Mannheim
Compact Memory

Selbst-Emancipation · 1892-11-15 · Heft 21 (15.11.1892) · p. Seite 206

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Selbst-Emancipation
Volume
1892
Issue
Heft 21 (15.11.1892)
Date
1892-11-15
Page
Seite 206 (sequence 8)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
92% known words query
IRI
…/3092672-3092717-3092736--1034-3094043
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

Mentioned entities

OCR text

2 entity mentions

Seite 206. Selbst-Emancipation Nr. 21. bittere Gegenwart. Nun habe ich auch diese verloren. Wohl habe ich meine Studien, um derentwillen ich Hunger und Kälte, Nokh und aller Art Uebcl ertragen habe, mit gutem Erfolge beendet, und doch bleibt der Lohn aus, und doch stehe ich rathloser als je im Leben da — weil ich Jude bin ... Dies ist es, was mich unaufhörlich beunruhigt, was mir meine Sinne verwirrt." „Possen! Dummheiten!", rief Jacob lachend aus, „wir werden doch nicht Hungers sterben — und wenn, so wird man uns begraben..." „Lasse den Scherz", forderte ihn der Dritte auf, „mit Scherzen ist hier nichts geholfen". „Ihm kommt das Scherzen und Witzeln leicht", sagte Marcus kopfschüttelnd, „da er in den besten Verhältnissen und in allem Ucberflusse sich auf die Schule begab und auch jetzt in sein reiches Vaterhaus zurückkchrt, wo seiner alles Beste harrt. Ich dagegen war unglücklich beim Eintritt in die Schule und verlasse dieselbe noch unglücklicher... Auch ich reise — aber wohin? wozu? mit welchen Aussichten? Ich weiß es leider nicht. Ich reise wohl von . . . aber nicht nach. . . Ich reise, um nur die Stadt zu verlassen, wo ich unbedingt nichts zu suchen habe, aber noch immer bin ich um das „Wohin?" verlegen. Ich kehre nach meinem Geburtsorte zurück und, wer weiß, was daselbst vorgcgangeu ist, seitdem ich ihn verlassen, vor ungefähr 12 Jahren? Ob ich meine Eltern noch am Leben treffe? Oder statt ihrer nur noch ihre Gräber sehe? Die Gräber meiner armen Eltern, zu deren raschem Lebensende ich vielleicht selbst beigctragen habe..." Marcus seufzte schwer, drückte sein Haupt in beide Hände und senkte den Blick zu Boden. Seine Stirne faltete sich in vielfache Runzeln, gar jämmerlich und wild sah er so aus. Jacob schien nicht mehr scherzen zu wollen, denn er schwieg, während der dritte College einigermaßen gerührt das Wort ergriff: „Du magst wohl recht haben, Marcus, Du solltest aber dennoch anders sein. Der Kummer und die Sorge werden Dir nichts ersetzen; ob solcher Erscheinungen dürfen wir nicht verzweifeln, noch den Muth verlieren. Lassen wir den Kummer und das Weinen den kleinen Kindern."_(Fortsetzung folgt.) War-Kochöa's Schlachtruf. Zur Waffe, Fchuda, auf, lllann »eben lllann! wir dulde» den Römer nicht weiter! Du, Sohn der Gestirne^ du geh' uns voran, Bar-Aochba, gewaltiger Streiter! Heraus aus der Scheide das rostende Schwert; web', die ihr den ruhenden Löwen gestört! Dem Schimeon nach, uns'rei» Leiter! Ihr heiligen Hallen, zerstört durch den Brand, Heut' fordern wir euere Rache; Ihr Helden, gemordet von Läsarenhaiid, Heut' fechten wir ans eure Sache. Ichuda Makkabi, entzünd' unser Blut, Dass sich nns'res Inneren glimmende Glut, Zur lohenden Flamme entfache! Und sollte sie siegen, die tückische Brut, So soll sie es teuer uns geben! Li» jeglicher Tropfen von jüdischem Blut Lr koste ein römisches Leben. Und sollten wir fallen, wohlan denn, es sei! Doch streckt sich der totwunde jüdische Leu, verrecke der Geier daneben! Nehmt Rache an Roma mit grimmiger Wut, Den Römern Tod und verderben! Die Freiheit erkaufet mit Strömen von Blut, Auf, dass Lure Ainder sie erben! posaunen erschmetter», die Waffen bereit! Hei, römischer Geier, nun zeig' dich im Sreit! Auf, Brüder, zum Kampfe, zum Sterben! N. (Ungarn.) , Z’wi. Korrespondenz der Hledaclion. Herrn K. T. in U). Nur Geduld! Wir werde» schon Ueberletzungen von Gedichten Gordons bringen. Herrn K. Z. in ß. Sie meinen, dass es «»gezeigt wäre, die' »S.-E." „Organ der Zioniste n" zu nennen. Ihre Ansicht hat viel für ,,ch. Ihre Anregung wird in Betracht gezogen werden. Zusicherungen aber können wir diesbezüglich noch nicht geben. Herrn 211. ffi. in ZI. Die Herren könnten sich, wenn sic bessere Rechner waren, die Missgunst ersparen. Korrespondenz der Administration. Der Empfang folgender Gelder wird dankend bestätigt. Abonnements: Herr I. Walter, Morges: 2>/° Francs, Herr David Mader, Czernowitz: 1 fl.. Herren S. Schmucker'Trichter: je 2 fl., Herr Zinnemann, Riga: -I Rbl., Herr W. Behrmann, Petersburg: 2 Rbl., Herr R. Papo, Schabatz: 2 ft., Herr Dr. Pollak, Rakonitz: 1 fl., Herr Jacob Lnbarsky, Odessa: 4 gibt., Herr Nathan Cojcin, Odessa: 3 gibt, Herr G. Bielkowsky, Odessa: 2 gibt., Frau Agnes Gabinskaja: I .Rbl., Herr Rubinstem. Winnitza: 1 gibt., Herr Gustav Beck, Pilsen: 4 fl. B r i e f in a rke n sp en d e n : Dr. A. Salz, Tarnow: 9000, Studcntcn-Briefmarkciisanmilungs-ComitL, Horazdowitz: 40,000, Fräulein Paula Kohn, Horazdowitz: 3000, Herren Friedrich und Karl Weisikopf, Horazdowitz: 2000. 8oehen erschienen: Die Blutlüge (Efes-Damim) J. B. L E VIS OIIN. Aus dem Hebräischen iiberetzt von Alliert Katz. Preis 1,50 Wir. 85 kr. Eine cinferstandene Sprache Literarische Skizze von Fabius Schach. Preis 40 Pf. --- 25 kr. Zu beziehe» durch jede Buchhandlung des In- und Auslandes oder durch die Verlagshucliliandluu^von Hugo Scliildberger BERLIN 38TW., SxvLcIseii.-^ÄJ.lee LTr. 23. In Wien finden ein oder xniei Knaben aus anständiger Familie im Alter von 10 bis 16 Jahren in einem feingeöii'deten jüdischen Kause volle Verpflcgtmg, eventuell auch Unterricht in den verschiedensten Disciplinen, so in den Gegenständen des Gymnasiums, der Realschule, der Normal- und Handelsschule, in Stenografie, in modernen Sprachen und irr den hebräischen Fächern. Speciell können ausländische Knaben, da der Herr des Hauses ein anerkannter Schriftsteller deutscher Sprache ist, dieses Idiom gründlich lind bis zur vollkonnnenen Beherrschung in Wort und Schrift erlernen. Angemessenes Honorar nach Vereinbarung. Auskunft in der Redaction. Cravatten-Nadeln, ein „Magen David“ vorstellend, zierlich, sämmtlichen Gesinnungsgenossen als ein höchst passendes, einfaches und bescheidenes Parteiabzeichen auf’s Dringlichste empfohlen, sind heim Vereine „SCion“ Pember« (Krakauerplatz Nr. 11) und in der Itedaction der „8. E.“ erhältlich. Breis 12 Itr. — aus Silber 3o Uv. (Versendung ausserhalb Lembergs 3 kr.) Für die Redaction verantwortlich: Dr. Dathll» Kirnbaum. — Druck von Ferdinand Drück N Söhne, Wien, VH., Neubaugaffe -9-

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.