Selbst-Emancipation
- Journal
- Selbst-Emancipation
- Volume
- 1891
- Issue
- Heft 1 (2.1.1891)
- Date
- 1891-01-02
- Page
- Seite 8 (sequence 8)
- Language
- German
- Belongs to
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Selbst-Emancipation. Nr. 1. schrift, welche im jüdischen Kauderwelsch schreibt, mehr für die Sache der Aufklärung der galizischen Juden leistet, als hundert Zeitschriften in deutscher oder polnischer Sprache, welche wirkungslos bleiben, weil sic ulcht verstanden werden; sic wirkt umsomehr im Sinne culturelte» Fortschrittes, als sie ihn Vernunft- und naturgemäß mit dem jüdische» Lolksthum verbindet und ihn nicht durch die Zuinuthung des Abfalles vom eigenen Volke Lei diesem verdächtig macht. — Das von derselben Redaction hcrausgegebene „Israelitische Volksblatt" hat von irgend einer schlecht unterrichteten Seite die seltsame Nachricht erhalten, daß der Chefredacteur der „Selbst-Emancipation" und der BiccpräseS des Vereines „Admath-Jeschurun" im Laufe des Decembcrs Galizien bereisen und Reden halten würden, in welchen die Juden darüber, was sie bei der Volkszählung zu thun haben, aufgeklärt werden sollen. Nun bestand zwar die Absicht einer im Decembcr zu unternehmenden Agitationsreisc, welche nun auf die wärmere Jahreszeit aufgcschoben worden ist; aber diese projectirte Reise hattc und hat — dies erhellt schon aus ihrer Aufschiebung — nichts mit der Volkszählungzuthun, gilrvielmehr nur einer lebhaften Propaganda der Pa lästinaidec unter unseren galizi scheu Stammesbrüdern. — Ucbcr die Bemühungen unserer galizischen Gesinnungsgenosien in der Volkszählungsfrage sprechen wir an anderer (Die Volkszählung.) Unsere galizischeu Gesinnungsgenossen haben seit Monaten die Losung ansgegeben, daß die Juden Galiziens gelegentlich der Volkszählung „jüdisch" als Umgangssprache angebcn sollen. Abgesehen davon, daß die Sprachen aufgezählt sind, welche angegeben werden dürfen, und „jüdisch" nicht darunter vorkommt, ist auch sonst die angeregte Demonstration ziemlich überflüssig Denn wir können ruhig sein, die Statistik wird uns, wie sie ja das der Wahrheit gemäß seit jeher thut, trotz unserer „deutschen oder polnischen Umgangssprache" nicht zu den Deutschen oder Polen rechnen. Die betreffenden Behörden haben da ein ganz einfaches Verfahren: Einerseits wird die Zahl der Bekenner der jüdischen Religion gezählt, andererseits diese Zahl von der der Deutschen resp. Polen subtrahirt, um in allen Statistiken und Lehrbüchern nach den arischen Völkern, selbst nach den Zigeunern, den semitischen Sprachstamm der Juden anzuführcn — zum großen Verdrusse der Herren „Mosaisten", welche von so stolzen Hoffnungen geschwellt, ihr „Dcursch" oder „Polnisch" in den Anzeigezettel einschrieben. — Bei uns eruirt die. Behörde die Nationalität auf Grund des Religionsbekenntnisses, bei den anderen Völkern auf Grund der Umgangssprache, — das ist der ganze Unterschied. Freilich folgert man nicht aus dieser Anerkennung unserer Nationalität eine natianalc Gleichberechtigung; man würde sie uns aber auch nicht gewähren, wenn die galizischen Juden mit dem „jüdisch" dcmonstriren könnten.^— Allerdings empfehlen wir aber unseren Gesinnungsgenossen allenthalben dafür Sorge zu tragen, daß sie bei der nächsten Volkszählung mit „Hebräisch" demonstriren können — wenn es ihnen erlaubt sein wird, (Die russische Botschaft) in London hat, wie wir im „Israelit und Jcschurun" lesen, Lord Meath und Sir Joseph Pcasc, welche die von dem Guidhall-Meeting in Betreff der Bedrückung der Juden gefaßten Resolutsonen dem Zaren übcrbringen sollten, mitgetheilt, daß es für sie unnütz wäre, - nach Petersburg zu reisen. — Am 19. Decembcr wurden von allen englischen Kanzeln Fürbitten für die verfolgten Juden verlesen. (Aus Rußland.) Wir lesen in der „Allgemeinen Zeitung des Judenthums" vom 13. Decembcr : Es weiß jetzt das Rcutcr'sche Bureau Folgendes zu melden: Das die Judcnfrage regelnde neue Gesetz, welches von einer besonderen Regierungs-Commission ausgearbeitct worden ist, wird aller Wahrscheinlichkeit nach die letzten Stadien vor Ende dieses Jahres pafliren, so daß dessen Veröffentlichung Anfangs 1891 erfolgen dürfte. Nach Mitthcilung von gut unterrichteter Seite sind folgende die wichtigeren Paragraphen der Maßregel: 1. Es ist im ganzen Reiche verboten, an Juden Grundeigcnthnm zu verkaufen, zu verpachten, oder zu verschenken, (Bisher war eine ähnliche Beschränkung nur in der Provinz Polen in Kraft.) 2. Es werden Maßregeln ergriffen werden, um Juden Grundeigenthum, welches sie besitzen mögen, zu entreißen. 3. Bisher genossen jüdische Kauflcnte, nachdem sie für einen Zeitraum von 10 Jahren die Handelsstencr der ersten Gilde entrichtet, das Privilegium. Grundbesitz außerhalb der der jüdischen Bevölkerung im Allgemeinen zugewiesenen Wohnorte'erwerben zu können. Die Verfügungen des neuen Gesetzes werden jedoch die Wirkung haben, dieses Privilegium zu annulliren >lnd Juden zu nöthigen, sich des Grundeigenthums, dessen Erwerbung ihnen bisher gestattet war, zu cntäußern. 4. Jüdischen Handwerkern werden gewisse Rechte, die sie gegenwärtig genießen, entzogen werden; ,sie werden strikt innerhalb der der hebräischen Bevölkerung angewiesenen Grenzen gehalten werden, und Diejenigen, die sich außerhalb derselben niedergelassen haben, werden zurückkchren müssen. 5. Unterdrückungsmaßregcln werden in Kraft gesetzt werden gegen Juden, welche den neuen Bestimmungen zuwider handeln, ebenso gegen die christlichen Unterthanen des Zaren, die Helfershelfer eines solchen Zuwiderhandelns gewesen sind. (In London) fand vor einigen Wochen eine große Versammlung der „Chovevey Zion Society" statt, bei welcher Rev. Dr. Adler erzählte, daß Baron Edmund von Rothschild ihm gegenüber die Hoffnung ausgesprochen habe, daß sich die Colonisten in Palästina bald werden selbständig machen können. (Die Palästina-Idee in Paris.) Herr Syrkin aus Paris theilt dem „Hainelitz" mit, daß drei hervorragende Männer, des Pariser Judenthums und zwar Herr Lewin, Procurator beim obersten Gerichtshof, sowie die Herren Scheid und Erlanger, Vice - Präsidenten der „Alliance Jsraelite," an demZustandekommen des Vereines „Dorsche Zion" sich eifrig bctheiligen. Dieser Verein wird officicll den Namen „Sociätö Civile" führen, und übernahm cs Herr Lewin, dem Vereine, die Genehmigung der französischen Regierung zu erwirken. Der Banquier Kohen wird zum Hauptcassier ernannt werden. Die Zahl der Thcilhaber, welche die erste Einzahlung eingetragen haben, ist schon in Frankreich und Rußland auf 1000 gestiegen und in kürzester Zeit werden zwei oder drei Delegirte nach Palästina geschickt werden, um 1000 Hektar Erde anzukaufen. Die Gründer des Vereines machen Schritte, dass die Colonisten in Palästina, welche die Verhältniffe kennen, den Delegirtcn zur Seite stehen sollen. Wie die Gründer, fo sind auch die Theihaber vollkominen überzeugt, daß der Verein gedeihen wird. (Dr. d'Arbella,) der rühmlichst bekannte Förderer der Colonisation Palästinas, Chefarzt des Rothschild-Hospitales in Jerusalem, ist dem „Haor" zufolge, zum holländischen Consul ernannt worden. Correspondenz der Administration. Löbl. Verein „Zion" in Lemberg. Rr. 1, 6 und 13 des 3. Jahrganges erhalten Sic. Nr. 3 ist vollständig vergriffen. — Die ersten zwei Jahrgänge könnten wir Ihnen nur mangelhaft einscndcn, weil manche Nummern derselben vergriffen sind. Herrn I. Wilheimer in Sofia. Der Empfang von 5 Francs als halbjähriger Abonnementsgebühr Ihrerseits, und von je 2'. Francs als vierteljähriger Abonnementsgebühren der Herren Julius Sternberg und Ignaz Lewinger in Sofia, bestätigen wir dankend. M. S. in Czernowitz. Der Empfang des Quartalabonnemcnts per zusammen 2 fl. wird dankend bcstättgt. -k. in Magdeburg. Wir bestätigen dankend den Empfang von 8 Mark "As Jahresabonnement pro 1891 und der Spende von 12 Mark für den Verein „Admath Jeschurun". Herren Samuel Feldb. in Travnik. Den Empfang des Jahresabonncnicnts per 4 fl. pro 1891 mit Dank.bestätigend, bitten wir um nochmalige Bekanntdabe Ihres w. Familiennamens, da der Briefträger den Coupon auf einer Weise von der Anweisung abtrennte, daß Ihr Name nur unvollständig lesbar ist. Correspondenz der Redaction. Herrn A. L. in Lemberg. Die gewünschten Statuten erhalten Sie nächstens. ....‘i"' Freunde der hebräischen Sprache! Die seit 34 Zähren in Lyck (Ostpreußen) herausgegebene, rühmlichst bekannte hebräische Wochenschrift „Hamagid" erscheint seit dem 15. Ociober 1890 in Berlin unter Mitwirkung berühmter jüdischer Schriftsteller und Gelehrter. 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