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Selbst-Emancipation · 1891-03-02 · Heft 5 (2.3.1891) · p. Seite 7

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Journal
Selbst-Emancipation
Volume
1891
Issue
Heft 5 (2.3.1891)
Date
1891-03-02
Page
Seite 7 (sequence 7)
Language
German
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Nr. 5. Selbst-Emancipation. der besseren Sorten beginnen. — In Ncchowoth (Duran) werden mehr als 100.000 Reben gesetzt. Auch in Cheder, wohin die noch abwesenden Colonisten 120.000 Reben bestellt haben, ging man schon an die Arbeir. Die Pflanzung der Reben wird von den Wenigen bereits an Ort und Stelle befindlichen Familien ausgeführt. In Rechowoth wird in Kurzem eine Küche für die jüdischen Arbeiter eröffnet. Es ist sehr erfreulich, wenn unsere vermögenden Brüder des armen im Schweiße des Angesichtes sich plagenden Arbeiters nicht vergessen und an die Besserling seiner Lage denken. Das in Jaffa orgailisirte Exccntiv-Comitä der russischen „Chowawe-Zion" hält schon einige seiner Sitzuilgen ab, in ivclchcn die wichtigsten Angelegenheiten der Colonien Katra und Pethack Thikwah berathen wurden. Es ist bemcrkcnsivcrth, daß das Comite sich der allgemeinen 'Achtung erfreut. Wir wünschen ihm von Herzen Gedeihen für unsere allgemeine heilige Sache. Ein stetiges allseitiges Studium der Colonisationssrage — damit hauptsächlich muß das Comitö sich beschäftigen, um alle. Fehler, welche die ersten Pionnirc bis jetzt begangen haben, zu vermeiden. Bekanntlich hat der Verein „Bnej Zion" in Paris 120 Dunam Erde in Waad Achniil erworben. Gestern ist der erste Colonist, der von diesem Vereine delcgirt wurde, angekommen. Aller Angelegenheiten wegen hat er sich an die 'Administration von Rischon Lezion zu lvendcn, da unser bekannter Wohlthäter diese Sache unter sein Protectorat genommen und sie denr Hcrril Scheid übertragen hat. — Die ganze unter dem Nanren Chederah von Herrn Chankiu angekaufte Erde ist bereits verkauft. Käufer derselben sind die Vorstände dreier Vereine in Riga, Wilna und Kowno und einige Privatleute. Zusammen sind 36.000 Dunam verkauft worden. Nach dem Erhalten der Kuschanen (?) und einer Erlaubniß zum Bauen hofft man nach der Regenzeit den Häuserbau beginnen zu können. Größerer Bequemlichkeiten wegen denkt man aus dem gekauften Boden zwei Colonien in einer Distanz von einer Stunde zu'gründen. Unlängst hat man die Rebenpflanzung in der Cokonie Waad Achnin — auf dem von dem hier gegründeten Vereine jüdischer Arbeiter „Neß Zionah"*) gekauften Boden begonnen. Es wird eine jüdische Bibliothek in unserer Stadt, mit Rainen „Schaar Zion" und zum Andenken des unvergeßlichen Lewanda, auf Initiative junger Gesinnungsgcnossen ans Odessa gegründet. In Kurzein wird ihre Eröffnung stattfinden. Die Organisation derselben hat Herr Temkin auf sich genommen; der Verwalter wird Herr Friedmann sein, welcher deshalb aus Odessa hieher geschickt ivurde. Arzt Dr. Mafia hat auf das Honorar finden Besuch der Colonisten von Katra und Pethach Thikiva, die unter dem Protectorate der „Chowawe Zion" sich befinden, verzichtet, wofür ihm vonl Eentralcomitä in Odessa in den wärmsten Ausdrücken gedankt ivurde. In Rischon Lezion ist das Administrationsgebäude mit dem Weinkeller der Colonie tele- *) lieber diesen Verein siche in voriger Nummer. phonisch verbunden; die Leitung ist 300 Meterlang. Es iväre interessant zu sehen, was für einen Eindruck Rischon Lezion aus die Herren Stöcker, Suworin rc. inachen würde. Was diese „faulen, schmutzigen Jiideii" diese „Parasiten" im Laufe von acht Jahren geschaffen haben! Jedenfalls kann man mit Bestimmtheit sagen, daß ein russisches Dorf nach acht Jahrhunderten ein solches Aussehen nicht haben würde, wie Rischon Lezion nach acht Jahren. Ix. (Lhromk. (ZurWahlbcwegung.) Georg Schönerer ist aus seiner dreijährigen Ruhe wieder herausgetreten und nimmt thätigsten Antheit am Wahlkampfe. Er niacht entschiedene Fronte gegen die christlich-socialen und clericalen Antisemiten und Propaganda für den deutsch-nationalen 'Antisemitismus. Seine Partei dürste einige Erfolge erzielen. — Der bisherige Abgeordnete für Stein und Herausgeber des „Deutschen VolkSblattes" in Wien, Ernst Bergani, hat alle Aussicht, diesnial in seinem Wahlbezirke dnrchzufallen. Die Feindschaft Schönerers, rcspcctivc das Bekanntwcrdcn seiner Tugenden machen ihm den Garaus. — Der bisherige Abgeordnete S t c i n w e n d e r, welcher alle Aussicht hat, wieder gewühlt zu werden und mit einer beträchtlichen Schaar von Anhängern seinen Einzug ins neue Parlament zu halten, ist Schönerianer in der Sache, Anti-Schönerianer in der Person. Nur in Bezug auf die Judcnfragc herrscht auch eine kleine, sehr kleine Verschiedenheit. Er ist „facultativer" Antisemit, wie einer seiner Anhänger in einer Wählerversamnilung sagte. Er meint: „Die Judenfrage, soweit es sich nicht eben um die Abwehr neuer Einwanderung handelt, ist noch weit entfernt von politischer Actualität." Die Steinwendergruppe erklärte bekanntlich, eine Thüre für die Antisemiten offen zu lassen, und da der Liberale, Graf Wurmbrand, das Offenlassen einer Thüre für die Steinivenderpartei verlangte, so können durch diese' beiden Thüren die 'Antisemiten zu den Liberalen vordriugen, wie Herr Alexander Scharf neulich witzig bemerkte. — Mechaniker Schneider, der Mentor des Prinzen Liechtenstein und Kandidat für Sechshaus will die Juden nach Palästina schicken (nun, „schicken" lassen wir uns nicht!) und ihre Besitzthümer vom Staate einziehen lassen. — Dr. Bene dict, demokratischer GegencandidaldesDr.Pattai in Mariahilf hofft, „daß nach diesem Wahlkautpse der Antisemitismus von anständigen Leuten nur in den Mund genommen werben wird, um wieder ausgespuckt zu werden". Und das „Wiener Tagblatt" meint, daß „dem Antisemitismus von hoher kirchlicher Seite zwei Schläge versetzt worden sind, von denen er sich nie wieder erholen kann". Das nennen wir Siegesgewißheit! — Herr Dr. Kronawetter, für den Herrn Alexander Scharf in der inneren Stadt Platz zu hälten erklärte, hat veröffentlicht, daß er kein Mandat in der inneren Stadt Wien annehmen werde. — In Kolomea-Buczacz-Sniatyn ist Dr. B y k von der Candidatur zurückgetreten und Weisels, als des activen und passiven Wahlrechtes untheilhaftig aus der Wählerliste gestrichen worden. Dr. Bloch bliebe nun allein zurück, nun stellen ihm aber die christlichen Wähler, namentlich die Ruthene», einen christlichen Candidaten entgegen, der, da er auch jüdische Stimmen hat, leider die Wahl des Dr. Bloch einigermaßen gefährdet. Wir sind keine bedingungslosen Anbeter des Dr. Bloch, — er ist ja auch nicht unser Gesinnungsgenosse — aber >vir würden es dennoch für ein Unglück und ein Unrecht halten, wenn ihn die Inden gegen einen nichtjüdischen Candidaten falle» lassen würden. — Im Städtewahlbezirke Tarnopol candidirt der Lemberger jüdische Advocat Dr. I e k e l e s, in die Krakauer Handelskammer Dr. Rapoport. (ÜKeciptacitat). Das k. k. österr. Handelsministerium hat verordnet, daß russische Unterthanen jüdischer Confession, welche in Oesterreich ein Gewerbe betreiben wollen uin die Bewilligung ansuchen müssen. Grund dieser Maßregel ist der Umstand, daß die österreichischen Juden in Rußland bezüglich des Betriebes von Gewerben mit den russischen Juden iricht gleichberechtigt sind. — Um an Rußland Wiedervergeltung zu üben, erschwert man seinen Juden die Gewinnung des Lebensunterhaltes in Oesterreich. Was das für fürchterliche Rache an Rußland ist! Uns scheint überhaupt diese Anwendung der Reciprocität ganz unbillig. Für Oesterreich gibt es ja, oder sollte es ja leine durch die Confession bedingten Unterschiede geben; die Reciprocität müßte gegen alle russischen Gewerbetreibenden in Oesterreich angeivendet werden, da die österreichische Regierung den russischen Unterscheidungsgrund nach Confessionen gar nicht kennen soll. (Aus Rußland.) Sechzehn Handelsschüler in Warschau wurden wegen Bezugs verbotener socialistischer Schriften vom Generalgouvcrneur Gurko mit 2—3 Monaten Arrest bestraft. Die Eltern der jungen Leute riefen die Gnade des Zaren an. Dieser schrieb eigenhändig auf die Bittschrift: Für die Katholiken (Polen) ist die Strafe zu verfünffachen, für die Juden 30mal so hoch zu bemessen. Nur ein russisch-orthodoxer Schüler erhielt keine Strafe. — Die barbarische That eines ruffischen Arztes in Bialystock, der einem kleinen jüdischen Knaben mit Lapis das Wort „Dieb" in russischer, deutscher und hebräischer Sprache ins Gesicht brannte, ist noch in aller Erinnerung. Der Bialystocker Arzt Herr Dr. Chasanowicz und der Rabbiner Herr Markus, zwei unserer Gesinnungsgenossen, leiteten ein Gesuch um Bestrafung des Uebelthäters an die competente Behörde. Der Erfolg war der, daß sie wegen Aufreizung der Juden auf zwei Jahre aus Bialystock und dem ganzen Gouvernement ausgewiesen wurden. — Der „Grashdanin" bringt folgende für ihn und die christliche Liebe charakteristische Worte: Glauben Sie, Leser, daß dadurch, (durch ben Erlaß der Kiewer Behörde, wonach jüdische Principale nur einen jüdischen Commis haben dürfen), die Urbevölkerung des Landes irgend eine Einbuße erleidet. Durchaus nicht! Nur die Spanier konnten sich nicht helfen, so sehr es ihnen noch chat, wir aber haben es schon herausgebracht, wie man die abscheulichen Dienste der Juden entbehren kann, ohne sie auszuweisen; es muß nur das Project von der Regierung bestätigt werden und den Juden bleibt nichts übrig, als der Hungertod. — In Folge der vielen Taufen von jüdischen Advokaten ist ein Gesetzentwurf ausgearbeitet worden, wonach die getauften Anwälte erst drei Jahre nach ihrein Glaubenswechsel ihren übrigen Collegen rechtlich gleichgestellt werden. — Das officiöse Organ des Gouverneurs in Wilna erzählt, daß die Gattin des Gouverneurs (absichtslos) auf der Promenade von einem Juden angestoßen wurde, weshalb der Schuldige auf Befehl des Gatten der Beleidigten gepeitscht wurde. Als am nächsten Tage ein jüdischer Rechtsanwalt, der Vertreter des Gepeitschten, zum Gouverneur kam und die Copie des Protocolls über die körperliche Strafe verlangte, frug ihn der Gouverneur: „Sie wünschen die genaue Copie?" „Zu dienen, Excellenz!" „Bemühen Sie sich zum Polizeidirector, ich werde alsbald meine Befehle geben." Am andern Morgen erhielt der Advokat die genaue Copie, man gab ihm genau ebenso viele Streiche, wie seinem Clienten. (Auf der Ländersuche.) Die Zahl der vielen projectirten Zukuuftsheims der vertriebenen russischen Juden ist wieder um eins vermehrt worden — um Aegypten. Der Rabbiner von Alexandrien hat dem Vereine „Agudath Achim" in London ein diesbezügliches Projekt

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