Selbst-Emancipation
- Journal
- Selbst-Emancipation
- Volume
- 1891
- Issue
- Heft 19 (2.10.1891)
- Date
- 1891-10-02
- Page
- Seite 8 (sequence 8)
- Language
- German
- Belongs to
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Seite 8. Selbst- E m ancipati o n. Nr. 19 brach, welchen der Stern auf das Wasser warf, fiel in! seine Augen. ES war ein Boot und in dem Boote saß z stumm und unbeweglich eine große sonderbare Gestalt, > wie er sie an den Wänden der Gallerie ausgehauen gesehen hatte. David Alroy empfahl sein Schicksal dem großen Gotte Israels und sprang in das Boot. In demselben Augenblicke erhob die Gestalt das Ruder, und das Boot gcrieth in Bewegung. Der Wasserfall thcilte sich plötzlich nach der Richtung deS langen Streifens, den das Sternenlicht bildete, und die Barke glitt durch die hohen geschiedenen Massen. So ging es einige Minuten lang fort, bis sie zu einem schönen vom Monde beschienenen See kamen. In der Entfernung lagen Gebirge. Alroy betrachtete seinen Gefährten mit einem Gefühle von Neugier, daS nicht ohne Schauder war. BermerkenSwcrth war es, daß Alroy auf keine Art es dahin bringen konnte, desien Aufmerksamkeit auf sich zu ziehen. Er schien von dem Dasein des Mitschiffenden nicht das mindeste zu wissen. Endlich erreichte das Boot das gegenüberliegende Ufer deS Sees, und der „Fürst der Gefangenschaft" stieg aus. Hier sah er sich am Eingang zweier Reihen rolosialcr Löwen von rothem Granit, welche sich so weit ausdehntcn, als das Auge sehen konnte, und an der Seite deS Berges hinaufliefen, bis zu desien Gipfel eine herrliche Treppe führte. Das leichte Hinaufstcigen war daher bald vollendet, und .Alroy erreichte, durch die Löwenrcihen hingehend, die Höhe des Berges. Er erblickte zu seinem größten Erstaunen Jerusalem. Die merkwürdige Lage dieser Stadt war nicht zu verkennen. Zu seinen Füßen befanden sich Josaphat. Kidron und Siloa. Er stand auf dem Oelberge, vor ihm lag Zion. Aber wie verschieden war in jeder anderen Hinsicht diese Landschaft für Jemand, der vor ein paar Tageu sie zum crstenmale erblickt hatte. Die Hügel umher grünten alle von Weingärten, und schimmerten von Sommerpalästen, köstlichen Pavillons und verschwenderischen Anlagen. Die Stadt, die sich ganz über den Berg Zion hinstreckte, war von einer weißmarmorncn Mauer mit goldncn Zinnen umgeben: prachtvolle Thorc, blühende Terrassen, hohe Bauwerke von den seltensten Materialien, von Zeder uud Elfenbein und köstlichen Steinen, und Säulen von der ausgesuchtesten Arbeit ■ und den phantastischsten Ordnungen, Capitäler von Lotus und Palmen und Friese von Weinlaub und Oelzweigen. Und in der Mitte hob sich ein gewaltiger Tempel empor, Begeisterung selbst in seiner Form, ein Tempel, so groß, so prachtvoll, daß kein Priester erst zu sagen brauchte, seine unvergleichliche Herrlichkeit sei nicht von Menschenhänden erbaut! „Gott meiner Väter!" rief Alroy aus: „Ich bin ein armes und schwaches Geschöpf, und mein Leben war ein Leben voller Träume und Erscheinungen, und ich habe manchmal geglaubt, meinem Gehirne fehle der Gedanken Zusammenhang; — aber wo bin ich jetzt? Schlafe ich oder lebe ich? Bin ich ein Träumender oder ein Geist? Diese Prüfung ist zu schwer!" Er sank nieder und verbarg das Angesicht in feine Hände. Sein überreizter Geist schien ihn zu verlassen: er weinte bitterlich. Viele Minuten versttichen, ehe Alroy sich wieder fassen konnte. Die wilden Ausbrüche seines Weinens gingen in Schluchzen über, und das Schluchzen starb hinweg in Seufzer. Endlich aber ruhig durch Erschöpfung sing er wieder an aufzublicken, und sieh! die herrliche Stadt war nicht mehr zu schaue»! Vor ihm lag eine vom Mond beschienene Ebene, über welche die Reihen der granitnen Löwen sich ebenfalls hinwegzogen, und nur mit den entfernten Bergen zu enden schienen. Diesen Punkt erreichte endlich der „Fürst der Gefangenschaft", und stand nun vor einem ungeheueren in die Felsen gehauenen Pottale, viele hunderte Fuß hoch, von Gruppen riesenhafter Caryatiden gehalten. Uebcr dem Portale waren hebräische Charaktere eingegraben, die, näher untersucht, als dieselben sich zeigten,; wie die auf Jabastors Talisman.. Und jetzt zog denn . Alroy dieses überköstliche und lang gehegte Pfand aus seinem Busen, nnd drückte, gehorsam der erhaltenen Weisung, das Siegel auf das Ricsenthor. Es öffnete sich mit einem Donnerschallc, lauter als ein Erdbeben. Bleich, angstvoll und schwankend trat der Fürst der Gefangenschaft in die grenzenlose Halle, die mit freihängenden ungeheuren Kugeln glühenden Metalls erleuchtet war. An jeder Seite der Halle saß eine Reihe von Königen auf goldenen Thronen, und als der Pilger eintrat, erhoben sie sich von ihren Sitzen, »ahmen ihre Kronen ab und schwangen sie dreimal um ihr Haupt, und riefen dreimal im feierlichen Chor: „Heil Dir Alroy! Heil Dir Bruder König! Deine Krone, wartet (Fottsetzung folgt.) Spenden für den Fond zur Vergrößerung der „Selvst-Lnianctparion." Baar: Dr. L.. Magdeburg: 10 Mk. - 5. fl. 76 kr.; Salomon Zwellingcr, Baja (Austausch von Stempel auf nicht unterfertigten Wechseln): —.60 kr.; Dr. M. I. Bodcnhcimer, Cöln: 2 Mk. 1 fl. 15 kr.: Ungenannt. Cölu: 3 Mk. 1 fl. 72 kr.; D. H. Tiger. Lemberg: —.54 kr.; Zusammen mit dem bereits Ausgewiescncn: 101 fl. 68 kr. Briefmarken: Jacob Zupnik, Drohobycz: 210 inländ. und 60. ausländ.; Gustav Seidemann, Deutschbrod: 71 inländ.; Benjamin Raschkes, Dinaburg: 1500 ausländ.; .Ingenieur Michael Flamm, Tulcca; 300 inländ. und 2500 ausländ.; Richard Götzl, Wien; 200 inländ. — Zusammen mit dem bereits Ausgewiesencn: 41,796 inländische und 22,995 ausländische. Correspondenz der Redaktion. Allen Abonnenten und Gönnern des Blattes, allen Gesinnungsgenossen, sowie dem ganzen jüdischen Bolke überhaupt, wünscht die Redaktion eine ♦mita*? n»Tim nn\ro Herrn Dr. B. B. in Czeruowitz. Der Inhalt der uns eingesendeten Correspondenz hat ja gar nichts mit der Tendenz unseres Blattes zu thun; und ist überhaupt u. E. für gar kein jüdisches Blatt verwerthbar. Theodor Körner mag höchstens in der Hinsicht für jüdische Jünglinge ein nachahmenswerthes Beispiel abgebcn, als sic von ihm lernen könnten, für ihr eigen Volk zu fühlen. Herrn Max Robinsohn, Obergymnasiast in Stauisla«. Eine deutsche Uebertragung dieses Werkes ist nicht vorhanden. ' Sprechfaul. Frage: Kann vielleicht Jemand von den geehrten Lesern der „S.-E." mir mitthcilen, ob uud welche jüdischnationale Organe in französischer Sprache eS gibt, wo sie hcrausgegeben werden, und wie groß der Abonnements-Preis ist. T. S. in Kertsch. Aus verschiedenen, vom Vereine selbst unabhängigen Ursachen hat sich die Herausgabe des Kalenders „Jordan" verzögert, und gelangt erst am 1. und 2. Oktober zur Versendung. Um Entschuldigung bittet „Admath Jeschurun" Verein zur Förderung der Colonisation Palästina's. Correspondenz der Administration. Herrn Samuel Rappaport in Lemberg. Der im August d. I. erfolgte Empfang von 6 fl. als Quartalsabonnemcnt der Herren M. Schechter in Turka, I. M. Krengel in Krakau, Kibrik in Radautz, N. Bursztyn in Lemberg, Eduard Lettner und Hermann Lettner in Marienbad, sowie der Empfang von 2 fl. als Quartalabonncment von Ihnen und Herrn Stein in Berlin wird dankend bestätigt. Herrn M. Friedmann in Horazdowitz. Der Empfang der von einer ungenannt sein wollender Dame in Horazdowitz gespendeten 3 fl. wird dankend bestättgt. Herrn Moses Roscnmann. Der Empfang des Quartalabonnements ab 1. August 1891 wirb dankend bestättgt. Geldsendungen für den Kalender „Jordan" werden wegen-Raummangels nicht mehr im Blatte ausgewiesen. Die beste Bestätigung liegt ja im Empfange des Kalenders selbst. Ethrogim, Lutuvim und Hadajftm Palästina wurden dem Vereine „Admath Jeschurun" zum Verkaufe eingeschickt. Der Verein unterzieht sich gerne dieser Aufgabe und ladet die Zionsfreunde zu Bestellungen ein. Livei Atteste von Rabbinern ln ZWeriag. Preis eines Ethrog, Lnlaw sammt Hadassim: von 3 ff. answörts. Dr. M. Schnirer Präsident des Vereines „Admath Jeschurun". Dr. O. Kokesch Schriftführer. 9W Bestellungen sind zu richten an den Vicepräsidenten des Vereines, Herrn Salomon Bauer, Wien, VIII., Wirüenburggaffe i«. - Zwei Knaben im Alter von 13 und 18 Jahren, der deutschen, ungarischen und rumänischen Sprache mächtig, aus hochanständigein Hause, kräftig, sucht man als Praktikanten oder Lehrling unterzubringen. V'ta'n. „3 orda n" Jüdischer Bolkskalender für das Jahr 5652. terausgegcben von math Jeschurun", Vereine zur Förderung der Colonisation Palästtnas und redigirt von 1 Dr. Nathan Birnbaum, Chefredacteur der „Selbst-Emancipation". Inhalt: Genaues und übersichtliches Calendarium, Geschäftsnotizcn, Artikel nationalpolittschen und wirthschaftlichcn Inhaltes, Bcllettisttschcs in Prosa und Poesie u.s.w. sowie Inserate. Preis: 30 Kr. ö. W. 100 Stück: 25 fl. ö. W. (Mchrzahlungen im Interesse der guten Sache werden dankend quittirt.) Adresse: Zeitschrift „Selbst-Emancipatton" für die Rcdactton des Kalenders „Jordan"; Wien, 2. Bez. Nosalle Vfschitz Samuel LlaropolMp Browary. Für die Redaction verantw.: Dr. Nathan Birnbaum Buchdruckerei Schloßberg, Wien, II., Stephaniestr. 2