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Selbst-Emancipation · 1890-10-17 · Heft 14 (17.10.1890) · p. Seite 8

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Journal
Selbst-Emancipation
Volume
1890
Issue
Heft 14 (17.10.1890)
Date
1890-10-17
Page
Seite 8 (sequence 8)
Language
German
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Seite 8. Selbst-Ema Nr. 14. einer der Rippen, und stieß wieder einen.Schrei finstern Jubels aus. Horch! wie schnell sie schreiten! Erst sechs und dann drei, daherrennend mit wilder Freude. Und aus dem Gehölze schlich sich ein Marder. Aber die Schakale, kühn durch ihre Zahl, jagten ihn fori, und dort stand er außerhalb des Kreises, bebend, schön und beschämt, mit seinen weißen Zähnen und glänzendem Fell und funkelnden Augen. Plötzlich aber, so wie einer der halbgesätrigten Schakale von dem getödtcten Rofse zurücktrat, und ein gelöstes Glied noch an einem zuckenden Nerv davon schleppte, that der Marder einen Sprung auf seinen Feind, entriß ihm die Beute und floh in den Wald. Das wilde Triumphgeheul der räuberischen Horde erweckte einen Löwen von seinem Lager. Seine mächtige Gestalt zeigte sich, schwarz wie Ebcicholz, auf einer entfernten Erhöhung. Sein Schweif ringelte sich wie eine Schlange. Er brüllte, und die Schakale zitterten und endeten augenblicklich ihr Mahl, ihre Köpfe nach der Richtung hin wendend, von woher die Stimme ihres Oberherrn erscholl. Er schritt vor, er trat auf sie zu. Sie zogen sich zurück. Er neigte fein Haupt, untersuchte das Gerippe mit herablassender Neugier und wendete sich sogleich mit königlicher Verachtung von ihm ab. Wieder versammelten sich die Schakale um die Eingeweide. Der Löwe ging nach dem Brunnen, um zu trinken. Er bemerkte einen Mann. Seine Mähne hob sich, sein Schweis war wild bewegt, er neigte sich über den schlafenden Fürsten, stieß ein schauerliches Gebrüll aus, welches Alroy erweckte. Alroy erwachte. Sein Blick traf die flammenden Augen des ungeheuren Thieres, die auf ihn, mit einem Gefühle, aus Begier und Staunen gemischt, gerichtet war. Er erwachte wie aus einer Ohnmacht und sainmelte augenblicklich seine Sinne, erinnerte sich alles Vergangenen und begriff seine gegenwärtige Lage. Er richtete einen so gebietenden, so stolzen und forschenden Blick aus den Löwen, wie dessen eigner. Einen Moment lang sahen sich ihre blitzenden Augensterne in königlichem Wettkampf an, aber endlich erlag der Geist des Thieres dem Genius des Menschen. Der Löwe krümmte sich, senkte seinen Schweif, schlich hinweg, wandelte voll Furcht durch die Felsen und stürzte dann in den Wald.- Der Morgen brach an. Ein Silbcrlicht ergoß sich über den blauen Sternenhimmel. Lieblich ist der Athcm der Frühe. Die Nacht bringt Ruhe, aber der Tag bringt Freude. Das Lied eines einsamen Vogels, singend in der Wildniß! Ein einsamer Vogel, der sein Lied freudig ertönen läßt. Sonnig. und mild, und leicht und klar schwebten seine luftigen Töne durch den Himmel und strömten dahin mit schuldlosem Jubel. Der einsame Jüngling schaut vom Brunnen her auf den einsamen Vogel. Hoch in der Luft fliegt dieser herrlich, wiegt seine hochrothen Schwingen, und sein schneeiger, langer, zarter Schweif glänzt wie ein Meteor in der Sonne. Das Lied eines einsamen Vogels, singend in der Wildniß! Plötzlich schivcbt er herab und fliegt dreimal in änmuthigen Kreisen um das Haupt des hebräischen Fürsten. Dann läßt er neben diesen sanft einen Zweig frischer würziger Datteln fallen. Er ist fort, er ist fort, der holde Fremdling! entfloh'« in das Palmenland, das er liebt, entfloh'n wie ein schöner, wohlthuender Traum. Vor einem Augenblicke war er noch da, glänzend in der sonnigen Luft, und setzt ist der Himmel ohne Gast. Nicht mehr hört man .ihn, bcn Gesang des einsamen Vogels, singend in der Wildniß.- „Wie Du nährtest Elias, so hast Dü auch mich genährt, Gott meiner Väter!" Und Alroy stand auf und wandte sich nach der Seite, wo weit, weit in der Ferne das zertrümmerte Jerusalem lag, und betete. Und dann aß er von den Datteln und trank aus dem Quell, und voll des Vertrauens auf den Gott Israels, setzte der Abkömmling Davids seine Flucht weiter fort. Er begann nun die Bergkette zu besteigen — ein mühevoller, beschwerlicher Weg. Zwei Stunden nach Mittag erreichte er den Gipfel der ersten Reihe, und schaute über eine wilde und chaotische Wüste, voll Abgründe und Schluchten, und finstere, unergündliche Tiefen. Die ihn umgebenden Höhen waren in allen Richtungen durchfurcht von ausgetrockneten Bergströmen, und nur hie und da nährte sich eine wilde Ziege auf einsamer Stelle von dürftiger und herber Weide. Viele Meilen weit dehnte sich diese Wüste aus. Den Hintergrund bildete eine noch höhere Reihe von Bergen, und jenseits dieser, hoch wie der blaue Himmel, hoben sich die höchsten Gipfel des Elburs empor, im Glanze ihrer spitzigen Gletscher und ihres ewigen Schnees. Deutlich sah man, daß Alroy auf der ganzen Strecke seiner Flucht kein Fremdling war, Er hatte nie in der Richtung seines Weges ge- ■ zaudert, und jetzt stieg er, nachdem er eine kurze Zeit auf dem Gipfel ausgeruht hatte, auf einem von der Natur gebildeten, aber vielfach gekrümmten Pfade zur linken Seite hinab, bis eine schwarze Bergschlucht seine Schritte hemmte. Kaum acht bis neun Schritt trennten ihm vom entgegengesetzten Bcrgrande, der sic bildete, aber der Abgrund unten — man konnte keinen Blick in dessen unendliche Tiefe werfen, ohne mit kalten Schauder zurückzubeben. Der Fürst kniete nieder und untersuchte die Unigebung mit sorgfältigem Auge. Endlich hob er einen kleinen viereckigen Stein auf, der eine Metallplatte deckte, und aus dem Busen einen Talisman von Carncol ziehend, in welchen die seltsamsten Züge eingegraben waren, klopfte er dreimal auf die Platte? Ein leises, feierliches Geräusch ließ sich rings umher vernehmen. Jetzt sprang die Platte auf, und Alroy nahm. eine mehrere Ellen lange, eiserne Kette aus dem Vcrschluffe, die er bis zum entgegenstehenden Rande hinüber warf. Diese Kette blieb ohne Schwierigkeit an dem Felsen hangen, und ward sichtlich durch einen magnetischen Einfluß dort befestigt. Nun ergriff sie der Fürst' mit beiden Händen und schwang sich über den Abgrund. Als er jenseits angckommen, schleuderte er die Kette zurück, die gegenüberliegende Oeffnuug verschwand, und ihr Deckel schloß sich wieder mit demselben feierlichen Geräusche, wie zuvor. Alroy ging nun wohl hundert Schritte lang durch einen natürlichen Kreuzgang von Basalt, bis er zu eineni weiten und unbedeckten eingeschlossenen Raume von demselbcil Gestein kam, den ein Fremdling leicht für ein Werk der bildenden Menschenhand hätte ansehen können. In seiner Mitte sprang eine nie versiegende Quelle empor, eisig kalt. Das Wasser hatte sich ein Rinnsal durch den Boden gebahnt und mochte wohl eine Strecke weit zwischen den Felsen sich fortwiubcn, bis cs zuletzt von einem schroffen Vorsprunge schäumend in einen tiefen Abgrund stürzte. Alroy ging über diesen Vorhof himveg und trat in eine große Höhle. Die Höhle war fast kreisrund und bekam von einer weiten Ocffimng in der Höhe Licht. Eine in einem entfernten Winkel brennende Lampe zeigte jedoch an, daß ihr Bewohner sich nicht allein auf diese natürliche Quelle der größten Wohlthat des Daseins verließ. In der Mitte der Höhle befand sich eine runde eherne Tafel, in welche fremde Charaktere und geheimnisvolle Zeichen und Gestalten gegraben waren, und neben ihr war eine Lagerstätte, auf welcher verschiedene Bücher lagen. An den Wänden hing ein Schild, einige Bogen und Pfeile, und andere Waffen. Als der „Fürst der Gefangenschaft" niedcrgekniet war und das leere Lager geküßt hatte, trat aus der entferntesten Gegend der Höhle eine Gestalt ans Licht. Es war ein Mann von mittleren Jahren, lveit über die gewöhnliche Länge, von-ausgezeichnet kräftigem Baue und einem stark gezeichneten, aber majestätischen Gesichte. Sein schwarzer Bart lief tief herab über ein dunkelrothes Gcivand, welches ein schwarzer Gürtel hielt, auf dem gelbe Charaktere gleich denen jener ehernen Tafel gestickt waren. Auch sein Turban war schwarz und schwarz seine großen, feurigen Augen. Der Fremde nahte sich so leise, daß Alroy ihn nicht gcivahrtc, bis er selbst wieder aufgestanden war. „Jabastor!" rief der Fürst aus. „Geweihter Abkömmling Davids," entgegnete der Cabalist, „ich erwartete Dich. In vergangener Nacht las ich von Dir in den Sternen. Sie sprachen von Ungemach." „Ungemach oder Triumph, die Zeit muß lehren welches, großer Meister. Jetzt bin ich ein Flüchtling und erschöpft. Die Verfolger sind hinter mir, aber nun hoffe ich ihnen entronnen 511 sein. Ich habe einen Jsmaeliten erschlagen." (Fortsetzung folgt.) Samstag, de» 25. d. M. Abends 8 Uhr, findet in Hernfeld's Nestanration, 1. Vez., Franz Josefs-Quai Nr. 28 ein geselliger Abend des akademische» Vereines „Kadimah" zur Feier deS Beginnes seines XVII. Semesters statt. Gesinnungsgenossen herzlich willkommen. Für die Redaction verantw.: Dr. Nathan Birnbaum. Buchdruckerei Schloßberg, Wien, II., Stephaniestr. 2.

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