Selbst-Emancipation
- Journal
- Selbst-Emancipation
- Volume
- 1890
- Issue
- Heft 2 (16.4.1890)
- Date
- 1890-04-16
- Page
- Seite 6 (sequence 6)
- Language
- German
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welcher es fortan den Staatsbürgern. aller Conscffionm ans gleiche Weise gestattet sein solle, dem Vater lande als Offiziere ihre Dienste zu weihen. Es scheint übcrflüffig zu erklären,, daß in dieser Beziehung die kaiserliche Cabinetsordrc deutlich genug spricht. Und . doch haben sich wieder einige „judenfreundliche" . Blätter gesunden, die hinter dem Wortech r i st l ich — mau. höre und staune — nur den Ausdruck der Humanität suchen, welche ein Gemeingut aller Confessionen. sei! Also christliche Humanität haben wir. hartköpfigen Juden uns doch schon ungeeignet! Man kann sich bei solchen widersinnigen Worttüfteleien nur schwer entschließen ob man sie aus bloße Bornirtheit oder nicht vielmehr aus ein absichtliches Sandindieaugenstreucn, wie wir cs bei diesen, „judenfrcundlichen" Blättern gewohnt sind, zurückführen soll. Auf die Interpellation Bebels und Genoffcn in Betreff der Nichtzulassung jüdischer Referendare zum Wchtereide, wovon ich Ihnen bereits Bericht erstattete, gab der sächsische Justizministcr Dr. v. Abeken folgende, bezeichnende Antwort: „Ich habe im Namen der Regierung folgende Erklärung abzugcben: Die Verpflichtung eines Referendars auf den Nichtcreid macht sich nothwendig, wenn dcrfelbe zeitweilig zu richterlichen Geschäften verwendet . werden soll. Inwieweit dasbezüglich der Referendare - jüdischer. Confeffion zu geschehen hat und ob Jahresremunerationen zu bewilligen sind, darüber hat die.Anstellungsbehörde innerhalb der vom Gesetze vorgeschriebcnen Schranken zu befinden. Die Gründe, welche zu einer Ablchnung Vcranlasinng gaben und - auf die , Niemand ein Recht hat, sind weder dem Betheiligten selbst.mitzuthellen, noch einer öffentlichen Besprechung zu unterstellen. Die Negierung bestreitet, daß ihr Verfahren mit einem Reichsgesetz in Widerspruch steht und lehnt die weitere Beantwortung der Interpellation ab." . Ein Commentar ist überflüßig. Zioni. London, 5. April 1890. Unter der Ueberschrist: „Ansiedlung der Griechen in Klcinäsieu und der Juden im unteren Syrien" veröffentlicht der hier erscheinende »Spectator* einen Aufsatz, in welchem es u. A. heißt: „Die Einwanderung der Juden in das heilige Land ist quantitativ viel geringer, obwohl verhältnißmäßig schneller erfolgt, als die der Griechen im Norden der asiatischen Türkei. Ihre Anzahl beträgt gegenwärtig 35.000 Seelen, welche sich auf folgende 10 Städte vertheilen: Jerusalem, Saphed, Liberias, Jaffa, Hebron, Sidon, Haifa, Acco, Sichem oder Nablus und Gaza. . Doch ist in diese Ziffer die Menge vereinzelter- und kleiner Ansiedlungen nicht einbegriffen, - welche über das ganze Land verbreitet sind, sowie die jüdischen Colonieu, welche jetzt in größerer Anzahl vorhanden sind. Die Gesammtsumme beträgt sicherlich 40.000^ wahrscheinlich sogar <45.000;, dies bedeutet eine vierfache Ver- . mehrung seit der letzten Zählung vor 25 Jahren, .welche eine Anzahl von 10.000 Seelen ergab. Die- Einwanderung der; Juden verspricht in. Zukunft ein wichtiger Faktor zur Vermehrung derselben zu.werden. Aber weit mehr als Las Anwachsen der Zahl jüdischer Einwohner in Süd- Syrien dürfte der Umstand bemerkenswerth sein, daß die Juden beginnen, den Boden zu culüviren. Die Mischen Colonien, welche lange Zeit eine nur unsichere Existenz geführthatten, genießen jetzt' einen geordneten Zustand. Die Männer bewähren sich als tüdjtige: Landleute, da sie selbst die Arbeit verrichten, und der Ertrag ihres Bodens war im .letzten Jahre ein derartiger, daß sie von den bedeutendsten deutschen Ansiedlern bei Jaffa nicht übcrtroffen werden. Eine Aufzählung der Colonien wird ein Bild von dem Umfang, welche diese Bewegung annimmt, geben, wobei zn bedenken ist, daß es sich nur um einen Zuwachs der letzten zehn Jahre handelt, während welcher noch dazu die türkische Regierung der Gründung jüdischer Ansiedlungen die schwersten Hemmnisse entgegensetzte. Die erste und größte aller jüdischen Colonien ist die unter dem Namen »Pethach Tikwah« bekannte. Ihr gehören 300 Personen an, welche ein Terrain von 14.000 Duman bewohnen — ein Dunam ist etwa 900 Quadratmeter. Sie hat 101 thättgc Feldarbeiter, 107 Stück Vieh und eine Anzahl von Pferden. Ihre Weinberge sind gegenwärttg mit nahezu 50.000 Reben bepflanzt, die Olivengärten enthalten etwa 160 Bäume außer Fruchtbäumen anderer Art. — Die nächstwichtige Colonie ist »Sichrem Jakob« nahe bei Samaria. Sie ersttcckt sich über 10.000 Dunam, hat 550 Seelen (160. Feldarbeiter), 260 Stück Vieh, 30.000 Reben. Sodann kommt in Bcttacht »Rischon Lezion«, welche Colonie für die Nebcncultur von hoher Bedeutung ist und schon große Erfolge errungen hat. Die Ansiedler sind hier . 160 an der Zahl, aber sic haben eine verhältnißmäßig große Zahl von Erwachsenen, welche fast allesammt Arbeiter sind. Ihre Weingärten enthalten über 500.000 Reben, abgesehen von jungen Schößlingen^ die zur Erweiterung der Anpflanzungen eingesetzt wurden. Sie haben 3000 Oliven-, eine gleiche Anzahl von Mandelbäumen und 100 Stück Vieh. Die Juden dieses Landstriches zeigen eine besondere Befähigung für Wein- und Landbau. Die dem Umfange nach nächstgroßc Colonie ist »Maskereth Baitha« bei Ekron. Ihre Ausdehnung beträgt 5000 Dunam mit 181 Seelen, welche Plantagen mit 15.000 Bäumen, deren Zahl beständig wächst, und 130 Stück Vieh besitzen. Dann folgt »Rösch Pinah« mit einem Areal von 3600 Dunam und 178 Colonisteu, deren gegenwärtiger Besitz aus 250.000 Weinstöcken, 3000 Oliven-, 2500 Frucht- und 3000 Citronenbäumen besteht. Die Colonie »Gadara» erstreckt sich über 3600 Dunam und besteht aus 32 Ansiedlern. Nennenswerth sind noch die Colonien »Nachalath Reuben« »Jessud Hamaaloh» und »Jehudiye«. -— Dies sind die hauptsächlichsten Ansiedlungen der „Kinder Israel" im Lande ihrer Väter: Aber außerdem mögen noch vereinzelte Farmer in nicht geringer Anzahl auf palästinensischem Boden ansässig sein, wo vor noch nicht 20 Jahren die Idee eines jüdischen Ackerbauers oder Farmers nur Gelächter hervorgerufen hätte. Es verdient erwähnt zu werden, daß diese Colonien - ihre Entstehung keiner Liebeserweisung verdanken, denn außer in einem-Falle haben die Ansiedler keine Hilfe irgend welcher Art erhalten. Sie sind das spon kane Ergebnis; des von einer großen Zahl Juden des östlichen Europas gehegten Wunsches, nach dem heiligen -Lande als Landwirthe zurückzukehrei^ welche wohl wissen, daß sie nur in dieser Eigenschaft sich dauernd daselbst niederlaffen können. Sie gehören der besseren Classe au, was schon die bloße Thatsache beweist, daß sie sich der Beschäftigung mit dem Ackerbau widmen, und unterscheiden sich sehr wesentlich von den Wanderbettlern, welche in den Augen der meisten westeuropäischen Juden den Typus für diese Meuscheuklasse abgeben. Sie harren aus bei der Arbeit; der Hebräer, der einmal die Hand an den Pflug gelegt hat, will ihn nicht wieder ver lassen". St. Petersburg, 31. März 1890. Die Statuten des Vereines zur Unterstützung jüdischer Ackerbauer und Handwerker in Syrien und Palästina haben die Genehmigung der ruffischen Negierung erhalten, welche sich gegen Vereinsbildungen, besonders jüdische, sonst sehr ablehnend verhält. Es ist dies geradezu ein Ereignis für die russische Judenheit, im Besonderen, wie für die Judeuhett überhaupt, dem aber, der uns dazu verholfeu hat, Herrn AlexanderZederbaum, Herausgeber des hiesigen hebräischen Tageblattes „Hamelitz" gebührt mehr als Dank und Anerkennung. Die Colonisattonsbewegung, welche unter den russischen Juden tausende und abertausende Anhänger zählt, aber bisher unter dem Mangel ein.es öffentlichen Vereines ungemein litt, hat von dem neuen Vereine viel zu erwarten. Es ist eine oberste Leittmg für die Bewegung geschaffen, und alle die Nachtheile, worunter besonders die den Zionsfeinden gebotene Handhabe zum Gemunkel über die Verwendung der Gelder und in Folge dessen das schwächere Fließen der Letzteren, sind aus der Welt geschafft. Um die epochale Bedeutung des neugegründeten Vereines zn würdigen, muß man bedenken, daß wir russische Juden ja die Hauptinasse , der Zionsfreunde liefern und allein von allen unfern Stammesgenossen mit der Palästinaiden seit Jahren-bekannt und vertraut sind. Wer hätte aber, nachdem wir in unseren Bestrebungen-gehemmt waren, und die Freunde Zions außerhalb Rußlands verhältnißmäßig noch wenig zahlreich sind, die Sache leiten sollen. Es wird Ihre Leser wohl interessiren, einige Paragraphe der Statuten des neugegründeten Vereines zu hören. § 1) Der Verein : verfolgt nur den wohlthätigen Zweck, Juden, die sich in Syrien und Palästina niederlassen, um dort von ihrer Hände Arbeit (namentlich vom Feldbau) zu leben, zu unterstützen. —.§ 2) Zur Erreichung dieses Zweckes gibt der Verein den Ansiedlern,, die ihr Leben der Arbeit und namentlich dem Feldbau widmen, Unterstützung an Geld, Ackergeräthen und Werkzeugeil. Anmerkung: Der Verein schränkt seine Thätigkeit nach dem Wortlaute der W 1 und 2 ein; er hat kein Recht, Personen zu unterstützen, welche sich noch nicht in Syrieil und Palästina niedergelaffen haben, son- . deru erst behufs Colonisatton dahin auszuwandern beabsichtigen und ihnen die Reisespesen zu geben; .auch umsoweniger ist er berechtigt, eine Massenauswanderung der-Juden nach Syrien und Palästina zu fördern. — § 8) Die Geschäfte des Vereines werden 1.) durch die Plenarversämmlung, 2.) durch das Comitd besorgt. — § 14) Der Sitz des Comitds befindet sich, in Odessa. — Zum Schlüsse sei die. Hoffnung ausgesprochen, daß der neue Verein sich bewähren und unserem Volke Segen bringen werde. Josef.