Selbst-Emancipation
- Journal
- Selbst-Emancipation
- Volume
- 1891
- Issue
- Heft 8 (15.4.1891)
- Date
- 1891-04-15
- Page
- – (sequence 1)
- Language
- German
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AbonnementS-Preise: (Zusendung inbegriffen) jLr Westerreich-Ungarn ganzjährig fl. 4 „ Rußland „ Rbl. „ die übrigen Länder „ Zrcs „ Amerika „ Doll Salb- und vierteljähriges Abonnement, entsprechenden Theilbeträgen. Organ der Jüdisch-Nationalen. Herausgeber: Chestedacteur: Dr. Siegmund Clkan. Dr. Nathan Birnbaum. Erscheint zu Anfang und Mitte jeden Monats. Wien, 15. April 1891. | Redaktion u. Administration Wien, 2/3 Schreigaff- Nr. 6. Sprechstunde: Täglich von X—2 Uhr Nachmittags. IV. Jahrgang. Inhalt: Organisation. — Socialismus oder Colonisation Palästinas. — Das Judcnthum in Deutschland. — Offener Brief. - Original-Correspondenzen: Wien. Wien. Lemberg. Berlin. Kischinew. Paris. London. Jerusalem. — Chronik. — Belletristisches: David Älroy. — Korr, der Redaction. — Corresp der Administration. Gesinnungsgenossen! Verbreitet die Selbst-Gmancipation! WM- Die nächste Nummer erscheint i am 3. Mai 1891. "W, Am 31. März d. I. lief eine größere Anzahl von — namentlich ganzjährigen — Abonnements ab, weshalb ersucht wird, bei eventueller Erneuerung derselben die betreffenden Prännmerationsbeträge rechtzeitig im Laufe dieses Monats an die Administration einsenden Zu^woüen. Organisation. Unsere erbittertsten Gegner werden nicht leugnen können, daß ivir von Erfolg zu Erfolg schreiten. Seit dem Augenblicke, als die zionistische Bewegung auftrat, hat sich Vieles geändert. Wo ist der frivole Hohn, wo der billige Spott geblieben, den man unseren Bestrebungen anfänglich entgegenbrachte? In allen Ländern der Erde rührt es sich mächtig innerhalb der Judenheit zu Gunsten unserer Sache, und auch edle Nichtjuden treten mit Eifer für dieselbe ein. Die letzten Wochen haben uns eine ganze Menge erfreulicher Nachrichten gebracht. Das rapide Anwachsen der Zionsbewegung unter den englischen Juden, das Fortschreiten derselben unter den Stammesgenossen in Frankreich und Nordamerika und die Blüthe derselben in Rußland, sowie die Resolution des christlich-englischen „Vereines zur Unterstützung verfolgter Juden" und die Petition der nordamerikanischen christlichen und jüdischen Zionsfreunde an den Präsidenten H a r r i s o n sind lauter Symptome dafür, daß unsere Bewegung im Geiste der Zeit liegt und demnach ein realisirbares Ziel verfolgt. Und wenn wir speciell unser. Oesterreich ins Auge fassen, so können wir auch nicht mehr so unzufrieden sein, als wir es zu sein bisher Grund hatten. Im Kronlande Ga- . lizien nimmt die palästinensische Bewegung größere Dimensionen an, und es ist ein Zeugniß für die Bedeutsamkeit, welche der Zionismus erlangt hat, daß das verbreitetste jüdische Blatt Oesterreichs, die vom Reichsrathsabgeordneten Dr. I. S. B l o ch herausgegebene „O e st e r r e i ch i s ch e Wochenschrift" ihr bisheriges völliges i Schweigen in der Angelegenheit der Palästina- > Colonisation brach und seit Kurzem die Fortschritte unserer Bewegung in größeren Berichten resp. Artikeln würdigt. Es ist offenbar, daß alle diese gleichzeitig an verschiedenen Punkten des Erdballs errungenen Erfolge wieder nur den großen Erfolgen zu verdanken sind, welche die bereits bestehenden Colonien im heiligen Lande gewannen. Die über alle Erwartungen glänzende Entfaltung von Rischon le'Zion, Sichron Jacob, Rösch Pinah u. s. w. haben, allen Hohn und Spott verstuminen gemacht. Siege aber müssen nicht allein errungen, sondern auch ausgenützt werden. Es wäre unklug, auf den erkämpften Lorbeeren auszuruhen und der Sache selbst überlassen zu wollen, sich den Weg zu bahnen. Die Ausnützung des Sieges aber besteht in der Zusammenfaffung aller zersplitterten Kräfte, in der nationalen einheitlichen Organisation. Diese Organisation durchzuführen, hat jetzt unsere erste und größte Sorge zu sein! - - ° Wir sehen in allen Ländern eine größere oder geringere Thätigkeit für unsere Sache. In ziveien dieser Länder haben es die Zionisten bereits zu einer auf ihr betreffendes Heimatland bezüglichen Organisation gebracht. Am weitesten sind in dieser Hinsicht die Pionniere der zionistischen Idee, die russischen Juden. Ihr „Verein zur Unterstützung jüdischer Ackerbauer und Handwerker in Syrien und Palästina" ist zum Centralpunkte aller palästinafreundlichen Bestrebungen in Rußland geworden. Auch die Zionisten in Deutschland haben eine Organisation in dem aus Zweigvereinen bestehenden „Esra" gefunden. Bis aus die erwähnten zwei Beispiele ist noch nirgends eine Centralisation nach Landsmannschaften erfolgt. Dieselbe muß überall baldigst nachgeholt werden. Denn sie ist die Vorbedingung und Grundlage für die zu schaffende allgemeine Centralisirung der zionistischen Bewegung. Jede Bewegung hat zwei Acttonsgebiete, die Agitation und die Programmverwirklichung im engeren Sinne, d. h. jene Thättgkeit, welche unmittelbar der Erreichung der Parteiziele dient. Es ist klar, daß beide Thätigkeiten einander ergänzen und,, fehlt die Eine, ein unnützes Bruchstück, fehlt die Andere, geradezu Nichts das Resultat ist. Es müssen daher sowohl Agitation als Nealisirung organisirt werden. Diese Organisation aber wird sich bei unserer Sache mit Rücksicht auf die große räumliche Getrenntheit ihrer Anhänger ganz eigenthümlich gestalten vlüssen, und zwar in verschiedener Weise für die Agitation und für die Realisirung. In den einzelnen Ländern, in welchen jüdische Bevölkerungen sind, herrschen verschiedene Verhältnisse. Die Juden des einen Landes sind durch andere Rücksichten als die Juden eines zweiten Landes gebunden, wodurch sich eine ungleiche Empfänglichkeit für die Zionsidee herausstellt. Darauf muß die Agitation Bedacht nehmen, wenn sie Erfolge erzielen will; sie muß mit den verschiedenen localen Einflüssen rechnen und wird so am leichtesten imstande sein, die Colonisationssache überall einzubürgern. Daraus folgt, daß sich die Zionisten eines jeden Landes am besten selbst die Art und Weise der Agitation bestiminen, weil sie am besten selbst die Anknüpfungspunkte und Widerstände kennen, welche sie zu benützen, respecttve zu überwinden haben werden. Aber, wenn schon keine unifassenderc, so ist jedenfalls eine landsmannschaftliche Centralisation, wie sie in Rußland und Deutschland besteht, für die Organisation der Propaganda nöthig, weil das Agitiren eines jeden kleinen Vereines auf eigene Faust eine nutzlose Zeit- und Geldverschwendung ist. Das Wirthschaften mit größeren Capitalien und mit durch das Zusainmentreten Vieler controlirten und berichtigten Plänen verleiht dem Unternehmen kräftigere Schwingen und bewahren es vor Einseitigkeiten und Kleinlichkeiten aller Art. Daß hiebei in großen Staaten mit untereinander heterogenen Provinzen durch die letzteren eine gewiffe Decentralisation wird nöthig werden, ist selbstverständlich; aber bei der durch die Staatseinheit unbedingt hervorgerufenen einheitlichen Rechtsbasis ivird auch diese Decentralisation nicht