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Selbst-Emancipation · 1890-08-01 · Heft 9 (1.8.1890) · page 1

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Journal
Selbst-Emancipation
Volume
1890
Issue
Heft 9 (1.8.1890)
Date
1890-08-01
Page
– (sequence 1)
Language
German
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■*:= =&' ZlbonnementS-Preise: (Zusendung inbegriffen) Für Desterreich»Nngarn ganzjährig fi. „ Deutschland „ Xtlf. 8 „ Rußland Rbl. 4 „ die übrigen Lander „ Frcs JO Halb- und vierteljähriges Abonnement zu den entsprechenden Theilbetragen. - Das Abonnement kann mir jeder Nunnner beginnen. Einzelne Eremplare ü 20 kr. im Zeitungsbnreau Goldschmidt, I., Mollzeile 8.' Organ der jüdisch Nationalen. Herausgeber: Dr. Siegmund Eltan. Chefredactcur Dr. Nathan Birnbaum. Erscheint zu Anfang und Mitte jeden Monats. Redaction u. Administration: Wien, - II., Große Schiffgasse Nr. 23. Sprechstunde: Täglich von l—2 Uhr Nachmittags. Unfrankirte Briefe werdennicht angenoimnen und Manuskripte nicht retournirt. #.= Nr. O. Wien. 1. August 1890. Hl Jahrgang. Inhalt: Unsere nächsten Ziele. — Briefe aus Nnmänien. — Der letzte jüdische Aufstand unter Bar Kochba in den Jahren 132—135 —Korrespondenzen: Wien- Lemberg. Czcrnowitz. Kiew. Diinabnrg. — Chronik. — Antworten auf verschiedene Fragen. — Eingcscndct. — Corrcspondenz der Redaction. — Inserate. Die nächste Nummer erscheint am 1». August d. I. TQSB WM' Vom 12. August d. I. ab befinden sich die Redaction und Administration der „Selbst-Emancipation": II., Schreigassc Nr. 6. iuiiitii»4iiit>iiiiiima'Mtiiiii}iiiiiuiiriittiiiiiiiii>«fii«t«tiiiiit«ta!iiiiiiiiiiiiiiitB Gesinnungsgenossen! Die 3been, die unser Blatt vertritt, haben sich in anderen Ländern eine große Anhängerzahl erworben; hierzulande dagegen ist unsere Schaar eine kleine. Die „Selbst-Lmancipation" ist hier der einzige Dolmetsch unserer Ansichten; es ist daher Eure heilige Pflicht, sie nach Möglichkeit zu verbreiten, einerseits um ihre Existenz zu sichern, anderseits um das j)ublicmn mit dem jüdisch-nationalen Gedanken bekannt zu machen. Erfüllet diese j)sticht! Dir Rcdactioii. Unsere nächsten Ziele. Brief an den Chefredakteur der „S^-E." von Dr. Armand Kaminka. , . — — Sie haben mich en flagrant ddlit bei einem Artikel in der »Hazefirah* ertappt; Sic weisen nun meine Entschuldigung, „daß ich jetzt überhaupt nichts mehr schreibe", entrüstet zurück und verlangen entschieden meine Mitarbeiterschaft. Und doch war es keine Ziererei, ivenn ich Ihnen mit dieser nicht entgegengekommen bin; der im Einleitungsgedicht meiner »Podsies H^braiques* feierlich ausgesprochene Gedanke 121 121 'b2ll ^2,1 rij? schnürt mir jedesmal die Kehle zu, wenn ich, gegenüber der Winzigkeit und der Kläglichkeit unserer einstweiligen materiellen Kräfte, ein Wörtlein zur Propaganda, zur Agitation, zur allgemeinen Aufklärung beitragen möchte. Die Worte finden leicht ihren freien Schwung, während die Dinge auch nicht um ein Haar fortschreiten. Die Idee ist emancipirt, die That soll cs erst werden. Der nationale Gedanke ist stolz, klar, überlegen und freudig begeisternd; das nationale 8 c i d ist kleinlaut, stumm, verworren und unsäglich schmerzend. Unsere Hoffnung ist eine Gewißheit, unser Zustand ein Probte in. Unter solchen Umständen erscheint alles hohl, herzlos und eitel, was nicht direkt und unmittelbar zur Förderung unserer faktischen Interessen geeignet ist; mithin fast unsere gesauuntc, auf die maßgebenden Kreise einflußlose gegenwärtige jüdische Journalistik. Was mir jedoch hebräisch schreibeil, reiht sich" der M'okkslitieratur an und gewinnt dadurch einen selbständigen, formellen Wert, vielleicht auch durch Menge oder Gediegenheit, den Charakter einer That. Aber französisch, deutsch, russisch schreiben — wozu und für wen? Für Fremde haben wir es nicht nöthig; die arischen Völker kennen uns als Volk und N a t i o n und kennen unser nationales Leideil und Hoffen nur zu gut; sic im E i nz e l n e n über unsere internationale Lage und unsere Projekte aufzuklären, wäre zwar nicht überflüssig, aber ihr Mitleid ivürdc uns beleidigen und ihre Hilfe müßten wir zurückwcisen. Wir erwarten alles von Gott, und nichts von der Gnade der Völker. Viel unnützer noch ist es, für unsere barbarisirten Stammesgcnosscn zu schreiben und das sind fast alle in Westeuropa, soweit sie des Hebräischen nicht mächtig sind und mit komischer Verzweiflung auf die nationale S c l b stv er n ich tun g hin arbeiten. Bei diesen ist cs parti pris, und würden die „Schleusen des Himmels" sich öffnen, um Argumente regnen zu lassen, so würden sie die frivol verstoßenen Bolkstraditionen ihrer Väter doch nicht wieder aufnehmen. Wir können uns dainit tröstendaß jene abtrünnigen Assiinilationsschwäriner bei allem Aufwand von bedauernswerthcn Sophismen doch nur ihre Persönlichkeit in Nebel zu hüllen, nicht aber den unvergänglichen historischen Stern unseres Stammes zu verdunkeln vermögen.?) *) Wir haben über den Wert des geschriebenen resp. gedruckten Wortes, und sei es auch ganz Theorie, eine etwas andere Meinung als Herr Dr. Kaminka, ohne aber auch das Nichtige in seinen Ausführungen zu verkennen. Amn. d. Red. Das Einzige, ivofür meines Erachtens ein Organ in einer europäischen Sprache uns nützlich sein kann, ist die nüchterne Besprechung rein praktischer Schritte. Ein Schritt vorwärts ist die beste Agitation. Der Erfolg wird der einzige Lehrmeister und Bekehrer aller Ungläubigen und Schivachsinnigen werden. Solange unsere hebräische Presse an Präcision, Zuverlässigkeit und Competcnz hinter den Anforderungen wissenschaftlich gebildeter und modern denkender Männer Zurückbleiben wird, kann es nur mit Freuden begrüßt werden, wenn ein Organ, wie das von Ihnen geleitete, sich zu einem Sammelpunkt sachlicher Erörterungen gestalten soll. Vor 5 oder 6 Jahren, wenn ich nicht irre, habe ich einmal als Abonnent in Ihrem Organe einen Aufsatz unter dem bezeichnenden Namen »Avant la bataille* veröffentlicht, es muß so ungefähr eine Art Ultimatum oder Kriegserklärung an die Türkei gewesen sein. Ich glaube, daß ivir jetzt — und nicht nur wir, sondern die gesammte Zionsbewegnng — über den thörichten Rausch kraftvoller Worte längst hinaus sind. Ich bin heute höchstens im Stande, auf einige Gegenstände hinzuweisen, die sich der praktischen Wirksamkeit darbieten und für die ich die Theilnahnie unserer Gcsinnringsgenoffen aller Länder erbitten möchte, zum Theil bereits während meiner ausgedehnten Reisen im verflossenen Winter erbeten habe. a) Für unsere Sprache und Litteratnr. Es braucht keines Wortes weiter, daß die Erlösung des B o d e n s, die weiteste Ausdehnung und Blüte der Kolonisation, das Allerwichtigste für uns ist. Während aber die Colonisation sich nur sehr langsam und mühevoll emporschwingt, und ihr Gedeihen von Riesen-Kapitalien abhängig ist, können wir mit äußerst geringen Mitteln und fast ohne bedeutende Schwierigkeit von außen, auf dem Gebiete der Sprachbelebung und der Litteraturförderung geschichtlich bedeutende Resultate erzielen. Die Sprache wird mehr und mehr zum entscheidenden Merkmal der Nationalitäten. Was aber unser gutes Neuhebräisch betrifft, so kann es trotz aller anerkennenswerthen Anstrengung unserer besseren Schriftsteller, um

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