »och immer.unbewußt als Sohn des Morgenlandes fühlt, mag er mich noch so im AssimilaiionSlaumel besangen sein. So lange noch die Inden int slavischcn Osten, im germanischen Norden, im romanischen Westen, in Amerika und Australien, ebenso wie in Europa Gotteshäuser bauen, welche den Moscheen des Orients ähnlich sind, — solange spotten wir der Assimilation. Herr Bauralh Stiaßny hat zwar in seiner Siebe bei der Einweihung der neue» Synagoge am 8. d. M. als Grund für die Wahl des manrisrficii Stils, angegeben, daß er uns an eine Zeit und an ein Volk, die Araber, erinnert, welche den Inden volle Gleichberechtigung gewährt haben. Dorf) wir nehmen ihm diese etwas gezwungene Erklärung uirfjt übel, denn wir sind überzeugt, daß ihn in seinem seil Jahren, namentlich gegen einen andern Wiener jüdischen Arcliitclten, der die Gothik vertritt, gejührtcn Kampfe für die inanrischen Synagogenbautcn nicht? anderes leitet als ein xidjtxgeS nationales Gefühl, das natürlich lveit davon cnternt iß, nalionaleS Bcwußiscin zu. sein. Die neue Synagoge hat überhaupt besonderes Glück. Nicht nur, daß sie einen lüchtiacn Banmeistcr gewann, wußte sie aucl> vom ersten Spatenstich ab das öffentliche Interesse wach zu halten. Ganz entgegen der hicrländischen Gepflogenheit, die polnischen Juden grimmig zu Haffen und anzuseindcn, kam man dein llnlcriiehineii von allen Seiten mit den 'größten Sympathien entgegen. Um diese zu verdiene», wurde das öfteren betont, daß die polm'sche Synagoge nidjt aus separatistischen Gründen gebaut werde, und versucht, dies zu beweisen.-Auch das freut uns, wenn man sich jüdifcherjeitS zur Abweckislung auch einmal vordem einzig gefährlichen Separatismus, dein im eigenen Hause, fürchtet, wiewohl wir sagen müssen. daß uns gerade ein bis zu einer gewissen Grenze ausrecht erhaltener polnisch-jüdischer Separatismus in Wien im Interesse des JndcilthumS eher nützlich als abträglich erscheint. Der EimvcihrmgSseicrtirfikeit wohin e ein Vertreter des Statthalters und der Vicebürgermeister, sowie viele bekannte Persönlichkeiten bei. Von den bei dieser Gelegenheit gchalteucit Ansprachen heben wir außer der bereits erwähnten des Baurathes Stiaßny auch noch diejenigen der beiden um den ylau hochverdienten Herren S. Weisels, Obmaimesdes Vethauivercines, und Iolles, Obmannes des Baueoiiiitcs sowie die Predigt des Herrn Rcibbinner Schnur ans Oswiccim hervor, Cautor Scharr erwies sich als gediegener und musikalisch geschulter Ehasan.' Die einzige Disharmonie der Feier waren die in altdemschc Tracht gehüllten Maurergehilfen, welche beit Schlußstein einingt n. Die. .Komödie wäre füglich besser unterblieben. Baden bei Wien, den 13. September 1893. Großes'Aufsehen rief die Predigt hervor, welche der hiesige Rabbiner Herr Wilhelm Reich am 1. Neujahrstagc in der hiesigen Synagoge hielt. Derselbe trat ntit so warmer Einpfindung mid so eindrucksvollen Worten für die Idee der Colonisation Palästinas ein, daß ihm nach der Predigt von allen Seiten die lebhafteste Zustimmung ausgesprochen wurde. Auch der Obmann-Stellvertreter des Verbandes „Zion" und Obmann des Wiener Einzelvercincs, Herr Leopold L ö b l befand sich im Gotteshanse und sprach Herrn Rabbiner Reich, der ihn fragte, ob er mit ihm zufrieden sei, den ticsstgefühlten Dank aus. ck. Krakau, 1, September 1s93l Die für gestern anberamnt gewesene erste Generalversammlung von „Cliovevej Erez Israel“, des hiesigen Einzelvercincs dcS Verbandes „Zion", wurde wegen der Choleragefahr behördlich verboten. Der Delcgirte für die Deltgirtenversammlungin Wien - wurde deshalb in einer Sitzung des provisorischen Comiies nominirt. D e tt t s ch c s R e i ch. Berlin, den 13. September 1883. Die hohen Festtage unseres jüdischen Volkes haben diesmal Ihrem Correspondenten Gelegenheit geboten, echt jüdisch-nationale. Predigten mit anznhören. Der erst 19jährige Prediger- Herr Becrmann, der mit jüdischem Feuer und großem jüdischen Wissen das größte Rednertalent verbindet, hat es verstanden, das bunt zusammengewürfelte Pnblicnm in einer Weise für das Judenthilm zu begeistern, daß man gcnöthigt ist, dem jungen Manne die größte Hochachtung bezeigen. Er wird auch den Jamhakippwim-m<|t vorüb ergehen lassen, ohne seine Zuhörer noch einmal, nachdrücklichst an die Pflichten zu ermahnen, die sic ihrem Volke gegenüber zu erfüllen haben. Am begeistertsten hing natürlich die Jugend an seinem Munde. Ucbcrhanpt macht sich gerade in Beziehung auf diese eine lange so sehr vermißte Besserung geltend. So erfuhren die hiesigen Nativnaljuden gerade jetzt von einer weitverzweigten Gruppe von national-. indischen Jünglingen in den Öberklasscii - der. hiesigen Gymnasien. Diese jungen Leute, die Alle gut nationaljüdisch sind, haben bisher weder von der Existenz anderer Nationnlstldcii, noch überhaupt von der ganzen Bewegung das Geringste gewußt. Um so erfreulicher ist cs, daß sic ganz ans sich und ohne.irgend welchen äußeren Einfluß den richtigen Weg zum wahren Volsjndenthnm eingeschlagen haben. Jerusalem, 17. Ellnl 5653. HerrA. M. Th amim befaßt sich mit der Gründung eines Vereines „Sfath emeth“, dessen Mitglieder verpflichtet sei» sollen, nur hebräisch zu sprechen. Auch ein Pereinslokal soll eingerichtet werden. Samuel E. Tiktin.

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