Selbst-Emancipation
- Journal
- Selbst-Emancipation
- Volume
- 1891
- Issue
- Heft 24 (17.12.1891)
- Date
- 1891-12-17
- Page
- – (sequence 1)
- Language
- German
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Gesinluulgsgkusssen! Verbreitet die Srlbsl-FmilciMtivn! Die nächste Wnmmer erscheint am 1. Jänner 1892. Wir ersuchen ttttt schleunige Eiusenduirg der rütkständige» PrännmrrationSgebühren. Die Administration. Zur größeren Bequenmlichkeit unserer P. T. Abonnenten außerhalb Wiens treffen wir dir Einrichtung, daß uns in den einzelnen Ortschaften Wertrauensmänncr vertreten, welche Bestellungen und Ncclämationen eillgegenzttnehmen, sowie Gelder in Empfang zu nehmen und zu quittiren ermächtigt sind, und bitten wir in administrativen Angelegenheiten sich an diese Bertrauensmänner zu wenden. Vorläufig hatten folgende Herren die Güte, unsere Vertretung — natürlich unentgeltlich —' zu übernehmen. Für ßzernowih (Bukowina): Herr Leon König, Kaufinaim, Ringplatz Für Kattowih (Qberschlesien) Herr Moritz Moses, Kaufinaim Für Kilfen (Böhmen): Herr Gustav Weck, Kniifmaiiii Der gefährliche Zionismus. „Angenommen, es gelänge, daß die Inden in Palästina, oder, auch nur rings um das heilige Land, welches ja nicht blos für unsere Glaubensgenossen ein solches ist, doininiren, wäre dies nicht für die anderen Inden eine sehr bedenkliche Sache?! Ja, noch mehr, ist nicht schon der Versuch, die Angelegenheit unter dem Gesichtspunkt jüdisch-nationaler Aspirationen zu erledigen, recht gefährlich?!" Es ist natürlich für Carl Emil Franzos eine ausgemachte Sache, daß diese rhetorischen Fragen, welche er im Zusammenhänge seines bei der letzten Berliner Delegirten - Couserenz erstattete«, von »ns bereits besprochenen Referates auswarf, nur eine bejahende Antwort zulassen. Doch bevor wir daraus näher eingehen, wollen wir uns bei unseren Lesern entschuldigen, welche wohl ein wenig befremdet darüber' sein dürften, daß wir Herrn Franzos vielleicht doch ein wenig mehr Aufmerksamkeil schenken, als ihm gebührt. Nun, wir versichern, daß wir es gar nicht mit Herrn Franzos' übrigens ganz achtbarer Persönlichkeit zu thnn haben, vielmehr einzig und allein mit seiner Rede, die, wiewohl unoriginell und ganz und gar des individuellen Gepräges entbehrend, nur durch die Gelegenheit, bei welcher sie gehalten wurde, Bedeutung erhält. Doch darf nicht ein anderer, mehr technischer Vorzug derselben übersehen werden, nemlich der, daß sie, freilich ohne sich viel um Beweise zu kümiiiern, inkurzen Behaupiniigen, welche sich zum Theile bescheiden in Frageform hüllen, den ganzen Inhalt jener Weltanschauung erschöpft, die Franzos für die beste hält. Und so konnte es nicht ausbleibeu, daß auch die „Gefährlichkeit" des Zionismus in dem Referate dieses Herrn einen Platz erhielt. Die „Gefährlichkeit" des Zionismus ist unstreitig eine der größten Gefahren für diesen selbst. Mit diesem Schlagworte hat die Assimilation die Losung für den Kampf gefunden, den sie nun wohl oder übel aufnehmen muß, und Franzos-hat das hoffentlich sterbliche Verdienst, seiner Partei diese Parole gegeben zu haben. Alle die vagen Befürchtungen, welche in den Herzen seiner Gesinnungsgenossen lebten, wenn sie das Schauerwort „jüdisch-national" vernahmen, goß er in feste Form, verdichtete er zu dem einen fürchterlichen Worte „Gefährlichkeit". Damit hetzteer die Instinkte gegen uns, ließ er die abstoßende Selbstsucht der Besitzenden, den berechnenden Ehrgeiz der Gebildeten, die lächerliche Eitelkeit beider gegen uns los. Gereizter als die Löwin, der man ihr Junges rauben will,! ist der Philister, den man um seine behagliche Mode-! und Modermoral, zu bringen, ist der Egoist, dem man das Mäntelchen der Würde wegzureißeii versucht, worunter recht unwürdig seine selbstische Art verborgen ist. Machen wir uns also aus einen heißen Kampf gefaßt, aber strengen wir alle Kräfte an, um ihn durchzuführen: Der Sieg wird ans unserer Seite sein, wenn wir die richtigen Mittel anwenden werden. Franzos unterscheidet sehr logisch zwei Arten der zionistischen Gefahr, die eine hervorgerufen durch die das Endziel vorbereitende jüdisch-nationale Bewegung, die andere bewirkt durch eine natürlich nur angenommene jüdische Bevölkernngsmajorität im heilige» Lande. Was nun letztere betrifft, so wollen wir nicht viele Worte darüber verliere»; wären wir nur schon so weit, d. h. Iväre ein jüdisches Centrui», eine Zufliichtstätte für gequälte und znrückgesetzte Juden, da, wir brauchte» uns gewiß nicht mehr die Köpfe darüber zu zerbrechen, um einerseits eingebildete Gefahren zu widerlegen und andererseits offenbares Unheil als existirend erst nachzuweisen. Umsomehr interessirt nns die erste Gefahr. Jedenfalls droht sie auch hier und hier umsourehr von Seite der europäischen Völker. ' „Was werden sie dazu sagen? Werden sie es ruhig hinnehmen, daß sich die Juden ihnen nicht mehr assimiliren, vielmehr zur nationalen Selbstständigkeit zurückkehren wollen? Wird nicht der Antisemitismus durch den jüdischen Nationalismus die glänzendste Rechtfertigung erhalten und werden nicht seine Scharen in's Riesengroße anwachsen?" Unsere Gegner appelliren an die Furcht v o r d e in A n t i s e m i t i s m u s, diese modernste Charakterschwäche des modernen Judenthums. Der Judenhaß aber, von dem der Antisemitismus nur die moderne Erscheinungsform ist, ist eine elementare Gewalt. Die Furcht v or dem Inden hasse kommt also der Furcht vor dem Gewitter gleich, d. h. sie ist so imveriiiinstig als diese. Für die Völker, unter welchen wir wohnen, findet sich immer ei» Grund, uns zu hassen und ist's just fein Laster, das bei ihnen Anstoß erregt, so ärgert sie eine Tugend, die wir besitzen. Ihre Abneigung ist blind und es wäre verfehlt, unsere Handlungsweise .darnach einzurichten. Im Uebrigen ist der von den Zionisten betretene Weg gerade derjenige, welcher am wenigsten Anlaß zur Klage geben kann; wenigstens wird das dann der Fall sein, wenn die Meinung Europas nicht von assimilationssüchtigen Inden beeinflußt werden wird. Und