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Selbst-Emancipation · 1892-01-18 · Heft 2 (18.1.1892) · p. Seite 24

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Journal
Selbst-Emancipation
Volume
1892
Issue
Heft 2 (18.1.1892)
Date
1892-01-18
Page
Seite 24 (sequence 10)
Language
German
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Seite 24. Selbst-Emancipation Nr. 2. ftvicn Menschen und andererseits zu nationalen, patriotischen Juden heranivachscn. Die Confercnz, welche sich unter Anderem für die durchgreifende Einführung der hebräischen als Unterrichtssprache an den jüdischen Normalschulen aussprach, faßte den Beschluß, sich als „asscfath morim" Lehrcr- Confercnz) an jedem Ncumondstagc als an einem Ferialtagc in der Colonic Rischon le Zion zu versammeln, und auf diesen Lchrcrtagen die Lehrordnung festzusctzcn, und die Lehrbücher zu prüfen und zu bcstinuncn. Herr L j u b in a n n ivnrdc zum Präses, Herr I. G r z u b s k y zum Schriftführer und Herr D. I u d l l c Iv i tz zum Sekretär der Lehrcrconfcrcnz gewählt. Der national-jüdische Daincnvcrcin „Bnoth Zion" in Wilna Rußland) hatte ein herzliches Schreiben an die Lchrcrvcrsamlung gerichtet, worin derselbe anfragt, womit er etwa behilflich sein könnte. Die Cholera, welche sich in Syrien so stark zu schaffen machte, ist schon in den mcistci: Orten dieses Landes erloschen. Hoffentlich bleibt also Palacstina von der schrecklichen Seuche verschont. Amitlii. Jerusalem, 1 8. Dcccmbcr 1891. Die von europäischen Zeitungen gebrachten Nachrichten, daß allen Jude» die Ansicdlung in Palästina verboten sei, oder daß sogar alle seit 1886 in Palästina cingcwandcrten Juden ausgcwicscn werden sollen, sind durchaus unwahr. Das bekannte bloß administrative Verbot richtet sich bloß gegen russische, jet-t cinwaudcrndc Juden. Beweis dessen hat der vor einigen Monaten hier aus Berlin angekommcnc deutsche Rcichsangchorige Herr 11 n g a r ein Grundstück gekauft, welches auf seinen Namen gerichilich eingetragen wurde. Amitlii. Chronik. «Bne; Zion". Unter diesem Namen haben bei fünfzig jüdische junge Leute in dem galizischen Pctroleumstädtchcn Boryslaw einen Verein zur Pflege jüdischen Schriftthums gebildet. Im Vcrcinslocale wird eine Bibliothek vorhanden sein und werden die jüdischen Zeitschriften auflicgen. Außerdem iverden im Vcreiuslocalc Vorckräge gehalten werden. Es ist zu hoffen, ' daß der Verein ein Mittelpunkt nationaljüdischer Bestrebungen werde. Wir tvünschcn ihm volles Gedeihen. Mus Ungarn. Die imgarischcn Juden haben etwas hochwichtiges u ihn» bekommen. Sie organisieren im ganzen raube eine Agitation, bciuss Erzielung der .,Reccplion der jüdischen Confessio»". Bisher ist die jüdische Religion mir aucrfamif, aber nicht eine der „Staatskirchcn", wie dies die ungarischen Juden gerne sehen möchten, weil sic darin den vermeintlichen Abschluß des Assinülationsprocesscs erblicken- In Wahrheit ist die „Rcccptioii" reine Formalität, sie hat mit der Frage der Gleichbercch- »qung iuchls zu lhnn, und bietet keine Lorthcile, cs sei denn, daß man die Möglichkeit des UcbertritlcS zum Judcnlhliinc, welche bislang in Ungarn nicht besieht, sowie die in der Rcccptioii vermuthete Gewähr einer endlichen Erreichung der Mischehe als solche cmsicht. Nach -er Taufe. Am 2. Jänner ist auf dein Matthäi- Kirchhofe in Berlin der Professor der Mathematik an der dortigen Universität, Dr. K r o n e ck c r beerdigt worden. Wiewohl getauft, hat er bis zu feinem Tode die Eultusfteucru an die jüdische Geincinde entrichtet, offenbar um den vollzogenen Glallbcuswechscl zu verbergen. Der Bedauernswerthe wollte also bei den Juden als Jude gelten. Der ..Ilnivers-Israelite" in Paris brachte einen warm gehaltenen Artikel zu Gunsten der Zionsidce und des nationaljüdischen Gedankens, nameutlich auch der Belebung der hebräischen Sprache. Dasselbe latt ist auch dafür cingctretcn, daß jeder Rabbiuatskandidat in Frankreich seine Eignung zum Rabbineraintc durch ein französisch und ein hebräisch geschriebenes Werk orwcisc. Aus Rußland. Unter den jüilgst aus Petersburg Ausgcivicscncn befand sich auch der bekannte Dichter und Jonriialist F r u g, der lange ein Liebling des russischen Publikums lvar. — Sehr harte Ausweisungsbefehle gegen Juden iverden ans Sibirien gemeldet. — Aus Moskau wurden Hunderte von Familien, weichen im Sommer für noch sechs Monate giltige Aufciithaltsscheiiie ausgestellt ivordcu ivaren, mm definitiv ausgewicscn. — Jn dcu Gouvcrncmcuts Pcrsa und Saratow, und zwar in den Orten Siudonoivoi, Saransko, Kasan, Samosansk, Korson, Saratow fandcu neuerlich blutige I üben h e h e n mit den übliche» Morden, Plüiidcriiugcii und Häuserzcrstönliigcn statt. In Sarauöko ivurdc sogar mit Dynamit gearbeitet. Anlaß zu den Kraivallen gaben überall ausgesprcngte falsche Gerüchte, wonach die Juden große Gctrcidemcngen heimlich angckauft hätten, um die Preise in die Höhe zu treiben. — In Gst - New " Uork haben mehrere junge Leute am 12. v. M. eine kleine Jndcnhctzc arrangirt, indem sic mehrere jüdische Bewohner des Stadtthcils insultirtcn und mißhandelten. Aus Argentinien. Der argentinische Corrrspoudcut der „Frankf.-Ztg." schreibt aus Argentinien: Das Colouisationsprojcct des Barons H i r s ch, in Betreff dessen ich zu meiner Ucbcrraschung in deutschen Zeitungen wiederholt Mitthcillmgen gesehen, nach welchen alles in vollem Zuge sein sollte, ist ganz cingcschlafcn. Der hiesige Agcm von H i r s ch hatte ein Projcct bei dem Cougreß eingereicht, wonach er für ausgesuchtes und vermessenes Land in Chaco und den Misiones unter gleichzeitigen weitgehenden Vorrechten ganze 200 Pfund pro Ouadratmcilc bezahlen wollte. Weniger der Pr^is als die Ncbcnbcdingungcn, welche den letzteren überhaupt illusorisch crscheiiicu ließen, machten dcu Vorschlag selbst einem argentinischen Congrcffc unannehmbar und cs beschränkte sich der letztere darauf, einen entsprechenden Verkauf von 1000 Legtlas zu jenem Preise, aber unter den geivöhnlichcn Bedingungen des ColonisationsgcsctzcS, zu gestatten. Der Agent deS Barons H i r j ch erklärte' damit seine Mission für erledigt, beziehungsweise nicht ausführbar und das ans rcjpcctablcn hier ansässigen Juden zusammengesetzte Comitö, welches der Erstcrc sich als Beirath gewählt hatte, löste sich in der Folge ans. Mau würde hier schon gerne das Geld nehmen, sicht aber die jüdische Einwanderung nicht g e r u. Thatsächlich sind ijur im September einige Trupps — wenn ich nicht irre, zusammen ungefähr 1000 Personen — für Rechnung des Baron Hirsch gesandter russischer Inden hier angckommcii, ivelchc übrigens nicht in Chaco. sondern in den Provinzen . Santa Fe und Buenos Aires mitcrgcbracht ivurdcn. Aus Australien. Wie erinnerlich ist, haben die Genossenschaften von Sydney und Melbourne seinerzeit in der schroffsten Weise gegen die angebliche Absicht des Baron H i r s ch protcstirt, einen Theit der russiich-jüdischen Flüchtlinge in Australien anzusicdeln. Den Protest haben sic dann den Colonial-Nrgicrungcn übermittelt und von diesen eine entgegenkommende Antivort erhalten. In der That ist seitens der Melbourner-Negierung der Londoner Generalagent für Vicroria, Sir Graham B c r r y angewiesen ivordcu, Baron H i r f ch zu eröffnen, daß die E i u iv a u d c r u n g d e r r u s s i s ch e n Juden nicht ge iv n n s ch t werde, übrigens auch den eigenen Interesse der letzteren nicht entsprechen würde, weil sic sich den LcbcnSvcrhältniffen Victorias nicht anpasscn und dementsprechend schivcrlich ihren Unterhalt würden siudcu könncii. Baron H i r i ch hat nicht gcfäuuit, dieses Schreiben in geharnischtem Tone zu beantivorten.

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