Selbst-Emancipation
- Journal
- Selbst-Emancipation
- Volume
- 1890
- Issue
- Heft 13 (3.10.1890)
- Date
- 1890-10-03
- Page
- Seite 8 (sequence 8)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 95% known words query
- IRI
…/3092672-3092764-3092777--0532-3093495- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
Mentioned entities
- Odesa 1× ep/1000834
OCR text
Seite 8. Selbst-Emancipation. Nr. 13. »Er liegt gewiß hier bewußtlos. Ich glaubte, er sei entfloh'n. Bringt Wasser, Mädchen, für den Furchtbarm. Ich wage es nicht, ihn anzublicken." „Hinweg! Ich will ihn sehen und triumphiren. Todt! Alschiroch todt! O! noch vor einem Augenblicke war dieser bekleidete Leichnam ein Fürst, mein Tyrann. So können wir uns also ihrer befreien? Wenn der Fürst fiel, warum nicht auch das Volk? Unrettbar todt, und ich erschlug ihn. Ha! nun fühle ich mich endlich als ein Mann. Dies heißt doch Leben. Laßt mich leben, um zu tödten!" „Wehe! Unser Haus ist gesunken! Die Wildheit seiner Züge erschreckt mich. David, ich bitte Dich, ende! Er hört mich nicht; meine Stimme ist vielleicht zu leise. Ich bin wohl sehr schwach. O Mädchen, kniet vor euren Fürsten hin, und sänftigt den Wahnsinn seiner Leidenschaft". „Ha, dies ist mein Goliath! eine Schleuder oder ein Baum, es ist dasselbe. Der Herr, der Hecrschaaren ist mit uns. Mit Recht nennt man mich David. Wär' dieser Schlag nur vervielsacht, jhäten nur die Diener aus dem Hause meines Oheims dasselbe, wie sollten wir wiederseheu die Tage von Elah! Der Philister, der feige, schwelgerische Philister; er wagte es, meine Schwester zu berühren! O! daß doch sein ganzer Stamm hier wäre, alle, alle! Ich würde solche Feuerbrände knüpfen an die Schwänze ihrer Füchse, daß die Gluth leuchten sollte zur Freiheit". Indem er sprach, eilte ein Mädchen, das bis setzt noch entfernt geblieben war, mit ängstlicher Geberde zu den Anderen zu. „Flieht, flieht!" rief sie aus: „sie kommen, sie kommen." Mirjam lag schwach und matt in den Armen einer Gefährtin, aber ihr Ohr vernahm schnell diese Worte, und sie riß sich empor und ergriff ihres Bruders Arm. „Alroy! David! theurer, geliebter Bruder! Ich beschwöre Dich, Höre! Ich bin ja Deine Schwester, Deine Mirjam. Sie kommen, die hartherzigen, bösen Männer, um Dich zu tödten, zu martern, mein theurer Bruder! Ermanne Dich, David, aus diesem wilden Traume; rette Dich — flieh!" „Ah! Du bist es Mirjam! Sei ruhig; Theure, Du sichst ja, daß er fest schläft. Ich will meine Sinne sammeln. Ich träumte von edlen Vorsätzen und mächtigen Hoffnungen. Das ist nun vorbei. Ich bin wieder ich selbst. Was begchrst Du also, meine süße Schwester?" „Sie kommen die wilden Begleiter dieses Erschlagenen, um Dich zu ergreifen. Flieh, David!" „Und ich soll Dich verlaffen?" „Ich und meine Gefährttnnen haben noch Zeit durch den Nebenweg zu entfliehen, durch den wir hicher kamen, in meines Oheims Garten. Sind wir in seiner Wohnung, so sind wir für den Augenblick sicher — so sicher, als unser armes Geschlecht je sein kann. Bostenai ist reich, klug, - erfahren in Geschäften und kennt diese Männer so ganz, daß alles gut gehen wird. Ich fürchte nichts, gewiß nichts. . Aber Du, bist Du hier, und sie finden Dich, dann kann nur Dein Blut ihren Durst stillen. Sind sie aber überzeugt, daß Du entflohen, — thu' es, ich beschwöre Dich, —, so werden sie ihres vormaligen Herrn hier, den sie schwerlich lieben konnten... wenn man sie reichlich beschenkt, — und sie sollen alle meine Edelsteine haben, — bald eben so wenig gedenken, als er jetzt noch Leben in sich hat. O nein, mein Bruder, fürchte nicht, im komme schon wieder nach Hause. Für diese Mädchen sorge ich schon. Jetzt müssen wir die Kraft des Königsblutes zeigen, das unsre Adern durchströmt. Ich will sie gerettet sehn.... oder mit ihnen sterben." „O meine Schwester, ist mir's doch, als hätte ich mich nie so Bruder gefühlt, wie in dieser Stunde. Meine theure Mirjam, was ist Leben? was ist Rache, was Ruhm und Freiheit ohne Dich? Ich bleibe." Roffegewieher erscholl aus dem Dickicht. „Ach, sie kommen, sie kommen!" rief außer sich Mirjam. „Horch! wieder Gewieher! Ein Roß ist's, das seinen Reiter sucht. Ich sehe es, Muth, Mirjam! cs ist kein Feind, sondern ein naher Frelind in der Zeit der Gefahr. Es ist Alschiroch's Roß. Er ritt an mir vorbei beim Grabcsplatz, ehe die Sonne sank. Ich sah es wohl: ein köstliches Roß". Er stürzte in das Dickicht und brachte bald das Roß aus demselben. Neulich erst war das stattliche Thier seiner heimatlichen Wüste entzogen worden. Die sträubende Mähne, das Auge voll Feuer, die Kühnheit der weit geöffneten Nüstern bezeugten seinen Stolz und die edle Reinheit seiner Abstammung. Seine Farbe war gleich der dunklen sternglänzenden Nacht, cs stampfte den Boden mit dem leichten Huf, wie ein Adler, der init den Schwingen schlägt. Alroy schwang sich auf des Rosses Rücken und führte es mit Meisterhand. „Ha! rief er aus; ich fühle mich mehr als Held, denn als Flüchtling. Lebeivohl, meine Schwester; lebt wohl, Ihr holden Mädchen; lebt alle wohl und liebt meine köstliche Mirjam. Einen Kuß, süße Schwester!" und er beugte sich zu ihr herab und flüsterte: „Sage dem guten Bostcnai, er soll sein Gold nicht sparen, Geliebte, denn ich bin überzeugt in tiefer Brust, daß ehe ein Jahr mit langsamen Schritt vorüber, ich wiedcrkchren werde, und unsre Herren hier sollen mir dann büßen diesen eiligen Ritt und dieses schmerzliche Scheiden. Jetzt in die Wüste.!" (Fortsetzung folgt.) Samstag, den 4. b. M. Abends, 7 U1)t, kommen Gesinnungsgenossen in Hcrrnfeld's Gasthaus, 1. Bez., Franz Josefs-Quai, vis-a-vis der Stefaniebrncke, gesellig zusammen! Avis! Folgende Herren hatten die Güte, die Vertretung der „Selbst-Emancipation" unentgeltlich zu übernehmen: Für Bessarabien: Herr Dr. Leo Kohan in Kischinew. Für Odessa: Herr Jacob Konstantinowsky in Odessa, Richelieu-Straße 14, Magazin de l'Europe. Für Serbien: Dr. David Alcalay in Belgrad. Somit können Stammesgenossen in den genannten Ländern oder Gegenden sowohl bei den betreffenden Herren als bei uns direct ihr Abonnement anmelden, rcspective Zahlung leisten. Die Administration. aiBiiiaiaiiiii iiiciiiitiiiiiiiiiiiiaiitiiiiaiiiiiiiaiitiiiitiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiaiMiiiiiititiiiiitiii Wir gcbcn bekannt, daß die Ncdactlon Correspondenzeil nicht blos in deutscher, sondern selbstverständlich auch in hebräischer, ferner aber auch in arabischer, böhmischer, englischer, französischer, italienischer, polnischer, russischer und spanischer Sprache annnnmt und bei Verwendbarkeit in deutscher Uebersetzung veröffentlicht Die Zeitschrift „Selbst - Emancipation" ist wegen ihrer Verbreitung in den meisten Ländern für Jnserirungen besonders geeignet. Preis der Normal-Annonce (i" der Größe dieses Inserates — t/i Spalte) bei 1 maliger Insertion 1 fl. Kleinere oder größere Annoncen zu den entsprechenden Thcilbeträgen. — Bei wiederholter Einschaltung Ermäßigung des Preises. Um geneigte Aufttäge bittet die Administration. laiiiBiaiaiBiaiiiiiiiBitiaiaiiiüaiaiaiiiaiiiaiiiBiBiaiaiaiiiiiaiiiiiiiiiaiiiiiiiiiiiataiaiBtiii Wir machen die geehrten auswärtigen Mitarbeiter darauf aufmerksam, daß der Schluß der Rcdaction zwei Tage vor dem Datum des Erscheinens deS Blattes erfolgt. IBlBlBlBrBIBIBIBIBlBIB1BtBIBlBIBIBIBIBlBlBIBIBlBIBIB!BlB1BIB«BtBlB1BlBtBIBlBlBIBIBtBIB1BIB1B,B,R Für die Nedactton verantw.: Dr. Nathan Birnbaum. Buchdruckerei Schloßbcrg, Wien, II., Stephanieftr. 2,