Selbst-Emancipation
- Journal
- Selbst-Emancipation
- Volume
- 1886
- Issue
- Heft 11 (6.7.1886)
- Date
- 1886-07-06
- Page
- Seite 7 (sequence 7)
- Language
- German
- Belongs to
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Nr. II Selbst-Ei» an cipatron! verabschiedete sich Josef in herzlichster Weise von der Familie. - „Er war heute besonders freundlich mit Dir," sagte nach seinem Weggehen die Mutter zur Tochter. - »Ja, ja, er ist ganz verliebt in mich. Auch -gefällt er mir nicht schlecht, wiewohl ich sonst -für unsere jüdischen jungen Leute nicht sehr eingenommen, bin und mir freilich' der Officier der königlichen Leibwache, der schöne Nebusasban -lieber wäre, wenn er nur mehr Ernst machen Die Eltern nickten pflichtschuldigst Beifall .zu den klugen Worten des Töchterleins. (Fortsetzung folgt.) Fort, fort! Aus dem Jargon des A. Goldfaden, übersetzt R. St-th in Odessa. ^erachtet, verkannt, verstoßen, verbannt Zur Sühne uralter Sünd', So wandert einher Durch Länder und Meer', vom Vater verlassen, ein Kind, wrgenüs lang weilen, Jmmep nur eilen, schutzlos fein Leben, fein Gut; Ob spät, ob früh, Darf ruh'n es nie, Den» sein Name — sein Name ist „Iud". „O, schenkt endlich Ruh' mir als theuersten Schatz, Laßt rasten mich da oder dort!" „Nein, weiter I nur weiter! hier ist kein Platz, weg, Jude I Fort mit Dir, fort!" Seit frühesten Jahren -Umringt von Gefahren; vor Amalek oft hat er gebebt. And Perser, und Meder? — Line blutige Feder - Erzählt, was da er erlebt. In Spaniens Flure» Ließ er blutige Spuren, Nicht besser erging's ihin in Rom: Auf die Folter gespannt, Gerädert, verbrannt. Geschleudert in den reißenden Strom. And floh er entsetzt, pocht' anderwärts an. Sucht' anderwärts Schutz fich und Hort, „wer bist Du? Was willst Du?" hört er alsdann, „Fremdling Du, fort mit Dir, fort I" „Fremd mein Gesicht, Doch paßlos nicht! Ich besitze so manch' Document, Stets giltig, bewährt, von Luch, hochgeehrt. Die Bibel, das alt' Testament I Im Schatten der Palmen Gedichtete Psalmen Lind auch Luch gar wohl bekannt. D'rum, gut oder schlecht! Ich besitze das Recht, Zu weilen in Lu'rem Land." „Das wär' Alles richtig, das wäre schon gut. Doch „Israel",-lautet es dort, „Dich aber ja nennt alle Welt den „Iud". Dich kennen wir nicht, d'rum fort!" ^.G, lasset mich ein l - Will nützlich Luch, sein, will schaffen mit Liebe und Lust; Mein Kopf birgt verstand, Ausdauer die Hand, warm schlägt mein Herz in der Brust." „Dies Alles in Lyren! Doch können entbehren Dich leicht wir und ohne Müh'. D'rum; Redens genug. Greif' wieder zum Pflug, Wie einstens weid' Schafe und Vieh." „vom Alter gebeugt, vom Sturme gejagt Durch Jahrtausende von Ort zu Ort; Welch'Wunder, wenn nun mir die Kraft versagt?" - „Ausflüchte sind's, d'rum fort mit Dir, fort l" „Wie soll ich hinaus Bei nächtlichem Graus? G, wartet, bis anbricht der Tag I Die Sonne allein Mit mächtigem Schein Das Dunkel zerstreuen vermag. Bei ihrem gold'gen Licht Erscheint mein Gesicht Nicht fremd mehr, noch unbekannt. Lin Erinnerungsstrahl „ Luch sagt, daß einmal Auch ich hatt' eine Heimat, ein Land. Und wenn auch so lange vrrbannet mich hak Mein Vater, doch hör' ich sein Wort; Das ruft: „genug"; die Stunde — sie naht, Wo Du nicht mehr hörest: „Fort, fort!"" ES ist noch gar nicht lange her, daß ein jeder westeuropäische Jude, wenn er die holprigen, ächzenden Laute jenes seltsame» Mlschdlalectes vernahm, der die Muttersprache von Millionen unserer StammeSgenossen bildet, mit Verachtung sich abwandte von den Sprechern diese» Idiom» und seine Ohren verstopfen zu müssen glaubte, um diese Mißgeburt von einer Sprache nicht zu hören. ES ist jetzt wenigstens in einem beträchtlichen Thei le des die europäischen Sprachen gebrauchenden Juden anvers geworden. Die nationaljüdisch Gesinnte haben es gelernt, in dem Jargon ein getreues, sprachliches Bild des jüdischen Nationaleleuds zu sehe», und ähnlich, wie sich der Mensch an seine Leiden gewöhnt und sie in gewissem Sinne li-b gewinnt, dabeu die Nationaljuden die verdorbene», verschobenen Laute des Juden deutsch schätze» gelernt. Ist ja in dieser Sprache die lange traurige Geschichte des ewig wandernden Volkes niedergelegt, drückt sich ja in ihren gebrochenen, aber so anheimelnd klingeudeii Worten und Sätzen das durch manche tröstliche Erscheinungen erhellte Dulderwehe des Ghettoschicksales aus. ist sie ja die Sprache, in welcher Vierfünftel unseres Volkes ihre schönsten Gedanken und ihre herrlichsten Gefühle zum Ausdruck bringen, ist sie ja ein Dialect dessen sich eine erst feit einigen Jahrzehnten anerkannte nnd geschätzte Volkhpoesie bedient. Für das Wohl ihres Volkes begeisterte Männer haben daher auch frühzeitig erkannt, daß man, um zu dem Volke zu gelangen, in dessen Sprache sprechen müsse und so ist seit einer Reihe von Jahren eine aroße Jargon-Literatur (Publicistik, Belletristik, Lyrik) entstanden. Unter den Jargonpoeten speciell ist der Verfasser de» obigen von einem unserer Gesinnungsgenossen in's Hochdeutsche übertragenen Gedichtes. nämlich A. Goldfaden, einer der weitaus begabtesten und berühmtesten. Herzens pochen. «rüde ist mein Auge, Trüb' von heißen Thränen, Bange pocht mein Herze, Zioir ist mein Sehnen. Durch der Nächte Dunkel Bleibt mein Auge offen, Lauter pocht mein Herze, Zion ist inein Hoffen. Auch, des Tages Helle Kann nicht Ruh' mir schenken, Stärker pocht mein Herze, Zion ist mein Denke». Und so xocht das Herze Mir durch's ganze Leben, Immer laut und lauter, Zion ist mein Streben. Und so wird mein Herze, Bis mein Blick gebrochen — Denf ich Zion dein l — Immer stärker pochen. Lingesendst. Zkttm Misch« jung« Damit „Miljai" in Dm. Sonntag, den 11. Juni 188«, Nachmittag» um 3 Uhr, findet bei Frau Freuder, II. Große S ch i f s g a s s e Nr. 30. 2. Stock. Thür 19'/,. -in» Plenarversammlung statt, bei der da» Erscheine» aller geehrte» Mitglie. der unbedingt und dringend nothwendigist. Wien, am Die vereinsleit»«-. 23. Sivau 5848. 1. Juli 1888. gkktlL Mischer Mg« Mll»rr „Mallst'. Die Leitung des Vereines jüdischer junger Männer „Zukunft" erlaubt sich, die Mittheilung zu machen, daß im VereinSlocale, II. Herminen gaffe 10, folgende Vorträge stattfinden werde»: Samstag, am 3. Juli l.J. um halb 8 Uhr Ab-ndS: „Ueber den Mystiei». muS im Judenthume im Vergleiche z» dem bei anderen Völkern" (2. Theil) von Dr. H. M o n a t h. — Samstag, am 19. Juli l. I., um halb 8 Uhr Abends: „Ueber den Nationalcharakter des j ü d i s che n V o l k e »* (Zeitfrage) von I. Kopelowitz, stuck, pdil. Außerdem findet allwöchentlich zweimal, und zwar Montag und Donnerstag im BereinSlocale. u« halb 8 Uhr Abends Unterricht I» der hebräischen Sprache statt. Gegenstand des Unterrichtes, Jefaia», 2. Theil. Uebersetzung. Erklärung und sprachliche Erörterungen. Schließlich bringt die VereinSleitung noch zur Keuntulß, daß Sonntag am 4. Jitli l. I. ein Ausflug der VereiuSmitglieder nach Greisenstein stattfinden wird. Rendezvous: DampfschisssahrtS-Station Stephaniebrücke» halb 2 Uhr Nachmittags. Bel ungünstiger Witterung Sonntag den il. Juli. Für die VereinSleitung: stuck, zur. A. Salz, Ja«. Seidl, dz. Bereiniletter. SchriMhrrr- . 25. Siwan 5646. Wien, den Ju„i isss. Arreill sir Mimische Diffeaschasteil, Geselligkeit mV Nlltnlilltzllllz „Ohwe Israel.“ Bei der am 28. v. M- und am 3. d. M. statt» gesundeneu Generalversammlung ist eine Neuwahl der VereinSleitung vorgenommen worden, bei welcher neuerdings «in provisorisches Comitck, bestehend au» neun Personen gewählt wurde, und zwar die Herren A. Seelenfreund (Obmann), Mori, GlogaN und Moriz B a r u ch (Obmann-Slellvertreter). Othmar Wertheimer, Emanuel F r i s ch e r und Elia» W o l f e r (Schriftführer), Josef Mond (Lassier), Moriz Fraukmann und Ludwig G u ttma n n. Der freiwillige Beitrag zum Unterstützung»» fände wurde auf mindesten» 10 kr. per Monat festgesetzt. — Ferner wurde eine Aenderung de» 8 1 der Statute» beschlossen und wird derselbe nach erlangter Genehmigung der Staithalterei lauten:. „Der Berel» heißt: „Israelitischer Freundschnst»bund aOIava I'arae-1“*. AuSschußsitzungenfinden regelmäßig jeden Dirns«! tag Abend» um 8 Uhr im VereinSlocale, in Fischer'» j Restaurant, II. SchiffamtSgasse Nr. 28 statt, bei welcher