Selbst-Emancipation
- Journal
- Selbst-Emancipation
- Volume
- 1891
- Issue
- Heft 11 (1.6.1891)
- Date
- 1891-06-01
- Page
- Seite 8 (sequence 8)
- Language
- German
- Belongs to
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Seite 8. S el b st - E m a n c i p a t i o n. Nr. 11. , regenden Bericht über einen Vorfall in S i mmering: Zwei jüdische Pferdehändler fanden im Kasten unterhalb des Kutschbockes ihres Wagens einen sechsjährigen Christenknaben. Derselbe ivärc, wenn er nicht vor der Fahrt entdeckt worden wäre, erstickt, oder hätte sich jedenfalls an den Nägeln des Kastens blutig geschlagen. - Der jüdische Gemischtwaarenhändler W erde s h e i m im zweiten Bezirke Wiens wurde in seinem Geschäfte von Maurersleuten, als er hcrbeieilte, um den Raub von Maaren, welchen sie in Gegenwart seiner Frau zu versuchen so frech waren, zu verhindern, unter antisemitischen Schimpfereien derart geprügelt, daß er m das Spital gebracht werden mußte, und in Gefahr sicht, ein Auge zu verlieren. — Am 28. Mai d. I. Nachts wurde der jüdische Buchhändler H. von 2 antisemitischen Studenten der Medizin attakirt und in eine Straßenpfütze geworfen. (Die orthodoxen Juden) in Deutschland und Oesterreich haben das „Tchillim-Sagen" für die russischen Juden angeordnet. Wir können diese Norm nur billigen, möchten diese Brüder aber inständigst bitten, sich auch mit Thaten der russischen Juden anzunehmen. — Nicht darf ohne Anerkennung ein Artikel des orthodoxen Blattes „Israelit und Jeschurun" in Mainz übergangen werden, der in den entschiedensten und ergreifendsten Worten wider das Vorurtheil gegen die „Pollacken" (polnisch-russische Juden) zu Felde zieht. „D a s m u ß aufhören," sagt „Israelit und Jeschurun" und wir danken ihm für diese Worte. (In Korfu) ist es nach sechswöchentlichcr Sturmzeit etwas ruhiger geworden. Inzwischen sind schon über tausend Juden a u s g e w ändert, die meisten nach der asiatischen Türkei und Egypten. Die griechische Regierung hat einen Credit von 12000 Francs zur Unterstützung der in 9toth gerathenen Juden von Korfu bewilligt und endlich energische Maßregeln getroffen. Die Untersuchung ist eingeleitet und werden wohl viele der Rädelsführer hingerichtet werden. Uebrigens sollen die Hetzen auf auswärtige deutsche - Agitatoren zurückzuführen sein, worauf die gänzlich erlogenen Berichte der „Kreuzzeitung" über angeblich durch die Untersuchung zu Tage geförderten Beweise über den „rituellen Mord", noch mehr aber die in Korfu curstrenden Hetzblätter mit deutschen Aufschriften Hinweisen. Andere führen die Unruhen auf den abgesetzten Bürgermeister zurück, der die Juden als Freunde des jetzigen griechischen Ministeriums gchaßt habe. Hauptursache ist wohl doch, wie wir meinen, der liebenswürdige Sinn der Bevölkerung von Korfu.— Die österreichische Regierung hat die Interpellation Luzzattos, dahin beantwortet, daß eine Schutzaction nicht nothwendig sei, nachdem in Korfu nur ein österreichischer Jude geweilt und dieser sich bereits geflüchtet (Aus Rußland.) Bankier Günsburg, der vom Zaren die Weisung erhallen haben soll, Petersburg zu verlassen, übersiedelt demnächst nach Paris. — In Astrachan fanden Ausweisungen statt. — Dem Senat ist eine neue Zwangsmaßregel zur Entscheidung unterbreitet worden, wonach die Juden gezwungen werden, im Laufe von sechs Monaten nichtbesiedelte Immobilien, welche ihnen nach dem 3. Mai 1882 durch Erbschaft zugefallen sind, zu verkaufen.— Aus Jekaterin o s law wurden am Erew Peffach 92 jüdische Familien getrieben; man ließ ihnen nur Mazzoth und Wein. - - In Siedl e tz (Ruffisch-Polen) drang die Polizei während des Gottesdienstes in die Synagoge und verlangte sich zu überzeugen, ob die Thora den Stenipel der amtlichen Genehmigung habe. Da derselbe fehlte, so wurde eine sofort zu erlegende Buße von 100 Rubeln verlangt. Die arme Gemeinde war nicht im Stande, diesen Betrag sofort aufzubringen, worauf der Polizeiofficier die Thorarolle vor den Augen der unglücklichen Juden in Fetzen zerriß. — In Moskau haben die reichen Juden mit P o l i a k o w an der Spitze ein Comitä gebildet, dessen erste Sorge es war, ein Lagerhaus zu errichten, worin die vertriebenen Zicken ihre Möbel zurücklassen können, damit sie nicht zu Spottpreisen verschleudert werden. Der angesehene und greise Kaufmann Chi schin verschied plötzlich aus Gram über das hereingebrochene Elend. — Das „Nowoje Wremja", in Antisemitismus best informirt, prosezeit für die nächste Zukunft Judenaustreibungen „aus allen übrigen Städten Rußlands" gleich der aus Moskau, und spricht bei dieser Gelegenheit seine Freude darüber aus, daß die Juden keine Zufluchtsstätten haben, weil man sic nirgends aufnehmen wolle. Sie sagt wörtlich: „Unsere Juden haben also keine Zufluchtsstätte, es bleibt ihnen nichts anderes übrig, als in die Erde zu verschwinden." — Der Gouverneur von Kiew hat die jüdischen Musikanten, Bäcker und Korbflechter als Nicht- Handwerker ausgewiesen. Die Maßregel trifft über 100'Familien. — Der neue Generalgouverneur von Transkaspien, General K u r o p a t k i n befahl gleich nach seiner Ankunft alle Juden abzuschaffen. — Es soll eine neue Verordnung geplant sein, wonach es den Juden verboten sein soll, den S a b b a t h zu feiern. — Der Zar hat seine Reise nach Moskau zur französischen Ausstellung vertagt; die Presse greift letztere an, indem sie dieselbe als eine „jüdische" ausschreit. (Das Haus Rothschild) soll aus Frankreich ausgewiesen werden, — so will es nämlich der Boulangist Laur, der einen diesbezüglichen Antrag mit der Gefährdung der Beziehungen Frankreichs zu Rußland in Folge der Anleihe-Angelegenheit zu motiviren gedenkt. — Es verlautet, daß der Zar dem Hause Rothschild die Concession zur Ausbeutung der Raftaquellen im Kaukasus entziehen will. (Für die Colonisation Palästinas.) In Bobruisk (Rußland) haben sich zwei Gesellschaften zum Bodenankauf in Palästina gebildet. — In Chicago erscheint ein von Herrn S o l t o k o w herausgegebenes jüdisches Jargonblatt „Courier" mit national-jüdischer, zionistischer Tendenz. Es unterstützt hierin die von Herrn W. S ch n r in Baltimore herausgegebene hebräische „Hapis gah". Für die Colonisaüon tritt auch das christliche Blatt „Nordwestern Christian Advocate" ein. — Der in England rühmlichst bekannte Wanderprediger der Zionsidce Maco by hat durch seine trefflichen Predigten die jüdische Bevölkerung von Glasgow für die Palästina-Colonisation gewonnen. - In B a c a u (Rumänien) wurde ein Palästina-Colonisationsverein gegründet. (Peter Smolensky's) Witwe, Frau Leonore S m o l e n s k y, hat sich über von vielen Seiten an sie ergangene Aufforderung bereit erklärt, das Bildniß ihres sel. Mannes vervielfältigen zu lassen. Es würde dies aber erst geschehen können, wenn sich eine genügende Zahl von Subscribenten für das Bildnis melden sollte. Subscriptionen wolle man der Redaction der' „Selbst-Emancipation" anzeigen. Der Preis des Bildes, wird sich auf 1 fl. (1 Rbl., 2. Mk., 3 Frcs.) stellen. Lingesendet. An die geehrte Redaction der „Selbst - Emancipation" in Wien. Zufolge der in der „Jüdischen Presse" erschienenen Correspondenz, den „Ahawas Zion'-! betreffend, sehen wir uns veranlaßt, Sie zu.bitten, dieser unserer Erklärung, welche, dahin geht, daß wir den „Ahawas Zion" als Centralverein für Österreich-Ungarn durchaus nicht anerkennen und überhaupt mit demselben nichts gemein haben, in Ihrem geschätzten Blatte Raum geben zu wollen. Hochachtend Für den Ausschuß des Vereines „Admath Israel" in Stryj: Moses L i p s ch ü tz, Obmann. Correspondenz der Administration. Herrn D. M. in Czernowitz. Der Empfang der Abonnementsgebühr ab 1. Juli 1891 wird dankend bestätigt. Correspondenz der Redaetio«. Fräulein M. S. in Wilna. Von New-Aork nicht, wohl aber von Kowno. Herrn Adolf I. Neger und „Ein Abonnent" in Sofia. Ihre Richtigstellungen kamen für diese überfMte Nummer zu spät und werden in nächster Nummer bestimmt veröffentlicht werden. v- Sprechfaul. Antworten: Herrn L. Sch. in Kazan. Ich empfehle Ihnen: „Palästina in geologischer, ethnologischer und archäologischer Beziehung von Salomon tun f" ins Deutsche übersetzt von L e v y, Breslau, S. R. L. in Wien. An Jsch Jehudi in Grodek. Außer den Ihnen von H. L. in B. empfohlenen Schriften eignen sich noch nachstehende Brochuren als Agitationsmittel für die jüdisch-nationale Idee: 1. A s s i m i l a t i o n s s u ch t. Ein Wort an die sogenannten Deutschen,' Slaven, Magyaren rc. mosaischer Coufeffion von einem Studenten jüdischer Nationalität. Wien 1883.—2. D aßIudcnthum und seine Strömungen inder Gegenwart. Vortrag, gehalten am 10. Octobcr 1887 im jüd. Vereine „Einigkeit" in Drohobycz von Salo H e i m b e r g. (Letztere Brochüre kann besonders zur Verbreitung unter galizischen Juden einpfohlen werden.) Aron L. in Lemberg. Nachtrag. Gladstone richtete ein längeres Schreiben an Montag«, worin er unter Anderem sagt: „Ich betrachte mit warmem und freundlichen Interesse den Plan einer bedeutenden Auswanderung von Juden nach Palästina und werde mich sehr freue«, wenn der Sultan eine solche unterstützte." Zur gefl. Notiz. Wegen R a u m in a n g e l s mußte die Fortsetzung des Romanes „David Alroy" ausbleib en. Für die Redaction verantw.: Dr. Nathan Birnbaum. Buchdruckerei Schloßberg, Wien, n., Stephaniestr. 2.