Mannheim
Compact Memory

Selbst-Emancipation · 1892-12-19 · Heft 23 (19.12.1892) · page 1

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Selbst-Emancipation
Volume
1892
Issue
Heft 23 (19.12.1892)
Date
1892-12-19
Page
– (sequence 1)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
94% known words query
IRI
…/3092672-3092717-3092738--1045-3094056
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

No entity mentions on this page.

OCR text

Selbst - Emancipation. Abonnements-Preisv: (Zusendung inbegriffen.) Für Oesterreich-Ungarn ganzj. fl. 4 „ Deutschland „ Mk. 8 - „ Rußland . „ Rbl. 4 .,, Amerika „ Doll. 2 „ die übrigen Lander „ Frcs. 1» Halb- und vierteljähriges Abonnement zu den entsprechenden Theilbeträgen. Das Abonnement kann mit jeder Nummer beginnen. Einzelne Exemplare (in der Expedition erhältlich): 18 kr. Otg-ih tlq Imlirch-Hiitillmle,,. Herausgeber und Chefredacteur: U"t^rrrr ggi-Pnhttnm. Erscheint zweimal im Monate. Redaction Administration Wien, IX./l., D'Orsapgasse 7. (Sprechstunde: Täglich nur von 6 bis 7 Uhr Abends.) Unfrankirte Briefe werden nicht angenommen und Manuscripte nicht retournirt. Ihr. 23 Wien, 19. Dezember 1892. V. Jahrgang. Inhalt: Der politische Zionismus. — Die zehnte Makkabäerfeier des akad. Vereines „Kadimah" in Wien. — Unsere Legitimation II. — Argentinien — Original-Correspondenzen: Wien, Wien, Wien, Wien, Lemberg, Czernowitz, Frankfurt a. M., Charkow. — Eingejendet. — Correspondenz der Redaction. — Correspondenz der Administration. An unsere p. T. Abonnenten! Die erg. gefertigte Administration erlaubt sich, darauf aufmerksam zu machen, dass mit Schluss des Wahres (893 viele Abonnements ablaufeu und bittet um rechtzeitige Erneuerung derselben, sowie überhaupt, um Begleichung aller Rückstände. Bei diese,n Anlasse wiederholt sie das dringende Ersuchen an alle Gesinnungsgenossen, für die Gewinnung neuer Abonnenten und Gönner unermüdlich thÄkrg'zu sein. Im Interesse des Blattes und der von ihm vertreteuen Sache müssen.demselben unbedingt stets neue Areise erschlossen werden. Die Administration. Politischer Zionismus. Unpolitische Politik! Man kennt dieses geflügelte Wor^ aus det österreichischen Geschichte der allerjüngsten Zeit. Was es sagen soll, ist klar. Ebenso klar ist, daß es sich ausgezeichnet auf die Tactik des größten Theiles der Zionisten anwenden läßt. Seit Jahresfrist ftihren wir den Kampf gegen die „upolitische Politik" in uuserem Lager, empfehlen wir den „neuen Cours". Es geht langsam, sehr langsam mit der Aufklärung in den eigenen Reihen vorwärts, aber das thut im Grunde genommen nichts zur Sache, denn jedenfalls haben die einjährigen Bemühungen Erfahrungen gezeitigt, welche nützlich und verwerthbar sind. In besonderem Grade sind dies namentlich zwei: erstens die Erfahrung, daß die Zionisten anderer Länder als Deutschlands und Oesterreichs ein gereistes parteipolitisches Bewußtsein noch lange nicht besitzen werden; zweitens die Erfahrung, daß' bei den. österreichischen und deutschländischen Zionisten mehr Verständniß für eine politische Behandlung der Sache vorhanden ist. Der erste Punkt läßt sich durch die Klage nicht bessern. Die Zionisten Rußlands sind eben nicht anders; sie fürchten die Politik, auch die ungefährlichste, wie die Sünde; sie haben sich in ihren „praktischen" Zionismus so verrannt, daß sie nichtsehen, wie die russischjüdische Jugend von Jahr zu Jahr weniger Recnrteu in die nationaljüdische Armee stellt, wie mit mathematischer Genauigkeit auszurechnen ist, wann der letzte Zionist in Rußland existiren wird — aber nicht etwa deshalb, weil sie sämmtlich in Palästina fein werden. Ja, das ist die Verkennung der Wichtigkeit der Agitation, die gerade in Rußland so gute Objecte unter Jung und Alt, Arm und Reich, Groß und Klein finden könnte. Den Zionisten Rußlands schließen sich in der Verachtung einer zionistischen Politik die Zionisten anderer Länder an, wohl nicht aus Ungewohntheit, politisch zu denken, sondern aus einem unverarbeiteten Rest von Antisemitenfurcht. Nur in Deutschland und Oesterreich — und es wird eine Zeit , kommen, wo man das rühmend hervorhcben wird — regt sich das Streben, den Zionismus als eine politische Idee auch auf politischem Wege lösen zu wollen. Wir deutschländischen und österreichischen Zionisten verkennen wohl nicht, daß es sich bei unserer Sache nicht um ein Politisches im engsten Sinne, nicht um das Staatlich e, wie es zu dem Nationalen, dem Wirthschaftlichen, dem Socialen, dem Volkssittlichen im Gegensätze steht, handelt. Nein, wir haben es mit einem Politischen im weitesten Sinne des Wortes zu thun, das ja dann volkliche, ökonomische, gesellschaftliche und volksethische Fragen mit einbegreift. Die Menschheit ist nun längst darüber hinaus, alle diese Probleme auf privatem Wege lösen zu wollen, man spricht daher auch von einer nationalen, einer Wirthschafts-, einer Social- und einer Religionspolitik. Die nakionalen, wirthschaftlichen, socialen und Religionsparteien sind daher auch jetzt zu politischen Parteien geworden, und eine solche müssen auch wir Zionisten werden, wenn wir auf einen grünen Zweig kommen wollen. Die Epoche der stillen Gährung, welche freilich jede Partei mitmachen muß, glauben wir, ist vorüber. Hinaus auf die Weltbühne! Sagen wir, was wir wollen, und sagen wir es so, daß man uns hört, uns begreift, uns unterstützt. Und namentlich wir Zionisten Deutschlands und Oesterreichs, gehen wir den anderen niit dem Beispiele voran, thun wir die Schritte, vor welchen die Anderen, die Furchtsamen und Zaudernden, zurückschrecken. Stellenwirsie vor eintaitneevmpli, sie werden uns einmal dafür dankbar sein, mögen sie auch jetzt, vergraben in ihrem bloßen Wohlthätigkeits- __ und Handelszionismus noch so sehr darüber grollen und schmollen! Die zionistische Politik muß nach zwei Richtungen hin betrieben werden. Es gilt, unser eigenes Volk zu gewinnen, das der Sache noch zum großen Theile ferne steht, und es gilt, die anderen Völker dafür zu interessiren, zunächst damit sie auf unser Volk zurückwirken, und dann, damit sie uns

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.