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Selbst-Emancipation · 1891-04-01 · Heft 7 (1.4.1891) · page 1

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Journal
Selbst-Emancipation
Volume
1891
Issue
Heft 7 (1.4.1891)
Date
1891-04-01
Page
– (sequence 1)
Language
German
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Kelkst-EmMeipMon. Abonnements-Preise: (Zusendung inbegriffen) Für Defterreich-Ungarn ganzjährig fl- 4 » Länder ffrcs iv Einzelne Lrcmplare (8 kr. Organ der Jüdisch-Nationalen. \\ Redaktion n. Administration: | Wien, 2/3 Herausgeber: Dr. Siegmund Elkan. Chefredacteur: Dr. Nathan Birnbaum. Sprechstunde: ch van i—2 Uhr Nachmittags. Erscheint zu Anfang und Mitte jeden Monats. Wien. 1. April 1881. IV. Jahrgang. Inhalt: Erklärung. — Philister über Dich. — Mahnworte an alle Bereinc für die Colonisation Palästinas. — Die Amerikaner für die Colonisation Palästinas. — Die Bedeutung der Colonisation Palästinas für das Jndenthum. (Schluß.) — Eine Stimme aus Galizien. — Antwortschreiben des Lord of Aberdeen. — Origial-Corrcspoudenzen: Wien. Wien. Wien. Berlin. Magdeburg. Bremerhaven. London. Jaffa. Jaffa. — Chronik. — Corr. der Redaction. — Sprechsaal. Gesinnungsgenossen! Oerbreitet die Selbst-Gmancipation! gCT Die nächste Nummer erscheint , am 15. April 1891. j Am 31. März d. I. lief eine größere Anzahl von — namentlich ganzjährigen — Abonnements ab, weshalb ersucht wird, bei eventueller Erneuerung derselben die betreffenden Pränumerationsbeträge rechtzeitig im Laufe dieses Monats an die Administration einsenden zu wollen. Erklärung. Wir erklären hiemit, daß wir mit dem vom Herrn Dr. jur. Filipp Haje k, gewesenen Schriftführer des hiesigen Palästina-Colonisationsvereines „Admath Jeschurun", neugegründeten Vereine „Ahawath Zion" in keiner wie immer gearteten Verbindung stehen und daher jede Verantwortung für alle Vorgänge innerhalb dieses Vereines ablehnen. Wien, am 30. März 1891. Die zionistische Partei Wiens. „Philister über Dich!" Im grauen Alterthuine hatte Israel einen Nachbarn, der ihm zwar stammlich überaus nahe verwandt war, mit dem es jedoch keineswegs gute Beziehungen unterhielt. Es gab fortwährende Kämpfe.zwischen unfern Altvordern Und den — Philistern; schließlich siegten unsere Ahnen. In der Geschichte scheint aber nichts ungerächt bleiben zu sollen und so erhebt sich nach vielen Jahrtausenden der Geist der Revanche und die Vergeltung trifft uns, die schuldlosen späten Enkel der Sieger. Wir bekommen eine teuflische Rache zu spüren, das Philisterthum dringt vergiftend in unfern Stamm selbst ein, und inacht sich in unserem eigenen Innern breit. „Philister über Dich, Simson!" Ja, Philister, engherzige, willensschwache, schleichende Gesellen haben sich an Dich herangemacht, an Dich, Du Geistes-Simson Israel! Du schläfft, und sie bemühen sich ihre eigene Banalität Deiner schlummernden Seele zuzuraunen. Daß es nur nicht gelinge! Die Gefahr ist drohend, denn Deine Führer selbst sind es, die Dich knebelten, sind Deine — Philister. Jüdisches Volk! Sieh' um Dich, sieh' sie i Dir an, Deine heutigen „Führer" und suche auch nur einen wirklich großen Zug an ihnen; Du findest ihn nicht. Als der kurze Traum der Toleranz begann und Israels Geistesadel mit jugendlich flammender Begeisterung den Weg der Aufklärung betrat, da leuchtete die Genialität oft genug hervor; die Assimilation selbst, die so verhängnisvoll werden sollte, war damals ein edler, verzeihlicher Fehler, sie war erhaben trotz ihres Jrrthums. Der kurze Traum der Duldsamkeit der europäischen Völker ist nun verflogen, eine ernste, düstere Wirklichkeit ist an seine Stelle getreten, und diese neue aufgabenreiche Zeit findet leider ein Geschlecht von Zwergen. Das knuspert kläglich mit seinem kleinen schadhaften Zähnen an der harten Nuß der Gegenwart herum. Wiewohl alle Verhältnisse sich gründlich geändert haben, wiewohl, was man hoffte, ansgeblieben, was inan nicht befürchtete, eingetreten ist, sind diese kleinen Epigonen einer großen Generaüon durchaus nicht belehrt. Sie sind aber auch keineswegs, wie sie sich gerne einbilden, den großen jüdischen Aufklärern vom Anfänge unseres Jahrhunderts, welche rücksichtslos ihre Ziele verfolgten, zur Seite zu stellen, sie sind vielmehr kleingeistige, kleinliche und gesinnungsbequeme, zum großen Theile auch eigennützige und streberhafte Geschöpfe, welche mit der fanatischen Beschränktheit des Dogmagläubigen jeden - frischen Luftzug von ihren verknöcherten Ueberlieferungen, von ihren verstaubten Idealen, beziehungsweise Praktiken abzuwehren bemüht sind. Sie sind mit Recht vorsichüg, denn ihre Principien könnten beim leisesten Lüftchen gar leicht den Schnupfen bekommen. Die Philister — wir meinen natürlich die modernen — sind bekanntlich recht systematische und ökonomische Leute. Sie bringen ihre Anschauungen fein säuberlich in Gruppen unter, innerhalb deren alles mit vornehmer Gemessenheit nach Maß, Zahl und Gewicht bestimmt wird. Weh' dem, der an diesem Gefüge zu rütteln wagt! Wir Nationaljuden sind nun solche Verwegene, die sich erkühnen, es zu thun, die Neues planen. Neues aber hassen die Philister, das paßt ihnen nicht in den Krain, und, wo sie nichi die beliebte Vertuschungspolitik treiben, wie z. B. in ihrer Presse, donnern sie, — nein, das können Philister nicht — greinen sie über unsere Verirrung, über den Schaden, dem wir dem Judenthume zufügen. Das Nationaljudenthum sei Separatism u s, Exklusivität. Das ist das Erste, was wir zu hören bekommen. Vorwürfe, wie dieser, kommen eben daher, wenn Gegensätze einer früheren Zeit als Gegensätze der Gegenivart ausgegeben werden, während die letztere bereits ganz andere Unterscheidungsgründe und Nnterscheidungszwecke hat. Separatismus im gehässigen Sinne des Wortes liegt nur vor, wenn sich irgend eine Gemeinschaft unnatürlicher Weise strenge absondert; die Separation verliert aber ihren gehässigen Charakter, das Odium ihres Namens, wenn sie auf den naiürlichen Unterschied der Nationalität sich gründet. Der orthodoxe Jude, der aus angeblich bloß religiösen Gründen sich s e l b st aus der Gesellschaft der Andersgläubigen a u s s ch l o ß, war thatsächlich Separatist, der Nationaljude aber, der sich offen zu einem besonderen Stamme uni dess en Eigenartbekennt, undgeradedeshalb den Anschluß an die übrigen Ratio n a l i t ä l e n, freilich als selbststän d ig er und g le i ch w e r t h i g e r Genosse derselben, s u ch e n m u ß, ist k e i n S e p a r a t i st, oder ist es höchstens nur so weit, als es auch die Asiimilanten sein müssen, nämlich so weit der ausschließende Zwang seitens der anderen Völker reicht. Wer würde es wagen, d e n S c l a v e n, d e r s i ch gerne auf eigene Füße stellen möchte, einen Separatisten zu nen.nen? Freilich, ein Assimilationsphilister vermag sich vielleicht auch zu solcher Logik emporzuschwingen.

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