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Selbst-Emancipation · 1892-07-02 · Heft 13 (2.7.1892) · p. Seite 138

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Journal
Selbst-Emancipation
Volume
1892
Issue
Heft 13 (2.7.1892)
Date
1892-07-02
Page
Seite 138 (sequence 12)
Language
German
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Seite 138. Selbst-Emancipation hajamim“ und „Tal jaldutli“, dessen Verdienste um die Entwicklung der hebräischen Sprache auf heimischem Boden nie genug gewürdigt werden Wunen, legt uns in' seinem prachtvoll ausgestattctcn Album, das sich hebräisch rAl sclioschanim“ nennt, 10 Blätter vor, ans welchen sich natürliche palästtnische Blumen und Blätter, in gepresstem Zustande und in der zierlichsten Weise arrangirt, befinden. Jedem dieser Kinder der Flora des heiligen Landes wird der Name des Ortes, auf dein es geblüht, bcigcsctzt,' und jedem ein hebräisches Gedichtchcn dargcbracht, entweder Jchuda Halcvys unsterblichem Genius oder dem reichen Dichtcrherzen des Herausgebers selbst entstammend. Wem solche poetische Grüße aus der Heimath das patriotisch-jüdische Herz zu rühren im Stande sind, wer sich eine wundervolle Zierde für seinen Schreibtisch oder den Tisch seines Empfangszimmers anschaffen, wer ein paffendes und sinniges Geschenk machen will, der beeile sich die „Blumen und Lieder aus dem Lande der Väter" zu kaufen. — Aehnlichen künstlerischen und nationalen Motiven entspringend ist die auch durch Herrn Jawitz veranstaltete Anfertigung von Neujahrskarten, Gratulations- und Condolenzkarten, welche ebenfalls nebst einem Blumcnkinde aus Palästinas Fluren ein hebräisches Gedichtchcn aufwcisen. Auch diese kleinen Kärtchen sind im Stande, allenthalben Jntcreffc für das heilige Land zu erwecken, und kein Gesinnungsgenosse versäume cs, sich ihrer bei Gelegenheit zu bedienen. — Sowohl die Albums, als die Karten können bei der Redaction der „S. E." - bestellt werden, und zwar beträgt der Preis eines Albums fl. 1.50, der eines Dutzend Karten fl. l.—. Das prophetische Schrifttum. Exegetisch-kritische Studien, vorzüglich auf historischer Grundlage, von Wilhelm Reich t. Band Iejaias. Wien, 1892. Der Verfaffer, Rabbiner von Baden bei Wien, ist längst ein vorteilhaft bekannter Schriftsteller. Er hat nun ein Werk begonnen, das gerade nicht besonders leicht ist. Die Propheten in ihrer Tiefe und Erhabenheit zu ersoffen und dies dem Publicum zu vennitteln, ist eine mehr als schwierige Aufgabe, Herr Rabbiner Reich hat sie recht glücklich gelöst, wenigstens was den ersten, uns vorliegenden Band betrifft — und die nachfolgenden werden ja wohl nicht schlechter sein. Es ist rühmend hcrvorzuheben, dass sich Reich fast immer über den Buchstaben erhebt, dass er sich nicht auf grammatische Zergliederung beschränkt, sondern mit den Leuchten der Geschichte und der Philosophie an seine Arbeit geht. Dieser Umstand macht sein Buch, mag man auch nicht mit allen darin niedergelegtcn Ansichten zuftieden sein, zu einer hervorragenden wiffenschaftlich-littcrarischcn Erscheinung, die aber auch Rabbinern und Lehrern practischen Nutzen gewähren kann. Kavbi Sal»m» Ephraim Luutschitz. Ein Lebensbild von Dr. M Grünwald. Frankfurt a. M. 1892. Der Verfaffer, der sich namentlich auf dem Gebiete der Geschichte der böhmischen Juden große Verdienste erworben hat, hat durch obiges Büchlein, welches eine Biographie bes bekannten Prager Obcrrabbiners (16"4— 1613) enthält, einen neuerlichen Beitrag zur böhmisch-jüdischen Geschichte geliefert. Schmul f cd» Kohn.. Ein zeitgeschichtliches Culturbild von Intimus. Wien 1692. Das auf die leidigen nutzlosen Scharmützel mit den Antisemiten gedrillte Wiener jüdische Publicum hatte mit großer Spannung den Roman erwartet, welchen die „Wiener Sonn- und Montagszeitung" unter Anwendung aller nwglichen Rcclaineinittel um Neujahr 1892 angekündigt hatte. In 18 Heften als Beilage zur genannten Zeitung erscheinend, beftiedigte er vollkommen die weitgehendsten Wünsche der Wiener Juden. Die scineizeit weltbewegende Entdeckung der „Wiener Sonnuud Montagszcitung", dass die Gattin des deutschnationalen Antisemitenführcrs Schönerer mütterlicherseits einen jüdischen Großvater hatte, — daher der Titel des Werkes — wurde zum Gaudium der Leser weidlich ausgcnützt. Aber das war nicht Alles. Sämmtliche in den letzten Jahren vor aller Oeffcntlichkeit abgehandcltc' und jeweilig mit peinlicher Genauigkeit von den Tagesblättern registrirten antisemitischen Scandalaffairen wurden hier nochmals crzähtt. Da aber ein Werk . der schönen Literatur kein Geschichtswerk ist, so sah sich der Verfasser . mit Recht nach einem romanhaften Gewände um, wobei er sich aber die Sache sehr leicht machte. Schönerer wurde zu Scheeler, Lueger zu Flieger, Liechtenstein zu Kalksburg, Schneider zu Feinzeug, Bergan» gar zu Erganiv uingctaust und so weiter mit Grazie. So war . der literarischen Notwendigkeit Genüge gethan, zugleich aber ein guter „Witz" gemacht, über welchen die Verehrer der „Wiener Sonn- und Montagszcitung" nicht genug lachen konnten. Ein Uebriges geschah noch, . indem der Verfaffer recht gewaltsam einige Liebesgeschichten einflickte, darunter die eines Socialdemokraten mit der Tochter seines Fabriksherrn; gelegentlich der ketzeren Geschichte kommt es zu Verherrlichungen des Socialisinus, gegen die wir an sich nichts haben, die sich aber gerade in der „Wiener Sonn- und Montagszeitung" recht possierlich ausnchmcn. Etwas künstlerischen und zugleich lüdischen Wert haben blos die Hefte 4 und 5, in welchen uns eine hübsche Ghcttvgeschichte aus dem antisemitischen. und anderen Schmutz der übrigen Hefte herausführt; man ist . dessen ftoh, wenn man auch sonst kein besonderer Freund der deutschjüdischen Ghettogeschichten ist. Noch eine goldene Stelle enthält „Schmul; Lceb Kohn", welche Ivir unseren Lesern nicht vorcnthalten wollen. Der jüdische Industrielle Gelbholz sagt zu seiner Frau: „Also hör', Rosalcben. Ich kann diese altdeutsche Mode nicht leiden. Warum? Darum! Man lebt wie in einer Gruft. Alles angcstopft mit finstern, scharfen Ecken und kein Licht ihnen auszuweichen. Das bissel Fenster auch noch mit dunklen schweren Grabvorhängen fast zugedeckt. Ein Lichtstrahl tantzt da in der Finster 'erum, wie ein Irrlicht und macht Einen ganz dumm. — Ich Hab' noch Zeit für e Mausoleum — Verstchste mich, Kindleben?" Ja, wenn sic das verstehen wollten, unsere Wiener Inden,'sie möchten wohl andere Bücher goutirc», als „Schmul Lceb Kohn". Eingesendet. Löbliche Redaction! Die am 30. Juni 1892 festgesetzte Ziehung der Gold-, Silbcr- und Effectcn-Lottcrie zu" Gunsten der Erbauung einer Synagoge nach polnisch-jüdischem Ritus in Wien musste, da noch eine große Anzahl Lose ausstehcnd ist, verschoben werden. Die Ziehung wird unwiderruflich am 23. Dezember 1892 stattfinden. Indem wir um gütige Ausnahme obiger Notiz höflichst' bitten, zeichnen wir mit besonderer Hochachtung und Ergebenheit. Das Synagogen-Bau-Comite S. Meisels, Ignatz Zolles. Wien, 30. Juni 1892 _ Korrespondenz der Kedaction. Wir besitzen gegenwärtig einen so großen Borrath au Auffätzen, dass wir unsere geehrten Herren Mitarbeiter bitten müssen, die Einsendung von solchen für kurze Zeit" einzustellen. Herrn £. Morlrin, Kerlin. Ihr Protest gegen die Unwahrheiten der Correspondcnz des „Woshod" über die angebliche Gesinnungswandlung der Berliner Nationaljudcu kam für diese Stummer zu spät, wird in nächster Nummer veröffentlicht. Herrn K. Ge. in Kerlin. Von ihrer Corrcspondenz gilt dasselbe. Soeben erschienen! exegetisch-kritische Studien. JESAIAS Wilhelm Leloh Balbier ier israeL CatapeMe in Baien bei Wien. Verlag von Oskar Frank’s Nachfolger "Wien, 1092. Preis 3 flö. W. In Wien finden ein oder swei Knoden aus anständiger Familie im Alter von 10 bis 16 Jahren in einem feingevitdelen jüdischen Muse volle Verpflegung, eventuell auch Unterricht in den verschiedensten Di'sciplinen, so in den Gegenständen des Gymnasiums, der Realschule, der Normal- und Handelsschule, in Stenografie, in modernen Sprachen und in den hebräischen Fächern. Speciell können ausländische Knaben, da der Herr des Hauses ein anerkannter Schriftsteller deutscher Sprache ist, dieses Idiom gründlich und bis zur vollkommenen Beherrschung in Wort und Schrift erlernen. Angemessenes Honorar nach Vereinbarung. Auskunft in der Redaction. Für die Redaction verantwortlich: De. Hatha« Kirnbaum. — Druck von Gtts Keückr, lvien, IX., Mari,nilianplatz 4—5.

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