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Selbst-Emancipation · 1891-12-01 · Heft 23 (1.12.1891) · page 1

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Journal
Selbst-Emancipation
Volume
1891
Issue
Heft 23 (1.12.1891)
Date
1891-12-01
Page
– (sequence 1)
Language
German
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dmancipiifion. Abonnements-Preise: (Zusendung inbegriffen) Für Oesterreich-Ungarn ganzjährig st. « . Deutschland . Mk 8 " Amerika „ Doll. 2 , die übrigen Länder . Frcs. IO Halb- und vierteljähriges Abonnement zu den entsprechenden Dheilbeträgen. Das Abonnement kann mit jeder Nummer beginnen. Einzelne Exemplare 18 kr. Organ der Jüdisch-Nationalen. Herausgeber und Chefredacteur: De. Rathan Birnbaum. Erscheint zu Anfang und Mitte jeden Monats. Redaktion n. Administration: Wien. 2/3 Mal,gaste Nr. 4. Sprechstunde: Täglich von 1-2 Uhr Nachmittags. Uiifrankirte Briese werden nicht angenommen und Manuscripte nicht retourniit. ~ ' Nr. 23. Wien, 1. Deeember 1891. IV. Jahrgang. Inhalt: Mittheilung. — Zwei Lehren. — An die.Zionisten in Rußland. (Fortsetzung.) — Bericht. — .Original-Correspondenzen: Wien. Wien. Czernowitz. Berlin. Magdeburg. Magdeburg. Dresden. Jassy. Jerusalem. — Chronik. — Literarisches. — „Admath Jeschurun.“ — Spenden. — Sprechsaal. — Corresponden; der Redaction. — Inserate. DM" Me nächste Kummer erscheint am 16. Aecemöer 1891. "ME Wir' ersuchen um schleunige Einsendung der rückständigen Pränumerationsgebühren. Die Administration. Freunden dieser Zeitschrift, sowie allen Gesinnungsgenossen erlaube ich mir mitzutheilen, daß ich am 17. November d. I. von der Herausgabe der Zeitschrift „Selbst-Emancipation" aus privaten Gründen zurückgetrete» bin. Ich bleibe nach wie vor Anhänger der von dieser Zeitschrift vertretenen Richtung und werde auch weiterhin innige Beziehungen zu derselben Pflegen. Wien, den 29. November 1891. Ar. Siegmund ßkka«. Zwei Lehren. Bei der jüngst in Berlin stattgehabten Delegirten-Conferenz zur Besprechung der russischen Judenfrage hat sich Herr Dr. Hirsch Hildesheimer als warmer Fürsprecher der Zionssache den Versammelten als „Mandatar von Hunderttausenden, vielleicht Millionen" vorgestellt und „die ungeheure Ausdehnung und Tiefe der sogenannten „Palästina"-Bewegung in Rußland" betont. Doch schon die Worte seines Vorredners, des Zionsgegners, Herrn Carl Emil Franzos, waren geeignet, den Delegirten eine Vorstellung von der Bedeutung, welche die genannte Bewegung erlangt hat, beizubringen. Denn es ist nichts Geringes, wenn ein Franzos, der mit jener Presse in inniger Verbindung steht, welche, obwohl von Juden geleitet, für alles Jüdische, namentlich aber für den Zionismus, taub, stumm und blind ist, gegen eine eminent jüdische Bewegung in längerer Auseinandersetzung ankämpfen muß. Er hat dies gethan, wiewohl er sich von seinem Referentenftandpunkte dagegen verwahrte, in den Kampf der Meinungen — er nennt ihn „Kampf der Weltanschauung" — eintreten zu wollen. Er hat sich auch bemüht, in diesem Kampfe ehrlich zu sein, was ihm bis auf zwei Punkte Zöllig gelang. Das humorvolle Mißverständnis, als ob die Sorge für die Erhaltung des jüdischen Jargons mit ein Grund fürdieZionisten wäre, Palästinas als Colonisationsgebiet zu wählen, ist dem Manne zu verzeihen, dem sein Schriststellerberuf sicherlich zu wenig Zeit ließ, um Wesen und Inhalt des Zionismus weniger oberflächlich zu ftudiren. Sein Bestreben wiederum, den Zionismus aus der orthodoxconservativen Weltanschauung zu erklären, fand die verdiente Zurückweisung durch Hildesheimer. Derselbe constatirte, daß die Palästina- Bewegung „nicht etwa, wie man fälschlich annimmt, blos demjenigen Vruchtheil unserer russischen Brüder, der sich „orthodox" nennt, ihr Entstehen und ihr Wachsthum verdankt, sondern j in's Leben gerufen ist und bis auf den heutigen Tag in hervorragendem Maße getragen wird, auch von den Vertretern der entgegengesetzten religiösen Richtung". Zum Beweise seiner Behauptung führte er die Namen des Professor Dr. Maudelstamm in Kiew, des Dr. Pinsker und des Rechtsanwaltes Margutis in Odesia an. Doch wir wollen auf die beiden — vorbedachten oder unvorbedachten, das wollen wir nicht näher untersuchen — Schnitzer Fran; o s', heute nicht weiter reflectiren, vielmehr unserer Aufmerksamkeit eine andere Richtung geben. Die letzte Berliner Delegirtenconferenz mit ihren hochbedeutsamen Reden und Vorgängen dürfen wir nicht der Vergessenheit überantworten, ohne uns früher die wichtigen Lehren, welche sie uns ertheilt, zu Gemüthe geführt zu haben. Abgesehen von dem Segen, welchen sie hoffentlich auch anderweitig nach sich ziehen wird, wird es in Zukunft nicht zu ihren geringsten Verdiensten gezählt werden, daß sie den Zionsfreunden wichtige Fingerzeige gegeben hat. „Wir haben keinen Staat", sagte Franzos in der Einleitung seiner Ausführungen, „private Wohlthätigkeitsausschüffe ohne die Autorität, das Geld, den Credit, die Derwaltungsmaschine eines Staates sollen eine Aufgabe lösen, die auch mit alledem erdrückend groß wäre! Ja noch mehr, wir sind ja auch kein einheitliches Volk mehr, der Jude in den Culturländern ist heute ein Deutscher, Franzose, Engländer jüdischen Glaubens und Gottlob, daß er's ist". Was sind diese Worte anderes, als das Evangelinm der Assimilation, in kurzer und prägnanter Form verkündet, was anderes als jene Lehre, welche wir so oft bekämpft haben, indem wir ihre Ungereimtheiten einzeln vorführten? Dieses „Gottlob, daß er's ist" ist das dankbare Aufjauchzen einer aus gehaßten Fesseln befreiten Seele, ist die Wort gewordene Freude am Tode des jüdischen, des eigenen Volkes. Dieser Jubelschrei eines erleichterten Gemüthes klingt umso schriller und seltsamer in die traurige Wirklichkeit hinein, als er unmittelbar aus den Nothschrei folgt, daß wir ohne einen Staat, ohne dessen Autorität, Geld, Credit und Verwaltungsmaschine eine Aufgabe lösen sollen, die auch mit alledem erdrückend groß wäre. Diese Folge gegensätzlicher Klänge gibt eine Disharmonie, wie sie so vollkommen nur jene „Weltanschauung", welcher Herr Karl Emil Franzos huldigt, hervorbringen kann. Aber nicht darum ist es uns heute zu thun, dies zu constatiren. Das „Gottlob, daß er's ist" wollen wir vielmehr nur dazu verwerthe», um unsere Gesinnungsgenossen darauf aufmerksam zu machen, daß sie nichts erreichen werden, so lange solche Grundsätze im jüdischen Volke, die herrschenden sind. Lasse sich Niemand einreden, daß sachliche Gründe die Verbreitung des Zionsgedankens unter den westeuropäischen, namentlich aber den deutschen Juden bisher verhindert haben. Es gibt unbewachte Momente, in welchen der diplomatischeste Mund von der Leber weg spricht. Da fallen alle ökonomischen und „praktischen" Hüllen und die nackte Abneigung aus Gesinnung oder aus „Weltanschauung" offenbart sich unseren Blicken. Da sucht man nicht mehr in ängstlicher „Objectivität" nach den Mängeln der Pälästinaidee, da hebt man nicht mehr die Vorzüge der Colonisation in anderen Ländern hervor. Nein, da loht die subjective Gehässigkeit gegen diejenigen, welche Israel als Volk nicht sterben lasten wollen.

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