Selbst-Emancipation
- Journal
- Selbst-Emancipation
- Volume
- 1892
- Issue
- Heft 21 (15.11.1892)
- Date
- 1892-11-15
- Page
- – (sequence 1)
- Language
- German
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Selbst - Emancijmtion. Abonnrments-Prcisr: (Zusendung inbegriffen.) Für Oesterreich-Ungarn ganzj. st. 4 „ Deutschland „ Mk. 8 „ üiußland „ ilibl. 4 „ Amerika „ Doll. 2 „ die übrigen Länder „ Frcs. 10 Halb- und vierteljähriges Abonnement zu den entsprechenden Theilbeträgen. Das Abonnement kann mit jeder Nummer beginnen. Einzelne Exemplare (in der Expedition erhältlich): 18 kr. 't'giig i(ct[ jriulisc(i-l|ntiai!a[ti|, Herausgeber und Chefredactcur: Erscheint zweimal int Monate. Nedaction: Wien, IX./1., D'Lrjaygasse 7. ^Sprechstunde: Täglich nur von « bis 7 Uhr Abends.) Administration: Wien, XlX. Döbling, Hauptstraste 3». Expedition: Wien, IX./I., D'Orsaygasse 7. Nnfraiikirte Briefe werde» nicht angenommen und Mannscripte nicht retonrnirt. Ur. 21 Wien, 15. November 1892. V. Jahrgang. Inhalt: Der gegenwärtige Stand unserer Sache in Oesterreich. — An die Zionisten Galiziens. — Das Land Gilead. (Fortsetzung.) — Der Nationaljude. (Schluss.) — Die Heilung des indischen Volkes. (Schluss.) — Original-Correspondenzen: Wien, Wien, Tarnoiv, Radautz, Elisabethgrad, Jerusalem. — Chronik. — Reccnsionen. — Belletristisches. — Correspondenz der tliedaction. — Correjpondenz der Administration. — Inserate. Fortab befindet sich die Uedartion «nd Expedition unseres Klattes Wien, IX/1., D'Orsaygaffe Nr. 7. An die freunde unseres Blattes! Unser Aufruf an der Spitze der Nr. (6—(7 der „S.-E." hat einigen Erfolg gehabt. Spenden und Abonnements flößen reichlicher. N)er da aber glaubt, — und es wurden derlei Stimmen laut, — dass wir jenseits aller Schwierigkeiten und Verlegenheiten sind, der irrt gewaltig. Unsere Lage ist kaum gebessert. 2Nan berücksichtige, dass monate lange der Eingang der Abonnements fast ganz stille stand, man berücksichtige ferner, dass der erwähnte reichlichere Zufluss wieder zu versiegen beginnt, und man berücksichtige schließlich, dass unsere Ausgaben für Druck, Zeitungs- und Briefporti, sowie Honorare verhältnismäßig hohe sind. U)ir fordern daher alle Freunde und Gönner auf, durch Gewinnung neuer Abonnenten, durch Spenden und Begleichung der Rückstände auszuhelfen. Auch auf die Sammlung und Zusendung gebrauchter Briefmarken erlauben wir uns wieder die Aufmerksamkeit aller unserer Leser zu lenken, da sich thatsächlich hiedurch einigermaßen beträchtliche Einnahmen erzielen lassen. Die Administration. Der gegenwärtige Stand unserer Sache in Oesterreich. Im Leitartikel der vorigen Nummer hat ein Gesinnungsgenosse aus dem deutschen Reiche einen Ruf an die österreichischen Zionisten ergehen lassen, sie mögen doch einsehen, wie gerade sie auf den wichtigsten Posten hingestellt sind, und dass daher gerade für sie die heiligste Pflicht besteht, den an sie gestellten Anforderungen gerecht zu werden. In trefflicher, übersichtlicher Weise hat er mit fast durchwegs richtigem Blicke das zusammengestellt, was notthut, um unsere Parteisache in Oesterreich zu fördern. Er hat dabei nicht vergesse», gerade die hervorragende Bedeutung Wiens als Agitationsfeldes hervorzuheben. Alkgesichts dieser Aiifimiiiteruiig von außen wird es wohl ani Platze sein, die heutige Situation unserer Partei in Oesterreich überhaupt uild speciell in Wien zu beleuchten und daran manche nützliche Betrachtung zu knüpfen. Was die Provinz betrifft, so käme hier zunächst Galizien in Betracht. Dort ist ergiebiger Boden. Die Partei hat in Galizien schon eine Gegenwart, ein Umstand, der die Hoffnungen ans eine Zukunft vergrößert. Was kamt sich eine ntzne Partei mehr verlangen, als ein Menschenmateriale, welches für ihre Ideen empfänglicher ist, als jedes andere, als eine öffentliche Meinung, die sie nicht tvdtschweigt? Alls diesem Standpunkte stehen die Zionisten tu Galizien jetzt und sie müssten Fehler auf Fehler machen, wenn sie unter solchen Umständen nicht von Erfolg zu Erfolg schreiten sollten. Anders stehen die Dinge in den anderen österreichischen Kronländern, soweit sie eine nennenswerte jüdische Bevölkerung aufweisen. Wir müssten schönfärben, wollten wir lellgnen, dass dort mit Ausnahme eines leisen Ansatzes in Böhmen keine Spur von beivusstem Zionismus besteht. Namentlich durch die Kämpfe der Deutschen mit den Slaven, in welche die Juden mit verivickelt sind, ist in die letzteren ein so hoher Grad von Entfremdung gegenüber der eigenen Nationalität getragen worden, dass es eine fast überiikeuschliche Arbeit scheint, hier Wandel zu schaffen. Wieder anders stellt sich die Lage in Wien dar. Wiens Judenschaft ist der Schlüssel zu der Judenheit Oesterreichs. Das Wort Wien hat einen guten Klang bei den österreichischen Juden, man muss ihn daher den Leuten Vorspielen können. Selbst bis nach Galizien dringt der Zauber dieses Wortes und kann den dortigen Zionisten bei ihrer Arbeit Helsen. Doch, wie stehen wir in diesem Wien, der Stadt, die mehr jüdische Einwohner hat, als z. B. ganz Frankreich? Nun, viel haben wir noch nicht erreicht. Wir sind, wie wir dies in voriger Nummer ausdrückten, in Wien eine „Privatpartei" geblieben, auf ziemlich enge Kreise beschränkt und von der sogenannten „Judenpreffe" tvdtgeschiviegeu. Und doch sind wir schon etwas in der Stadt, ein Ding der Aufmerksamkeit, und zwar einer