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Selbst-Emancipation · 1892-10-09 · Heft 19 (9.10.1892) · page 1

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Journal
Selbst-Emancipation
Volume
1892
Issue
Heft 19 (9.10.1892)
Date
1892-10-09
Page
– (sequence 1)
Language
German
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Selbst - Emaneijmlion Abonnements-Preise: (Zusendung inbegriffen.) Für Oesterreich-Ungarn ganzj. fl. 4 „ Deutschland „ Mk. 8 „ Rußland „ Rbl. 4 „ Amerika „ Doll. 2 „ die übrigen Länder „ Frcs. 10 Halb- und vierteljähriges Abonnement zu den entsprechenden Theilbeträgen. Das Abonnement kann mit jeder Nummer beginnen. Einzelne Exemplare (in der Expedition erhältlich): 18 kr. Herausgeber und Chefredacteur: Erscheint zu Anfang und Mitte eines jeden Monates. V)! Redaktion: Wien, H./3., Malzgasse 4. (Sprechstunde: Täglich von 1—2 Uhr Nachmittags.) Administration: Wien, XIX. Döbling, Hauptstraße 30. Expedition: Wien, H/3., Malzgasse 4. Unfrankirte Briefe werden nicht angenomnien und Manuskripte nicht retournirt. Ur. IS Wien» S. Octobber 18S2. V. Jahrgang. Inhalt: Jehuda Leb Gordon. — Station Jerusalem. — Jehuda Leb Gordons hervorragendste Dichtungen. — Zur Argentinienfrage. — Der Nationaljude. (Fortsetzung.) — Original-Correspondenzen: Wien, Krakau, Lemberg, Lemberg, Sassöw, Neutra, Heidelberg, Odessa. Jerusalem, New-Dork. — Chronik. — Eingesendet. — Eorrespondenz der Redaction. — Correspondenz der Administration. — Inserate, Jehuda Leb' Gordon. *) Unser größter Dichter, Jehuda Leb Gordon, - ist dahin! Welcher - 'krlust, welches Unglück! Solches und ähnliche Ausrufe hört inan jetzt von allen Seiten? ''-'innerhalb der nissisch-jüdischen Intelligenz. Wir wissen, dass diese gewaltige Klage der jüdischen Gcistesaristokratic - Russlands unseren westeuropäischen Brüdern fremdartig - und unverständlich erscheinen wird. Sie können zur Noth noch begreifen, wenn die rnssischen Juden über das Versiegen ihrer Brodquelle, über die Austreibung ans Jnnerrussland, über die Unmöglichkeit, Carriöre' zu machen, weinen — aber dass sie Ströme von Thränen vergießen und wehklagen über den Tod eines gewissen Gordon, das ist ihnen unverständlich. Wer -war den eigentlich dieser Gordon? Wir haben den Namen nie gehört, weder unter den russischen Generalen, noch unter den Banquieren oder Eiscnbahnuntcrnehmcrn. Auch unter den großen Professoren Russlands findet er sich nicht. Warum weint also das Volk? Ja, meine lieben westeuropäischen Brüder, Gordon war kein General, kein gewaltiger oder reicher Herr, kein Professor der alten Sprachen — Ihr habt vielleicht auch heute zum ersten Male seinen Namen gehört, — und dennoch trauern wir alle an seinem Grabe. Denn dieser Gordon war der größte hebräische Dichter der Gegenwart und die jetzt lebende Generation der russisch-jüdischen Intelligenz, so weit sie Israel und seiner Sprache treu ist, verliert in ihm ihren Meister, der sic mit seinen Schriften erzogen hat. Wie weit ist doch das kalte Nordland, in welchem Gordon ge- . boren wurde und starb, in welchem er seine schönsten' .. Lieder sang, vom sonnigen Lande Israels, wie ferne doch die Zeit, in der unsere Propheten und Seher lebten, von der Gegenwart! Und doch hat uns Gordon in seinen wunderbaren Dichtungen die Stimme der Propheten in aller ihrer Macht, Schärfe und Pracht *) Das Manuscript dieses Artikels ist in hebräischer hören lassen. In ihm war ein neuer Jesajas erstanden, der die Sprache fast noch anmuthiger und lauterer zu gestalten wusste, als der"akte Jesajas; ein zweiter... Jeremias, der es verstand, fast noch herzbewegender, verzweiflungsvoller zu klagen, als der erste; ein neuer David, der fast noch sehnsüchtiger und erhabener zu singen wusste, als der königliche Psalmist. Der Stil der Lieder Gordons ist eine Elite der poetischen Stile aller Propheten. Gordons viele und verschiedene Dichtungen zeichnen sich nicht blos durch ihre wunderbare Form, ihre vollendete Technik, ihre Schürfe, ihre ästhetische Feinheit, ihre Anmuth ans, sondern noch mehr durch ihren Inhalt, ihren Gedankenreichthum und ihren kühnen Geist. Viele dieser Schöpfungen Gordons verdienen einen ersten Platz in der Weltliteratur. Rüben Brainin. (Fortsetzung im Feuilleton.) Jehuda Leb ben Ascher Gordon hat Freitag den 24. Elul 8652 (16. September 1892) nur 6 Uhr Abends in Petersburg iin Kreise seiner Familie und in Gegenwart seines als eifrigen Zionisten bekannten Busenfreundes G. I. Syrkin seine Seele ausgehaucht. Er erlag einem tückischen Krebsleiden, das ihn vor einem Jahre befallen hatte. Gordon wurde am 21. Kißlcw 5591 (1330) i» Wilna geboren. Seine Eltern waren Besitzer eines Hotels, in welches der polnische Adel einkehrte. Jehuda siel schon als Kind durch seine Fähigkeiten auf; man bestimmte ihn zuni Rabbiner. Mit siebzehn Jahren hatte er den ganzen Talmud durchstudirt. Damals lernte er deutsch, französisch und polnisch und begann hebräische Gedichte zu schreiben. Ungefähr zwei Jahre später vcrvollkommiiete sich Gordon im Russischen und in einigen allgemeinen Kenntniffen. Im Jahre 5613 (1852) wurde er zum Lehrer an der Kronschnle in Poniwes, im Gouvernemente Kowno, ernannt. In diesem Orte heirathcte er. Im Jahre 5620 (1859) wurde er Schullehrer in Schawel im selben Gouvernement, und fünf Jahre später Oberlehrer und Leiter der Schule in Tels. Sprache verfasst.

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