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Selbst-Emancipation · 1891-11-16 · Heft 22 (16.11.1891) · page 1

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Journal
Selbst-Emancipation
Volume
1891
Issue
Heft 22 (16.11.1891)
Date
1891-11-16
Page
– (sequence 1)
Language
German
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Abonnements -Preise: (Zusendung inbegriffen) Für Oesterreich-Ungarn ganzjährig st. * „ Deutichiand , , Mk. 8 „ Rußland „ Rbl. t . Amerika „ Doll. 2 „ die übrigen Länder „ Frcs. ll> Halb- und vierteljähriges Ab-nn-meni zu den entsprechenden Theribeträgen. Das Abonnement kann mit jeder Nummer Einzelne Exemplare 18 kr. Organ der Indisch-Nationalen. Herausgeber: Chefredactenr: Dr. Siegmund Ettan. Dr. Nathan Birnbaum. — ^000^f0<>00 Erscheint z u A n s a n g und Mitte jeden Monats. i Redaction u. Administration:! Men. 2/3! Malzgas,. Nr. 4.! Sprechstunde:! Täglich von l—2 Uhr Nachmittag». j | Unsrankirte Briese werden »lebt angenommen! | und Manuscripte nicht reiourniit. j Nr. 22. Wien, 16. November 1891. IV. Jahrgang. Inhalt: Die jüdische Gemeinde. — .Gin Brief aus der Colonie Rechowotb. — „Zurück!" — An die Zionisten in Rußland. — Ein Vortrag des Dr. Güdemann über Grätz. — Original-Lorrespondenzen: Wien. Wien. Strvj. Berlin. Constantinopel. — Chronik. — Eingesendet. — „Admath Joschurun.“ — Correspondenz der Rcdaction. — Correspondenz der Administration. — Belletristisches: David Alroy. — Inserate. GesiuüuugsgrMssrn! Verbreitet die Sr!bst-EmailNMtmt! KSK- Die nächste Wnmmer erscheint am 1. Aecemöer 1891. Wir ersuchen um schleunige Einsendung der rückständigen PrännmerationSgebnhren. I»!«? Administration. Die jüdische Gemeinde. Wir haben bereits früher der Ansicht Ausdruck gegeben, daß die letzten Erlässe der türkischen Negierung im Grunde genommen als heilsame betrachtet werden müssen, da sie einer übereilten und nicht mit allen Eventualitäten rechnenden Eolonisation ein Ende bereiteren. Wir haben auch in voriger Nummer darauf hingewiesen, daß uns die Krise eine Haltung und Richtung ausnöthige, welche allein eine ErsüUung unserer schönsten Hoffnungen in Aussicht stellen. Wir ni ü s i c n u n s f ü r das Z i o n s w e r k v v r - bereiten und erziehen. Damit ist die Charakteristik des neuen Courses gegeben, welchen wir vorschlugen. Die Vorbereitung und Erziehung muß nach verschiedenen Seiten hin gehen, soll sie eine vollkonimene und zweckentsprechende sein. Die national-jüdische Partei aber, welche sie durchführen soll, muß aus alle diese Seiten bedacht sein. Ihre Agitation muß überall eingreisen, wo eine Möglichkeit besteht, das jüdische Gefühl und das jüdische Bewußtsein wachznrufen; sie muß überall am Platze sein, wo es gilt, Einfluß auf die Gemüther zu gewinnen. Das nationale Judenthum steht also gerade jetzt vor einer Arbeit, die bewältigt werden muß, obwohl sie in ihrer Fülle und Mannigfaltigkeit schier unübersehbar ist. Greifen wir die Thätigkeit durch die Presse, die rednerische Wirksamkeit auf Kanzel und Tribüne, die Vorbereitung der hebräischen Sprache, der jüdischen Geschichte und Literatur, die Organisation der Partei und die Theilnahme an den öffentlichen Begebenheiten innerhalb und außerhalb des Judenthum heraus, — so haben wir die Häuptarten. dieser Arbeit genannt» Es wird unsere Pflicht sein, jeder derselben zur geeigneten und gelegenen Zeit eingehendere Besprechungen zu widmen. Heute j wollen wir uns speciell mit einem Punkte bej schuftigen, der zu den erwähnten organisatorischen! Aufgaben der Zionspartei gehört und von außerj ordentlicher Wichtigkeit ist — mit d e r T h e i l - j n a h m e am j nd i s ch e n G e in e i n d e l e b e n.! Die jüdische Gemeinde ist lange nicht mehr j das, was sie einst gewesen ist: der Mittelpunkt j jüdischen Lebens und Strebens, das allerdings j nothdürfligc Surrogat Lei staatlichen Gemein- 1 schaff in Hinblick auf Erhaltung der jüdischen i Eigenart, das Bollwerk gegen das Aufgehen der Juden im Exile. Die jüdische Gemeinde ist nicht mehr dies schlechthin, sic ist — „israelitische Cultus gemeinde" geworden. Wir wissen recht gut, daß jene Nichtung, welche diese Umwandliing herbeigeführt hat, selbst innerlich irreligiös, die religiöse Seite der Gemeinde hervorkehren mußte, um den gleichzeitig nationalen Character derselben vergessen zu machen. Die jüdische Gemeinde war nämlich wohl nie „Staat im Staate" — wie das beliebte Schlagwort lautet — gewesen. Aber sie hatte sich als eine örtliche Gruppe des über. den Erdkreis versprengten Volkes Israel gefühlt. Die geringen, durch die unsägliche Verachtung der Nationen bewirkten Anklänge an eine Selbsiregiernng im Ghetto wurden mit Recht als Widerspruch gegen moderne Staatsideen beseitigt. Das that der Staat. Mußte die jüdische Gemeinschaft — neuestens ein beliebtes Verlegenheitswort von Assimilanten, wenn sie mit der „Religionsgenossenschast" nicht auskommen — ganz unnützer Weise weiter gehen und den jüdischen Gemeinden den jüdischen Character rauben? — Die jüdische Gemeinde sollte ein Centrum jüdischer Art sein, und sie wurde zur Gemeinde für bloße Cultuszwecke degradirt. Aber die Assimilation hatte damit ein politisches Meisterstück vollbracht. Sie hatte die Axt an einen Pfeiler gelegt, welcher nicht nur die Stütze des jüdischen Volksthums im Golus war, sondern andererseits auch berufen sein konnte, die Grundlage einer allfälligen national-jüdischen Organisation zur sein. Ja, der Plan war fein, die Axt war scharf, flink wären die j Hände, die sie schwangen; aber es geht jetzt ein gej waltig Wehen durch das Judenthnm, welches die Art i stumpf macht und die Hände lähmt, bevor noch i der Stamm durchspalten ist. Die Fasern werden j wieder ineinanderwachjen und die Zionspartei s muß daraus ihre Pläne bauen. > Wir meinen damit nicht, daß sich vielleicht jede! Gemeinde als Comite der Zionspartei constiiuire. Nichts liegt uns ferner als dies. Aber wir verlangen, daß die jüdische Gemeinde in dem Geiste geleitet werde, daß der Zionismus ihrer Mitglieder sich von selbst ergebe. Wenn eine jüdische Gemeinde von wahrhafi jüdischer Religiosität, die trotz aller gegentheiligen und nur ans arische Zuhörer berechneten Phrasen so innig und nnzertrenulich als nur denkbar mit dem jüdischen Volksthum zusaiiiinenhängk. erfüllt sein wird, dann wird der Boden für eine zionistische Organisation und Agitation ein ganz anderer sein, als in der „israelitischen Cultusgemeinde", wo „mosaische Religionsbegriffe" richtiger „unmosaische Religionsunbegreiflichkeiten" herrschen. „Zion" ist sowohl ein Ideal des jüdischen Volkes als auch seiner Religion, und die Gemeinde, die das beherzigt, wird nicht nur die besten Bekenner des mosaischen Glaubens, sondern auch die eifrigsten Streiter für unsere Sache liefern. Es ist daher ein Gebot politischer Weisheit daß wir den Gegnern das Geheimiuß ihrer Siege ablanschen, d. h. die jüdische Gemeinde zum Gegenstände unserer intensivsten Thäiigkeit machen. Dieses Gebot gilt für alle Länder, wo Juden wohnen; es gilt aber speciell für unser Oesterreich, in welchem ein neues, eben in Durchführung begriffenes „Gesetz betreffend die Regelung der äußern Rechtsverhältnisse der israelitischen Religions-Gesellschaft" große Veränderungen und bedeutsame Vorgänge innerhalb der jüdischen Cultusgemcinden Hervorrust. Es gibt außerhalb Oesterreichs sehr viele. Orte, deren jüdische Gemeinden zur Mehrheit aus Zionisten besteht; in Oesterreich giebt es in einigen Gemeinden schon recht stattliche Gruppen von Zionisten. Jene haben leichtes Spiel. Diese sind minder

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