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Selbst-Emancipation · 1893-04-16 · Heft 5 (16.4.1893) · p. Seite 3

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Journal
Selbst-Emancipation
Volume
1893
Issue
Heft 5 (16.4.1893)
Date
1893-04-16
Page
Seite 3 (sequence 3)
Language
German
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Nr. 5 Kewst-GmancipaLion.Seite 3 A. li.") Lemberg Ende Nissan 56ö3. Zur Pflege jüdischnationaler Gesänge bildete sich vor einigen Monate« unter den Mitgliedern des Vereines „Zion" ein Club „Zions chor". Das erste öffentliche Auftreten dieses unter Leitung unseres unermüdlichen Chordirigenten Herrn Scham ed stehenden Clubs fand am zlveiten Tage Peffach statt. Zum Andenken an den großen jüdische» Rational- Helden Barkocbba veranstaltete der Zionschor einen musikalischdeklamatorischen Abend, welcher einen glänzenden Verlauf nahm. Mit drm Absingen des Liedes „Du Juda darfst richt Sklave sein" von Dr. Birnbaum durch den gutgeschiilte» Vereinschor begann der Abend, worauf die gelungene Ansprache des Herrn David Malz folgte, in welcher der Redner in kurzen llinriffen die Bedeutung, die Heldenkämpse ,,»d dann den Fall Barkochbas schilderte. „Rach der Niederlage bei Bethar — sagte der Redner — begannen für Israel Tage des Unglückes; eine Keltc von Verfolgungen, Ern rdriglingcn und Schmach — das ist die I8bunderijährige Geschichte unserer unglücklichen Ration". — Die Festrede des Herrn LsiaS Thon war eine historische Abhandlung über die Zeit und dir Bcdeutllng Barkoch b a s. Bon de» nrusikalischen Produktionen verdienen hervorgehoben zu werden: der Sologesang des Herr» llrid) i„Das Mädchen von Juda"), der Sologesa.ig des Herrn Schlafenderg. das Biolinspiel dcS Herni H arm r l i n und das Clavierspicl des Herrn Z a ch. Mit großem Int. resse lauschte dis Publicum der hebräischen Declamglivn des Frl. Spinne r, eines 9jährigen Mädchens, welches das Gordon'sche Gedidit .,N»nis»» «-'oaknsnu „olsc-i," zum Vorträge brachte. Schli ßlich ist »och die Teclawation des Her,n Sch amed zu erwähnen, welcher den fünften Act des Dramas ,,Kr«l Syomrvon A 91 o s s i g recitirte. Am letzten Tage Peffach feierte der Verein „Zion" das fünfnndzwanzigjährige literarische Jubiläum des hebräische» Schriftstellers Rüben Ascher Brandes. Herr Gustav Bader las eine hochinteressante Skizze über das Leben »nd schrislstellensche Wirken des Jubilars »nd fand wohlverdienten Beifall. Hierauf las Herr M. Be r k o w i cseine eigene Uebersetziing der Brandes'schen Novelle ..irini-hal» wiladeli:ilr‘ vor. Im Schlußworte feierte Herr M. Ehrenpreis den Jubilar als Reformator und Belletristen. Heute d. i. Montag ai» lO. April wird Herr Tr. K. Lippe a»S Jnssy hier einen Vortrag halle». Vorigen Mittwoch sprach Herr M. Ehrenpreis über den „gegenwärtigen Staad der jüdisch-nationale» Idee"; übermorgen wird Herr Ad. Stand über „die Geschichte der jüdisch-nationalen Bewegung in Galizien" lese». Ein Delcgirrentag der Zivilisten Galiziens findet Ende April l. I. in Lemberg statt. Ter „Jüdischen Presse" wurde ans Lemberg bericht N. daß die Regierung die Statuten des „Verbandes galizischrr Vereine zur Förderung der Colonisation Palästinas" genehmigt hat und datz der erwähnte Verein demnächst ein hebtülfches Lrgan Iieians;,,geben gedenkt. Diese Nachricht wnrde von vielrn jüdischen Zeitungen wie z. B. „Hameliz", „AUg. Ztg. d. Jndth." u. a. reproducirt. lins scheint die Geschichte dieses ..Verbandes" sehr iniwahrscheintich, da mail hier davon nichts weiß*). Darnow, am 1". April 1893. Am l. M. fand die diesjährige Generalversainmlung des hiesige» P n l ä st ina-Coloni- > a t i o n s - B e r e i n e S „A h a w a 8 - Z i o n" mit i iner Tagesordnung: I. Rechenschaftsbericht des. Ausschusses, 2. Statutenänderung, X Neuwahlen und 4. Eventnalia, statt. Aus dein vom Herrn Tr. A. Salz erstatteten Jahresberichte ist hervorznhebrn, das; die Bruttoeinuahmen des jungen, erst ein Jahr bestehenden Vereines si. 271-83 be-rugen: worunter ein ztveimaliger Betrag zir je st. 15, ,-jufauiuien also fl. 30 als Subveniiaii der hiesigen Escvmptcgcsellschast figurin, und das; der abtretcnvc Ansschns; >n Folge des bei der erstell vorjährigen Gencralversaiiiiiilttiig gefaßten Beschlusses, die Vereins eiiiküiifle »nr vereint mit aildcrcii österreichischen Bereiiien zu Colonisationszweckeil zu verwriidc», den ganzen Eassavorrath bis aus Weiteres in der hiesigen Spar.'affa frnciisicirt r,at. Nur fl. 29 8«; wurden im Laufe des Jahres zur Unterstützung einiger ,rach Palästina reisender russischer Emigranten und eines in Wien und dann in Lembergs zur Ansbildung sich aushaitenden Saseder Jünglings verwendet. Sodann wurde der Anschluß unseres Vereines an den Verband „Zion" beschlossen und die nöthige Statute,ländern,,g vorgeiiomnie,,. Vo-l lilln an führt unscrBcrei» den Namen: E i n;e lv ere in „Tarno>v" des „Z i o n", „B e rb an d e S der öfterre ichi sch e n Vereine für Colonisation Palästinas und Syriens". (Tie Statuten wurden auch schon am 7. i. M. der galizischen Statthasterei *) Es scheint hier eine falsche Informativ» vorzuliegen nnd der in der Coiistitiiirung begriffene „Zion", „Verband der österreichischen Vereine für Colonisation Palästinas und Syriens" gemeint zu sein. Ter Wiener Einzelverein desselben hat übrigens beiciis eine diesbezügliche Bcrid)tigiiiig a» die „Jüdische Presse" gesendet. Redaction. zur Genehmigung unterbreitet.'» In den Ausschuß wurden gewählt: die Herren M. D. Brandstetter, Vorsitzender, Dr.KarlSalamon, dessen Stellv:Meter, Dr. A. Salz, Heinrich H e u m a n n, Berisch M a s ch l e r. Sigmnnd B r o m b e r g, Eduard S ch w a g e r. Joses Eisen bcrg und Joachim M a f d) 1 er. Aiisschuß-Mitgl ebci und die Herr»',, Simon Ln stg ol d und David Klein mann Stellvertreter derselben. Nach Erledigung einiger Anträge der Vereins - Mitglieder wnrde zum Schluß der Be. sannnlung eine knrzgefaßtc Beschreibung der derzeit in Palästin., bestehende» jüdische» Colonien norgetragen, die von den Anwesenden beifällig ausgeilommen wurde. Es wäre sehr miiiischenswertb, daß di' anderen galizischen ColonisativnSverciiie möglichst bald ihren Anschluß an den Verband „Zion" bewerkstelligen. damit die erste Telegirtenversammlnna und die Wahl des Exekntiveoiniles in Bälde vorgenvinmcn werden können. Melach. Deutsches Reich. Berti», 5. April 1893. Die Fortschritte des jüdisch« nationale» Vereines „Jung Israel" haben unseren Assimilationsjude» große Furcht eingeslößt. Der jüdische V e r e i ll z u r A b lv e h r bei Anti s einitis nt u s. den sie kürzlich begründet haben, hat beschlossen, nur solche Mitglieder auszunehmen, die vorher die Erttürnng abgebcn, daß sie aus „rückhaltos dcutschnntionalem" Standpunkte stehen. Solche Erscheinungen sollten doch diejenigen unserer hiesigen Gesinnungsgenossen, die immer noch ihre Kraft und ihr Geld der Bekämpsnng des AntisemitismNs widmen, endlich belehren, was ans diesem Wege einzig zu erreichen ist. Und mögen auch hier in unserem National staarc die Verhältnisse so angethan sein, daß wir trotz unseres gewaltigen Aufschwunges vorläufig nicht über eine gewisse Grenze hinanskominen werdt'il, so sollte uns das gerade veranlassen, iinseren von den „Philosemiten" angegriffene» Wiener Parteigenvsscil beizuspringen nnd dieselben mit Rath nnd T h a t zu unterstützen. Dort im Nationalitätenstaate Oesterreich, in Wien, denr natürlichei« Centrum unserer Bewegung, muß der erste große Sieg gewonnen lverden, und wie wir hoffen, daß alle österreichischen Zionisten, dies erkennend, gerade jetzt mit aller Energie arbeiten werdeir, so müssen lv i r ullsererscits für das zionistische Wien Opfer bringe». Eine noch kleine Partei muß sich sammeln, und nichts wäre für sie verhängnißvollcr, als -wenn sie Separatismus treiben wollte. Die Ahlwardtscenc im deutschen Reichstage ist wohl auch den österreichischen Lesern der „Selbst-Emaneipation" aus den Tageszeitungen bekannt Die verleumderische Handlungsweise Ahl wa'r d t's wurde vom ganzen Reichstage einmüthig als ein in ihm noch nicht dagcwesencr Fall in schärfster Form vernrtheilt: auch die Conservative», und selbst S t öck e r schlossen sich diesem llrtheile au. Das war doch gewiß eine Niederlage, wie sie der Antisemitismus noch nicht erlebt hatte.' Aber was geschah vor dem Portale des Reichstagsgebandeo? A h lrvardt trat heraus, nnd mit stürmischen Hochrufe» begrüßte ihn die dichtgedrängte Menge und geleitete ihn ihm Triumphe nach Hanse. Das war seit den Tagen des Fürsten Bismarck nicht mehr vorgekommen. Und am Abend desselben Tages hielt A h l w a r d t in Spandau im antisemitischen Vereine vor Menschen eine Rede, und Hauptmann a. D. Harter setzte ihm dafür einen Lvrbeerkranz aus. In Friedeberg-Arnswaldc, dem Wahlkreise Ahl wa rdt's, ist die Stimmung jetzt noch /ndenscindlichcr als früher. Tic antisemitischen Führer haben das in schurkischer Weise auSznnützen.versucht nnd kurz vor Ostern Flugblätter, in denen die Juden des Ritual - Mordes beschuldigt wurden, verrheileu lassen. Aber überhaupt macht sich im ganzen Osten der preußischen Monarchie und im Königreich Sachsen der Judenhaß imme, schärfer geltend. Die Conservative«, die ihre Mandate an die Antisemiten zu verlieren fürchten, machen diesen immer «»ehr .Zugeständnisse. So wollen sie nach Ostern einen Antrag einbringcn, anslünbischen Inden

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