Selbst-Emancipation
- Journal
- Selbst-Emancipation
- Volume
- 1891
- Issue
- Heft 13 (2.7.1891)
- Date
- 1891-07-02
- Page
- – (sequence 1)
- Language
- German
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Abonnements-Preise: (Zusendung inbegriffen) Zur Desterreich-Ungarn ganzjährig fi. 4 „ Deutschland , Mk. » „ Rußland „ Rbl. 4 „ die übrigen Länder „ Frcs 10 „ Amerika voll. 2 1 Organ -Lsr^üdisch-Naticmalen. I; ----- | Schretgaffe Nr. 6. Herausgeber: Chefredacteur: _ | Dr. Siegmund Elkan. Dr. Nathan Birnbaum. || entsprechenden Teilbeträgen. Das Abonnement kann mit jeder Nammer beginnen. «einzelne Lremplare *8 kr. , Unfrankiri» Briefe werden nicht angenommen Erichernt zu Anfang und Mette jeden Monats. und oianuscripie »ich, r-,°urnir». Nr. 13. Wien, 2. Juli 1891. IV. Jahrgang. -tnlmlt: Petition. — Die Zionsidee auf der Tagesordnung. — Palästina und Syrien. (Fortsetzung.) — Original-Correspondenzen: Wien. Wien. Lemberg. Berlin. Berlin. Berlin. Charlottenburg. Dresden. Petersburg. Odessa. Odessa. Odessa. Odessa. Odessa. Elyabethgrad. Ell,abethgrad. Kameney-Podolsk. Constantinopcl. Jaffa. Jaffa. Rcw-V»rk. — Chronik. — Eingesendet. — Gesinnungsgenossen! Verbreitet die SelbstEmancipation! CV Die nächste Nummer erscheint am 1«. Juli 1891. 'VC Petition der in Berlin befindlichen jüdischen Studenten aus Rußland an das Centralcomite zur Unterstützung russischer Juden in Berlin. Da wir vernoiilinen haben, daß dieser Tage eine Versammlung jüdischer Vertreter hier stattsmden wird, welche berathen soll, wie den flüchtigen russischen Juden zu helfen"^ so haben wir, die Unterzeichneten jüdischen Studenten aus Rußland, uns heute, den 8. Juni 1891, versammelt und beschlossen, dem hochwohllöblichen Conntä die Ansichten und Wünsche der russischen Juden in kürzester Form zur Kenntniß zu bringen. Wir erlauben uns dies, unserem Pflichtgefühl folgeitd, besonders deshalb, weil uns bekannt geworden ist, daß keine Vertreter aus Rußland anwesend sein werden. Die Judenverfolgungen in Rußland haben in letzterer Zeit so schreckliche Dimensionen angenommen und steht noch so viel Trauriges bevor, daß überall die Ueberzeugung Platz greift, daß für die russischen Juden nur eine Rettung vorhanden ist, nänilich aus Rußland auszuwandern. Arme und reiche, gebildete und ungebildete Juden gedenken in gleicher Weise zum Wanderstabe zu greifen und im fernen Lande Ruhe zu suchen. Mächtig wächst die Welle der Ausivanderung, zum großen Theile ist sie jedoch keine Emigration im eigentlichen Sinne des Wortes, sondern eine Flucht zu nennen. Die verständigen, besonneren Elemente sind der Ueberzeugung, daß nicht die Aenderung des Schauplatzes allein das Uebel vernichten kann, sondern daß nur eine organisirte Colonisation Abhilfe zu schaffen vermag. Ein jüdischer Bauernstand muß gegründet werden, der nicht bloß ans den dürftigen Classen bestehen soll, sondern zu dem Mittelstand und Intelligenz große Contigente zu stellen haben werden. Die auf dieses Ziel lossteuernde Bewegung herrscht seit dem Beginne der Judenhetze, wächst durch neue Schicksalschläge, und dringt in alle Schichten der russisch-jüd. Bevölkerung ein, indem sie sowohl Jugend als Älter erfaßt und die frömmsten Juden mit den aufgeklärtesten vereinigt. Palästina ist aber nach der allgemeinen Ueberzeugung der russischen Juden das einzige Land, welches ihnen die Möglichkeit und die Kraft gewähren wird, den Zweck der Gründung eines jüdischen Bauernstandes zu erreichen, nach welchein sie ihre ganze Thätigkeit der Selbsthilfe verlegen wollen. Sie lassen sich hierbei von folgenden Motiven leiten: 1. Palästina selbst, so vornehmlich Gäliläa und das Land j e ns ei ts des Jord ans, dann Syrien und Mesopotamien erthalten viele Ländereien, welche behufs Ankaufs zu Gebote stehen und sehr wenig bewohnt sind, so daß daselbst die Ansiedelung der Juden nirgends auf Widerspruch stoßen wird. Die türkische Negierung wird sicherlich die Immigration dulden, ja vielleicht bei guter Organisation fördern. Es kommt noch der Vortheil hinzu, daß für die nächste Zukunft keine Concurrenz zu befürchten ift da sonstige Einwanderer, welche gewöhnlich arm sind, durch rin noch ödes und unbewohntes Land nicht angezogen werden. 2. Palästina ist überall fruchtbar; ivo der Boden zum Ackerball nicht geeignet ist, kann Wein gepflanzt werden. Nach den Behauptungen vieler Fachleute wird der in Palästina hervorgebrachte Wein nach kurzer Zeit großen Absatz auf dem Weltmärkte finden und vielleicht sogar die Alleinherrschaft französischer Weine verdrängen. Auch ist das Klima des Landes ein ebenso gesundes, als das Italiens, so daß statt Kranke auf Weisung der Aerzte nach letzterem auch nach Palästina gehen. Zn der vor etwa neun Jahren gegründeten Eolonie R is ch o n l'Z i o n ist bis jetzt nur eine einzige Person gestorben, — obzivar daselbst etiva 300 bis 400 Personen leben. 3. Palästina ist das einzige Land, ivelches einen jüdischen Bauernstand schaffen wird, weil es keinen Handel hat. Dort sind die Colonisten gezwungen, bei ihrer Beschäftigung zu bleiben, und es wird zunächst eine jüdische 'Ackerbaubevölkerung geschaffen werden. Zwar werden sich die vertriebenen russischen Juden auch in anderen Ländern anfangs dem Ackerbau hingeben, da sie, dem Druck und der grenzenlosen Armut entfliehend, sich auf alles stürzen werden, ivas ihnen die Möglichkeit der Existenz geioähren kann. Sie werden dann jedoch stets darnach trachten, in die Städte zu übersiedeln, und von neuem Handel zu treiben. Was ist thatsächlich aus den in Amerika gegründeten Colonien geworden? Sind die Colonisten nicht allmählig in die Städte zurückgekehrt, nachdem Millionen verausgabt waren i In Palästina dagegen blühen in ganz außerordentlicher Weise die von Baron Edinund Rothschild gegründeten und die aus eigener Kraft entstandenen Colonien. Allerdings wirkt hier ein Umstand besonders mit, der für die ganze Sache ausschlaggebend ist. Ein unwiderstehlicher D r a n 9. zieht die russischen Juden gerade nach diesem Lande hin, an welches sich so glänzende h i ft 0 r i s ch e Erinnerungen knüpfen! Die saronischen Thäler und der Jordan rufen noch heute in ihnen glühende Sehnsucht ivach. Rur dort werden sie es vermögen, den Kamps mit dem Schicksal aufzunehmen; dort, wo sie jeder Stein an biblische Begebenheiten erinnert, nur dort wird ihnen die Arbeit süß sein und nur dort werden sie. sich daher durch dieselben ein Dasein gründen können. Welcher Ansicht man auch über dieses Ideal sein mag, man muß zugeben, daß dasselbe im Stande ist,' den Colonisten den Uebergang von Handel zum Ackerbau zu erleichtern und zu ermöglichen. Man denke nur, daß dank dieser Strömung bereits etwa zwanzig größere und kleinere Colonien entstanden sind, daß das große PalästinmomitL in Ödes s a unter Vorsitz von Dr. P i n s k e r geschaffen wurde, welches jährlich an dürftige jüdische Bauern Land und Instrumente im Werte von etwa 200.000 Francs vertheilt, daß in Jaffa ein Executivcomitä unter Vorsitz des Ingenieurs T e m k i n eingesetzt wurde, daß in London imposante Meetings zu Gunsten der :Palästinaidee stattfanden und daß sich im Volke eine Art Actiengesellschaften bildeten, wie z. B.