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Selbst-Emancipation · 1891-09-02 · Heft 17 (2.9.1891) · page 1

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Journal
Selbst-Emancipation
Volume
1891
Issue
Heft 17 (2.9.1891)
Date
1891-09-02
Page
– (sequence 1)
Language
German
Belongs to
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AbonnementS-Preise: (Zusendung inbegriffen) ffür Desterreich-Ungarn ganzjährig fl. H „ Deutschland „ mf. 8 „ Rußland „ Rbl. 4 „ die übrigen Länder Frcs 10 „ Amerika „ voll. 2 tzalb- und vierteljährig es Abonnement za den entsprechenden Theilbeträgen. Das Abonnement kann mit jeder Nummer Einzelne Lrcmplare (8 kr. Organ der Jüdisch-Nationalen. Herausgeber: Dr. Siegmund Elkan. Chefredacteur: Dr. Nathan Birnbaum. | Redaction «. Administration: js Wien, 2/3 Malzgafl» Nr. -z. Erscheint zu Anfang und Mitte jeden Monats. . Nr. 17. Wie», 2. September 1881. IV. Jahrgang» Inhalt: Um was wir bitten und was wir bieten. — Eine brennende Frage unserer Colonisationssache.—Der internationale Arbeitercongreß in Brüssel. — Gleiche Worte, verschiedene Gedanken. — Original-Cor respondenzen: Wien. Krakau. Lemberg. Czcrnowitz. Magdeburg. Kischinew. Kertsch. London. London. Jerusalem. E hronik. - Literarisches. — „Admath Jeschurun". — Spendenausweis. — Corresp. der Redaction. — Corresp. d. Administr. —Belletristisches: David Alroy. Gesinnungsgenossen! Verbreitet die Selbst-Gmancipation! Wtgr Die nächste Nummer erscheint am 17. September 1881. Um was wir bitten und was wir bieten. Die letzten Wochen des Jahres 5651 bedeuten einen Wendepunkt in der palästinensischen' Bewegung. Zwei Th a t s a ch e n sind .es,^welche derselben eine neue Richtung weisen: Erstens der Erlaß der türkischen Regierung, nach welchein den russischen Juden die Niederlassung im heiligen Lande fortan bloß über vorgängig einzuholende Erlaubniß der hohen Pforte gestattet ist; z w e i t e n s die in verschiedenen Unterhandlungen bekundete Geneigtheit letzterer, den russisch-jüdischen Einwanderern gegen gewisse Gegenleistungen große Länderstrecken im türkischen Asien — mit Ausnahme der heiligen Orte — zurColonisation zu überlassen. Die erste Thatsache ist geiviß nicht in dem Maße traurig, als die zweite Thatsache — eine solche ist sie nämlich trotz aller journalistischer Dementis — eine freudige genannt .werden muß. Ja, noch mehr, — das Entgegenkommen auf der einen Seite ist geeignet, uns zu lehren, das Widerstreben auf der andern Seite ebenfalls in Entgegenkommen umzuwandeln. Es gilt nur, die Pforte zu überzeugen, daß sie sich bezüglich Palästinas von keinem anderen Grundsätze leiten zu lassen brauche, als bezüglich ihrer übrigen asiatischen Besitzungen. Was nun spcciell die Bereitwilligkeit der türkischen Negierung, russisch-jüdischen Emigranten größere Bodcncomplexe in Türkisch-Asien — ohne Palästina — anzuweisen, betrifft, so könnten wir uns von unserem zionistischen Standpunkte aus. nur beglückwünschen, wenn die betreffenden Unterhandlungen bald zu einem greifbaren Resultat führen würden. Wir erreichten dadurch Folgendes: Erstens würden große Massen unseres Volkes, statt von dem Grundstock ihrer Stainmesgenoffen noch weiter iveggedrängt zu werden, und so die Zerstreuung Israels noch vollkommener und daher noch schwerer besiegbar zu machen, — in räumlichem und daher auch geistigem Zusammenhang mit dem übrigen Judenthum bleiben. Zweitens verrückte sich der Schwerpunkt des jüdischen Lebens aus dein Abendlande in das Morgenland, aus der arischen fremdartigen in die heimische semitische Welt. Hier könnte dann das Judenthum der Gegenwart sich selbst wiederfinden, und das Judenthum der nahen Zukunft eine weltwichtige Culturrolle übernehmen. Drittens würde ein großer, vielleicht der größere Theil des jüdischen Volkes in die allernächste Nähe seiner nationalen Heimat gelangen, — und es wäre dies gerade der Theil, dem noch die innigste Liebe zum heiligen Lande innewohnt. Von dieser Liebe gepflegt und gehegt, würde Palästina umso rascher wieder zum nationalen und culturellen Centrum des hebräischen Stammes iverden. Dann würden von Zion aus jene erlösenden und veredelnden Strahlen die Seele unseres Volkes erhellen, ohne die es im Golus verkümmern mußte. Man sieht also, daß wir zufrieden sein könnten, vorläufig nur das zu erhalten, was uns die Türkei jetzt gewähren will. Aber auch in anderer Hinsicht haben wir keinen Grund, für den Augenblick das obenerwähnte Verbot der Pforte allzusehr zu bedauern. In die schwüle Situation, in welche das ganze Colonisationswerk durch den sinn- und planlosen Andrang von ungeleiteten Einwanderern nach Palästina letzthin gerathen war, fuhr der Erlaß der türkischen Regierung gerade rechtzeitig wie ein reinigendes Gewitter drein. Hätte er noch ein Weilchen gezögert, so wäre die Palästina-Colonisation in Folge der durch die inangelnde Vor- und Umsicht ihrer Vorkämpfer verschuldeten Uebelstände für ewige Zeiten discreditirt gewesen. Daß sie von diesem Schicksal behütet blieb, ist es jedoch nicht allein, was uns gegenüber dem besprochenen Erlaße der Pforte dankverpflichtet macht. Mehr noch werden ivir ihm dafür zu danken haben, daß er uns unsere bisherigen Versäumnisse zu zeigen, und so eine förmliche Revolution, allerdings der heilsamsten Art, in unserer Taktik hervorzubringen berufen ist. Was ist nänilich bisher geschehen, um die türkische Regierung unseren Plänen günstig zu stimmen, um sie zu überzeugen, daß wir einerseits mit den besten Absichten als Bittende kommen, andererseits aber für die uns zu erweisende Gnade Gegen werthe zu b i et e n haben, die durchaus nicht zu verachten sind? Nichts, rein nichts, — aus dem einfachen Grunde nicht, weil man es für unklug hielt, diesbezüglich etwas zu unternehmen, um nicht die hohe Pforte, welche unser harmloses Beginnen schlecht auslegen könnte, auf dieses aufmerksain zu machen. Das war ein verhängnißvoller Jrrthum. In seiner Folge mußte es uns so ergehen, wie jedem, der etwas zu verheimlichen sucht und dadurch jedenfalls den Verdacht erweckt, es müßte das Verheimlichte etwas Unlauteres sein. Was konnte uns die so wohlwollende türkische Regierung Anderes als Mißtrauen entgegenbringen, wenn sie sah, daß wir uns hüteten, eine Sache publik zu machen, welche für unfer Volk von allergrößter Bedeutung ist und innerhalb derselben immer iveitere Kreise zieht? Haben wir uns durch unsere alberne Geheimthuerei nicht geradezu selbst das Brandmal „Schuldig" auf die Stirne gedrückt, ohne daß wir es in Wirklichkeit verdienten? Die osmanische Regierung sah eine Zeitlang unserem Thun und Treiben ziemlich gleichgiltig zu; als aber in Folge der letzteren großen Auswanderung aus Rußland der Ansturm der Einwanderer nach Palästina ein bischen gar zu lebhaft wurde, und überdies große wirthschaftliche Gefahren mit sich brachte, war ihre Geduld zu Ende. Sie zeigte sich auf dem Beobachterposten, wo wir sie in unserer Leichtgläubigkeit gar nicht vermutet hatten, und — das Facit war der mehrerwähnte Erlaß. Die Enttäuschung hätten wir uns natürlich ersparen können, wenn wir uns von Anfang an keiner Täuschung hingegeben hätten. Vergangenes läßt sich nun aber einmal nicht wieder ungeschehen machen und so gilt es denn jetzt den Fehler gut zu machen. Wir müssen das Vertrauen der türkischen Regierung, das wir unverzeihlicher Weise bisher gar nicht suchte n, zu gewinnen trachten, Denn nur dann können wir hoffen, die Co l onis ation Palästinas selbst sich entfalten zu sehen. Daß aber mit der oben ausgesprochenen Anerkennung der Vortheile einer Colonisation im übrigen V o r d e r a s i e n für das Zionswerk n i ch t ein V e r z i ch t auf die Besiedelung des heiligen Landes selbst gemeint sein kann, ist selbstverständlich. Dazu, daß von heiliger Palästina-Erde ein das ganze Judenthum belebender Hauch ausgehe, gehört ja auch, daß Juden auf ihr wohnen und walten. Wie gewinnen wir jedoch das Vertrauen der Pforte, auf daß mir ungestört unser Ziel erreichen können? Durch eine offene Sprache! Sagen wir, uin was wir bitten, und stellen wir das ins rechte Licht, waS wir unsererseits bieten. Um was wir bitten? Wir bitten nicht um politische Selbstständigkeit für die itt Palästina-Syrien anzusiedelnden Juden; wir bitten nur darum, daß dieselben in ihrem Boden eine w a h r e und wirkliche Heimat sehen dürfen, daß sie zu diesem Zwecke gegen Ausweisungen und Vertreibungen ä la Europa staats- und völkerrechtliche Garant i e e n erhalten. Worin diese Garantien

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