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Selbst-Emancipation · 1891-01-16 · Heft 2 (16.1.1891) · page 1

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Journal
Selbst-Emancipation
Volume
1891
Issue
Heft 2 (16.1.1891)
Date
1891-01-16
Page
– (sequence 1)
Language
German
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II Aborrnemmts-Preise: (Zusendun; inbegriffen) ZSr Gesterreich'Uncrrn ganzjährig fl. „ Deutschland? „ Mk. 8 „ Rußland | „ Rbl. 4 „ die ädrigen LLder „ Lrcs lO Halb» und vierteljährhes Abonnement zu den entsprechender Lhellbeträgen. Das 2lbonnenrent ka.'n mir jeder Rumnier begünen. Einzelne Ernrplare 20 kr. Organ der Jüdisch-Nationalen. Herausgeber: Chefredakteur: Dr. Siegmnnd Clkan. De. Nathan Birnbaum. Erscheint zu Anfang und Mitte jeden Monats. -----)* IRedaetion ».Administration: II.. Schreigaffe Nr. 6. Sprechstunde: Täglich Dan 1—2 Uhr Nachmittag. llnfranfirte Briefe werden nicht angenommen und Manuskripte nicht relourntrt. X---*C Nr. 2. Wien, 1«. Jänner 1891. IV. Jahrgang. Inhalt: Die „Allimce Israelin Universelle" und die Palästma-Colonisation. — Samuel Josef Finn. — Jm"HÄ8iatlande IV. zen: Wim. Lemberg. Lemberg. Drohobycz. Kischinew. Galatz. — Chronik. — Belletristisches: „Ich bin Salomo! Corr. der Administration. — Inserate. — Original-Corresponden- . David Alroy. — Corr. der Nedaction. — MT Die nächste Nummer erscheint am 2. Februars 1891. A >'■/■' i ' Die „Alliance Jsraelite Universelle" und die palastina-Lolonisation. (Zuschrift aus dem Deutschen Reiche) Mit großer Freude las ich in der Chronik von Nr. 1 des i Jahrganges der „Selbst- Emancipation", daß Herr Syrkin aus Paris dem „Hamelitz" mitgetheilt habe, daß sich drei hervorragende Männer des Pariser Judenthums, die Herren Lewin, Scheid und E r I a nge r, eifrig an dem Zustandekommen des Vereines „Dorsche Zion" betheiligten, und daß spcciell die beiden letzteren Herren Vicepräsidenten der „Alliance Jsraelite" seien. Etwa zu gleicher Zeit las ich aber auch eine aus Paris datirte Mittheilung der „Alliance Jsraelite" in Nr. 1 des Jahrganges 12 der in Magdeburg erscheinenden „Israelitischen Wochenschrift" , worin über das argentinische Project des Baron Hirsch berichtet wurde. Da die „Alliance Jsraelite" diese Mittheilung machr, |]o ist wohl daraus der Schluß zu ziehen, daß Baron Hirsch die Alliance mit der Ausführung seines Projectes beauftragt habe. Es. hat indeß allen Anschein, daß diese Ausführung die armen rusiischen Juden nur in neues Unheil stürzen wird. Vor mehreren Wochen brachte das in Bukarest erscheinende Jargonblatt „Hajoez" eine Original - Korrespondenz aus Santa-F6 in Argentinien, in welcher die fürchterlich zerrütteten finanziellen Verhältnisse des Landes, der Judenhaß seiner spanischen Bewohner, die ungemein traurige Lage der vor zwei Jahren eingewanderten russisch-jüdischen Familien besprochen wurden. Was für Betrügern die Inden in Argentinien in die Hände fallen, das ergibt sich auch aus einem im „Jewish Chronicle" veröffentlichten Schreiben der „Sociedad Agricola Israelita Mosesville Colonia Palacios", in welchem vor dem Ankäufe von Losen gewarnt wird, die vom Eigenthümer des Landes, in welchem die Colonisten angesiedelt sind, ohne deren Zustimmung an jüdische Wohlthätigkeits- Vereine in Europa verschickt werden. In dem Prospekte heißt es, daß von dem Ergebnisse der Lotterie eine Schule, eine Synagoge und ein Friedhof eingerichtet werden sollen, während die betreffenden Colonisten einen Friedhof bereits besitzen, ihren Gottesdienst täglich in einem geräumigen Zimmer abhalten, und eine Schule für.,sie demnächst von der Sociedad Industrial eröffnet wird. Zugleich klagen die Colonisten über den Mangel an nöthigen Ackergeräthen und verlangen Erlösung aus dem unwürdigen, sklavenähnlichen Abhängigkeitsverhältnisse, in welchem sie zu den Eigenthümern des Landes stehen. In keinem Falle darf man sich durch das freundliche Entgegenkominen der Argentinier selbst irre führen lassen. Diese Leute, die sich in der bedrängtesten finanziellen Lage befinden, suchen eben nach anderen Leuten, die nur nominell frei, thatsächlich aber ihre Sklaven sind, um sich auf leichte Weise durch den Schweiß Anderer wieder emporzuarbeiten. Fremde ins Land zu locken und sich von ihrem Schweiße zu nähren, das scheint überhaupt in Südamerika Mode zu sein. Man liest in deutschen Zeitungen fortwährend Warnungen vor brasilianischen Auswanderungsagenten, welche die dorthin gehenden Deutschen einem völlig sklavenähnlichen' Verhältniß und der größten Armuth überliefern. Wer nur die Geschichte der südamerikanischen Staaten einigermaßen kennt, der weiß, auf welchem sittlichen Niveau ihre Bewohner im Allgemeinen stehen. Bürgerkriege und Revolutionen, die fast immer nur aus egoistischen Motiven unternommen werden, sind dort auf der Tagesordnung. Wenn sich selbst unter den Präsidenten der dortigen Republiken Leute unlautersten Charakters finden, wie denn z. B. der im Vorjahre gestürzte Präsident von Argentinien selbst die größten Betrügereien verübt hat, was soll man dann von der Masse der Bewohner erwarten? Also nochmals, lasse sich Niemand durch die gleißenden Versprechungend er Argentinier täuschen! Der einzige Boden für die Durchführung des Projektes des Baron Hirsch, scheint uns vielmehr P a 1 ä st i n a zu sein. Und d e sh alb wenden wir uns gerade aai. d i e Herren Lewin, Scheid und Erlanger mit der innigen Bitte, daß sie ihren Einfluß in der Alliance dahin geltend machen und es womöglich durchsetzen mögen, d a ß P a l ä st i n a i m b e s a gtenProjecte an dieStellevon Argentina tritt. Wenn die Herren das Ziel erreichen, sokönnten sie sich damit ein unsterblich e s V e r d i e n st u m d a s j ü d i s ch e Volk erwerben! Der Plan der Colonisation Palästinas wird sich auch denjenigen Mitgliedern der Alliance rechtfertigen lassen, die nicht auf nationaljüdischemStandpunkte stehen. Denn einfach von humanem Standpunkte aus ist er die einzige Lösung der Frage über den Verbleib der russischen Juden. Der Gedanke, daß die Juden noch jetzt länger in Rußland bleiben sollen, muß doch jeden Menschenfreund mit Entsetzen erfüllen. Aber in Argentinien erwartet sie eher ein schlechteres als ein besseres Loos als in Rußland. Und wieviel Zeit soll noch darauf vergehen, andere Länder ins Auge zu fassen, wie viel russischen Juden sollen inzwischen in Hunger, Kälte und Elend verkommen, wie viel sollen inzwischen Rettung vor dem grausamen Tode in der Taufe suchen? Palästina dagegen hat bereits seine blühenden Kolonien; warum zaudern wir noch länger, dasselbe zu unserem einzigen Colonisaüonsfelde zu machen? Welche Vortheile für Palästina im einzelnen sprechen, darüber gerade Herrn Scheid belehren zu wollen, wäre mehr als anmaßend; die herrlichen Worte, die er, der Chef-Verwalter der

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