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Selbst-Emancipation · 1890-10-17 · Heft 14 (17.10.1890) · page 1

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Journal
Selbst-Emancipation
Volume
1890
Issue
Heft 14 (17.10.1890)
Date
1890-10-17
Page
– (sequence 1)
Language
German
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dp-dmaiicipation. Abonnements-Preise (Zusendung inbegriffen) Das Abonnement Einzelne Exemplare 20 kr. Organ der Jüdisch-Nationalen. Herausgeber: Dr. Siegmund Elkan. Chefredacteur: Dr. Nathan Birnbaum. Erscheint zu Anfx-.ng und Mitte jeden Monats. Redaction ».Administration: |j u., Schreigaff- Nr. b. Sprechstunde: Täglich von 1—2 Uhr Nachmittags, lliifranfirte Stieft werden nicht angenommen Nr. 14. . Wien, 17. Oetober. III. Jahrgang. Inhalt: Osten oder Westen? — „Der Ausnahmsjude." — Jn's Heimatland! — Eine polnische Stimme über die jüdische Palästina-Colomsation. — Korrespondenzen: Wien. Lemberg. Lemberg. Czernowitz. — Chronik.— Eingesendct. — Correspondenz der Rcdaction. — Correspondenz der Administratioil. — Belletristisches: David Alroy. — Anzeige. VN" Die nächste Nummer erscheint am 2. November d. I. Hf Osten oder Westen? Baron Hirsch hat in Ainerika für zehn Millionen Gulden ausgedehnte Ländereien gekauft, auf welchen russisch-jüdische Auswanderer angesicdelt werden sollen. Zugleich mit dieser schon durch die Tageszeitungen bekannten Nachricht kommt uns aus verlässlicher Quelle die Mittheilung zu, daß innerhalb der „Alliance Israelite universelle" Vorberathungcn und Vorbereitungen zu einer ähnlichen Action stattfinden. Von einer Unterstützung der Colonisation Palästinas durch diese beiden großen Factoren im heutigen Judenthum ist leider gar nicht die Rede. Daß nun speciell Baron Hirsch diesein unserer Meinung nach hervorragendsten Erfordernisse unseres Volkslebens keine Beachtung schenkt, überrascht uns nicht, denn ivir kennen seine Abneigung gegen das Land unserer und auch seiner Ahnen nur zu gut. Wir wissen auch, daß an dieser Antipathie am meisten seine Berather schuld sind, deren nationales Sündenregister den Ehrgeiz verspürt, auch diesen größten Treubruch gegen unser Volksthum zu beinhalten. Aber die „Alliance Israelite universelle" oder wie ihr hebräischer Name lautet, "onan „Ganz Israel sind Genoffen", — soll auch sie das Interesse für das Heimatland so ganz und gar außer Auge lassen — sie, die unumstritten schon sehr viel für die Cultivirung desselben und seiner Bewohner gethan hat, die bei Jaffa schon vor Jahrzehnten die Ackerbau-Schule „Mikweh Jisrael" („Hoffnung Israels") gegründet hat. Wir können dies nicht glauben und sind überzeugt, daß, sollte eine antipalästinensische Strömung gegenwärtig im Rathe der „Alliance Israelite Universelle" vorwalten, dieselbe über kurz und lang vor dem gewaltigen Hauche der Zeitgeschichte verschwinden wird, wie „Spreu vor dem Winde". Da aber vorläufig diese Zeit noch nicht eingetreten ist, vielmehr die schon halbvergessene Frage „Palästina oder Amerika?", „Osten oder Westen?" wieder aufgetaucht ist, so wird es nöthig sein, derselben Aufmerksamkeit und ernste Besprechung zu ividmen. Schon als vor neun Jahren die großen Judenverfolgungen in Rußland stattfanden und daselbst der Gedanke einer nationalen Errettung Israels in den G'emüthcrn aufblitzte, stellte sich neben die zionistische die „amerikanische" Richtung. Dieselbe ging von der Ansicht aus, es sei gleich, auf welchein Territorium die. nationale Wiedergeburt des hebräischen Volkes erfolge, im alten Ahnenlande oder auf dem jungfräulichen Boden Amerikas, auf dem sich das Projeet jedenfalls leichter verwirklichen lasse. Die Vertreter dieser 'Ansicht waren anfänglich gegenüber den Zionisten scheinbar in der lleberzahl, — ich sage scheinbar, weil man Leute zu denselben zählte, welchen die Gründung einer national-israelitischen Gemeinschaft in der neuen Welt völlig ferne lag. Es handelte sich den Meisten und gerade den Einflußreichsten — so dem damals in London bestehenden Manshion-House-Comite — blos um die augenblickliche Hilfsmaßregel der Verschickung von auf den Bettelstab gebrachten russischen Juden nach Amerika. Als die Verfolgungen in Rußland nun nachließen und die amerikanischen Rettungsaetioneu auch zu Ende geführt waren — dieselben waren, nebenbei gesagt, zumeist von einem kläglichen Fiasko begleitet — da zeigte es sich, daß die „Amerikaner" unter den national gesinnten Juden eigentlich nur eine winzige Minderheit waren, — gegenüber den Anhängern des in die Seele des Volkes gedrungenen Zionismus. Nationaljüdisch und zionsfreundlich erwiesen sich als identische Begriffe. Und während der ganzen Zwischenzeit von den ruffischen Judenhetzen im Anfang der achtziger Jahre bis heute, der Blüthezeit der russischen Negierungsmaßregeln gegen die Juden, gab der national-jüdische Amerikanismus kein Lebenszeichen von sich, während die „Chowaive Zion" munter fortwirkten. Jetzt, unter dem Eindrücke der russischen officiellen Drangsalirungen erhebt wieder ein „Amerikanismus" sein Haupt, aber er trägt Gott sei Dank wieder keinen national-jüdischen Character an sich, sondern ist wieder blos eine nur der Gegenwart nicht aber der Zukunft zugewendete Rettungsaction, wie sie ja für die Juden irgend eines Landes von Zeit zu Zeit immer nothwcndig wird. Da aber diese an sich nicht tadelnswerthe - Hilfthätigkeit die berufenen Kreise völlig occupirt und ihnen nicht Zeit noch Wille läßt, an einer gründlichen Heilung unseres kranken Volkes zu denken, da anderseits doch schon vermöge des Zeitgeistes, manche vielleicht unbewußt nationale Hoffnungen an diese amerikanischen Bestrebungen sich knüpfen, da ferner der Palästina-Gedanke auch von den jetztigen „'Amerikanern" einer scharfen Kritik unterzogen wird, — so ist es offenbar nothwendig,dieWichtigkeit undAusführbarkeit der Idee der Colonisation Palästinas zu beleuchten und diese Idee den ainerikanisirenden Bestrebungen entgegenzustellen. Da ist es nun vor Allem nothwendig, hervorzuheben, was der Palästina-Gedanke bezweckt, wodurch er sich seinem Wesen nach von beu meisten bis jetzt angewendeten Mitteln gegen das jüdische Elend unterscheidet. Es ist, wie wir schon so oft hervorzuheben Gelegenheit hatten, die Erkenntnis, daß dem Judenthume vor Allein ein territorialerMittelpunkt nothwendig sei, und daß in der Schaffung dieses Centrums die einzig mög lich e L ö s un g der l ästige n Juden frage liegt. Von dieser Erkenntnis aus erscheinen alle die anderen Bestrebungen, mit welchen man herite dem siechen Judenthum auf die Beine zu helfen glaubt, als klägliche Krückenhilfe. Was nützt es, wenn Israel mit allen Waffen des Geistes und des Geldes in den Don Quixote-Kampf gegen den Antisemitismus zieht, oder wenn es mit denselben Mitteln stets neue Wohlthätigkeitsanstalten ersinnt, beziehungsweise erhält, — wenn das Golus fortbesteht? Schafft dieses ja stets neue Gelegenheiten, in denen sich jüdische Polemik und jüdische Wohl-

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