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Selbst-Emancipation · 1892-08-29 · Heft 16-17 (29.8.1892) · p. Seite 173

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Journal
Selbst-Emancipation
Volume
1892
Issue
Heft 16-17 (29.8.1892)
Date
1892-08-29
Page
Seite 173 (sequence 11)
Language
German
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Nr. 16 u. 17. Selbst-Emancipation Seite 173. schmückten und schandbaren Ausdruck dieses unmäßigen Gefühls — darüber darf man sich nicht täuschen." Wir Nationaljuden täuschen uns sicherlich darüber nicht. Die Grabstätte der Herodianer bei Jerusalem. „The Jewish intelligente'' entnehmen wir folgende Mittheilung: Der Prediger Hanauer berichtet, dass er die kürzlich entdeckte Grabstätte der Herodianischen Familie besuchte, an der nach Josephus Flavius der berühmte Steinwall vorüber gieng, den Titus in 3 Tagen bauen ließ. Die kürzlich aufgefundenen Gräber sind einzig in ihrer Art. Der Eingang war früher durch einen schweren Stein verschlossen. Die verschiedenen Grabkammern sind in den Felsen gehauen; da aber der Fels hier weich und bröckelig ist, so sind die Wände mit schönem, römischen Mauerwerk belegt, dessen Steine so frisch und weiß aussehen, als ob sie erst gestern gelegt wären. Eine Grabkammer enthält zwei prächtige Steinsarkophage, der kleinere davon ist schön mit Blumen, Blättern, Früchten, Rosetten und anderen Ornamenten verziert, der Deckel ist aber zerbrochen. Dieser Sarkophag scheint nach seiner Größe für eine Frau bestimmt gewesen zu sein und früher die Leiche der schönen, unglücklichen Marianne, der Gemahlin Herodes des Großen enthalten zu haben. H. Hanauer nahm einige große Stücke von irdenen Krügen mit, deren Töpferarbeit im Stile derjenigen gehalten ist, welche nach dem Urtheile eines Kenners bei den Juden 600 Jahr vor der übl. Zeitrechnung üblich war. Sind die Afghanen jüdischen Ursprungs? betitelt sich in Jewish World ein Aufsatz Dr. H. W. Bell e w's früheren Militärarztes des bengalischen Heeres, dem wir einiges entnehmen wollen. Nach einer afghanischen Sage sollen die Afghaner von Saul— oder wie sie ihn nennen, Sarni — abstammen, dessen Sohn Afghana in Solomons Herr Führer war rmd den Tempel überwachte. Er selbst hatte 40 und seine Brüder 18 Söhne'deren Nachkommenschaft, welche an Zahlalle Stämme Israels übertraf, ''von" Nebukadnczar nach der Zerstörung Jerusalems in das entfernte Land Ghor (die Berge» und nach Kohi Firozah verwiesen wurden, wo sie sich niederließen und allmälig ihre Herrschaft bis über die benachbarten Stämme ausdehnten. Die Unwahrheit dieser Legende ist zwar historisch bewiesen, doch glaubt Dr. Bellew nichtsdestoweniger an den jüdischen Ursprung der Afghanen, möglicherweise wurden die vielen als Sclaven oder Auswanderer nach Afghanistan gekommene Juden wegen ihres Monotheismus zuerst von den in das Land eindringenden Araber zur Bekehrung zum Mohamedanisnius gebracht und gelangten hiedurch zu einer hervorragenden Machtstellung unter den benachbarten Stämmen. Eingesendet. Der vom Vereine „Admath Jesehurun“ herausgegebene Kalender „Jordan" für das Jahr 5653 erscheint am 10. September d. I. „Admath Jesehurun“ Verein zur Förderung der Colonisation Palästinas, veranstaltet an den Hohen Leierlagen einen Gottesdienst. Karlen sind im Bethauslocale I., Salzgeirs 13 vom 1. September d. I. ab täglich (mit Ausnahme des Sabbaths) zwischen V»6 und 7 Uhr Abends erhältlich. Allen Gesinnungsgenossen, die jetzt der Ruhe pflegen, auf dem Lande, in Bädern re., ebenso denjenigen unserer Mitkäinpfer, denen jetzt Ferien beschieden sind, sei hiemit die genussreiche Agitation für unsere gute Sache warm ans Herz gelegt. Gerade in dieser Zeit der Muße, wo man von Berufsgeschäften oder Studien nicht eingenommen ist und wo man mit verschiedenen Elementen zusammenstößt, die ebenfalls jetzt mehr als je einen Cursus über das Ideale mitzumachen geneigt sind — läßt sich für unsere heil. Sache viel thun. Wir dürfen von keiner saison morte wissen und gerade diese bestens ausnützen. Mehr aber als alle andere Agitation kann die Verbreitung der „S. §." von gutem und andauerndem Erfolge gekrönt sein. Mit Zionsgruss Veritas. Gesinnungsgenossen in Oesterreich! Der Kampf um Freiheit und Knechtschaft, Lehen und Tod unserer Nation ist entbrannt. Wir Nationaljuden im Deutschen Reiche haben dabei eine besonders schwierige Position. In einem Nationalstaate wie Deutschland ist man eifersüchtig auf die Erfolge nicht deutscher Nationen, die im Deutschen Reiche wohnen. So zahlreiche Erfolge wir daher auch im einzelnen erringen, so mannigfache Keime unserer guten Sache hier auch sprießen mögen, zur herrschenden Partei unter den Juden in Deutschland, werden wir erst dann werden können, wenn wir zur herrschenden Partei schon unter anderen deutschen Juden, d. h unter den Inden Oesterreichs geworden sind. Deshalb, Zionsfreunde in Oesterreich, setzet all' Euere Kräfte ein, Eurer Sache zunächst den Sie zu verschaffen! Mögen alle Euere Vereine die Agitation mit Ausbietung all' ihrer Kräfte betreiben, gleichviel ob es allgemeine Vereine, Stndentenvercine oder Mädchenvereine sein mögen, möge jeder einzelne seine ganze Kraft anspannen, bedenkend, was er damit für das Wohl seines Volkes gerade im jetzigen Momente vollbringt. Das beseligende Gesühl an der Rettung Euerer Nation selbst Mitarbeiten zu dürfen, muss und wird Euch für alle Mühe entschädigen. Besonders hoffen wir auch auf die Unterstützung unserer akademischen Jugend: so könnte z. B. die „Kadimah" Zweigvereine in anderen österreichischen Universitätsstädten gründen, und dadurch für die locale Verbreitung unserer Ideen in hohem Maße fördernd werden. Sehr wichtig für Deutschland wie überhaupt, wäre auch die Wahl von Abgeordneten unserer Partei bei den nächsten österreichischen Reichsratswahlen. Der Hinweis auf den Erfolg, ist das vorzüglichste Mittel der Propaganda. Unsere Anttsemiten haben ihre Triumpse in den letzten zwei Jahren ganz besonders ihren Siegen bei den Reichsrathswahlen von 1890 zu danken. Bon unseren Feinden sollten wir lernen. Schon jetzt arbeiten dieselben mit aller Macht für die kommenden Reichsrathswahlen von 1895. Ich will nichi weiter darauf eingehen, wie wichtig für uns auch Sitze im.österreichischen. Reichsrath zur Einwirkung auf die österreichische Regierung und damit indirekt auf andere Regierungen werden köunten. Es muss jedenfalls schon jetzt in denjenigen Wahlkreisen Galiziens und der Bukowina, in denen die Juden die Majorität haben, so ernstlich niit der Arbeit begonnen werden, dass sich mit Sicherheit Voraussagen läßt, dass wir dort den Sieg erringen werden. Hier könnten die Mitglieder der „Hasmonäa" ihre Treue durch Thaten beweisen, und sich ein mouumeatum aere perennius im Herzen unseres Volkes setzen. « Heidelberg, 7. August 1892. Dr. R. Bitte. In der achten, eben erschienenen Nummer seines „Haam" („Das Voll") hat Herr D. S. Silberbusch in Kolomea den neunten Abh zum Anlass.genommen, um seine bekannte zionistische Gesinnung in eiuem schönen.Arttkel zum Ausdruck zu bringen. Als sich unser Chefredacteur vor zwei Monaten gelegentlich seiner Agitvttonsreise duach Galizien in Kolomea nur einige Stunden aufhalten konnte, wurde ihm von vielen Seiten versichert, dass bei gehöriger Vorbereitung zu einem Vorttag in der Synagoge ein mehrtausendköpsiges Publikum erscheinen würde und dass dann an Ort und Stelle sofort ein Colonisattons-Verein mit mindestens tausend Mitgliedern erstehen müsste. Es gebe nämlich keine zweite Stadt in Galizien, deren jüdische Bewohner so leicht für palästinafreundliche Unternehmungen zu gewinnen wären, als gerade Kolomea, dessen Judcnheit ja überhaupt einen hochentwickelten Solidaritätssinn besitzt. Es ist nun vorläufig wegen der damit verbundenen Kosten nicht daran zu denken, dass der Verein „Admath Jeschurum" wieder einen Delegirten nach Kolomea entsende. Umsomehr sollten die Zionisten Kolomeas darauf bedacht sein, aus ihrer eigenen Mitte den aus der Fremde kommenden Propagator zu ersetzen. llnb_ wem sollte diese Pflicht mehr obliegen, als Herrn D. S. Silberbusch? Seine hebräisch geschriebenen Artikel sind ja ganz löblich, aber sie sind nicht für Kolomea geschrieben, ihre Anregungen dringen nicht in die Gehirne und Herzen der jüdischen Volksinassen der Stadt, sie gewinnen wegen ihres Idioms keine neuen Anhänger, sondern befestigen nur die alten. Wir bitten daher Herrn Silberbusch, seiner Ucberzeugung auch in Thaten Ausdruck zu geben und für die Gründung eines Palästina». Colonisattons-Vercines in Kolomea, dem für den Zionismus empfänglichsten Orte Galiziens, und für deu Anschluss dieser

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