Selbst-Emancipation
- Journal
- Selbst-Emancipation
- Volume
- 1890
- Issue
- Heft 2 (16.4.1890)
- Date
- 1890-04-16
- Page
- Seite 3 (sequence 3)
- Language
- German
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Selbst-Emancipation. Seite 3. Nr. 2. mehr als eine Art opportunistischer Schlauheit ganzen Grellheit erfaßt und nur die oberfiächnicht aufhören wollen, ihnen zu schaffen hinzustellen. Was besonders die liebenswürdige lichsie Betrachtung kann da noch im Zweifel sein, zu geben? Ansicht von unserer Ehrlichkeit betrifft, so haben Es gibt aber eine ganz eigenthümliche Art, den Will man diese Weise, die Dinge zu bewir darüber weiter kein Wort zu verlieren; denn Berührungspunkt zwischen Antisemitismus und trachten, reines, edles Ehrgefühl nennen, dann erstens konnten wir ja von dieser Seite keine Nationaljudenthum gegen das letztere in's Feld freilich hätten wir weiter nichts zu sagen, vorurtheilslosere Beurtheilung erwarten und zweizu führen, — eine Art, die schon wegen der Unser Standpunkt bedeutet in Wahrheit kein tens ist uns das nutzlose Geplänkel mit dem Häufigkeit ihres Vorkommens besonders erwähnt Zurücklveichen, vielmehr ein Vorivärtsschreiren Antisemitismus, wie es jetzt Mode geworden ist, zu werden verdient. Non einem Ehrenstandpunkte zur positiven That, die sich um Gekläffe nicht in der Seele zuwider. Dagegen inüssen wir auf gewiffermaßen wird die jüdisch-nationale Lehre flimmern will und das nutzlose Entgegenkläffen die von dem judenfeindlichen Blatte hcrvorgeein Zurücklveichen vor dem Ansturm des Antiverdammt. Der beleidigendeCharacter hobene Analogie zwischen seinen und unseren Tensemitismus genannt. „Man verweigert Euch die des Antisemitismus liegt nicht dadenzen etwas ausführlicher zurückkommen, um Aufnahme in die einzelnen Nationen Europas rin, daß er in uns eine Nation sieht einerseits unserer Pflicht, nach jeder Richtung und Ihr verzichtet darauf; man will Euch los sondern bloß darin, daß er hin den Standpunkt unseres Blattes zu präcisircn, werden und Ihr wollt den Judenfeinden auch dieser unserer Nation die verwerfi gerecht zu werden, und andererseits unausblcibwirklich den Gefallen thun, den Platz zu räumen", lichsten Eigenschaften zu schreibt lichen Entstellungen unserer Ansichten von stamsolche Naisonnements werden oft genug gehört, und andichtet und für diesen Theil der mesgeilössischer Seite zuvorzukominen. Nun, wir sind die Letzten, welche stolzes antisemitischen Lehre können lvir, nachdem wir so Unsere nationäljüdische Anschauung deckt sich Ehrgefühl nicht zu würdigen verstünden, aber wir oft von der Unüberzeugbarkeit der arischen Welt — wir zögern keinen Augenblick, cs zuzugcbcn erinnern daran, daß oft männliche Beharrlichkeit uns überzeugt haben, nichts anderes haben, als — in einem Punkte mit der Lehre des Antisczu sein vorgibt, was in Wirklichkeit kindischer die stolzeste Verachtung und den Wunsch, es mitismns, — und dieser Punkt ist die Annahme Trotz ist. Da fällt uns ein altes Sprichwort des möge die Zeit kommen, wo wir weniger auf die einer eigenen jüdischen Nationalität oder anders Jargon-Jüdisch ein, welches wir in seiner gangnädige Gastlichkeit und das Urtheil der Söhne ausgcdrückt, die Leugnung der Berechtigung und zen gereimten Derbheit nicht wicdergeben wollen, Japhets angewiesen sind. Solange aber diese Möglichkeit der Assimilation. Aber von diesem vielmehr folgendermaßen in's Hochdeutsche über- Zeit nicht da ist, geben auch lvir kein Jota von einen Punkte aus, in welchem die beiden Ansetzen möchten: dem freilich nie anerkannten Ansprüche auf, der schauungcn des Nationaljudenthuins und des Ich leide gern' das Fieber ims als Menschen und Gliedern eines Volkes Antiseinitislttus nach'dem alten Sprichworte: „Die Wenn Du dich ärgerst d'rüber, zukommt. Gegensätze berühren sich", von verschiedenen Aus- Ei, was braucht es uns zu kümmern, daß Warum sollen denn gerade die Juden mit gangspunkten kommend, zusammentrcffen, gehen die im Osten lebenden neun Zehntheile der Inihrem Volksthum die Gleichberechtigung erkaufen sie wieder nach verschiedenen Richtungen unenddenheit im traurigsten Elend schmachten, indem müssen, warum soll gerade ihnen zur Sünde angelich weit auseinander. sie neben haarsträubender Armuth auch noch die rechnet werden, was bei anderen als Tugend ge- Haß und Verachtung sind das drückendste Knechtung zu ertragen haben; was priesen wird? Durch die Anerkennung unserer „Woher" und dumpfe, sch mach schwüle geht es uns an, daß das übrige Zehntel eine Nationalität leisten wir ganz und gar nicht dem Ghettoluft ist das „W o h i n" des Scheingleichheit genießt, die, auch bloß eine Antiseinitismus Vorschub, ivie nian so oft sagen An ti s e m i t i sm u s; L.ie be und Selbst- Treibhauspflanze, dem Verwelken so naheist; und nachbeten hört, wir suchen nur die bösen achtung dagegen sind der Ursprung überhaupt, was soll uns das scheeren, daß un- Folgen endlich dauernd zu paralysiren, welche und freie r u h m e sh eit er e Heimatsser ganzes Volk mit dem Kainszeichen der unausrottbare, stets neu aus dem Strome tust ist das Ziel des Nationaljudender Verachtung auf der ruhmgekrönten der Geschichte emportauchende Judenhaß seit Jahrthums. Stirne, eine Carricatur seiner selbst, tausenden über uns bringt. Und es ist Dieser Gegensatz ist so stark, daß ein einschachernd durch die Welt hausirt — wenn überhaupt eine Kurzsichtigkeit ziger über die Schranken assimilatorischer Vornur den bösen Antisemiten die grüne sondergleichen, wenn man dem urtheile sich hinwegsetzender Blick ihn in seiner Galle darüber in's Gesicht steigt, daß wir Judenhaß ein Herz zumuthet, durchwegs von russischen Juden besetzt, von Leuten, Gegend Palästina's, jenseits des Jordans, zwischen wohnt waren, welche Jahrzehnte hindurch welche cnltivirter und geistig entwickelter sind, den Seen Genczareth und Merom. Der Boden ist durch die „Chalukah" ihr kümmerliches Dasein während Galiläa von rumänischen, mehr matehier besonders fruchtbar und wasserreich; ungeheuer fristeten, entschlossen sich endlich dieser elenden rialistischen und weniger cultivirten Juden gegroße Wiesen und Weiden bedecken die ganze Existenz zu entsagen, um ein neues, freieres und wählt wurdet) Landschaft, das Klima ist sehr mäßig und die unabhängiges Leben zu beginnen und sich selbst Wiewohl diese beiden Gruppen nur circa Erde ungemein billig, — 2 bis 3 Francs kostet der durch eigenes Mühen das tägliche Brod zu er- 100 Kilometer von einander entfernt sind, so Dunam. Allein die völlige Abwesenheit des euroiverben. Sie wählten nun den Ackerbau zu ihrer dauert doch die Fahrt zu Lande dahin mehr als päischen Lebens, die weite Entfernung von einem Beschäftigung, und zwar beschlossen sie eine Co- 24 Stunden, weil es dort keine geordneten Wege Hafen, die unbefahrenen Wege und endlich die lonie jenseits des Jordans zu gründen. Niemand gibt, die man mit einem Wagen befahren könnte. Nachbarschaft der nomadischen Beduinen — dieses getraute sich aber, am Anfänge an die Möglichkeit Ucberall sindet man nur Fußpfade und Felsenalles erschwert vorläufig die Colonisation der Ausführung eines solch' kühnen Entschlusses klüfte,' auf denen man auch auf einem Maulthier durch europäisch-jüdische Einwanderer. Dagegen zu denken. Denn wo sollten diese armen Teufel, oder einem Esel nur schwer reiten kann, so daß ist aber diese Gegend zur Colonisation durch die beidenen ein Piaster (10Kop.) ein ganzes Vermögen dieser Weg dem Unbekannten ungeheuer große eingeborenen Juden, welche die Bequemlichkeiten war, das nöthige Capital hernehmen, um blos Schwierigkeiten bietet. Man zieht es daher stets des europäischen Lebens nicht kennen, der arabischen bas Nothwe ndigste für ein solches Unternehmen vor, die Reise zur See von Jaffa nach. Chaifa Sprache kundig und gewohnt sind, getrennt von sich zn verschaffen? Womit sollten sie den Boden und umgekehrt zu machen. Die Fahrt von Jaffa der. übrigen civilisirten Welt zu leben, besonders bezahlen, von allen anderen Einrichtungen und nach Chaifa dauert nur 8 Stunden, und von geeignet. Die Thatsachen bestätigten auch hier Geräthschaften schon gar nicht zu sprechen? Und Chaifa bleibt dem Reisenden nur noch ein kleiner diese Voraussetzung: 40 junge jüdische Faniilien doch gelang es diesen Armen und Unglücklichen Weg bis zu den Kolonien. ' aus den Ureinwohnern der Stadt Zephat (Saffed) durch Energie und Ausdauer das anscheinend Un- Außer den beiden erwähnten und noch näher in Galiläa, ungefähr 8 Stunden vom Genezarethmögliche möglich zu machen. Sie fingen mit der zu besprechenden Coloniengruppen finden wir See, faßten zuerst den Entschluß, den Grundstein Sparsamkeit an, versagten sich fast die nothwennoch einen Keim von Colonisation in einer dritten zur transjordanischen Colonisation zn legen. Leute, digften menschlichen Bedürfnisse und verzehrten *) Wir übernehmen für diese Unterscheidung des welche von ihrer frühesten Jugend auf Kosten von ihrem Antheile an der Chalukah nur soviel, geehrten Vortragenden keine Verantwortung. Die Red. ihrer außerpalästinensischen Brüder zu leben geals ihnen nothwendlg schien, um nicht zu ver-