Selbst-Emancipation
- Journal
- Selbst-Emancipation
- Volume
- 1892
- Issue
- Heft 18 (19.9.1892)
- Date
- 1892-09-19
- Page
- – (sequence 1)
- Language
- German
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Selbst - Gnmneijmtion. Abonnements-Preise: (Zusendung inbegriffen.) Für Oesterreich-Ungarn ganzj. fl. 4 „ Deutschland „ Mk. 8 „ Rußland „ Rbl. 4 „ Amerika „ Doll. 2 „ die übrigen Länder „ Frcs. 10 Halb- und vierteljähriges Abonnement zu den entsprechenden Theilbeträgen. Das Abonnement kann mit jeder Nummer beginnen. Einzelne Exemplare (in der Expedition erhältlich): 18 kr. Herausgeber und Chefredacteur: Erscheint zu Anfang und Miste eines jeden Monates. Redaktion: Wien, II./3., Malzgaffe 4. (Sprechstunde: Täglich von 1—2 Uhr Nachmittags.) Administration: Wien, XIX. Döbling, Hauptstraße 30. Expedition: Wien, Il/3., Malzgasse 4. Unfrankirte Briefe werden nicht angenommen und Manuscripte nicht retournirt. Ur. 18 Wien. 19. September 1892. V. Jahrgang Inhalt: Rückblick und Ausblick. — Zum zehnjährigen Jubiläum von Rischpn l'Zion. — Moritz Gottlieb. — Originsj-Korrcspondenzen: Wien, Wien, Krakau, Lemberg, Peczenizhn, Magdeburg, Jerusalem, New-^ork. — Chronik. — Recensionen. Eingesendet. — (Korrespondenz . der Redaction. — Correspondenz der Administration. — Inserate. Rückblick und Rusblick anlässlich des Jahreswechsels. Das Jahr hat besser geendet als es begonnen. Unsere Partei stand am Anfang von 5652 unter dem lähmenden Eindrücke des von der Pforte gegen die russischen Juden erlassenen Einwanderüngsverbotes. Wir eiferten freilich sofort S^ solche Kleinmütigkeit, und zeigten, wie es so halte en müssen und wie es gut war, dass es so gekommen. So haben sich denn auch wirklich am Schluffe des Jahres die Dinge wieder zum Guten gewendet. Eine zweckmäßige, besonnene Einwanderung nach Palaestina ist wieder ermöglicht, das absolute Verbot ist aufgehoben. Jetzt gilt es, unsere Aufgabe fürs kommende Jahr zu erfassen, über das Errungene nicht zu viel zu jauchzen, bevor wir es nicht gesichert haben — für alle Zeiten. Diese Sicherung kann nur dann erfolgen, wenn die zionistische Gesinnung aus einer Parteisache ein allgemeines Gut des jüdischen Volkes - geworden sein wird. Nur auf breiter nationaler Grundlage sich aufbauend, kann das Zionswerk die Garantien dauernden Bestandes sich erwerben. Nur vom Volkswillen getragen, kann die Zionsbewegung geschichtliche Wirkungen Hervorrufen. Für jetzt ist das Verbot der Pforte aufgehoben, aber es muss auch eine Lage geschaffen werden, welche eine Wiederholung desselben oder das Eintreten noch peinlicherer Ereignisse unmöglich macht. Dieses Ziel kann nur von einem begeisterten, die Welt durch die Einmüthigkeit und Stärke seines Wunsches mit sich reißenden Volkes erreicht werden. Es sind bereits im verflossenen Jahre Schritte gemacht worden, um die Zionsliebe auf weitere Kreise unseres Volkes zu übertragen. Kleine Erfolge sind vorhanden, größere, die auf diese Thätigkeit zurückzuführen wären, sind noch abzuwarten, werden aber kaum ausbleiben. Es werden im kommenden Jahre wohl noch größere Anstrengungen in dieser Richtung zu machen sein, und man wird nun Mittel und Wege zu suchen und zu finden haben, um die Wahrheiten des Zionismus der Intelligenz und den Massen, namentlich in Mittel¬ und Westeuropa, beizubringen. Es ist selbstverständlich, dass hiebei jede Zersplitterung verhütet und ein einheitliches Borgehen wird angestrebt werden müssen. Das Jahr 5653 wird wohl endlich das Jahr der Organisation der Zionisten — wenigstens auf dem beschränkten Gebiete Oesterreichs und Deutschlands, vielleicht auch darüber hinaus, — werden. ' Es ist kein Zweifel, dass sodann das Tempo unseres Vorwärtskommens ein rascheres sein wird. Propaganda und Erfolge bedingen sich ja gegenseitig. Von letzteren haben wir bereits etwas aufzuweisen, das macht Propaganda, und Propaganda hinwiederum macht neue Erfolge. Noch Hilst uns.- bedauerlicherweise ein Drittes — das Wachsen des -Antisemitismus: Das ablaufende Jahr hat dem Jndenhaffe neue Gebiete eröffnet und ihn auf den altem Gebiete eine intensivere. Thätigkeit entfalten lassen. Alles spricht leider dafür, dass es im nächsten Jahre nicht besser, alles, dass es noch schlechter kommen wird. Ins Unzählbare wachsen die gegen die Inden heranziehenden Heerschaaren; damit wächst die Enttäuschung im jüdischen Lager, das sich so lange in dem schönen unberechtigten Friedenstraum gewiegt hatte. Die Herzen und Köpfe der Söhne unseres Volkes werden von den Thatsachen für die Aufnahme der zionistischen, der einzigen Israel endgiltig rettenden Idee vorbereitet. Freilich treten die Protzen und Bonzen des alten Systems nichts gutwillig von ihrem Terrain ab, sie machen einen gewaltigen Lärm und schleudern Verunglimpfungen und Verleumdungen gegen unser Beginnen. Zum Theil sind sie zu böswillig, zum größeren Theile aber bloß zu kurzsichtig, um die Erhabenheit- und geschichtliche Notwendigkeit des Zionswerkes einzusehen. Wir dürfen uns von ihrem Murren oder Toben ebensowenig einschüchtern lassen, wie im vergangenen Jahre; sie werden im kommenden Jahre wol noch weit mehr zettern, weil wir mehr werden wettern müssen. Darüber dürfen wir nicht kaltes Blut verlieren. Die Posaunenklänge des Neujahrfestes sollen uns Weckrufe zur Arbeit für unser Volk sein. Keinen Augenblick dürfen wir da vergessen, dass es vorzuarbeiten gilt jenem großen Augenblicke, von dem es heißt b'sobolar gadol jithaka, in welchem die Erlösungs-Dromette unserem Volke schmettert. Zum zehnjährigen Jitbümmt von Risthon l'Zion. 1. Geschichte der Eolouie Risch-n l'Zion. Es war am 15. Abh des Jahres der Welt 5642, des Jahres des gjriß 1814, nach der europäischen Zeitrechnung