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Selbst-Emancipation · 1891-08-18 · Heft 16 (18.8.1891) · p. Seite 8

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Journal
Selbst-Emancipation
Volume
1891
Issue
Heft 16 (18.8.1891)
Date
1891-08-18
Page
Seite 8 (sequence 8)
Language
German
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Seite 8. S el b st - E m a n c i p a t i o n. datz man von den Einwanderern eine Verstärkung des amerikanischen SocialismuS befürchte. Und nun erzählt das Blatt von der grenzenlosen Ausbeutung, welcher die russisch- und polnisch-jüdischen Arbeiter in Amerika seitens der eigenen reichen Stammesgenoffen ausgesetzt waren. „Diese einfache Thatsache beweist, daß der Capitalismus stärker ist, als Raffen-und Glaubenseinheit: zwischen Geldjudcn und Mischen Proletariern gibt es keine Gemeinschaft", meint hiezu der „Vorwärts". „Mgemach fielen den jüdischen Arbeitern die Schuppen von den Augen. Als für diese, die Morgcnröthc des Claffenbewußtseins aufstieg, ging die erbleichende Sonne des Stammesbewußtseins zur Rüste." „In die Reihen des kämpfenden internattonalen Proletariats tritt der geknechtete Jude." — Die Thatsache, daß eine große Anzahl jüdischer Arbeiter Amerikas znm Socailismus übergingen, ist nicht hinweg zu läugncn, ebensowenig die Ursache davon, die Ausbeutung durch reiche Juden. Soviel wir aber wiffen, ist die Zahl der „internationalen Socialdemokraten" unter diesen jüdischen Arbeitern verhältnißmäßig gering. Das Gros derselben verbindet mit der s o c i a l i st i s ch e n die z ionist i s ch e Idee, und hätt ttotz des LärmenS der jüdischen Socialisten und Anarchisten Nordamerikas an dieser Verbindung fest. Die Leute sehen eben ein, daß der arme Jude nicht bloß dem wirtschaftlichen Druck der stammesgenöffischen Kapitalisten sondern auch dem nationalen Druck der Arier, und besonders des arischen Proletariates, ausgcsrtzt ist. Sie wiffen auch, daß der jüdische Capttalismns nur eine Verrohung der jüdischen Eigenart darstellt, die auf das Kerbholz des Golus zu schreiben ist. Sie wiffen, daß fie nicht dazu da find, um für das in t e rn a ti o n a l e P r o l e t ari a t, das, judenhaffensch geblieben, auch im socialistischen Staat: uns zum Danke, nach Herzenslust quälru würde, wie eö dies jetzt in schönster Harmonie mit der Bourgeoise thut, die Kastanien aus dem Feuer zu holen. Auch der socialisüsch gesinnte Zionist — und es gibt deren recht viele — sagt: „Erst ein Fleckchen Erde für unser Volk. Dann kämpfen wir. mit im großen Kampfe für Gleichheit; früher wär's recht unsocialisüsch." — Herr Dr. Friedrich E l b o g e n in Wien ist freilich weder Socialist noch Nationaljude, aber auch nicht einmal - Philosemit. In einer § 19- Berichtigungszuschrift an die Wiener socialdemokrattsche „Ar b e i te r - Z e i t u n g" erklärt es Dr. Elbogen „als unwahr und als eine gänzlich unbegründete Unterstellung", daß er Philosemit sei. „Dem Anttsemittsmus gegenüber stehe er auf dem Standpunkte der Socialdemokratte, auf dem Boden der Gerechtigkeit und Menschlichkeit." Daß er aller eher als Philosemit sei, beweise eine Stelle seines Werkes „Erlösung", wo er die Emancipatton der jüdischen Jutelligenz von „jener miserablen» moralisch verkommenen arbeitsscheuen Sippe" fordere, „die sich aus den großen und kleinen Dieben der Bank- und Börsewett zusammensetze." Die „A rbeiterzeituNg" will nun selbst diese Aeußerung, aus der ja offenbar nicht der gutmüthig blöde und b l i n d e Philosemiüsmus spricht, in der vielmehr, dem Autor unbewußt, so etwas wie national-jüdische Art, die Dinge zu bettachten, liegt, nicht genügen. Nach der „Arbeiter-Zeitung" bezeichnet man als „PhiloscmittsmuS" einfach die Tendenz, alle Menschen und Dinge darauf hin zu bettachten und zu beurtheilen, ob sie den Juden nützen oder schaden, die Rolle der Juden in der Wettgeschte maßlos zu überschätzen und eine große Empfindlichkeit gegenüber abfälliger Kritik der Juden an den Tag zu legen, dabei aber die Nattonaleigenschaften anderer Völler sehr sttenge zu beurtheilen." Me sehr sich Unrichtiges und RichttgeS in dieser Definiüon die Hand reichen, ist klar. Die läppische Art des Philosemittsmus wird mit dem berechtigten Nattonalgefühtt in einen Topf geworfen, — freilich nur dem erkünstelteten Kosmopolittsmus zu Liebe, der doch nicht umhin kann „Nattonaleigenschasten" anzuerkennen. „Die Menschen und Dinge daraufhin zu betrachten, ob sie den Juden nützen oder schaden" ist für einen Juden «ne höchst löbliche Eigenschaft und man kann sich deshalb noch immer den freien Blick für das Ganze, den Sinn für Menschhettsidealc erhallen. Der jüdische „Philoscmit" ttifftr wohl nicht, aber der Nattonaljude, der Zionist versteht es. („Freiland".) Man kennt die durch das berühmte Werk des Dr.' Theodor Hertzka hecvorgerufene Bewegung auf Gründung eines Gemeinwesens socialer Gerechtigkeit. Neuerdings ist man nun an die verschiedenen Colonialprojectanten für dos russische Judenthum namentlich an BaronHirsch mit der Anregung herangetrcten, von vorneherein das „Freiland"-System in den neuen Colonien einzuführen. Wir verhalten uns gegen das „Freiland"-thum ebenso wie gegen den Socialismus. Wir glauben nämlich, daS auch ein Zionist Dr. H e r tz k a's Jdealstaat gutheitzen kann, aber wir hatte» es aus denselben. Gründen, die wir gegenüber dem internatinalen Socialismus anführen, für unrichttg, daß ein Jude ganz in der „Freiland"- Bewegung aufgehe' — und sein Ideal in der Gründung eines Gemeinwesens in-Ostafrika sehe. Vor allen Böllern zuerst braucht Israel ein F r e iland. Es wüßte auch vielleicht, am ehesten etwas damit anzufangen; seine Bibel, aus der die „Freiland"-Lehren geschöpft sind, würde ihm hierin Wegweiser sein. Eingesendet. Geehrter Herr Redacteur l Ich bitte um die Aufnahme folgender Zeilen in Ihr geschätztes Blatt: Die jüdisch-nationale Idee, welche, Dank der Energie ihrer Vertteter, immer mehr Anhänger zählt und>.hoffentlich einmal die große begeisternde Idee unseres ganzen Volkes sein wird, hat auch bei der jüdischen Studentenschaft unserer Stadt warmen Anklang gefunden. Schon seit einigen Jahren herrscht eine Sttömung an unserer Hochschule, , die nichts anderes zum Zwecke hat, als die jüdischen Studenten in einer academischen Verbindung zu vereinigen. Aber dieser schöne Vorsatz konnte bis zum heutigen Tage nicht zur Ausführung gelangen, weil die nöthige Anzahl warmer Anhänger unserer Idee zur Begründung einer academischen Verbindung fehlte. Jetzt aber, da ein junges, für die jüdischen Jntereffen begeistertes Geschlecht an der Hochschule ist, wird Ernst gemacht und sofort an die Constituirung eines acad. Vereines geschritten. In der am 14. d. M. stattgefundenen Versammlung unserer Gesinnungsgenossen, welche sich einmüthig in begeisterter Weise für unsere Idee aussprach, .wurde ein Provisorium mit der Ausarbeitung der. Statuten. bettaut, die demnächst der Behörde vorgelegt werden. — Ich kann nicht umhin, der großen Verdienste zu erwähnen, die sich Herr Josef Vierer, stud. med., Mitglied der „Kadimah" in Wien, derzeit in Czcrnowitz befindlich, um die Gründung unserer Verbindung erworben hat, da derselbe energisch und zielbewußt die Sache von Anfang an in die Hand genommen und mit lobenswerthem Eifer geleitet hat. Czcrnowitz, den 27. Juli 1891. Für-das Provisorium: Map er Ebner, stud. jnr., dz. Schriftführer. Appell an Baron tzirsch.*) „Edler Menschenfreund! Da Sie schon entschlossen sind, Ihre ruffischen Glaubensgenossen nach Amerika zn schicken, so wäre es höchst wünschenswerth auch dafür Sorge zu trägen, daß sie hierbei dem Judenthume nicht entfremdet werden, wie es mit den meisten Juden in Australien geschehen ist. Die nach Palästina Wandernden sind dieser Gefahr wohl nicht ausgesetzt, in Amerika aber ist es . sehr möglich, daß sie mit der Zeit ihren Ursprung, die Quelle ihrer *)Ein Abonnent unseres Blattes in Rußland übersendet uns obigen-„Appell" mit der Bitte um Veröffentlichung. Wir kommen diesem . Ersuchen gerne nach. Die Redaction. raison d'etre vergessen. Es ist daher durchaus nothwendig, den Auswanderern Männer mitzugeben, welche im Stande sind, die Heranwachsende Jugend in die Elemente, und so weit sie sich dazu besonders oder für den Ackerbau zu wenig eignet, in die höheren Grade der Wissenschaft des Judenthums einzuweihen. Solche Lehrpersonen aber gibt.es jetzt, namentlich in Lithauen und in Südwest-Rußland in großer Menge. Es ist dies nämlich die jetzt von der Behörde gleichsam abgeschaffte und dadurch dem Betteln überantwortete Classe der M e l a md im, welche, man muß es zugeben, die Hauptträger und V e rb r e i t e r des Judenthums unter der Jugend sind. Ohne sie kann die Jugend keinen jüdischen Unterricht erhalten und ohne solchen Unterricht kann es keine echten Juden, also auch kein Judenthum im weitesten Sinne des Wortes geben. Vollbringen Sie also. Ihre edle That, so vergessen sie auch dieses nothwendigen Bedürfnisses nicht, denn: »Io al halechem l’wado jichjeh haadam«. („Nicht. von Speise allein lebt der Mensch".) — Mögen die Juden Ackerleute werden, doch mögen sie dabei die s ch ö n st c und heiligste der Sprachen, ihre Muttersprache, sowie auch dieMutter aller Religionen, ihre Religion nicht verlernen, wie es leider heutzutage nur allzuoft geschieht und fast zur Regel der jetzigen materialistischen Zeit geworden ist! . N. N Spenden für den Fond zur Vergrößerung der „Selvst-Lmanripatton": Meschurowsky: —54 fr.; Strafgeldcrcrgebnis gelegentlich eines Ausflugs nach Dorna-Watra, gesandt durch „Ein tteuer Kämpe": —.50 kr.; „Echad hamarbeh w’echad hamamit“ in Preßburg: —.60 kr.; Rudolf Sichrowsky, Wien: 150 inländ.; Akademischer Verein „Kadimah", Wien: 268 inländ. und 22 ausländ.; „Nuffisch-jüdisch-wissenschaftlicher Verein", Dresden: 5 inländ. und 1640 ausländ. Gustav Scidcmann Kuttenberg: 500 inländ. und 5 ausländ.; M. Schercschcwsky, Kowno: 10 inländ. und 400 ausländ.; Einil Silbersteiu, Lemberg: 51 inländ. und 856 ausländ.; Arnold Müller, Wien: 2750 inländ. und 150 ausländ«-; Richard Götzl, Wien: 124 inländ. und 6 ausländ.; Richard und Moritz Kohn, Wien: 114 inländ. und 6 ausländ.; Robert und Max Frankfurter, Wien: 122 inländ. und 8 ausländ.; „die kleine Gelehrte", Wien: 400 inländ. und 20 ausländ. Briefmarken.— Zusammen mit dem bereits Ausgewicsenen*): 58 fl. 05 kr. und 11.325 inländ., sowie 4298 ausländ. Briefmarken. *)Jm Spcndenauswcis der letzten Ruinmer werden die aus Tulcca' cingclangten 36 Francs — 26 46 fl. gesetzt. Die 86 Francs wurden aber in Wirklichkeit nur mit 16 fl. 84 kr. ausgewechselt, und stainiilt der Jrrthum daher, daß zu diesen 16 fl. 84 kr. aus Versehen auch die in Nr. 14 ausgeioiesenen 9 fl. 62 kr. hinzugerechnet wurden. DaS bringt es aber wieder mit sich, daß das in voriger Nummer ausgewiesene Gesammtergebnis von 56 fl. 41 kr. richtig ist. Correspotldenz der Administration. Herrn Dr. Rüben Bierer in Sofia. Der hiemit dankend quitttrte Bettag von 20 Francs wurde den von Ihnen besttmmten Zwecken zugcführt. Herrn Dr. Leo Verkauf in Wien. Der Empfang von 6 fl. wird dankend bestättgt. Herrn Willy Bambus in Tischnowitz. Der Empfang von 7 fl 35 kr. wird dankend bestättgt. Herrn Moritz Horn in Stanislau. Den Betrag von 2 fl. Abonncmentsgcbühr ab 1. Juli d. I., und 2 fl. Fördererbcittag für den Verein „Kadimah" im Juni erhalten zu haben, wird dankend bestättgt. Wegen Raummangels unterbleibt in dieser Nummer die Fortsetzung des Romanes «David Alroy". Es erscheint für das Jahr 5652 ein vom Vereine „Admath Jeschurun" herausgegeb. VoUskalender. Näheres in nächster Nummer. Ein oder zwei Knaben im Alter von 13 bis .17 Jahren in Pension zu nehmen, wünscht ein anständiges Haus. Adresse in der Administtatton. d.Bl. Für dieRedacüon verantw.: Dr. Nathan Birnbaum Buchdrucker« Schlosiücrg, Wien, II., Stephaniestt. 2

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