Selbst-Emancipation
- Journal
- Selbst-Emancipation
- Volume
- 1890
- Issue
- Heft 11 (1.9.1890)
- Date
- 1890-09-01
- Page
- Seite 2 (sequence 2)
- Language
- German
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Seite 2. S elb st - E m ancip a ti o n. ytx. 11. McDw^inan iiarair geht-^d. H. wenDdie«« Anträge 'der Schulscetton des Cultusvorstäüdes LurchWnIm.sÄaSPchÄit Sicherheit nicht voraussagciDläM -Ädenn^D gibt^ nichts^ Verbisseneres , als die Assimilation — den hebräischen Unterricht in den Volks- und Mittelschulen wieder in größerex Ausdehnung einzusühren, hüte man sich , vor dem alten Fehler! Damit die bis ins innerste ' Mark von der Verachtung gegen alles Jüdische angegriffene Jugend Wien's vor . dem Judenthumc wieder Respect bekomme, bedarf es . eines methodischen, grammatischen, zielbewussten Unterrichtes in der hebräischen Sprache, damit diese Jugend die Großartigkeit derselben bewundern lerne und auf diesem Wege wieder seinem im Stiche geläffencn'Volksthume ~tn die Arme geführt werde; aber die priesterlich-salbungsvolle, philosophisch-hochtrabende und dabei wissenschaftlich so seichte Methode von einstmals wird keinen einzigen. Jüngling zum. für das.Ludenthum, begeisterten Manne machen. Die heutige Jugend wird dieser Art des hebräischen Unterrichtes stets nicht blos mit Mißtrauen, sondern sogar mit Spott — und der ist in jüdischen Gemüthern besonders gefährlich — entgegcnkommen. Darum verlangen wir gründlichen u n d g r a m m a tu s ch ■'«= lingui st i s chcn Unterricht in der hebräischen Sprache;' sie ist es ja, die nach unserer Meinung wieder berufen ist, eine lebende Sprache zu werden, die jedenfalls aber das bedeutendste Bindemittel unseres zerstreuten Volkes bildet. B. Die Ielte Sems. (Fortsetzung.) v' ' Bevor wir in die - Besprechung der Nützlichkeit und der Nothwendigkeit der Errichtung nättonaljüdischcr Schulen - entgehen, müffcn wir alle - jene ungerechten Anwürfe zu - entkräften suchenwelche von verschiedenen Seiten gegen diesbezüglichen Bestrebungenerhoben iverden. - Während von antisemittscher Seite die Hinausdrängung -der - jüdischen Schüler aus den Staatsschulen mit - dem Hintergedankeingefordert wird;- dem Juden jede Bildung überhaupt unzugänglich zu machen, halten -unsere sogenannten- ,,Aufgeklärten" .an dem gewiß nichts weniger als aufgeklärten-Gedanken fest, der Besuch derchristlichen Schulen bringedeßhalb Vortheilc,' weil diese-Schulen von bester erzogenen und-moralisch höher stehenden- Kindern - arischer Abkunft « besucht: werden,- welche -letztere auf die« jüdischen «Kinder mustergebend wirken. «. Wohl wahr!' In der.Erziehung wirkt das Beispiel mit' fast elementarer Gewalt. . Was das Kind im Elternhause «wahrnimmt, ist oft entscheidend, für fein, ganzes Leben. Und deshalb bleibt der Vvt^ug des Vesuches christlicher Schulen geradezu. fragwürdig. Ohne uns in sittenrichterliche Vergleiche « einzulasten, wird ' jeder billig Denkende zugeben müssen, daß die jüdischen: Kinder , selbst in der ärmlichsten Hütte oft herzerhebende .Beispiele. von .Moral «und «Humanität wahrzunehmen Gelegenheit haben, und.was ferner Nüchternheit, Keuschheit und Mäßigkeit für Grund- ' lagen eines gesitteten menschlichen Daseins bilden, das erst nachzuweisen, wäre wohl mehr als überflüssig, ebenso - auf westen Seite alle jene herrlichen- Tugenden in größerem. Ausmaße gesunden werden. Es ist somit ein eitel Hirngespinst, 'wenn unsere Fortschrittsmänner Sittlichkeitsmuster anderswo.-als. im eigenen Lager : suchen.- Diesen Führernin Israel möchte 'ich zurufen: Wie geschwächt muß eure Sehkraft sein, daß «Ihr nicht einmal das zu schauen vcrmöget, was. vor 3000 Jahren Bileam in so herrlichen Farben geschildert hat — die Zelte Jakobs, die Ruhestätten Israels. Wer mag wohl »»patriotischer über Israel geurthcilt haben, Ihr jüdischen Abkömmlinge oder jener Midianite? Verkästen ivir nun dieses Motto und wenden wir uns einem andern zu, besten Stichhältigkeit wir prüfen wollen. Von der Wiener jüdischen Gemeinde ging nämlich schon im Jahre 1855. das mqt d’ordre gegen die Errichtung eigener jüdischer Schulen mit der sonderlichen Motivirung aus, daß'hiedurch die Feindseligkeit zwischen den jüdischen und christlichen Bewohnern noch gesteigert werde, während der Besuch von christlichen Schulen die Heranwachsenden Generationen einander nähere. Es mag sein, daß-die nach Freiheit und Gleichheit strebenden Männer der Wiener Gemeinde nur das Gute wollten, den Frieden und die -Freundschaft des semittschcn mit dem arischen Elemente. Doch die Resultate beinahe eines halben Jahrhunderts haben das bekräftigt, was uns längst nach den Ergebnissen der jüdischen Geschichte kein Geheimnis war: "ttiv t6 ftsvjsi,, „Die Söhne Hawaiis sind nicht ausgcstorben" und diese wollen ' und werden nicht den Frieden mit Israel zulassen. Vergeblich opferte die Wiener Gemeinde, wie andere Gemeinden, fast den ganzen Inhalt des Judenthums dem schonungslosen Assimilattonsfetisch und wie das ' Scheide» der letzten Sonnenstrahlen sieht man den hebräischen Religionsunterricht kraft des Machtgebotcs eines schon verstorbenen Gencralassimilators und Religionsinspectors aus den Gymnasialschulen - schwinden und-an dessen Stelle die deutsche Bibellccture treten, die jedes Waschweib selbst ohne Hilfe eines Religionslehrers zustande dringt. Israels geistgeschliffene Talentedie von dem Borne jüdischen Wissens großgczogen wurden, gehen dahin. Nicht diese Verdrängung des Hebräischen, nicht das Aufstellen « prangender Christbäume,- Sonntagsfeier, gemeinschaftliche Excursionen,- verfingen gegen den Anttseniittsmus, denn u n gerade an der Lehrer- und Schülerschaft s e i n e glühen d st e n A n h ä n g e r, der dem jüdischen «Schüler jeden Fortschritt mißgönnt undoft «den Besuch der arischen Schule verleidet,- gefunden hat.« Wir stehen da, wie Eindringlinge in die geweihten Hallen der christlichen Schule, oft um Aufnahme bettelnd! Oh, wie gewappnet stünden wir da, wenn - die Wiener Gemeindeführer von damals wohlausgestattete Schulen« eingerichtet hätten, in welchen jüdischer . Volksgeist gepflegt, jüdische Kinder unterstützt und die besten Kräfte herangezogen worden wären,. um dereinst-Träger der jüdischen Idee,! der jüdischen Lehre und des jüdischen Lebens zu sein. Doch der Fehler der Leichtgläubigkeit und das Gebrechen der Kurzsichtigkeit können nicht mehr für die Vergangenheit rückgängig gemacht werden. Darum mußte der Antisemitismus kommen, um uns mit allem seinem unmenschlichen Gepolter aus der Lethargie zu wecken und dessen Kriegsdromcte 'verkündete, uns wohl: „Die Schlafmütze ab und in den Kampf für unsere heilige Sache, für die höchsten unantastbaren geistigen Güter Altisracls, durch Errichtung eigener jüdischer Lehranstalten in jeder jüdischen Gemeinde!" Wir wollen, zum Schluffe unserer Bemerkungen kommend, noch die bestehenden Staatsschulcu auf ihren interconfestioncllen Feingehalt prüfen, um nachzusehen, ob der angestimmte Chorus von blauu. schwarzblütigen Antisemiten wirklich der Sache der Religion gilt, für die sie zu kämpfen ausgcben. Haben denn die Staatsschulen nicht eine unverkennbare meist katholische Grundlage, die eher das Christenthum in den Augen der nichtchristlichen Kinder glörificieren und propagieren? Sind es etwa jüdische Schulen, in denen die christlichen Feiertage, römische, griechischkatholische,- griechisch-orientalische ins' minutiöseste in Form von Schulferien gefeiert werden, während die jüdischen Schüler um Schuldispens ansüchen müsten, — und diese Dispens, wie. theuer kommt sie dem jüdischen Schüler oft zu stehen! Uns schweben . Fälle in nicht geringer Anzahl vor, wo die jüdischen Kinder die .schlechtesten Noten nach ertheiltcr Dispens erhalten, haben, da der. antisemitische. Lehrer gerade diese aus dem während der Dispenszeit vorgetragenen Pensum cxaminirte. Wer sind Lehrer und Leiter der Schulen, etwa Juden?. Wir unterschätzen nicht, w^nn wir annehmen, daß unter tausend Professoren kaum ein jüdischer etwa schandehalber oder ausnahmsweise in einer Staatsschule angestellt wird. Es rocht überhaupt ein echt christlicher Geist im ganzen österreichischen Schulwesen, welcher in seiner ganzen In- und Extensität dem arischen wie dem semitischen Schulbesucher imponirt. , , Und doch schicken wir unsere Kinder schaarcnweise in,-diese christliche Schule, . gegen' so viele schiveriviegende Argumente nationaler und religiöser Natur;- wie viel Zurücksetzung .und Ehrcnkränkung haben in den letzten Jahren seit der so' starken antisemitischen Propaganda unsere Kinder zu erdulden? - Doch wer will-die Klagen hören; im Gegentheil, sie werden nach Kräften unterdrückt. - Israel lebt im 19. Jahrhundert noch im alten Galuth. Den bitteren Früchten dieser Diaspora, - der Lüge, « der Roheit und- Brutalität seitens unserer arischen -Feinde, wollen wir die Wahrheitunserer mehrtausendjährigen Geschichte, das -jüdisch fühlende Herzeine kräftige-jüdische Erziehung unserer Jugendin eigenen nationalen Schulen «als « mächttg schützendes Palladium entgegensetzen. Dr. Naben Vierer- (Schluß folgt.) Korrespondenzen. Wien, den 30. August 1890; Die bevorstehenden'Landtagswählen machen bereits viel von