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Selbst-Emancipation · 1893-07-01 · Heft 9 (1.7.1893) · p. Seite 7

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Journal
Selbst-Emancipation
Volume
1893
Issue
Heft 9 (1.7.1893)
Date
1893-07-01
Page
Seite 7 (sequence 7)
Language
German
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SeLbst-Grnancipation. Seite 7 Nr. 9 cintrni, seine Vorlesungen über den Talmud zu geben, hat' eS Herr Meyers aber auch nicht vergessen, jiir Zion zu wirken. Er hat auf diese An mehrere Zweigvcreine in der Provinz .begründet, oder die Initiative;n ihrer Begründung gegeben. Er gedenkt dasselbe auch in Amerika zu lhun, wo ein größeres Feld für diese seine Wirksamkeit seiner harrt. Der zionistischen Bewegung ist ein Kämpfer in Herrn Isidore Meyers erstanden, der in sich von dem Feuer der leidenschastlichen Begeisterung und der zu Herzen dringenden, weil vom Herzen kommende» Eloquenz unserer alten Propheten viel ausgcuommeu hat und auch zugleich selbstlos und unerschrocken ist, wie nur einer sein kann. — Er kann jür die Sache Zions umsomehr von. großem Nutzen sein, als er als russischer Jude jüdisch spricht, und wenn auch seine Beredsamkeit im „Jüdischen" der Eleganz, welche er als englischer Redner ihr zu verleihcit weiß, entbehrt, so steht er doch als jüdischer Volksredner, so weit meine Erfahrung reicht, unübertroffen da. — Ich schreibe dies mit der ausdrücklichen Absicht, daß unsere Freunde in Amerika, sosern ihnen diese Zeilen zu Gesichte kommen, im Jnterege der Sache wissen, die Kraft des Rev. Meyers bei seinem Eintreffen in Amerika unserer Sache nutzbar zu machen. Am Sonntag den 18. d. Ni. haben die Neuwahlen im östliche» Zelt der Chov. Zion Hierselbst statlgefunden. Herr H. Landauer wurde zum Bice-Commaudcr erwählt. Herr Joseph Prag, der tüchtige Commander, ist selbstverständlich einstimmig wiedergewählt worden. bllllg von Scifed und Liberias ankaufen. Amerikanische llnterthanen dürfen, lvenn sie mit einem Passe versehen sind, ungestört einwaudern, nur seien sie gewarnt, in Massen zu kommen. Die Masseneinwandernng, d. h. zu Tausenden und Zchntausendcn ist noch nicht gestattet. 25. Schur. Wo f t 3 e n. Cesare Lombroso. Der durch sein Werk „Genie und Wahnsinn" berühmte lkniversitälSprosessor in Turin veröffentlichte in her „Neuen Freien Presse", (Nummer von 1.1. v. M.) einen sehr inlereffanten Artikel über den Anlisemilisinns, in ivclcheni er zur Schlußfolgerung kommt, daß der Antisemitismus wohl nie aushören werde; helfen könnte höchstens nur die.Gründung einer neuen vermittelnden auf socialistischcn Grundsätzen ansgebaute Religion. Der Artikel zeigt also, daß Herrn Lombroso wohl etwas von der ivahren Lage der Dinge schwant, daß er aber, wenn es zu den LösnngSversucheii kommt, ans ansgelrelenen Pfaden wandelt, kvelche ins Dickicht statt zur Lösung führen. Der Aufsatz L o m b r o s o's verdient eine eingehendere Würdigung, welche wir ihm in dieser Rümmer wegen Raummangels leider nicht gewähren können, die mir aber gewiß noch Nachträgen ivcrüeu. Alts Marokko laufen noch immer die traurigsten Nachrichten ein. Der Fürst knicket und peitscht lustig fort. Dr Rabbinowicz, der Talmudübersetzer, ist vor niehreren Wochen iu.einem Hospital verstorben. Das Leben dieses Mannes und auch sein. Tod hier in-London einsam und unbekannt, so daß Niemand zugegen war, als er zur letzten Ruhe gebracht wurde — werfen merkwürdige Streiflichter aus die Lage und die Zustände unserer Nation im 10. Jahrhundert. Ai. L e i b o w i tz. N o r d - A m e r i k a. Rew-Uork, 13. Juni 1893. Betreffs der Arbeiterfrage in Palästina dürfte es Sie interessiren, zu erfahren, daß der hiesige „Chovcvci Zion" Verein, welcher bekanntlich als Verein bei der Bodenankauf-Genossenschaft „Shove Zion“ betheiligt ist — sein Antheil betragt nun cirka 1000 Dulam — mit dem Plane umgeht, diesen Thcil in entsprechenden Parcellen den von den „Shove Zion“ zu beschäftigenden jüdischen Arbeitern kostenfrei zum Ansiedeln zu überlassen, und auch späterhin, soviel als möglich Boden zu demselben Zwecke zu erwerben. Natürlich wird sich der Verein, sobald dieser Plan gereift ist, auch mit dem Jaffaer ' Executiv-Comite in's Einvernehmen setzen. Die Vereinigung der amerikanischen Zionsvereinc ist vorläufig noch ein Ideal, einfach deshalb, weil die Zionisten außerhalb New-Porks und Bostons noch gar nicht organisirt sind. Wir erwarten, daß mit der endgiltigen günstigen Losung der praktischen Colonisationsfrage ein Umschwung zum Bessern eintreten wird. Inzwischen wollen wir hier in New-Jork ein zionistisches Organ im Jargon — mit hebräischer Beilage — in Bälde herausgeben. Betreffs der allgemeinen (interterritorialen) Verbindung der Zionisten, die einmal schon von dem Pariser Iisehiib-Erez Israel-Verein*) in Angriff genommen wurde, weiß ich mit Bestimiiktheit, daß sich die Pariser und Londoner in der praktischen Colonisationsthätigkeit tonangebenden Persönlichkeiten ablehnend gegen dieses Projcct verhalten haben. — angeblich weil die Sache noch verfrüht' sei. llischon. Boston, 7. Juni 1893. Vor einigen Tagen meldete ich Ihnen, daß die Genossenschaft. „Shove Zion I" eine Kabeldcpeschc voni Großrabbiner von Frankreich erhalten habe, des Inhaltes, daß die Genossenschaft jetzt Kaufbriefe über den beim Baron Edmund Roth schild gekauften Boden erlangen könne. Nun lief auch ein Schreiben des Großrabbiners' an die Genossenschaft ein, worin er mittheilt, das; die ottomanische Negierung allen Inden den Bodenkauf in ganz Syrien einschließlich der Kreise Beirut und Damasens gestattet habe. Ebenso können sich die Juden in der Umgc- *) auf Anregung der Wiener Zionisten. Redaktion. Indessen beschäftigen sich die braven Bürger in Tetuan mit ähnlichen Dingen. 2km zweiten Tage des Ramadan galoppiren die Mohamedaner wild ans ihren Nossen einher. Einer derselben lenkte nun absichtlich sein Nuß gegen ein Judenkind und tödtete es; dann höhnte er noch die Inden, Die Eltern waren, als sic die Leiche holten, thätlichen 2Ugrifsen ausgcsetzt. Bor den zu Gericht eilenden Verwandten schloß das Stadthaupt die Thore und nachher entwickelte sich eine regelrechte Jndenhetze mit den obligaten Mißhandlungen und Plünderungen. Hervorgehvben zu werden verdient, daß der spanische ConsulDon Joses N o v a ro sammt seinen Attaches mit den Waffen in den Händen die Juden vcrthcidigtc. — Gegen diese Berbernbrut steht ein Volk wie Israel hilflos da! Aus Rußland. Der Polizcimcister des Kreises Odessa frug den Gouverneur von Cherson au, ob er den kranken Inden während des Sommers , den Aufenthalt aus dem Lande gestatten dürfe. Die Antwort lautete: Den Juden wird gemäß Gesetzes vom dritten Mai 1882 der ländliche Aufenthalt ohne jede Ausnahme strenge verboten. Die Inden, welche sich schon auf's Land begeben hatten, mußten iu die Stadt zurück. Jene türkische» Jude», welche jahrelang in Rußland lebte» und »u», von dort ausgewieseu, »ach der Heimat zuriickkehrlen, besinde» sich in den Proviuzstädten, namentlich Salonichi und Smyrna, wohin sie geschickt wurden, in der schrecklichste» Nothlaqc. Es sind bei zweitanscnd Personen. Die Gemeinden sind zu arm, uni ihnen ausreichend Helsen zu können; sie helfen über ihre Kräfte. Sollten nicht die europäischen reichen Juden da mehr thun können und wollen! ' Jüdisches Militär in der Türkei. Trotz aller Dementis scheint die 'Nachricht, daß die Juden nun zum Militärdienst in der Türkei hinzugezogeii werden sollen, ans Wahrheit zu beruhen Einige wollen wißen, daß der Wunsch zuerst jiidischerseils geäußert und voin Sultan gern erfüllt wurde; andere halten die erste Version ansrecht, der Sultan habe gewünscht und die Inden hätten sich bereit erklärt. Wohlverstanden ausdrücklich gewünscht und. nichl befohlen; auch das sei dem Ehacham Baschi gesagt worden; Zwang werde keineswegs augewendet werden. Der zionistische „Haz' bhi" in Jerusalem begrüßt in einem würdig gehaltenen Artikel die voraussichtliche Neuerung als Zeichen der Gunst nad des Vertrauens des Sultans zn dem jüdischen Elemente. Auch mir würden uns über diese Einiührniig freuen. Unbeschadet der Ansichten, welche mir als eine eminent jüdische und von wirthschasllichen Grundsätzen geleitete Partei über den Militarismus hegen, sehen wir in der zu erwartenden Einreihung jüdischer Soldaten in das ottomanische Heer, wo sie übrigens eine streng national gesonderte Truppe bilden würden, ein Symptom dafür, daß das Berständuiß des Werthes des jüdischen Volkes für die Türkei und die orientalische Welt in türkischen Negierungskreisen immer mehr znnimmt. So können wir hoffen, daß der Tag nicht allzilferne ist, wo die hohe Pforte ganz überzeugt sein wird, daß kein treuere« und in allen Lagen verläßlicheres Volk als Volk!m türkischen Reiche wohnen kann, als das jüdische. Ebenso hoffe» wir, daß unsere Stamnicsgenoffen in_ der Türkei den Umschwung'werden zu schätzen wtfsen, der sie den semitischen oder semitistrien Völkern des OsmanenstaaleS näher bringt und eine Verheißung jür die Zukunft enthüll.

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