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Selbst-Emancipation · 1891-03-16 · Heft 6 (16.3.1891) · page 1

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Journal
Selbst-Emancipation
Volume
1891
Issue
Heft 6 (16.3.1891)
Date
1891-03-16
Page
– (sequence 1)
Language
German
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eW-EmMeipaÜM. Abonnements-Preise: (Zusendung inbegri^en) Für Desterreich-Ungarn ganzjährig fl- „ Deutschland „ rm. 8 „ Rußland „ Rbl- <s „ die übrigen Länder „ jrcs VO „ Amerika „ voll. 2 halb, und vierteljähriges Abonnement zu den entsprechenden Theilbeträgen. Das Abonnements kann mit jeder Numnier Einzelne Lremplare ZS kr. Organ der Jüdisch-Nationalen. Herausgeber: Dr. Siegmnnd Elkan. Chefredakteur: Dr. Nathan Birnbaum. Erscheint zu Anfang und Mitte jeden Monats. Redaktion u. Administration: Wien, 2/3 Schreigaff- Nr. 6. Sprechstunde: Täglich von l—2 Uhr Nachmittags. Wien, I«. März 1891. lV. Jahrgang. Inhalt: England und die Juden. — Stach der „Entscheidungsschlacht". — Die Bedeutung der Colonisation Paläjtinas sur das Judciithum. (Fortsetzung.) — Vcrjtockt ohne Ende. — Ein Capitel zur Geschichte der Assimilation in Galizien. — Original-Correspondenzen: Wien. Wien. Lemberg. Lemberg. Tarnow. Budapest. Odessa. Ncw-York. Jerusalem. — Chronik. — Eingesendet. — Belletristisches: David Alroy. — Corr.ber Nedaction. — Corr. der Admunitratio».— Sprcchsaal. — Inserate._____ Gesinnungsgenoffen! Verbreitet die Selbst-Lmancipation! fßSBT Die nächste Nummer erscheint -. am 1. April 1891. Am *1. März d. I. läuft eine größere Anzahl von — namentlich ganzjährigen — Abonnements ab, weshalb ersucht wird, bei eventueller Erneuerung derselben die betreffenden Pränumerationsbeträge rechtzeitig im Laufe dieses Monats -an die Administration eins enden zu wollen. Das Verzeichnis der Verschleißstelle», an welchen in Wien Einzelexemplare der „Selbst - Emancipation" erhältlich sind, befindet sich auf Seite 8. England und die Juden. Kein anderes und besonders kein anderes germanisches Volk hat so viel Verständniß für die jüdischen Sittlichkeitsideale gezeigt, als das englische. Die Vertiefung in den Geist des Hebraismus ist englische Ueberlieferung und es gab englische Staatsmänner, welche nach den Ideen der Bibel regierten. Diese besondere Verehrung für den israelitischen Geist mußte natürlich auch zum regeren Mitgefühl für das israelitische Volk führen. Es ist daher begreiflich, wenn die britische Nation nicht nur bis heute dem Anstürme des modernen Antisemitismus erfolgreichen Widerstand leistete, sondern auch die einzige ist, welche an Hilfe für die allerorten erniedrigten und unterdrückten Juden denkt. Schon das Guildhallmeeting hat die Sympathien erwiesen, welche England unserem jüdischen Volke entgegenbringt. Das war aber erst eine Leistung von rein academischer Bedeutung, ein Vorgang, welcher praktische Erfolge nicht erzielte, noch erzielen konnte. Nun dringen aber Nachrichten aus dem meerumspülten Albion zu uns herüber, welche einen ganz anderen Ausblick gewähren. Diese Nachrichten sind zwar von den Tagesblättern, wennüberhaupt, so bloß mit wenigen Sätzen abgethan, und von den speciell dem Judenthum gewidmeten Zeitschriften noch unausführlicher und unauffälliger gebracht worden. Nichtsdestoweniger überragen jedoch die ihnen zu Grunde liegenden Thatsachcn an Bedeutung bei weitem das nur symptomatisch bedeutsame Guildhallineeting, dem ganze Seiten und Artikel in den Blättern gewidinet wurden. Am 23. v. M. fand, was wir bereits im Nachtrage der vorigen Stummer zur Kenntniß unserer Leser brachten, in London im Hause des Herzogs von W e st m i n st e r (Grosvenor House), eine Versammlung der „Society for Relief of persecuted Jews" („Verein zur Unterstützung verfolgter Juden") statt, welcher der Earl o f Aberdeen präsidirte und hervorragende Männer anwohnten. Diese Versammlung beschäftigte sich fast nur mit der Frage der Colonisation Palästinas d u r ch I u d e n und faßte schließlich die vom Reverend Herrn Webb-Peploe beantragte Resolution: „Es i st d i e P f l i ch t a l l e r C h r i st e n, den verfolgten und leidenden Juden praktische Hilfe zu leisten, besonders im heiligen Lande, wie dies von dem verstorbenen Lord Shaftesbury, dem früheren Präsidenten des Vereines, gebilligt worden ist". Von den anwesenden jüdischen Gästen sprachen die Meisten ihre Freude darüber aus, daß dem Verein jede Bekehrungsabsicht ferne liege. Nach Annahme der obigen Resolution sprach noch die Sekretärin des Vereines, Frau E. A. Finn, welche unter Anderem betonte, daß die Juden nicht nur deshalb das heilige Land aufsuchen, weil sie andernorts vertrieben werden, sondern auch „in Folge eines unwiderstehlichen Triebes, welchen Gott in ihre Herzen gelegt hat". Wir glauben, daß die geschilderte Versammlung ein Ereigniß ist, welches eine eingehende Würdigung verdient. Diese ist ihm, wie gesagt, seitens der täglich erscheinenden Zeitungen und der jüdisch-„konfessionellen" Zeitschriften nicht geworden, und so wollen denn wir wenigstens, die wir keine ftemde Maske tragen, sondern ehrlich und offen unser jüdisches Volksthum bekennen, mit derselben nicht zurückhalten. Die ideale Begeisterung der Engländer für die Wiederbelebung Israels im Lande seiner Väter ist keineswegs neuesten Datums. Der unvergeßliche Lord Byron, derselbe, der auf den Schlachtfeldern Griechenlands für die Auferstehung Hellas gekämpft hat, hat in seinen „hebräischen Gesängen" seine Bewunderung des jüdischen Alterthums, seine Trauer um das gefallene ^Zion in großartigster Weise bekundet. Nach ihm hat die bekannte Romanschriftstellerin Georges Elliot in dem Werke „Daniel Deronda" ihre Ansichten über die nationale Lösung der Judenfrage niedergelegt. Und in jüngster Zeit hat der leider zu früh verstorbene S i r O l i p h a n t im selben Sinne gewirkt. Das Alles zeigt, daß wir es hier mit einer Bewegung zu thun haben, welche d e in e n gl i s ch e n Volke a n g e st a m m t und eigenthümlich ist, und daher rührt, daß keiner anderen Nation so sehr die Weltgröße des jüdischen Stammes und seiner Principien zum Bewußtsein gekommen ist, wie der englischen. Man hat zwar auch unter anderen Völkern die Frage der Wiederansiedlung der Juden in Palästina aufgeworfen; aber es geschah dies aus den gehässigsten und niedrigsten Motiven. Vor mehr als fünfzehn Jahren schon hat der verrufene Antisemit Jstoczy den Antrag auf Gründung eines „Königreiches Palästina" im ungarischen Abgeordnetenhause eingebracht und mit einer hämischen, verletzenden Begründung versehen. „Fort nach Palästina!" rufen auch die deutschen und rumänischen Antisemiten und erst in den jüngsten Tagen hat ein österreichischer antisemitischer Reichsrathsabgeordneter, der vielgenannte Mechaniker Schneider, gelegentlich seiner Candidatur die Absicht geäußert, die Juden nach Palästina zu „schicken". Dieser spöttischen Protection der Antisemiten verdanken wir es aber, daß die Zionsidee, welche durch die Propagirung seitens der Elite der englischen Nation bei den englischen Juden Anklang und Vertrauen findet, bei den kontinentalen, namentlich österreichischen Juden nur Mißtrauen begegnet. Noch mehr aber als die unbequeme Gönnerschaft der Antisemiten hält die Art und Weise

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