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Selbst-Emancipation · 1891-07-16 · Heft 14 (16.7.1891) · page 1

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Journal
Selbst-Emancipation
Volume
1891
Issue
Heft 14 (16.7.1891)
Date
1891-07-16
Page
– (sequence 1)
Language
German
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%[fi|t-©manripation. AbonnementS-Preise: (gufentmns inbegriffen) FLr Gesterreich-Ungarn ganzjährig ff. „ Deutschland „ Ulf. 8 „ Rußland „ Rbl. n „ die übrigen Länder „ jrcs 10 „ Amerika „ Doll. 2 yalb- und vierteljähriges Abonnement zu den entsprechenden Theilbeträgen. Vas Abonnenient kann mit jeder Rumnicr Einzelne Eremxlare l» kr. Organ der Jüdisch-Nationalen. Herausgeber: Dr. Siegmund Elkan. Chefredacteur: Dr. Nathan Birnbaum. | Redaktion n. Administration: Wien, 2/3 Sprechstunde: Täglich van 1—2 Uhr Nachmittags. Erscheint zu Anfang und Mitte jeden Monats. Wien, 1«. Juli 1881. IV. Jahrgang. Inhalt: Gegen Bedenken politischer Natur. — Zur Aufklärung über Borurtheile gegen Palästina. — Original-Correspondenzen: Wien. Berlin. Magdeburg. Dresden. London. Bucarest.Jerusaleui. Ncw-s)ork. — Chronik. — Literarisches. — Sir Laurence Oliphant. — Spenden. — Admath Jeschurun. — Eingesendet. _— Korrespondenz der Administration. —Nachtrag. — _ Gesinnungsgenossen! Verbreitet die Selbst-Gmancipation! Die Redaction und Administration befinde» sich vom 12. August d. I. ab:!>., Nrmbrandtstraße 4. •CF" Die nächste Nummer erscheint am 3. August 1881. "ME Gegen Bedenken politischer Natur. Die Frage: „Wo sollendierussischenJudenange siedelt werden?"steht im Vordergründe der Discussion. „Ein fester und gerade darum viel umstrittener Punkt" ist es. wie die Berliner „Allgemeine Zeitung des I u d e n t h u m s" sehr richtig bemerkt, der „aus dein Wirrwarr der guten und schlechten, der abenteuerlichen und praktischen Vorschläge aufleuchtet: P al ä stin a". Um diesen Punkt wogt der Kampf der Meinungen; er trennt die Streitenden in zwei Lager: Hie Palästinafreunde — hie Palästinagegner!" In die Reihen der letzteren hat das urplötzliche Populärwerden des durch ein Jahrzehnt dem Judenthum des Westens so mühsam verschwiegenen Zionismus Leben und Bewegung gebracht. Denn wer kann ihnen dafür bürgen, daß diese Bewegung, die sich jetzt nur mit einenl unklaren Zauber, gewebt aus Mitleid und Glaubenssolidarität, des deutschen Judenthums zu bemächtigen beginnt, dieses nicht schließlich doch zur Lehre eines einigen jüdischen Volkes bekehrt. Deni muß vorgebeugt werden und darum wird auf der ganzen Linie zum Angriffe geschritten. Daß es hiebei nicht ganz ohne Hinterhältigkeit abgeht, ist selbstverständlich. Etwas Anderes ist es ja nicht, wenn ein anonymer Gewährsmann des „Berliner Tagblatt",*) welchen dieses als „mit den einschlägigen Verhältnissen sehr gut vertraut" bezeichnet, in einer Zuschrift an dieses Journal das Palästina-Colonisationsproject „einen von orthodoxen Rabbinern geförderten Plan" nennt. Ist es doch notorische Thatsache, daß die Zionsidee gerade in den religiösemancipirten Kreisen des ruffischen Judenthums entstand, eben deshalb vonder Orthodoxie bekämpft ward und von einem Theile derselben noch immer scheel angesehen wird. Doch wir wollen uns nicht länger bei diesem; schlauen Versuche, den Zionsgedanken bei dem . . *)Unb der „O e st e r r e i ch i s ch en Woche ns ch r i f t" in Wien. nicht-orthodoxen Theile der west-europäischen Judenheit, der im Allgemeinen der ei nflußreichere und geldmächtigere ist, in Verruf zu bringen, aufhalten, da wichtigere Dinge der Besprechung harren. Derselbe Anonymus nämlich hat gleich den „Colonisationspolitikern" anderer Zeitschriften sich auf das Roß der hohen Politik gesetzt. Er fühlt sich zu etwas Besserem, geboren und fertigt daher die wirths chaftliche Seite der Sache mit einer bewundernswerthen Wortkargheit ab. Folgendes bloß weiß er. uns darüber, zu sagen: „Palästina ist weder ein für Handel, noch für Ackerbau günstiges Land, sonst wäre nicht das nach Hunderttausenden zählende Heer begeisterter Pilger aller Religionen ohne jeden Einfluß aus seine culturelle Entwicklung geblieben." Armes Palästina, das du vergebens ein ganzes Alterthum hindurch eine Stätte des entwickeltesten Handels seitens der Phönizier und des blühendsten Ackerbau's seitens der Hebräer gewesen bist; armes Palästina, daß du vergebens von den größten und anerkanntesten Geographen der Erde e i n fruchtbaresLand genannt wirst; armes Palästina, daß du vergebens in den letzten zehn Jahren bei zwanzig jüdische Colon i e n trotz Mangel an ausgiebiger Hilfe und einheitlicher Organisation zu nie geahnter Pracht auf deinem Boden erblühen ließest, — und nach Allen dem doch vor der — Thatsache stehst, daß die Thatsachen lügen! Denn wie kann es anders sein, — „sonst wäre ja nicht das nach Hunderttausenden zählende Heer begeisterter Pilger aller Religionen ohne jeden Einfluß aus deine culturelle Entwicklung geblieben." Eine Hoffnung freilich bleibt dir, armes Palästina, daß diese hunderttausende Pilger, bei aller ihrer Begeisterung, über' welche ja nicht weiter gestritten werden soll, ein recht untauglichesCulturelement gewesen sein mögen und wohl an ihnen, nicht an dir die Schuld gelegen haben mag, daß deine einstige in Schutt und Asche gesunkene Cultur nicht neu erstehen, daß keine neue sich entwickeln konnte. Abenteurer einerseits und Betbrüder andererseits waren nicht im Stande, solches zu vollbringen; da mußtest du schon wohl oder übel auf die russischen Juden warten, die keines von beiden sind und sich daher hoffentlich als tauglicheres Culturelement erweisen werden. Run sollen aber auch Gründe hochpolitischer Natur gegen die Ansiedlung russischer Juden im heiligen Lande sprechen. Hören wir einmal, was speciell der mehrerwähnte Anonymus des „Berliner Tageblatt" darüber sagt: „Palästina ist nicht nur das Land, in welchem sich die nationale jüdische Geschichte abspielte, sondern jenes Land ist auch die Wiege der christlichen Religionen. Palästinas Boden ist gleich sehr heilig dem Bekenner des ChristenthumS, wie dem des Judenthnuis, ja selbst der Bekenner des Islam bettachtet Palästina als ein heiliges Land. Palästina gehört mithin den Lölkern der Erde, und Streit, blutiger Kaulpf und die ernstesten Verwickelungen wären die unausbleiblichen Folgen, wenn in jenem Lande, dem Ziele Tausender christlicher Pilger, eine nach Millionen zählende jüdische Bevölkerung vorhanden wäre. Palästina ist der am meisten umstrittene und blutgetränkteste Boden der ganzen Erde. Opferten doch zur Zeit der Kreuzzüge Hunderttausende begeisterter Kreuzfahrer Blut und Leben." Und nach der oben citirten famosen Stelle über die Eignung Palästinas z» Handel und Ackerbau: „Endlich ist der Plan, durch eine Colonisation Palästinas den ruffischen Juden ein Heim zu gründen, bei der heutigen politischen Situation in Asien gänzlich aussichtslos. Rußlands asiatische Mlitärpolitik verfolgt zwei offenkundige Ziele, erstens die Eroberung Britisch- Jndiens, zweitens die Vernichtung der türkischen Herrschaft in Klein-Asien. Wenn man nun bedenkt, daß die letzten ruffischen Militärposten, Olti und Kars in Transkaukasien, in der Luftlinie von Jerusalem noch nicht so weit entfernt sind wie Berlin von Riga, wenn inan ferner in Betracht zieht, daß für die russischen Eisrnkolonnen nicht, wie auf dem Wege nach Indien, die persische Salzwüste und der himnielhohe Himalaya als Hindernisse zu überwinden sind, sondern daß das schmale Syrien, Armenien und die verhältnißmäßig gut cnltivirte Levante das Durchmarschterrain bilden, dann kann es wohl keinem Zweifel unterliegen, daß in Palästina die Israeliten für längere Zeit ein friedliches Heimnichtfinden dürften; denn in Asien dürfte in kurzer Zeit nur Rußland allein die herrschende Macht Wir Zionsfreunde haben bisher alle Excursionen auf h 0 chp 0 li ti s ch es Gebiet ängstlich v e r m i e d e n — nicht aber etwa aus Angst, hier nicht für unsere Sache einstehen zu können, sondern in der Erkenntniß, daß wir durch derartige Erörterungen, die dem Jugendstadium unserer Bewegung nicht entsprechen, uns nur lächerlich machen könnten. Wenn uns nun das Gerede der Berliner Propheten zwingt, für eine Weile aus unserer diesbezüglichen Reserve zu treten, so fällt wohl die Verantwortung hiefür aus jenen zurück.

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